Aufgemerkt: Wolfskritiker sind rechts

Die Chefin des Berliner Büros der New York Times (NYT), Katrin Bennhold, hat einen Artikel veröffentlicht mit dem Titel “A Fairy-Tale Baddie, the Wolf, Is Back in Germany, and Anti-Migrant Forces Pounce“, also in etwa: Der Märchen-Bösewicht, der Wolf, ist zurück in Deutschland, und Anti-Einwanderer-Kräfte stürzen sich auf ihn.”. Es gebe nur “ein paar hundert” Wölfe in Deutschland, aber bei “manchen Politikern” höre sich das an, als gewärtige das Land “eine Invasion”. Was für eine Sorte von Politikern das ist, daran lässt Bennhold keinen Zweifel: Wie sie über den Wolf reden, so redeten sie auch über Immigranten, sie stilisieren den Wolf zum einem Objekt des Schreckens hoch (And the way they talk about wolves is strikingly similar to how they talk about immigrants, turning the animal into an object of terror). Ein Kulturkrieg sei im Gange, ausgefochten zwischen “urbanen Eliten und den Abgehängten auf dem Lande und zwischen Ost und West” ([…] an allegory for the nation’s simmering culture wars. Between urban elites and rural left-behinds. Between west and east.).

Eigentlich kann man an der Stelle aufhören zu lesen, weil spätestens jetzt klar ist, dass die Autorin zu jedweder echten Reflexion unfähig ist und ohnehin nur abgedroschene Klischees wiederkäut, wie jene fragwürdige Selbststilisierung und -erhöhung von Stadtbewohnern zur Elite, mit der im Gegenzug vorgenommenen Herabwürdigung von Landbewohnern zu Abgehängten und Zurückgebliebenen, ressentimentgeladenen Losern. Ich kenne beides, Stadt und Land, aus eigener Anschauung und habe so meine Zweifel an dieser Darstellung: Selbst wenn man die Horden aggressiven, unmanierlichen und schlecht gekleideten Pöbels, der in Berlin die Bevölkerungsmehrheit stellt, außen vor lässt, ist immer noch die Frage, was an einem Knöllchen bearbeitenden Rechtsanwalt oder einem sich von Praktikum zu Praktikum in der Medienbranche hangelnden Prekariatsangehörigen so viel toller, wichtiger, eben elitärer sein soll, als ein Landwirt, der einen Milchviehbetrieb leitet oder ein Schäfer, der mit seinen Herden für den Erhalt der Kulturlandschaft sorgt.

Erwartungsgemäß geht es dann munter so weiter mit den Klischees in Bennholds Beitrag: Sie lässt keinen Zweifel daran, welche saubere Sorte von Politikern gegen den Wolf ist: Genau die Rechten von der AfD, die auch gegen Migranten sind nämlich. Zum Beweis werden ein paar an- und vorgeführt. Bennhold macht sich nicht die Mühe, die Zahl von “ein paar hundert Wölfen” in Bezug zu setzen zur Fläche, also die in manchen Gegenden Deutschlands exorbitant hohe Wolfsdichte zu erwähnen. Sie erwähnt auch nicht, dass mittlerweile eine ganze Reihe von Politikern aus Parteien mit demokratisch untadeligem Ruf wie der FDP oder der CDU oder gar der SPD eine Regulierung der Wolfspopulation und / oder eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht fordern – das würde wohl nicht in ihr Klischeebild passen.

Sie macht sich auch nicht die Mühe, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Gefährlichkeit von Wölfen für Menschen wie den Nina-Report oder die Studie von Dr. Christoph Stubbe zu Wölfen in Russland zu erwähnen. Wahrscheinlich kennt sie diese nicht – warum soll man sich auch mit etwas befassen, was nicht ins eigene Weltbild passt.

