ASP – wie gut vorbereitet sind wir wirklich?

Teil 1: Wie man einen Jagdhund desinfiziert

Seit dem ASP-Ausbruch in Belgien ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) nur noch den sprichwörtlichen Steinwurf von der deutschen Grenze entfernt. In Pressemitteilungen weisen Bund (siehe Beitragsbild) und Länder:

PM zur ASP aus Brandenburg (Screenshot)

auf den Ernst der Lage hin, betonen jedoch zugleich, wie gut man doch auf die Situation vorbereitet sei: Prävention stehe an erster Stelle, heißt es. Fernfahrer und Reisende werden über die Risiken aufgeklärt, Schweinehalter zu strengen Biosicherheitsmaßnahmen verpflichtet. Selbst auf einen möglichen, ja, mittlerweile doch ziemlich wahrscheinlichen Ausbruch der Tierseuche hierzulande sei man durch effiziente Maßnahmen zur Früherkennung und sorgsam einstudierte Prozeduren der Seuchenbekämpfung bestens präpariert. Ach wirklich?

Es bieten sich verschiedene Tätigkeitsfelder an, um das behördliche Versprechen, auf die ASP allerbestens vorbereitet zu sein, zu überprüfen. Nehmen wir als Beispiel die Desinfektion. Desinfektionsmaßnahmen kommt sowohl bei der Seuchenprophylaxe – wenn es also darum geht, die Einschleppung des (übrigens ziemlich zählebigen) Erregers zu verhindern – als auch bei der Seuchenbekämpfung – wenn es darum geht, die ungewollte Verbreitung des Erregers im Seuchenfall zu verhindern – entscheidende Bedeutung zu.

Wir wollen das an folgenden drei Szenarien kurz durchspielen:

Fall 1: Ein Jäger unternimmt eine lange geplante, gebuchte und bezahlte Jagdreise ins Infektionsgebiet, z.B., nach Rumänien oder Ungarn. Er schießt dort seinen Lebenskeiler, möchte aber weder durch Trophäeneinfuhr, noch durch sein Fahrzeug, den Jagdhund oder persönliche Ausrüstungsgegenstände die ASP ins heimische Revier bringen.

Fall 2: Ein Jäger findet bei einem Reviergang ein verendetes Wildschwein. Natürlich hat ihn der treue Jagdhund auf den Kadaver aufmerksam gemacht und diesen ein wenig gebeutelt. Als der Jäger herantritt, stellt er fest, dass das schon vor einiger Zeit verendete Wildschwein von Aasfressern genutzt wurde – Füchse, Wölfe, andere Wildschweine, vielleicht auch Greifvögel sowie diverse Mikroorganismen – weshalb die in Auflösung begriffenen sterblichen Überreste der Sau über eine ziemlich große Fläche Waldboden verteilt sind. Der Finder steht also mehr oder minder mittendrin. Ihm wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als zurück zum Auto zu gehen und die Veterinärbehörde zu verständigen. Wie desinfiziert er Jagdhund, Kleider, Stiefel und das Fahrzeuginnere?

Fall 3: Ein Jäger schießt im Rahmen der verstärkten Schwarzwildbejagung ein gesund wirkendes Wildschwein, bricht es (nach kurzer Nachsuche) auf, lädt es auf den Heckträger aus Gittermaterial und hängt es in die Kühlkammer. Routinemäßig hat er eine Blutprobe genommen und zusammen mit der Trichinenprobe beim örtlichen Veterinäramt abgegeben. Zwei Tage später der Schock: Das Schwein ist ASP-positiv. Dieser Fall ist wegen der anzunehmenden großflächigen Kontamination sicherlich der Super-GAU – und genau so in Ungarn eingetreten.

Welche Desinfektionsmaßnahmen sind zu ergreifen? Da wir so gut auf alle Eventualitäten vorbereitet sind, müsste es doch eine Kleinigkeit sein, darauf nachvollziehbare, praxistaugliche Antworten zu erhalten. Oder?

