Backhaus: Aufnahme von Wolf und Biber ins Jagdrecht hebt Schutzstatus nicht auf

Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern wurde heute auf Antrag der AfD die Aufnahme des Wolfes und des Bibers in die Liste des jagdbaren Wildes diskutiert. Dazu nahm Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus wie folgt Stellung: „Eine Aufnahme in das Jagdrecht würde am Schutzstatus einer geschützten Art nichts ändern. Das gilt für den Wolf genauso wie für den Biber. Ändern und verkomplizieren würden sich nur die Zuständigkeiten. Der Wolf unterstünde dann der Hege und Pflege der Jägerschaft und dürfte aufgrund seiner ganzjährigen Schonzeit trotzdem nicht bejagt werden. Vor diesem Hintergrund frage ich mich ernsthaft, worin der Mehrwert einer Aufnahme in das Jagdrecht liegt.“

Für die Jägerschaft bedeute die Aufnahme ins Jagdrecht eine Reihe zusätzlicher Aufgaben: Monitoring der Wolfspopulation, Markieren/Besendern, Aufnahme verletzter Exemplare, Seuchenbekämpfung, Erschließung von Finanzquellen für Forschungsprojekte, Ausgleichszahlungen für Schäden, Information der Öffentlichkeit usw. „Der Landesjagdverband hat mehrfach öffentlich betont, dass er einer Aufnahme eben aus diesen Gründen skeptisch gegenübersteht“, so Backhaus.

Mit dem ‚Managementplan für den Wolf in Mecklenburg-Vorpommern‘, der von Landwirten, Jägern und Naturschützern hoch anerkannt ist, habe das Land seit 2010 eine wichtige Grundlage für den Umgang mit dem Wolf geschaffen: „Natürlich ist auch klar, dass unsere Arbeit damit nicht beendet ist. Gerade mit Blick auf die stetig anwachsende Population – beim Wolf und beim Biber – müssen wir unser Handeln immer wieder hinterfragen und an aktuelle Entwicklungen anpassen“, räumte der Minister ein.

Auf der Umweltministerkonferenz im Dezember in Berlin habe er sich deshalb beim Wolf für populationsbezogene Betrachtungen eingesetzt. „Wir haben die Bundesregierung aufgefordert, bis Herbst 2017 entsprechende Daten vorzulegen. Es geht darum, eine Population zu definieren, die der Raum verträgt. Und es geht darum, dem subjektiven und dem praktischen Sicherheitsbedürfnis gerecht zu werden. Wenn es Konfliktsituationen mit verhaltensauffälligen Wölfen oder Hybriden gibt, können wir schon jetzt Maßnahmen einleiten und einen Wolf auf Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes oder des Sicherheits- und Ordnungsgesetzes töten.“

Auch beim Biber bestehen gemäß Bundesnaturschutzgesetz (§45 Abs. 7) Ausnahmemöglichkeiten, um erhebliche wirtschaftliche Schäden abzuwenden oder die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. So können beispielsweise Biberdämme entfernt oder Tötungen vorgenommen werden, zuletzt geschehen im Falle des Elbehochwassers, als Hochwasserschutzdeiche gefährdet waren und damit Gefahr für Leib und Leben bestand.

Für die Aufnahme in die Liste jagdbaren Wildes sei der Biber aber ebenfalls nicht geeignet. Die Art unterliegt – ebenso wie der Wolf – der FFH-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG). „Für den Biber ist daher ein flächenhafter Schutz zu gewährleisten“, so Backhaus. Aus einer allgemeinen Ausnahmeverordnung, wie sie in Brandenburg und Bayern besteht, ergibt sich jedoch „kein spürbarer Mehrwert“, da sie die Schutzbestimmungen innerhalb von Naturschutzgebieten, Nationalparks oder NATURA 2000-Gebiete nicht außer Kraft setzt. Auch mache die Verordnung konkrete Einzelfallbefassungen nicht entbehrlich, da diese im Bundesnaturschutzgesetz festgeschrieben sind. PM

