“Ausgeburten ideologischer Denke” – Kommentar zum “Ökologischen Jagdgesetz” in NRW

Von geschredderten Fledermäusen und zerhäckselten Wildschweinen – ein Kommentar von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Bei der Landtagswahl 2012 haben in Nordrhein-Westfalen 6,7% der Wahlberechtigten mit ihrer Zweitstimme die Grünen gewählt. Der von dieser Partei gestellte Minister will nun ein Jagdgesetz durchdrücken, das die Interessen und Rechte zigtausender Inhaber des Jagdrechts und Jagdausübender grob missachtet. Das Öko-Label des Gesetzentwurfs entpuppt sich bei genauem Hinsehen als ideologisch motiviert, wobei je nach Belieben durch unsinnige politische Vorgaben gegängelt wird oder an die Verantwortung der Jagdausübenden appelliert wird.
In einem mehrseitigen Papier werden die „wichtigsten Fragen und Antworten“ zum Gesetzentwurf vorgestellt. Hier kann nur auf wenige Punkte dieses Machwerks eingegangen werden. Die aber zeigen, wohin die Reise gehen soll. Stehen wir endlich dagegen auf!


Mit dem neuen Jagdgesetz soll auf den Wandel in vielen gesellschaftlichen Bereichen reagiert werden, wobei besonders auf Tierschutz als Verfassungsziel abgehoben wird. Der Tierschutz muss dafür herhalten, dass Baujagd und Totfangfallen verboten werden sollen. Auch das vorgesehene Verbot der Ausbildung von Hunden an der lebenden und flugunfähig gemachten Ente fällt unter die Rubrik Tierschutz. Was mit den angeschossenen Enten passiert, die von nicht entsprechend ausgebildeten Hunden nicht gefunden werden, schert Herrn Remmel und seine Gesinnungsgenossen nicht.

Wie ernst es die Grünen an anderer Stelle mit dem Tierschutz und mit dem nun weinerlich beklagten Verlust von wichtigen Lebensräumen nehmen, zeigen die Folgen der Energiewende. 2,6 Millionen Hektar Anbaufläche für Mais in Deutschland mit ihren dramatischen Folgen für die Biodiversität werden von den selbsternannten Öko-Gurus schlicht ausgeblendet. Dass jedes Jahr in Deutschland nach seriösen Schätzungen etwa 250.000 Fledermäuse von Windkraftanlagen geschreddert werden, was eine Artenschutzkatastrophe ersten Ranges darstellt, wird von den Grünen weder unter dem Gesichtspunkt des Arten- noch des Tierschutzes thematisiert.

Angeblich sind die vom Bundesjagdgesetz abweichenden Jagdzeiten durch wildbiologische Erkenntnisse untermauert. Ein Beispiel zeigt, wie doppelzüngig dabei argumentiert wird und in welchem Ausmaß die Grünen sich vor den Karren des Ökologischen Jagdvereins spannen lassen, der sich anscheinend einen schalenwildfreien Wald auf die Fahnen geschrieben hat. Die Jagdzeit des Rehbocks wird angeblich mit der des weiblichen Wildes synchronisiert. Dass die Jagdzeit auf Kitze und Ricken erst im September beginnt, diejenige auf Böcke aber bereits im Mai, ist den Urhebern offenbar entgangen. Nun ist gegen die Verlängerung der Jagdzeit auf den Rehbock aus wildbiologischer Sicht tatsächlich nichts einzuwenden, wenn, ja wenn dafür gesorgt wird, dass das Geschlechterverhältnis im Abschuss sich dadurch nicht verschlechtert. Letzteres geschieht jedoch leider, z. B. in manchen Revieren des Landesforstbetriebs Brandenburg, wo chronisch deutlich mehr männliches als weibliches Rehwild erlegt wird. Ob die verbleibende Population naturnah gegliedert und damit gesund ist, schert doch niemanden. Hauptsache der Wald wächst.

Die Ausbreitung von Neozoen soll zum Schutz der heimischen Fauna verhindert werden, weshalb z. B. der Mink jagdbare Art wird. Gleichzeitig wird der Abschuss streunender Katzen aus Tierschutzgründen verboten, weil: „zum Hauptbeutespektrum von Hauskatzen zählen nicht die Wildarten“. Das ist an Zynismus, vermutlich wegen der Enge des grünen Denkschemas ungewollt, kaum zu überbieten, heißt es doch, die Bodenbrüter, die keine Wildarten sind, dürfen von Hauskatzen ruhig zu Millionen gefangen und gefressen werden. Das sind die Ausgeburten ideologischer Denke, die wissenschaftliche Befunde je nach eigenem Weltbild mal in die Entscheidungsfindung einbezieht oder auch vollständig ignoriert.