Beginnen wir mit Fall 1: Für Jagdreisende hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eine Broschüre mit dem Titel “Afrikanische Schweinepest – Vorsicht bei Jagdreisen” herausgebracht. Dort findet der Jäger einige Hinweise zum Beispiel zur Desinfektion seines Fahrzeugs: Dieses soll “spätestens vor Antritt der Rückreise gründlich gereinigt und mit Desinfektionsmitteln – nach Empfehlung der örtlichen Veterinärbehörden – desinfiziert werden (Unterboden, Ladeflächen und Innenraum)” (S.4). Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Jäger einen Jagdreisetag drangibt oder dranhängt und herausfindet, wo die “örtliche Veterinärbehörde” ist, um mit dieser dann nach Überwindung der Sprachbarriere einen Desinfektionsplan für sein Fahrzeug zu erarbeiten? Wo bekommt er das Desinfektionsmittel her? Soll er es mitbringen? Wie und wo kann er den Unterboden seines Fahrzeugs desinfizieren? Wie soll das im Winter ablaufen, wenn Wagenwäschen und Dampfstrahler bei Frost außer Betrieb sind?

Relativ unproblematisch scheint die Desinfektion von Kleidung zu sein, da 20 Minuten bei 60 Grad den Erreger abtöten. Jedoch warnt das BMEL: “Waschen mit Wasser und Seifenlauge kann zwar einen großen Teil von evtl. anhaftendem Material und damit einer Virenfracht beseitigen, hat aber bei dem ASP-Virus keine desinfizierende Wirkung. Für eine Desinfektion sind daher geprüfte Desinfektionsmittel unverzichtbar. Geeignete Desinfektionsmittel finden Sie in der DVG-Desinfektionsmittelliste (http://www.desinfektion -dvg.de/index.php?id=2150).”

Wer die empfohlene Seite der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) aufruft, findet dort diese Eingabemaske:

Eingabemaske zur Desinfektionsmittelauswahl auf der Internetseite der DVG (Screenshot).

Klickt man auf Wirkungsbereich, erhält man folgende Auswahl:

Desinfektionsliste mit Auswahl des Wirkungsbereichs. (Screenshot)

Spätestens an dieser Stelle dürfte sich der eine oder andere vermutlich beim BMEL für die superguten Ratschläge bedanken und frustriert aufgeben. Die anderen starten vielleicht eine Google-Suche und finden heraus, dass der ASP-Erreger zur Familie der Asfarviridae und damit zu den behüllten Viren zählt. Aha, man wählt folglich “behüllte Viren” bei Wirkungsbereich aus, zugleich eine vernünftig scheinende Einwirkzeit (5 oder 15 Minuten) und einen unter jagdlichen Bedingungen handhabbaren Temperaturbereich (10 oder 20 Grad). Doch leider, leider liefern diverse Modifikationen dieser Suchanfrage alle das selbe Ergebnis, nämlich keins: “Keine Treffer zu Suchanfrage gefunden.”

Erst wenn man Temperaturbereich und Einwirkzeit offenlässt, wird eine lange Liste von Präparaten angezeigt, die allerdings eine Reihe von Inhaltsstoffen enthalten, die den Gebrauch durch Laien – vorsichtig ausgedrückt – nicht unproblematisch erscheinen lassen: Peressigsäure (stinkt, explosiv), Formaldehyd (krebserregend), Chlorkresol (allergieauslösend, beim Verbrennen entsteht das Giftgas Phosgen), andere (Ameisensäure) sind in höheren Konzentrationen ätzend und korrosiv oder wirken als Bleichmittel (Wasserstoffperoxid).

Wie wahrscheinlich ist es, dass ein durchschnittlicher deutscher Autobesitzer sein SUV z.B. mit einem Kombinationspräparat wie BERGO OxyDes (Peressigsäure und Wasserstoffperoxid) bei 60 Min. Einwirkzeit behandelt? Ist es vertretbar und vom Tierschutzgesetz gedeckt, den Rauhaarteckel Wastl darin zu baden?