Beitragsbild: Biberschäden in Brandenburg. Foto: SE

11 Gedanken zu „Backhaus: Aufnahme von Wolf und Biber ins Jagdrecht hebt Schutzstatus nicht auf

  1. Helmuth Meixner

    Sieht man die Aufnahme von den angefressenen Bäumen durch Biber, so kann man darüber nur ungläubig stauen.
    Im Zeitalter in dem man fernste Himmelskörper mit Sonden erforscht, hat man immer noch keine Ahnung von Wildtieren und zieht die selben “Register”, wie im Mittelalter.
    Ich bleibe beim BIBER.
    Wer hat die Weiden und Erlen an den Gewässerufern ausgerottet und warum?
    ES WAR NICHT DER BIBER!
    Es waren die Bauern, weil ihnen das “Wassergehölzzeug” im Weg war und nur Arbeit machte. Ganz nebenbei rottet man auch gleich den Biber aus. Wie praktisch!
    Ja was nun? Jetzt ist die BIBERNAHRUNG UND DAS BAUMATERIAL WEG, aber die BIBER kommen zurück und finden kaum noch standortgerechte Uferbäume vor. Was tun die BIBER? Sie fressen andere Gehölze.
    Nun aber zum Kern der Sache.
    Weiden und Erlen gehören seit URZEITEN an jedes Gewässer. Sie befestigen die Uferzone, bilden Wiurzelgeflechte die INS WASSER REICHEN UND NICHT WEG UND –
    Diese Bäume sind HOCH EFFIZIENT in der Klärung und Reingung der GÜLLEGESCHWÄNGERTEN GEWÄSSER. Wie die bekannte Schilfkläranlager, holen sie Schad- und Nährstoffe heraus, sind also HOCH WIRKSAME KLÄRPFLANZEN.
    Na und, was hat das mit dem BIBER zu tun?
    Sehr viel, weil diese Bäume und Biber seit Urzeiten Partner sind. Die “Wasserbäume” Müssen regelmäßig VERJÜNGT werden, wie Hecken zuhause. Sie BRAUCHEN den GÄRTNER, sonst wachsen sie frühzeitig aus und überaltern.
    BIBER SIND ALSO GÄRTNER, ABER AUCH KLÄRWÄRTER ZUGLEICH UND REPARIEREN DEN MENSCHLICHEN GÜLLEWAHNSINN.
    NAHEZU KOSTENLOS!
    Zum Thema “WOLF” sollte man sich die 3-Sat-Sendung vom 23.1.2017 in der Mediathek genau ansehen. Es könnte sein, dass dabei vielen Kritikern die Schuppen von den Augen fallen:

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    1. Helmuth Meixner

      Backhaus ist Stimmen-Jäger und denen kommt JEDE Demagogie gerade recht. Die drehen jedes für sie brauchbare Fähnlein in ihren Wind. Genau deshalb ist jader Zustand Deutschlands, ja der EU so wie er eben ist. NARRENSCHIFF Lied von R.Mey.

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  2. Grimbart

    Der Wolf gehört nicht ins Jagdrecht. Sollen sich die drum kümmern, die ihn so gerne haben. Wenn es zu nötigen Abschüssen kommt, schadet das nur gesamten Jägerschaft wenn diese Abschüsse von Jägern getätigt werden. Das dürfte in meinem Revier gerne einer vom SEK o.ä. machen.
    Werter Herr Meixner!
    Den Nutzen von Biebern für die Artenvielfalt und seine Daseinsberechtigung stehen doch gar nicht zur Debatte. Es geht doch nicht um seine erneute Ausrottung, genauso wenig wie beim Wolf, wenn über einzelne Abschüsse geredet wird. Schauen Sie sich doch mal die Liste der Arten an die unter das Jagdrecht fallen. Dann wird Ihnen auffallen, dass die Mehrzahl eine ganzjährige Schonzeit hat z.B. Auerhahn, Birkhahn oder Robben. Die Auffangstationen für Heuler werden z.B. von den Jägerschaften betrieben, schon gewusst?

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    1. Helmuth Meixner

      Natürlich kenne ich Ihre Argumente, aber ich rate dazu sich mit neuen Erkenntnissen zur Ökologie und Ethologie zu befassen.
      Mit Methoden der Jagd erreichen Sie rein gar nichts oder das blanke Gegenteil von dem was behauptet wird.
      Ich weiß nicht, ob man hier Links veröffentlichen darf, so lasse ich es.
      Aber bitte googeln Sie mal zur Reichholf und Jagd reguliert nicht. Sie finden dazu einen Vortrag in Youtube zu wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen.
      Wenn Sie sich zur Sendung Netz Natur des 3-Sat (Mediathek zur Sendung vom 23.1.2017) erkundigen, werden Sie sehr überrascht sein, was Prädatoren wie den Wolf betrifft, der die Bestände seiner Beute topp gesund erhält. Das wussten übrigens Naturvölker schon seit langer Zeit.
      Sprichwort der Inuit: “Gott schuf das Karibu ( Ren) zum Wohle der Menschen. Dann schuf Gott den Wolf zum Wohle des Karibus”. Raten Sie mal, was diese Erkenntnis wahrer Naturkenner aussagt?
      Um Ihnen die Recherche zur Sendung zu erleichtern hier das Intro:
      NETZ NATUR
      Die vielen Wölfe der Schweiz: Aus biologischer Sicht zeigt sich immer deutlicher: Die drei Wolfsfamilien, die in diesem Sommer in der Schweiz Nachwuchs hatten, verhalten sich wie ihre Artgenossen in Italien und Frankreich und beginnen ihre ökologische Rolle in der Natur wahrzunehmen.
      Auch in der weiteren Sendung des 3-Sat können Sie staunen darüber, wie Wild “funktioniert”:
      Intro
      Engadin – Wildnis der Schweiz
      Vor knapp 100 Jahren wurde im Schweizer Engadin der erste Nationalpark der Alpen gegründet: Man wollte ein Refugium für Wildtiere schaffen und einen Ort, den sich die Natur selbst – ohne Eingriff des Menschen – gestalten sollte. Das Engadin, der “Garten des Inn”, beherbergt mit dem Nationalpark auch heute…

      Viel Spass beim Lernen!

