Baden-Württemberg: Angeschossener Keiler verletzt Nachsuchenführer schwer

In der Nacht von Sonntag auf Montag zwischen ein und zwei Uhr früh hat ein Jäger in einem Waldgebiet bei Jungingen (Zollernalbkreis) einen Keiler angeschossen. Der Schütze, der aus dem anspielungsreich benamsten Killertal stammt, hatte zuvor bereits eine weitere Wildsau auf den Getreide- und Maisfeldern, in den Wildschweine massiv zu Schaden gehen, erlegt. Im Gespräch mit JAWINA schilderte einer der an der Nachsuche beteiligten Hundeführer, dass zunächst ein Terrier auf den Keiler gehetzt wurde, ihn hochmachte und die Fluchtstrecke erhöhte.

Bei einer ersten Nachsuche am nächsten Morgen (Montag) wurde der Hundeführer nach drei Fehlschüssen im dichten Unterholz des Junginger Waldes von dem Keiler angenommen und schwer geschlagen. Der Mann erlitt mehrere tiefe Fleischwunden und Prellungen und musste mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht werden. Im Polizeibericht hieß es zwar, der Jäger sei nicht lebensgefährlich verletzt, doch Augenzeugen zufolge könnte es sich dabei um eine Fehleinschätzung gehandelt haben: Demnach ist der Schütze an dem attackierenden Keiler “hängen geblieben”. Die Blutgefäße in den Oberschenkeln seien stark in Mitleidenschaft gezogen worden, weshalb der Verletzte beinahe verblutet sei. Glücklicherweise gab es in dem Gebiet Mobilfunkempfang. Als der Verletzte den Schützen, der in einigem Abstand gewartet hatte, telefonisch mitteilte, dass es ihm sehr schlecht gehe, rief dieser den Rettungsdienst.

Als problematisch erwies sich wieder einmal, dass der Verletzte seinen Standort nicht genau angeben konnte, weshalb der Südwestpresse zufolge Suchmannschaften aus Bergwacht und Feuerwehr gebildet wurden, die den Nachsuchenführer zum Glück schnell fanden. Auch der Bayerische Gebirgsschweißhund (BGS) des Mannes wurde von dem Keiler geschlagen und verletzt (“beide Keulen offen”).

Am Dienstag Morgen gegen 6 Uhr trafen sich Nachsuchenführer der Schweißhundestation Schönbuch zu einer weiteren Nachsuche. Um 6.30 waren zwei Gespanne, die von fünf weiteren Jägern unterstützt wurden, am Anschuss. Gegen neun Uhr nach zirka fünf Kilometer Riemenarbeit zeigte der BGS des Nachsuchenführers an, dass der Keiler in einem Schwarzdornverhau steckte. Der als Beihund mitgeführte Terrier wurde voran geschickt. Als der Terrier keinen Laut gab, ging der Nachsuchenführer davon aus, dass es sich um eine Totsuche handle und begab sich in den Dornenverhau. Er fand das Stück verendet vor. Es handelte sich nicht um “ein sehr, sehr starkes Tier”, wie es in Medienberichten geheißen hatte, in denen auch von einem 130-Kilo-Keiler die Rede war. Das Wildbretgewicht des Stücks schätzte der Hundeführer auf 80 Kilogramm. Der Keiler hatte einen Schuss, der Treffer saß tief weidwund. SE

Beitragsbild: Nachgesuchter 80-Kilo-Keiler (Symbolbild)

6 Gedanken zu „Baden-Württemberg: Angeschossener Keiler verletzt Nachsuchenführer schwer

    1. Anko

      Sie kennen weder die Sicht- noch Schussverhältnisse vor Ort, kranke Sauen liegen auch selten auf offenen Acker.

      Zu fragen wäre eher, warum er vom verursachenden Schützen nicht begleitet wurde.

      Dem Nachsuchenführer wünsche ich gute Genesung!

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  1. Paul Hansen

    Ich kann nur jedem Jäger, Sportschützen, Wanderer, etc. dazu raten sich mit dem Thema Erste-Hilfe zu befassen, ein Päckchen mit geeigneten Material zusammen zu stellen und mit diesem auch zu trainieren.

    Insbesondere zum Thema Blutungen stillen, Atmung und Herz-Kreislauf.

    Das müssen ja nicht mal so spektakuläre Fälle wie oben beschrieben sein, an die man denken sollte.

    Mit der Axt ins Bein abgerutscht. Vom Hochsitz gestürzt mit einer offenen Beinfraktur…schwere Blutungen und kein andere Mensch in der Nähe.

    Wer jetzt nicht in der Lage ist diese Blutungen durch einen Druckverband bzw Abbinden zu stillen (Stichwort tourniquet, Israeli Bandage), stirbt.

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  2. Felix

    Ich appelliere an dieser Stelle einfach mal an die Minister im Land- und Forstwirtschaftsministerium sich dafür einzusetzen, dass bei der Nachsuche die 3 Schuss Regelung bei Halbautomaten aufgehoben wird!
    Außerdem wünsche ich dem Verletzten beste Genesung

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  3. Mikosch

    …so etwas kann passieren! Da ist kein Gespann dagegen immun. Daher gute Genesung den beiden. Da jeder halbwegs begabte Hundeführer weiß, dass Halbautomaten bei Nachsuchen nichts zu suchen haben, erübrigt sich jeder weitere Kommentar zum Versuch hier eine Diskussion darüber anzustiften.

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    1. Anko

      Woher meinen Sie zu wissen, was “jeder halbwegs begabte Hundeführer” wissen würde?
      Und woher wissen Sie, dass das auch richtig ist? Lassen Sie doch einfach die wählen, die es betrifft.

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