Stattdessen kommen ausgiebig Vertreter der einschlägig bekannten Wolfsfreunde-Organisationen zu Wort, die mit dem Wolf ihren Lebensunterhalt bestreiten. Sie erhalten reichlich Gelegenheit, Wolfskritiker und Anwohner der Wolfsterritorien, die sich um ihre Nutztiere, ihre Kinder oder ihre eigene Sicherheit sorgen, als Spinner zu desavouieren. Das Problem sei halt die lange Geschichte der Wölfe in der deutschen Folklore, erklärt Vanessa Ludwig vom Kontaktbüro “Wölfe in Sachsen.” Alles klar? Wem der Wolf Sorge bereitet, hat zu viel Grimms Märchen gelesen und leidet am Rotkäppchen-Syndrom. Am besten in die geschlossene Anstalt einweisen…

Was Bennhold und ihre Mitstreiter hier vorführen, ist ein klassisches argumentum ad hominem: Kein Sachargument, dass auf die Sache abzielt (argumentum ad rem), sondern auf den Menschen, der ein Argument vorträgt, mithin “ein Scheinargument […], in dem die Position oder These eines Streitgegners durch Angriff auf dessen persönliche Umstände oder Eigenschaften angefochten wird” (Wikipedia). Das argumentum ad hominem ist der Inbegriff der argumentativen Unredlichkeit. Das ändert nichts an seiner Beliebtheit – und leider auch nichts an seiner Wirksamkeit: Habe ich einen Andersdenkenden erst erfolgreich als rechten Hetzer oder wirren Spinner, der an Märchen glaubt, diskreditiert, muss ich seine Positionen nicht mehr ernst nehmen.

Besser wäre es, Leute nicht ernst zu nehmen und nicht weiter zu beachten, die sich, wie Katrin Bennhold, derart unredlicher Polemik und einseitiger, voreingenommener Darstellungen befleißigen, wie sie für den deutschen Journalismus leider keinesfalls untypisch sind. Dem Format und Niveau der NYT wird dieses Machwerk à la Relotius nicht gerecht. Katrin Bennhold lebt übrigens – wie könnte es anders sein – in Berlin. SE

Beitragsbild: Headline des zitierten Beitrags in der NYT (Screenshot)

14 Gedanken zu „Aufgemerkt: Wolfskritiker sind rechts

  1. KB

    Unfassbar sollte man meinen…spiegelt dieser Artikel jedoch den Tenor wieder der in unserem Land vorherrscht. Ich dachte immer dass die Verwendung von ‘argumentum ad hominem’ im Journalismus verpönt sei? Aber hey wozu auch… Menschen die ihre Meinung auf Emotionen aufbauen und nicht auf Fakten lassen sich mit Fakten auch nicht überzeugen…und unsere Städte sind voll mit solchen armen Kreaturen und es lässt sich dementsprechend gut verkaufen und genüsslich lesen bei einem SojaLatte.

    Antworten
  2. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Jetzt schwappt diese USA-Scheiß-Politikpolemik a la Trump auch noch zu uns rüber. Reicht es nicht, dass die uns einen Botschafter geschickt haben, der aus der Tonne kommt? Nein, diese US Journalie kramt in der rechten Mottenkiste und macht ihre eigenen suggestiv krankhaften Schlußfolgerungen zum Thema Wolf. Sie wird in Berlin (und NY) bei ihresgleichen gewiss Zustimmung finden. Schlimm ist, dass solch ein Murks für freien Journalismus gehalten wird.

    Antworten
    1. admin Beitragsautor

      Was eine deutsche Journalistin in Berlin für Müll verzapft, das hat mit den USA und Trump etc. nun wirklich nicht viel zu tun…

      Antworten
      1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

        “Wes Brot ich esse des Lied ich sing!” Das gilt auch heute noch und besonders (meine berufl. Erfahrung) bei amerikanischen Firmen.