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    2. R.M.

      Sehr geehrter Grimbart,
      da kann ich Dir nur zustimmen. Man sollte sich aber einmal Fragen, ob so einigen Leuten, Politkern und Parteien in Deutschland die Sorgen und Nöte der Nutztierhalter ( bei Freilandhaltung ) am Arsch vorbei geht?

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      1. Helmuth Meixner

        Lieber R.M.
        Mehr als 20 Jahre hatte ich eine wildtierartige Mutterkuhhaltung, kombiniert mit einigen Pferden. Die größte Gefahr für die Tiere waren wildernde Hunde. Wer diese an die Natur extrem angepassten Rinder und schon gar die Hengste kannte, der wusste, was mit wilden Predatoren passiert. Kühe mit Kälbern sind gegenüber Beutegreifern extrem wachsam und aggressiv. Ein Brocken von Stier ist nicht von Pappe. Der meines Kollegen hat einen Schäferhund beim Jagen von Kälbern erwischt und den Hund bis zur Unkenntlichkeit am Boden zerrieben. Freilandhalter müssen sicherlich Vorsorge betreiben, aber ich würde mir um Welten größere Sorgen um die Politik gegenüber solchen Extensivbetrieben machen. Die bekommen keinerlei Unterstützung, wenn es um Konkurrenz zur industriellen Massentierhaltung geht. Für Reklame PRO ARTGERECHTER HALTUNG aber ist man gut genug. Wehe aber man wird zur Konkurrenz zum Massenfrass….

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    3. Helmuth Meixner

      Lieber GRIMBART,
      die immer wiederholten, immer wieder gleichen Plattitüden können Sie sich bei mir sparen, den ich weiß sehr genau um was es wirklich geht. Seit 1970 kenne ich die wieder angesiedelten Biber und wir machen MIT diesen Tieren realen Gewässer- und Umweltschutz. Viele Kilometer Altwasserstrecken, restlos gekippt haben ein paar Biberfamilien saniert, wo seit 1988 alle so genannten Fachbehörden versagt hatten und sogar zu Biberjagd geblasen hatten. Der wirklich einige Grund dafür, die Tiere zu bekämpfen bestand darin, dass die üblichen Spezl und Lobbyisten zum Angriff geblasen hatten. Biberschäden, also reale Schäden waren entweder GAR NIE VORHANDEN oder lächerlich marginal. Ein genaue Nachkontrolle ergab nichts, als gezielte Hexenjagden. Zeigt man die Dokumente und diein Laufe der Jahre enorme Verbesserung der Gewässergüte, den enormen Fortschritt in der gesamten Biodiversität im riesigen Gebiet, wo toxische Verhältnisse weithin sichtbar waren so merkt der Dümmste, welchen großen Nutzen die paar Tiere alleine schon haben. Hinzu kommt, dass die genannten Tiere und Pflanzen sogar noch zusätzlich gegen steigende Gülle- und Gärrestemassen anzukämpfen haben. Wir sind auf dem besten Wege unsere eigen Lebensgrundlagen restlos zu zerstören und Sie reden von der Notwendigkeit der “Sonntags-Jagd”?
      Sie wissen ganz genau, was man bei Bibern, Wölfen, Luchsen, Wildschweinen, Füchsen, Kormoranen etc. mit Abschüssen erreicht.
      GAR NICHTS! Außer eine restlose Zerstörung natürlicher Prozesse. JEDER ABSCHUSS IST EINER ZUVIEL!

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  3. Georg Baumann

    Grundsätzlich richtig ist, dass mit der Aufnahme ins Jagdrecht nichts erreicht ist. ZUVOR (!) muss der Schutzstatus geändert werden und dann müssen die zu regulierenden Arten ins Jagdrecht. Denn genau dafür wurde es gemacht – noch mehr Ausnahmeregelungen in der Hand der Naturschutzbehörden sind so ziemlich das letzte, was wir brauchen. Und niemand muss Angst haben, dass die Jäger dann für die Schäden von Wolf und Biber verantwortlich gemacht werden. Denn die ersatzpflichtigen Arten sind im BJG klar definiert. Wolf und Biber gehören nicht dazu. Genausowenig wie Nutria, Mink oder Waschbär, die in einigen BL ja bereits dem Jagdrecht unterliegen.

    LG, Georg

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  4. Helmuth Meixner

    Würden manche Leute den Nutzen der Biber wirklich kennen, wären sie erstaunt. Wir sanieren seit vielen Jahren große Gewässerabschnitte mit Hilfe dieser Tiere und standortgerechter Uferbäume, wie Weiden und Erlen es sind.
    Ein Geheimnis: Die “Wassergehölze” brauchen den Biber, so wie jede Hecken den Gärtner. Die Gewässerqualität braucht die Weiden und Erlen, weil diese Pflanzen hoch effizient in der Beseitigung von Schadstoffen sind und die Uferzonen schützen.
    Welche Rolle spielen also die Biber, ohne große Kosten zu verursachen? Kosten die man in sehr vielen Fällen den Tieren nur andichtet oder die mit geringem Umfang sehr klein gehalten werden könnten, wenn man nur will.

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