Fragen über Fragen, aber bislang keine befriedigenden Antworten. Eine praktische Anleitung zur Desinfektion stellt man sich irgendwie anders vor. Folglich ist es an der Zeit, Experten um Rat zu fragen. Wir haben beim BMEL, beim Friedrich-Löffler-Institut und der DVG nachgefragt. Konkret wollten wir wissen (in der Annahme, dass die Desinfektion des Kadaver-Fundorts wohl nicht Sache des Finders/Jägers sein dürfte):

Wie desinfiziere ich

– ein Kraftfahrzeug (innen/außen)
– Jagdausrüstung (Messer vermutlich unproblematisch, aber was ist mit Optik, Fernglas, Zielfernrohr, die Waffe inkl. Holz- und Metallteile)
– den Jagdhund
– den Jäger
– vor Ort bearbeitete und zur Mitnahme gedachte Körperteile (Trophäen, Schädel, Decke (Fell), Zähne, etc.?)

Prof. Dr. Uwe Rösler, Mitglied im DVG-Ausschuss Desinfektion schreibt:

“Hinweise zur prophylaktischen Desinfektion gegen ASP im Rahmen von Biosicherheitsmaßnahmen finden Sie ganz frisch unter http://www.desinfektion-dvg.de/index.php?id=2299.

Es geht bei der Desinfektion immer um den „Erfolg“, also um die Inaktivierung des Erregers und nicht darum, was der Anwender (oder Redakteur) als „vernünftige Einwirkzeit“ empfindet. Die DVG beschäftigt sich seit fast 50 Jahren mit der Desinfektion in der Tierhaltung. Und da sind 30 bis 120 min „vernünftig“.

Wir könnten natürlich die Mittel auch mit 5 min Einwirkzeit (wie bei der Flächendesinfektion in der Humanmedizin auf sauberen Edelstahlflächen) prüfen. Die dann (auf den noch leicht verschmutzten Holz- und Betonflächen der Tierställe (oder bei Jagdausübungsberechtigten) resultierenden im Verhältnis zu den 30min-Werten doppelt oder dreifach so hohen Anwendungskonzentrationen würden viele Anwender dann aber auch als „unvernünftig“ oder „haarsträubend“ empfinden. Und die Wirkstoffe sollen nun einmal vor allem sicher desinfizieren. Daher sind das alles sog. Biozide (lat. „das Leben tötend“).

Noch kurz ein Hinweis für empfindliche Ausrüstung. Da können Sie gut 70%igen Alkohol bzw. Humanmedizinische Flächendesinfektionsmittel auf Alkoholbasis verwenden, da es sich glücklicherweise um ein behülltes Virus handelt. Für Fahrzeuge empfehlen wir gepufferte Peressigsäure (nur wenig korrosiv) oder Aldehyde. Trophäen lassen sich nicht sinnvoll desinfizieren. Sie können zwar auch dazu Alkoholische Desinfektionsmittel verwenden, sofern sie aber von der Sau stammen und aus Restriktionsgebieten wäre jegliches Verbringen aber ohnehin illegal.”

Auch wenn ich immer noch nicht genau weiß, wie der Jagdhund oder Beifahrersitz, auf dem er gesessen hat, desinfiziert werden soll, eines dürfte klar sein: Mit einem einmaligen kurzen Aufsprühen eines Desinfektionsmittels z.B. auf Reifen oder Unterboden oder dem Durchfahren einer Desinfektionsschleuse ist es nicht getan. Je tiefer die Temperatur, desto höher muss zudem die Konzentration des Desinfektionsmittels ausfallen – mit allen eventuell anfallenden negativen Begleiterscheinungen.

Hier die Antwort des FLI:

“Die Kontamination von Jagdausrüstung, Jagdhunden, Kleidung, Schuhwerk, Gerätschaften und Fahrzeugen mit Blut von Schwarzwild sollte vermieden werden. Empfohlen wird das Tragen von Handschuhen beim Aufbrechen sowie die gründliche Reinigung und Desinfektion aller Werkzeuge, des Schuhwerks, der Transportbehälter und Fahrzeuge. Jäger sollten besonders vorsichtig sein mit Gegenständen, die Kontakt mit Blut hatten. Dazu gehören auch Fahrzeuge, Stiefel, Lappen, Wildwannen, Messer und Kleidungsstücke. Bedenken Sie, dass das Mitbringen von Trophäen und Produkten von Wildschweinen aus betroffenen Regionen ein Risiko darstellen kann. Die Mitnahme von Trophäen ist, wenn, dann nur nach erfolgter Behandlung erlaubt.

