ASP: BJV protestiert gegen Änderungen von Tiergesundheits- und Bundesjagdgesetz

Überjagen von Hunden muss geduldet werden – Schießnachweis für Drückjagdteilnahme gefordert

Der Bundesrat hat gestern (06.07) einem Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes zugestimmt. “Mit den beabsichtigten Änderungen des Tiergesundheits- und Bundesjagdgesetzes möchte die Bundesregierung Behörden in die Lage versetzen, schneller zu reagieren, wenn die Tierseuche eingeschleppt wird und ausbricht. So soll es unter anderem leichter möglich sein, ein Gebiet absperren zu lassen und den Personen- und Fahrzeugverkehr örtlich zu begrenzen. Auch die Verhängung eines landwirtschaftlichen Nutzungsverbots von Flächen wird vereinfacht, wenn es das Ziel verfolgt, die Auswanderung von Wildschweinen zu vermeiden. Zudem sollen Behörden schneller eine vermehrte Suche nach toten Wildschweinen anordnen und die Bejagung durch andere Personen als den Jagdausübungsberechtigten verstärken können, um Infektionen gesunder Tiere zu verhindern”, teilt der Bundesrat mit.

Der Bundesrat bittet desweiteren darum, “im weiteren Gesetzgebungsverfahren eine Regelung in das Bundesjagdgesetz aufzunehmen, nach der die Länder die Teilnahme an einer Bewegungsjagd vom Nachweis der Teilnahme an einem Übungsschießen abhängig machen können. Dieser Nachweis soll entsprechend in allen Ländern gelten.”

Der Bayerische Jagdverband (BJV) protestiert energisch gegen den Entwurf: Die Behörden “können dem Revierinhaber vorschreiben, wie oft und auf welche Art er sein Revier bejagt. Das heißt, die Behörde kann verlangen, dass der Revierinhaber mehr erlegt als bisher oder Drückjagden anordnen. Völlig fremde Personen – also weder der Revierinhaber noch seine Jäger – können mit der Bejagung des Reviers beauftragt werden”, so der BJV: “Das kommt einer Enteignung gleich!”

Diese weitreichenden Befugnisse, so der BJV weiter, sollen für den tatsächlichen Seuchenfall gelten, also wenn die ASP wirklich in Deutschland ausbrechen sollte. Dazu steht natürlich auch der BJV. „Im Seuchenfall gehen die Uhren anders“, betonte Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes. „Doch wir akzeptieren die Gesetzesänderung nur für den Seuchenfall und in einem klar fest gelegten Befallsgebiet.“ Die geplanten Maßnahmen auch schon zur Vorbeuge einzuführen, wenn die Seuche noch gar nicht ausgebrochen ist, lehnt der BJV entschieden ab. Präsident Vocke: „Prophylaktisch das Jagdrecht derart auszuhöhlen, können wir nicht akzeptieren. Zum Schutz vor der ASP muss man die Jägerschaft einbinden und nicht die Kompetenz der Jagd einschränken.“

Auch den Jägern entsteht nach Ansicht des BJV durch diese Maßnahmen ein Schaden

Die geplanten Maßnahmen haben den Charakter einer Enteignung, findet der Verband. Deshalb fordert der BJV, dass im Seuchenfall nicht nur die Landwirte sondern auch die Jäger einen im Gesetz festgelegten Schadensersatz und eine Aufwandsentschädigung bekommen. Schließlich zahlen sie hohe Pachtgebühren für ihr Jagdrevier, das sie dann nicht mehr uneingeschränkt nutzen können.

Entschiedenes „nein“ zur Duldung überjagender Hunde

Niedersachsen und Brandenburg fordern außerdem die Duldung überjagender Hunde bei der Bewegungs­jagd, um die Schwarzwildjagd effektiver zu machen. Dabei soll die Duldung überjagender Hunde aber keineswegs nur für die Schwarzwildjagd, sondern für alle Bewegungsjagden auch auf Rot- und Rehwild gelten. Der BJV lehnt diese Anträge entschieden ab. Präsident Prof. Vocke: „Über­jagende Hunde fallen nach geltendem Recht unter Wilderei. Das ist ein klarer Straftatbestand und deshalb von uns in keinem Fall zu akzeptieren. Die Duldung überjagender Hunde schützt nicht vor der ASP und garantiert keine höheren Abschusszahlen. Im Gegenteil, unsachgemäßer Hundeeinsatz schadet dem Jagderfolg. Mit der Forderung wird vielmehr die Angst vor der Seuche missbraucht, um generell die Überjagung von Hunden salonfähig zu machen.“ PM/SE

Beitragsbild: Verblasen der Strecke (Symbolbild) Foto: SE

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.