        Antworten
        1. Zündelnerlaubt

          Ich seh das auch so. Letzenendes schreibt die für eine amerikanische Zeitung…..
          Den Zusammenhang zwischen Wolfs- und Ausländerfeindlichkeit herzustellen und ist ein einfaches Gednakenmuster l lá Yankee-Dummdödel.
          Nicht zuviel Beachtung schenken

          Antworten
        2. jochen

          Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, das ist ganz klar linksdeutscher Gesinnungsjournalismus, wie aus dem Bilderbuch ( oder halt der taz) Diese Vorgaben hat sie nicht aus den usa bekommen, daß hat sie sich ganz alleine in ihrem grünen Hirn zusammen gesponnen und ist bestimmt irre stolz darauf, daß dieser Blödsinn auch noch in einem US Blatt veröffentlicht wurde.

          Antworten
          1. Zündelnerlaubt

            Ich würde hier mal feststellen, dass man Behauptungen auch blegen muss.
            Die NYT ist liberal, keinesfalls links und ami-links ist wäre komplett anderes als links in Europa.
            Im übrigen liest sich Ihr Kommentar wie eine rechtsdeutsche Gesinnungsmeinung.
            Wie wäre es auf Seiten der Jägerschaft mit Mäßigung in Foren und Newsseiten mit jagdlichen Themen wird viel zu viel Wasser auf die Mühlen derer gekippt die der Jägerschaft Ewig-Gestrigkeit und damit auch Gefährlichkeit vorwerfen.

  3. JägerIn

    Folgerichtig sind dann die fanatischen Wolfsbefürworter grün-links?
    Ich weiß ehrlich nicht, was schlimmer ist. DDR 2.0 oder “er ist wieder da”…… beides keine Option für mich.
    Warum wird man immer gleich in eine politische Schublade befördert, wenn man nur sachlich-logisch begründet gegen den Wolf ist? Und sogar nicht mal generell gegen den Wolf an sich, sondern gegen eine unkritische Verherrlichung eines kompromisslosen Großraubtiers, was von unseren Vorfahren nicht ohne Grund von hier vertrieben wurde.
    Was daran ist politisch???

    Antworten
    1. Ralf

      Sehe ich auch so. Sind Sie vielleicht Ende 30 / Anfang 40 und noch nicht / nicht mehr vergeben? Der Admin hätte meine Kontaktdaten 🙂

      Antworten
  4. D. F.

    Geht es eigentlich um Argumente. Ich glaube das nicht mehr. Es geht um Macht, Kapital und um die Deutungshoheit über die Nutzung des ländlichen Raumes.
    Entscheidet die Bevölkerung oder urbane Interessen oder Kapitalgesellschaften. Was unterscheidet eigentlich Konzerne wie den Wwf von einer Kapitalgesellscht im Agro Bereich?
    Die Finanzierungsform ist ähnlich. Das Ziel Land Fläche beanspruchen und anderen verwehren. Es gibt den Begriff des Neofeudalismusses.

    Antworten
  5. Ronbi

    Lustig ist, dass man in unserem Bruderstaat, den USA, mit kriegstauglichen Schnellfeuergewehren, samt Wärmebild, Schalldämpfer und Laser Zielpunkt auf Wölfe, Kojoten, Wildschwein usw geht. Das weiß man natürlich in Berlin nicht. Oder dass es genügend Videos gibt in denen von den Vorteilen, einer 9mm oder 10mm Automatik, bei der Wolfs und Kojotenjagd berichtet wird.
    Aber in den USA sind Wölfe auch 15% größer und 10% zutraulicher.
    In NY im Central Park gibt es meines Wissens ein Denkmal für einen Kojoten.
    Bestimmt nicht einen von denjenigen, die Babies aus Kinderwagen holen.
    Was das heißt? Dass in den USA mindestens so viele Irre rumhüpfen, wie in Berlin.
    Und was stört es die Eichen, wenn die Säue sich daran reiben.
    Das ist metaphorisch gemeint und soll beileibe nicht die echten Wildsäuli beleidigen.

    Antworten
  6. Bernd Keller

    Der Unfug kommt aus Berlin- nicht aus den USA…
    “Born in Germany, she lives with her husband and three children in Berlin. “

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.