Ameisensäure, Peressigsäure und auch Zitronensäure sind für die Desinfektion sehr wirksam, letztere sogar auf Holz. Weitere wirksame Desinfektionsmittel sind Natriumhydroxid (0,8 % NaOH, 30 min), Hypochlorid (2,3 %, 30 min), Formalin (0,3 %, 30 min), Orthophenylphenol (3 %, 30 min) und jodhaltige Desinfektionsmittel. Viele basische Desinfektionsmittel inaktivieren das Virus nicht zuverlässig.

Schuhe oder Gummistiefel, die zur Jagd getragen wurden, sollten auf keinen Fall in einer Schweinehaltung getragen werden.

Darüber hinaus finden Sie hier weitere Informationen: https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/afrikanische-schweinepest/

Die Sprecherin des BMEL beschränkte sich im wesentlichen darauf, auf die Zuständigkeit der Länder bzw. der Jagd- und Veterinärbehörden auf Kreisebene (!) zu verweisen:

“Ansprechpartner für Jäger sind die zuständigen Behörden der Länder (in der Regel die für das Veterinärwesen zuständige Behörde des Kreises oder der kreisfreien Stadt). Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat gemeinsam mit dem Friedrich-Loeffler-Institut und dem Arbeitsstab der Task Force Tierseuchenbekämpfung 2018 eine Fortbildung organisiert, bei der die Reinigung und Desinfektion speziell in Bezug auf die Afrikanische Schweinepest thematisiert wurde. In den Ländern gibt es Lösungsansätze und Kenntnis über anwendbare und zur Verfügung stehende Desinfektionsmittel.

Wichtig ist: Vor jeder Desinfektion muss eine gründliche Reinigung erfolgen muss, ansonsten kann kein Desinfektionsmittel seine Wirkung entfalten.

Schädel, Decken, Felle und Zähne sind zu den Trophäen zu rechnen Hier regeln die Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 und Verordnung (EU) Nr. 142/2011 das Verbringen und die Einfuhr dezidiert.”

Auf unsere Rückfrage hin, ob die ASP-Bekämpfung tatsächlich auf Kreisebene koordiniert werden solle, präzisierte die Sprecherin des BMEL ihre Angaben wie folgt:

“Der Vollzug der Tierseuchenbekämpfung und auch deren Prävention liegt in der Zuständigkeit der Länder. Hier wurden bereits umfassende Präventions- und Vorbereitungsmaßnahmen für den hoffentlich nicht eintretenden Fall eines ASP-Ausbruchs in Deutschland getroffen. Hierzu gehört auch, dass die Länder bezüglich Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen konkrete Verfahrensabläufe entwickelt haben. Wie bereits mitgeteilt, fand auf Bundesebene eine mehrtägige Austausch- und Fortbildungsveranstaltung des BMEL für die Länder statt, um ein zielgerichtetes Vorgehen abzustimmen und über effektive Maßnahmen zu beraten.

Da die Gegebenheiten, also zum Beispiel die Jagd- und Schweinehaltungsstrukturen, in den Ländern teils sehr unterschiedlich sind, liegt es in der Regel in der Zuständigkeit der für das Veterinärwesen zuständigen unteren Verwaltungsbehörden die in ihrem Zuständigkeitsbereich ansässigen Jägern konkrete Informationen zu den im Einzelfall notwendigen und sinnvollen Maßnahmen zu unterstützen. Dies gilt auch für die Reinigung und Desinfektion in den von Ihnen beispielhaft genannten Fällen.

Zur Klarstellung: Die Tierseuchenbekämpfung und speziell die Vorbeugung der und Vorbereitung auf ASP ist in Deutschland klar geregelt und liegt nicht allein in den Händen der Kreise und kreisfreien Städte. Näheres hierzu findet sich auf der Internetseite des BMEL: https://www.bmel.de/DE/Tier/Tiergesundheit/Tierseuchen/_texte/FAQ-Krisenmanagement.html;nn=449144.”