Unter dem Tierschutzaspekt ist auch eine andere Formulierung entlarvend: „Jägerinnen und Jäger, die zufällig an einem Wildunfall vorbeikommen und dort nicht jagdausübungsberechtigt sind, dürfen trotzdem das Wild erlösen wenn es schwere Verletzungen hat. Das Euthanasiegebot des Tierschutzgesetzes wird in ein dürfen uminterpretiert. Und wir Jäger und Naturliebhaber müssen Gottvater Remmel auch noch dankbar sein, dass wir das dürfen.

Zum Schluss noch ein Zitat aus der letzten Frage des Pamphlets: “Im Landesjagdgesetz wird der Landesvereinigung der Jäger das Recht eingeräumt, ihre Auffassung über die Grundsätze der Weidgerechtigkeit durch Anträge und Stellungnahmen zum Ausdruck zu bringen.“
Herzlichen Dank, Gottvater Remmel, dass die Jäger nun dank Ihres (pluralis majestatis!) Jagdgesetzentwurfs auch der allgemeinen Meinungsfreiheit teilhaftig werden!
Wie lange noch lassen wir, die wir jeden Tag draußen sind und Zusammenhänge in den spärlichen Resten von Natur täglich beobachten, uns von Leuten wie Remmel sagen. was in Punkto Natur und Jagd zu geschehen hat? Wie lange noch wollen die Landeigentümer als Inhaber des Jagdrechts nahezu tatenlos zusehen, wie sie Stück für Stück enteignet werden von einer Partei, die eine kleine und meist naturfremde Minderheit repräsentiert? Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel, Diplombiologe

Anm. d. Red.: Dieser Kommentar erschien ursprünglich als Leser-Kommentar zum Beitrag “NRW: Entwurf für “ökologisches” Jagdgesetz vorgelegt” auf www.jawina.de erschienen.

Beitragsbild: Von Erntemaschine zerhäckselter Frischling oder: Was auf den Flächen geschieht, die der Gewinnung von Gärsubstrat für die Biogasanlage im Sinne der grünen Energiewende dienen. Copyright: Hans-Dieter Pfannenstiel

9 Gedanken zu „“Ausgeburten ideologischer Denke” – Kommentar zum “Ökologischen Jagdgesetz” in NRW

  1. Weidig Klaus

    Den Ausführungen von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel kann ich mich nur anschliessen. Wir im Saarland haben ebenso Unsägliches von einem Grünen Staatssekretär
    schon erfahren, der seuchenähnliche Vorschläge wahrscheinlich auch diesem Supernaturschützer Remmel weiterempfohlen hat. Es ist ein und dieselbe Handschrift.
    Die kleine Vereinigung der Jäger des Saarlandes (VJS, 3500 Mitglieder) hat Anfang des Jahres mit über 1500 !!!!!!!! Jägerinnen und Jägern Flagge gezeigt und ist durch Saarbrücken bis vor den Saarländischen Landtag marschiert – eine Demonstration, die sogar die ansonsten schmerzfreien Politiker erstaunt hat. Alle Fraktionssprecher
    kamen bei dieser beispielhaft abgelaufenen DEMO zu Wort – nur der Grüne nicht, der wurde niedergepfiffen und konnte keinen einzigen Satz loslassen.
    Und ALLE Grundbesitzer täten gut daran, den Politikern entgegenzutreten. Argumente haben wir genug – und nur die Geschlossenheit aller bewirkt etwas.

    Antworten
  2. AH

    Zitat: Die Ausbreitung von Neozoen soll zum Schutz der heimischen Fauna verhindert werden, weshalb z. B. der Mink jagdbare Art wird.

    Warum bekommen eigentlich diese Arten überhaupt gemäß §22a noch Brut- und Setzzeiten genehmigt? Gerade beim aggressiven Mink waren doch sogenannte Tierfreunde jüngst schuld an dessen Ausbreitung. Das nächste mal kippen wir noch einige Leistenkrokodile ins Oderhaff. Dank Klimawandel könnte was draus werden.

