ASP: Bezahltes Jagen in Brandenburg

Deutsche und polnische Behörden koordinieren ASP-Bekämpfung

Der Brandenburger Landkreis Märkisch Oderland hat eine Allgemeinverfügung erlassen, die die Jagdausübungsberechtigten im Kreis verpflichtet, eine verstärkte Bejagung von Schwarzwild durchzuführen. Außerdem ist es ab Inkrafttreten der Allgemeinverfügung zwingend vorgeschrieben, “jedes verendet aufgefundene Wildschwein einschließlich Unfallwild beim Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt anzuzeigen, mittels Tupfer zu beproben und diese Probe mit dem vollständig ausgefüllten Untersuchungsantrag und dem Wildursprungsschein bei [den] Kurierstützpunkten der Kreisverwaltung abzugeben”.

Rechtsgrundlage für den Erlass der Allgemeinverfügung sind u.a. § 6  Tiergesundheitsgesetz,  und §§ 38 Abs. 1, 39 des Brandenburger Gesetzes über Aufbau und Befugnisse der Ordnungsbehörden – Ordnungsbehördengesetz (OBG). Während im genannten Paragrafen des Tiergesundheitsgesetzes das Recht der Behörden, Hilfesleistungen im Tierseuchenfall zu verlangen festgeschrieben ist, regelt das OBG die Entschädigung die für angeordnete Hilfeleistungen gefordert werden kann. Das heißt, dass von der Allgemeinverfügung betroffene Jäger nun eine Rechnung stellen können für den Aufwand, den sie aufgrund behördlicher Anordnung über den üblichen Aufwand bei der Jagd hinaus leisten.

Allgemeinverfügung des Landkreises MOL, in der verstärkte Bejagung des Schwarzwilds angeordnet wird (Screenshot, Ausschnitt)

Nachdem Anfang Dezember ein Fall von Afrikanischer Schweinepest bei Wildschweinen von den polnischen Behörden gemeldet wurde, der nur noch rund 40 km von der deutsch-polnischen Grenze entfernt war, ist in dieser Woche wurde in Polen ein weiterer Fall in ähnlicher Distanz zur deutschen Grenze gemeldet worden.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat daher die Zusammenarbeit mit den zuständigen polnischen Behörden intensiviert: So fand zuletzt am 5. Dezember 2020 ein Austausch mit den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen statt, die an das Ausbruchsgebiet in Polen angrenzen.

Am 13. Dezember folgte ein deutsch-polnisches Treffen auf Ebene der Amtsveterinäre. Ziel des Austausches zwischen Polen und Deutschland ist es, ein Übereinkommen zur technischen Koordination der ASP-Prävention, Bekämpfung und Tilgung zu treffen.

Vereinbart wurden die folgenden Punkte:

·     Auf beiden Seiten der Grenze werden Risikozonen von mindestens 8 bis 15 Kilometer eingerichtet, in denen die Jagd so ausgeübt werden sollte, dass dadurch keine Intensivierung der Wildschweinbewegungen herbeigeführt wird (geeignet wären z.B. Fallenjagd oder Ansitzjagd).

·     Der Austausch von Daten zwischen dem Friedrich Loeffler Institut – Bundesinstitut für Tiergesundheit und dem Nationalen Veterinärinstitut in Pulawy wird intensiviert.

·     Aspekte einer gemeinsamen Jagdstrategie auf beiden Seiten der Grenze wurden diskutiert. Diese sollen unter Berücksichtigung der nationalen Rechtsvorgaben und Bedingungen weiter ausgearbeitet werden.

·     Die Arbeitsgruppe empfiehlt, dass die Jagdorganisationen beider Länder beim Wildschweinmanagement in den Risikogebieten noch stärker zusammenarbeiten.

·     Das nächste Treffen wird im Januar 2020 in Warschau stattfinden, dann auf Ebene der Chef-Veterinäre (CVOs – Chief Veterinary Officers) beider Länder.

Ausführliche Informationen zu Präventionsmaßnahmen, zur Informations- und Aufklärungskampagne des BMEL und zur Vorbereitung auf den Ernstfall finden Sie in unserem Online-Dossier: https://www.bmel.de/DE/Tier/Tiergesundheit/Tierseuchen/_texte/ASP.html PM/red.