Endlich ist uns nun also der richtige Ansprechpartner für unsere Fragen bekannt: Die unteren Jagd- und Veterinärbehörden der Kreise! Diese haben “bezüglich Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen konkrete Verfahrensabläufe entwickelt” – die müssen wir jetzt nur noch abfragen. Wir greifen zum Telefonhörer und rufen eine beliebige Untere Jagdbehörde an: Universalantwort auf alle unsere Fragen: Keine Ahnung. Von den “konkreten Verfahrensabläufen bezüglich Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen” wusste man hier nichts. Die Antwort auf die Frage, wie denn ganz konkret vor Ort bei einem ASP-Verdachtsfall vorgegangen werde, auf was sich die Jäger einstellen müssten: Ein nervöses Lachen. “Unsere Veterinäre gehen davon aus, dass die Jäger alle verendeten Wildschweine finden, also auch die in Sumpf- und Schilfbereichen oder Brombeergestrüpp. Sind Sie selber Jagdscheininhaber? Dann können Sie ja selber einschätzen, wie realistisch das ist.” Irgendwie schien bei diesem UJB-Mitarbeiter von den “mehrtägigen Austausch- und Fortbildungsveranstaltungen des BMEL” noch nicht so viel angekommen zu sein. Aber immerhin hat er eine persönliche Strategie für den Umgang mit der Tierseuche entwickelt: “Wenn hier der erste ASP-Fall bei einem Wildschwein gemeldet wird, melde ich mich krank.”

Nicht viel anders fiel die Einschätzung der von uns stichprobenartig angerufenen Veterinärbehörden aus: “Hier haben zwar so Schulungen stattgefunden, aber unser Eindruck war eigentlich, dass das alles nicht funktioniert.” Die Transportboxen und -schlitten fielen in unebenem Gelände um, so dass der kontaminierte Inhalt davonkollerte. Was bei einem 20-Kilo-Schweinchen vielleicht noch funktioniert, funktioniere bei dem 100-Kilo-Bassen garantiert nicht mehr.

Aber jetzt konkret, Stichwort “konkrete Verfahrensabläufe bezüglich Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen”: Wie desinfiziert man denn jetzt den Kadaver-Fundort? Vielleicht im Winter oder bei strömendem Regen? Antwort: Keine Ahnung. “Funktionieren würde eine Schippe Branntkalk wie zu DDR-Zeiten”, meint der Veterinär, “Aber da spielen die Naturschützer nicht mit.” Hinzu käme: “Wenn wir jetzt größere Mengen Desinfektionsmittel benötigen, müssten wir erstmal eine Ausschreibung machen, drei Angebote einholen und dann den günstigsten Anbieter wählen…” Und das könne dauern… “Ich sage Ihnen eins”, resümiert der Amtstierarzt: “An dem Tag, an dem die ASP ausbricht, hissen wir hier die weiße Fahne.” SE

Hinweis: Wer seine “empfindlichen Ausrüstungsgegenstände”, Waffen, Optik, Holzteile, Fahrzeuge, Kleider, Jagdhunde, sich selbst oder was auch immer mit den hier empfohlenen Präparaten, Desinfektionsmitteln, Säuren, Basen, Aldehyden, Alkoholen oder sonstigen Verbindungen behandelt, desinfiziert oder probeweise benetzt, tut dies ausschließlich auf eigene Gefahr! Wir lehnen jegliche Haftung für etwaige Folgeschäden ab.

Beitragsbild: Pressemitteilung des BMEL zur ASP (Screenshot)

9 Gedanken zu „ASP – wie gut vorbereitet sind wir wirklich?

  1. Frosch

    Danke für diesen hervorragenden Artikel. Er spiegelt anschaulich die derzeitigen Gepflogenheiten unserer Politiker wider. Wegducken, Verantwortung von sich schieben und planloses Vorgehen. Wenn’s am Ende nur noch die Schippe Branntkalk richten kann, na dann…viel Glück uns Allen.