    Antworten
  3. Frank

    Lieber Prof. Pfannenstiel,

    ich fürchte, was Sie zu Recht aufzählen, ist erst der Anfang. Sie fragen völlig zu Recht, was aus kranken Enten wird, die von den nicht mehr an lebenden Enten ausgebildeten Hunden dann nicht gefunden wird. Ich hätte da eine Antwort, die ganz auf der Linie der von Ihnen angeprangerten Ideo-Logik liegt: Ein prima Alibi!
    Wenn erstens die Jäger zu doof sind, die Enten richtig totzuschießen, und sie zwotens von den doofen Jägerhunden nicht gefunden werden – na, dann ist doch drittens ganz schnell die Jagd auf dieses WIld mangels Tierschutzkonformität und ausbleibender sinnvoller Verwertungsmöglichkeit – krank im Schilf verendete Enten kommen schließlich auf niemandes Teller – mit Fug und Recht im nächsten Schritt zu verbieten!

    Es geht, wie Ihr Beitrag schlüssig darlegt, um Deutungshoheit. Und die soll mit dem Entwurf als Gesetz zementiert werden. Ist das gesichert, werden weitere Schritte folgen.
    Wo NABU und BUND die Jagd nicht passt, lassen sich Flächen in deren Eigentum flugs auf eine juristische Person übertragen, deren Satzungsziel das Ende des Tiertötens ist – und schwupps, wird die Fläche befriedet. Doof nur, wenn sich die als kleine Flächen inmitten bejagbarer findet – für die Jagd.

    Die neue Salami soll nun auf den Tisch gelegt werden – an die Messer, Ihr (Tier-)Lieben!

    Antworten
  4. Holger Baier

    Wie wahr!!! Sehr lesenswerter Artikel! Wenn man sich mit den ideologisch motivierten Gesetzesentwürfen dieser weltfremden Ökofaschisten befasst, wird`s einem schlecht……!
    Einen bekennenden Jagdhasser wie Herrn Remmel eine Jagdgesetzgebung entwerfen zu lassen ist, als würde man die NPD ein Einwanderungsgesetz machen lassen…..! Religionslehrer Remmel bewegt sich fachlich jedenfalls auf ähnlichem Niveau…..!
    Armes Deutschland, wo sind wir nur hingekommen?

    Antworten
  5. andy

    Ganz einfach!!

    Weder Rot noch Grün wählen.
    Ich verstehe sowieso nicht wie man in einem der größten AutomobilLänder wo so viele Firmen und Arbeitsplätze dran hängen sowas wählen kann.

    Antworten
  6. Klaus

    Und wie kommt das Bentheimer Landschwein bitte in den Häcksler?
    Wie soll man bitte solche Beiträge ernst nehmen, wenn der Frischling mit einer vom Aussterben bedrohten Schweinerasse verwechselt wird? Ist das seriöse Berichterstattung oder manipulative Bildzeitungsjournaille?

    MfG

    Antworten
  7. Joachim Orbach

    Wir Jäger müssen Geschlossenheit zeigen und auch verstärkt in der Öffentlichkeitsarbeit tätig werden. “Das Schweigen der Lämmer” muss ein Ende haben.
    Brauchbare Vorschläge und Anregungen zur Öffentlichkeitsarbeit schnell auf den Tisch!
    Artikel wie von Prof. Dr. Pfannenstiel in die Tagespresse!

    Joachim Orbach

    Antworten
  8. Joachim Schlachter

    Zuerst einmal: anders denken ist ein Recht,welches Jedermann zugeschrieben werden muss.Wer mit seinem anders Denken genügend Menschen begeistern kann,hat das Recht, Verantwortung zu übernehmen. Man nennt dies Demokratie.Und wenn Grüne den Rat von Dutschke verinnerlicht haben, das System durch den langen Weg durch die Institutionen zu verändern, wer hindert den Jägerdmann, Gleiches z

    Antworten
    1. Joachim Schlachter

      ……mein Kommentar wurde zu früh versendet, also weiter im Text
      …….wer hindert den /die Jägersmann/Frau,Gleiches zu tun, zumal er/sie bei der Argumentation die deutlich besseren Karten hat? Kann zu einer Ochsentour werden, welche einen langen Atem erfordert.
      Betrachtet man sich allerdings die Geschichte der Grünen,kann es auch alles ganz ganz anders kommen…Oder wer erinnert sich nicht an unsere friedensbewegten Mitbürger, deren Minister es befürwortete,deutsche Soldaten in den Krieg zu schicken? Man trat in der Politik an ,umhüllt mit dem Mäntelchen des besseren Menschen und entpuppte sich dann doch als Otto Normalverbraucher.Auch diese Revolution wird ihre Kinder fressen, die Latzhosen wurden ja schon durch Armani Anzüge, Wackersdorf durch die Toskana abgelöst. Es würde mich nicht wundern, wenn man bei einer Treibjagd Trettin in grünem Gewand sichten würde.Also ruhig Blut, die Zeit arbeitet für die Jägersmann

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.