Australien: 52 Kängurus in einer Nacht

Es gibt heute weitaus mehr Rote und Graue Riesenkängurus als vor der Besiedlung des Kontinents durch weiße Siedler. Der Grund dafür ist die Landwirtschaft, die das dynamische Gleichgewicht in der Natur zugunsten der Beuteltiere verschiebt, indem sie ihnen nahezu unbegrenzte Mengen an Futter und Wasser zur Verfügung stellt. Das funktioniert bei uns mit Wildschweinen und Hirschen wie in Australien mit Kängurus. Alle Kängurus stehen in Australien unter Schutz, der Gesamtbestand wird auf 50 bis 60 Millionen Tiere geschätzt. Nur fünf der 48 Känguru-Arten in Australien dürfen bejagt werden. Es findet ein aufwändiges Monitoring statt, auf dessen Grundlage Abschussquoten festgelegt werden. Nur speziell ausgebildete und lizensierte Jäger – oftmals kommerzielle Fleischjäger – dürfen die Kängurujagd ausüben. Kängurus leben ein vollkommen artgerechtes Leben in ihrer natürlichen Umgebung und Sozialstruktur (wovon Millionen Tiere in industrieller Intensivmast nicht einmal träumen können), dürfen nur mit gezielten Kopfschüssen schnell und schmerzlos zur Strecke gebracht werden und die bejagten Arten sind keinesfalls gefährdet – dennoch laufen europäische Tierschützer gegen die Bejagung Sturm.

“Tierschutzorganisationen werfen der Industrie Grausamkeit und Tierquälerei vor. Ausserdem gefährde der Abschuss den Bestand an Kängurus; er treibe die Tiere an den Rand des Aussterbens”, heißt es in dem sehr informativen und lesenswerten Artikel “Die Känguru-Jagd ist ein umstrittenes Millionengeschäft” von Urs Wälterlin in der NZZ. Kein Wunder, dass der in dem Beitrag porträtierte Kängurujäger “Fliegen und extreme Tierschützer – nicht einmal unbedingt die australischen, aber die ausländischen, die keine Ahnung haben” als seine größten Probleme identifiziert. Obwohl die alarmistische Propaganda der Tier- und Naturschutzorganisationen offenkundig jeder seriösen wissenschaftlichen Grundlage entbehrt, knicken Konzerne adidas oder Tesco vor den Kampagnen der Tierschützer ein und nehmen Känguruprodukte aus dem Sortiment. Auch in dieser Hinsicht also ganz wie bei uns zuhause – Leseempfehlung! SE

Beitragsbild: Känguru. Autor: Tannin, Quelle: Wikipedia. Veröffentlicht unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported Lizenz.

4 Gedanken zu „Australien: 52 Kängurus in einer Nacht

  1. Joachim

    Es ist leider so, dass die Quantität und nicht die Qualität den Ausschlag gibt.
    Konkret heißt das, wenn nur genug empört sind, ist das ausreichend. Dabei fußt die Empörung entweder auf einer falsch bewerteten Tatsache oder aber sie ist reiner Selbstzweck und bedarf überhaupt keiner Tatsache mehr.
    Es mag es sich ein jeder einmal die Zeit nehmen und die Dinge, nicht nur die, für die er sich gerade interessiert, sondern ganz allgemein, mit einiger Distanz betrachten und sich dann fragen, wohin es wohl führen wird, wenn wir so mit unserer Meinungsfreiheit umgehen.

    Vielleicht lohnt es sich, sich zu überlegen, ob man tatsächlich in der Lage ist, jeden x-beliebigen Sachverhalt zu beurteilen und allgemein gültige Handlungsempfehlungen abzugeben?

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    1. Chris

      viel schlimmer.
      Es müssen gar nicht “genug” Empörte geben. Es reichen oftmals eine Handvoll, die laut genug schreien, um Partikularinteressen durchzudrücken. Die tatsächliche Mehrheit schweigt oft.

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Entscheidend wird sein, ob die australische Regierung dem Druck der realitätsfremd argumentierenden Tierschutzlobby stand hält. Habe übrigens Down Under auf mehreren Reisen selbst gegrillte Känguru-Steaks gegessen und als äußerst schmackhaft empfunden!

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