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      1. MH

        Von mir auch Danke! Ich habe bei der Suche nach einem Desinfektionsmittel an der gleichen Stelle abgebrochen, wie Du es oben geschildert hast. Alles ein bißchen wie Pfeifen im Walde…

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Jawina hat den Finger in die Wunde gelegt. Im Falle X wird das Chaos ausbrechen. Vor zwei oder drei Jahren habe ich in unserem Kreisveterinäramt eine Trichinenprobe abgegeben und bei dieser Gelegenheit gewagt, die Schreibzimmerruhe einer beamteten Tiermedizinerin mit der Frage zu stören, ob und wann Probentupfer an die Jagdausübungsberechtigten ausgeteilt werden, damit von aufgefundenem Fallwild Proben genommen werden können. “Was geht Sie das an?”, war sinngemäß die Antwort. Die Nachfrage, ob denn Amtspersonen die unbedarfte Jägerschaft gegebenenfalls auch in die Geheimnisse der Handhabung der Tupfer einweihen werden, wurde mit einem barschen Kommentar, der einem Hinauswurf gleichkam, abgetan. Wir haben zwar inzwischen Tupfer im Revier, ich bin aber ziemlich sicher, dass kaum jemand weiß, wie man damit sicher und verlässlich Proben nimmt.
    Ähnlich ermutigend ist die Situation bei der Aufklärung der Bevölkerung, insbesondere der Erntearbeiter, der Fernfahrer und der Jagdtouristen in Sachen Biosicherheit. Da nützen auch keine Reklamevideos auf Raststättentoiletten!

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    1. Dr. Silke Neuling

      Sehr geehrter Herr Pfannenstiel,
      ich finde es als Amtstierärztin sehr befremdlich, was ich da lesen muss. Als zuständiges VLÜA haben wir uns immer allen Fragen der Jägerschaft gestellt, aufgeklärt, informiert und dies nicht nur bei einer Veranstaltung. Die letzte dieser Art fand übrigens letzten Mittwoch in Blankenfelde statt. Was die Aufklärung der Bevölkerung betrifft, so muss diese auch aufgeklärt werden wollen. Es gibt genügend Veröffentlichungen im Internet, in Zeitungen und auch im Fernsehen. Von einem Jagdscheininhaber mit bestandener Prüfung in den Fächern Wildkrankheiten und Wildbrethygiene erwarte ich hoffentlich nicht zu Unrecht, dass er in der Lage ist, das vom FLI erarbeitete Merkblatt zur Probennahme zu lesen und in die Praxis umzusetzen. Ich finde es Ihren Waidkollegen gegenüber unfair, Ihnen diese Fähigkeiten abzusprechen.
      Insgesamt bin ich als zuständige Amtstierärztin sehr zufrieden über die Zusammenarbeit des Veterinäramtes, der Unteren Jagdbehörde, des Kreisjagdverbandes, des Kreisjagdbeirates und allen interessierten Jagdausübungsberechtigten. Falls es zum Ausbruch der ASP in Deutschland kommen sollte, bevorzuge ich die Zusammenarbeit mit allen Jägern auf Augenhöhe und wünsche mir, dass sich die Jäger aktiv und kreativ in die Tierseuchenbekämpfung einbringen.

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  3. N. Bunke

    Ich hab Tränen gelacht – was anderes fällt mir leider nicht ein. Danke für deine Recherche. Eigentlich müsste es einem übel werden angesichts solcher Handlungsempfehlungen. Wir dürfen gespannt sein, was da auf uns zukommt.

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  4. Ulrich Beines

    Ausgezeichneter Artikel der den Nagel auf den Kopf trifft. Ein weiterer Aspekt :Welcher Jäger besitzt eine seuchenhygenische Aus-oder Weiterbildung? Vermutlich nur wenige. Und was unternehme ich bei einem aufgefundenen toten Wildschwein am Wochenende, wenn die Veterinärbehörde geschlossen ist? Und wohin mit dem Unfallwild, bis die Untersuchung des Unfallwildes auf ASP negativ ist? Wer hat die Polizei geschult, die als Erste am Unfallort eintreffen?? Alles Fragen, die mir bisher kein Behördenvertreter beantworten konnte.

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  5. Grimbart

    Ich habe auch auch Tränen gelacht, aber irgendwann blieb es mir im Halse stecken. Wir können nicht oft genug auf diese Missstände hinweisen, aber am Ende heißt es dann eh wieder, die Jäger hätten es nicht gebacken bekommen, da kann man die Jagd ja auch gleich ganz abschaffen.

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