Die Allgemeinverfügung des Landkreises MOL steht hier zum Download bereit.

Beitragsbild: Bezahlte Arbeitszeit für manche Jäger in Brandenburg: Ansitz auf Schwarzwild

6 Gedanken zu „ASP: Bezahltes Jagen in Brandenburg

  1. Carpe Diem...jetzt erst recht

    Richtig – Jagdausübungsberechtigte, und nur um die kann es sich handeln, können ggf. zu diesen Arbeitsmaßnahmen verpflichtet werden (wer ist Herr und wer ist Knecht?). Und für wen haben sie zu leisten? Doch wohl für die Fleischindustrie und Großviehbauern. Dann mögen die auch zur Kasse gebeten werden und für alle Kosten , z.B. Waffen, Munition, Nachtsichttechnik, Fahrzeuge, Pachtzinsausfall u.v.m. aufkommen. Das Schwarzwild kauft euch im ASP-falle sowieso keiner mehr ab. Es käme mir auch nicht ansatzweise in den Sinn, meine Zeit, Material und Geld dafür herzugeben um Sauen für den Abfall tot zu schießen. Da mögen doch die Behörden ihre [Kommentar gekürzt, bitte Netiquette beachten, admin.] dafür einsetzen, denn in einem gesperrten Seuchen-Gebiet hat ein Jäger-und nicht nur die- eh nichts mehr zu suchen.
    Die Jäger lassen sich wieder am Nasenring durch die Manege führen.

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  2. Daniel Märkisch

    Es wäre sinnvoll, wenn auch die Landwirte beim Thema Feldbau in die Pflicht genommen werden. Der großflächigge Maisanbau in der bisherigen Form ist aus meiner Sicht zumindest mitursächlich für den Anstieg der Schwarzwildbestände. Hier müsste ein Umdenken in der Form geschehen, dass eine Bejagbarkeit dieser Flächen geschaffen wird. Insoweit wäre wohl ein Eingreifen von Verwaltung oder Politik notwendig. Eine Allgemeinverfügung in der vorliegenden Form bringt für die Öffentlichkeitsarbeit “Punkte”, die Jäger im Landkreis bedürfen aber sicher nicht erst einer behördlichen Aufforderung, um in den Revieren zur Jagd zu gehen …

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  3. Peter

    Wird auch ein Anbauverbot für Raps und Mais in den Risikogebieten verhängt? Ich denke nicht.

    Jäger werden verpflichtet und können ggf. mit Bußgeldern belegt werden, die Landwirtschaft macht einfach weiter.

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  4. Waldecho

    Sicherlich ist es richtig, der massive Mais- und Rapsanbau ist mitverantwortlich, dass der Schwarzwildbestand angestiegen ist. Allerdings denke ich auch, die Bauern wurden doch durch die ganze Ökopolitik dazu gelenkt, mehr Raps und Mais für die Biogasanlagen und Kraftstoffe anzubauen. Da sie auch wirtschaftlich arbeiten müssen, teilweise feste Abnahmeverträge und ihren Fuhrpark darauf ausgerichtet haben…ich hab da schon Verständnis.
    Viele Bauern die ich in diesem Bereich kenne, wissen und erkennen an, dass wir uns eben nicht nächtelang am Hintern “gekratzt” haben. Aber mir kommt es so vor…die Politik denkt so! Die werden sich wundern was da für Rechnungen aufgemacht werden, um gefährdete Flächen zu bewachen, Sauen zu erlegen und der Aufwand alles zu veräußern.
    Bei so einem nicht handlungsfähigen Jagdverband sollten wir vielleicht darüber nachdenken, gemeinsam mit den Bauern für unsere berechtigten Ziele in Brandenburg zu kämpfen. Dann fahren demnächst nicht nur Traktoren nach Berlin.
    Es soll jetzt keiner denken, ich nehme die ASP nicht ernst. Aber dann soll doch die Landesregierung doch mal in Richtung der Jäger einlenken und diesen unsinnigen Vernichtungsfeldzug gegen Rehwild/Rotwild zu stoppen und mal eine fixe Lösung für den Umgang mit Wolf/Biber schaffen, sonst werden hier auch noch (siehe Beitrag oben) Kindergärten geschlossen.
    Dann nehme ich mir freiwillig/kostenlos noch mehr Zeit, um Sauen vom Acker zu holen!

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