Baden-Württemberg: Grüne Landtagsfraktion verabschiedet Positionspapier zum Umgang mit dem Wolf

“Bei auffälligen Wölfen ist ein schneller und unbürokratischer Abschuss nötig – oberste Priorität hat der Schutz von Menschen und Weidetieren”

Der Wolf ist zurück. Die Grüne Landtagsfraktion in Baden-Württemberg sieht es als zentrale Aufgabe, Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter sowie die Landwirte im Land bestmöglich dabei zu unterstützen, sich für die neue Herausforderung zu wappnen. In einem Positionspapier „Wölfe und Herdenschutz in Baden-Württemberg“ befürworten die Grünen unter anderem einen umfassenden und flächendeckenden Herdenschutz, eine landesweite und zielgruppengerechte Beratung sowie das Einführen eine Wolfsverordnung. Diese soll Rechtssicherheit schaffen, wenn es etwa um Schadensausgleich bei gerissenen Tieren oder den Abschuss problematischer Wölfe geht. Gleichzeitig wollen die Landtagsgrünen durch Information und Kooperation Akzeptanz für die streng geschützte Tierart Wolf schaffen und Ängsten in der Bevölkerung entgegenwirken.

Die stellvertretene Fraktionsvorsitzende Thekla Walker betont die besondere Rolle der Weidetierhaltenden für Baden-Württemberg: „Sie sind es, die unsere wertvollen Kulturlandschaften pflegen und erhalten. Diese Leistung muss uns etwas wert sein.“ Erste Herdenschutzprojekte wurden bereits 2014 initiiert. Das Positionspapier sieht nun in einem „Managementplan Wolf“ eine Optimierung und Koordinierung zahlreicher Maßnahmen vor.

Dazu zählt die Weiterentwicklung des Wolfs-Monitorings unter Einbeziehung von Jagd und Naturschutz. „Denn es geht darum, die Entwicklung des Wolfes in Baden-Württemberg genau im Blick zu behalten“, sagt Thekla Walker. Die Möglichkeiten, Schafe, Ziegen oder Rinder besser zu schützen – auch in topografisch schwierigen Lagen, sollen gestärkt werden. Unter anderem geht es darum, den Einsatz von Herdenschutzhunden und Weidezäunen landesweit zu unterstützen. Auf EU-Ebene wollen sich die Grünen dafür einsetzen, dass künftig auch schon die Arbeitskosten zur Prävention gefördert werden. Vom Bund fordern die Grünen eine Anpassung der Tierschutz-Hundeverordnung, damit die praktische Arbeit mit Herdenschutzhunden ermöglicht wird.

Bei auffälligen Wölfen ist ein schneller und unbürokratischer Abschuss nötig, heißt es im Positionspapier. Thekla Walker betont: „Oberste Priorität für uns hat der Schutz von Menschen und Weidetieren.“ Vor diesem Hintergrund sei eine Aufnahme des Wolfes ins Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) nicht zielführend. Damit wären zwei Rechtskreise – nämlich Naturschutzrecht und Jagdrecht – beschäftigt, verbunden mit ungewollten Verzögerungen.

„Wir Grünen sind sowohl mit den Landwirten, den Schäferinnen und Schäfern als auch den Naturschützern eng verbunden. Wir haben uns Zeit genommen, nach Lösungen zu suchen, die für beide Seiten tragfähig sind“, erklärt Fraktions-Vize Walker. Dem Positionspapier vorausgegangen waren zahlreiche Fachgespräche mit Wissenschaft, Wolfsexpertinnen und -Experten, Weidetierhaltenden oder Jägerinnen und Jägern. Außerdem informierten sich Abgeordnete bei mehreren Exkursionen in den „Wolfsbundesländern“ Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt, außerdem in der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes (DBBW) sowie in der Schweiz und in Frankreich. Erfahrungsaustausch und die Abstimmungen untereinander sollen intensiviert werden. PM Grüne BW

Beitragsbild: Von Wolf gerissene Schafe. Foto: SE

2 Gedanken zu „Baden-Württemberg: Grüne Landtagsfraktion verabschiedet Positionspapier zum Umgang mit dem Wolf

  1. Andrea Seiler

    Auffällige Wölfe. Aha. Das ist doch der gleiche schwammige Begriff wie der berühmte Problemwolf. Wenn da auch erst Wochen abgewartet werden, bis ein genetischer Nachweis kommt, und dann derjenige Wolf ‘nachweislich mehrfach eine geschützte Herde angegriffen’ haben muss, das macht niemand mehr mit.

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