Angelverbot an hunderten von Flusskilometern, drastische Einschränkungen der Freizeitfischerei

Nachdem bislang vornehmlich Jäger und andere Legalwaffenbesitzer von der grassierenden Verbieteritis in der Politik betroffen waren, kriegen jetzt die Angler ihr Fett weg: In der vom NLWKN und Landkreistag erstellten Musterverordnung für Naturschutzgebiete sieht der niedersächsische CDU-Abgeordnete und umweltpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Martin Bäumer, ein “Misstrauensvotum gegen Niedersachsens Angler.” In einer Pressemeldung der Fraktion heißt es: „Bei der Erstellung einer weitreichenden Verordnung werden ausgerechnet die Experten für Gewässerschutz und Erhalt der Artenvielfalt – die Fischer und Angler – außen vor gelassen. Ihnen wird stattdessen eine Musterverordnung vorgesetzt, die ohne weiteres ein Angelverbot an hunderten von Flusskilometern bedeuten kann. Damit droht den Mitgliedern von Niedersachsens größtem Naturschutzverband von heute auf morgen der Ausschluss von ihren gepachteten Gewässern. Diejenigen, die mit großem finanziellen und personellen Aufwand zum Erhalt und zur Pflege unserer Natur beitragen, würden aus Gründen des Naturschutzes vom Gewässer verbannt – wie grotesk.“ Die Einlassung des Umweltministeriums, dass eine Einzelfallprüfung durch die unteren Naturschutzbehörden notwendig sei, nannte Bäumer ein „übliches Ablenkungsmanöver“: „Das zuständige Umweltministerium wälzt die Verantwortung für die folgenreiche Verordnung besser gleich auf die Landkreise ab, anstatt unter Beteiligung des Anglerverbandes eine Regelung zu finden, mit der sich Naturschutz und Angelrechte vereinen lassen. Genau das scheint es in der Wahrnehmung des Umweltministeriums nämlich nicht zu geben.“ Mit einer Anfrage will die CDU-Fraktion das drohende Angelverbot zum Thema im Landtag machen.

Mecklenburg-Vorpommern: Angelverbot in der Kadetrinne und der Pommerschen Bucht

Morgen findet in Linstow die 25. Landesdelegiertenkonferenz des Landesanglerverbandes M-V statt. Der Landesminister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Till Backhaus, wird als Referent zu Gast sein – und bemüht sich daher im Vorfeld, in einer vorab erschienen Presseerklärung die Wogen zu glätten: “Die Freizeitfischerei ist ein wesentlicher Bestandteil Mecklenburg-Vorpommerns und wird es auch bleiben”, betont der Minister. Die heute über 43.000 Mitglieder des Landesanglerverbandes schätzen dabei den hohen Freizeitwert des Angelns. Überdies erweist sich der LAV M-V als anerkannter Naturschutzverband als ein “zuverlässiger Partner für den Erhalt des Naturerbes in MV, dessen Mitglieder mit großem, ehrenamtlichen Engagement unter Beweis stellen, dass Schutz und Nutzung der Natur keine Gegensätze sein müssen “, lobt Backhaus.

Hintergrund ist die Empfehlung des Internationalen Rats für Meeresforschung (ICES) Ende Mai zur Senkung der Dorschquoten für die westliche Ostsee um 88% im Jahr 2017. Der Minister plädiert für eine ergebnisoffene und faire Diskussion, heißt es. Würde die Kommission dieser Einschätzung folgen, stünden für die gesamte kleine Küstenfischerei in MV im nächsten Jahr nur etwa 40 Tonnen Dorsch zur Verfügung.

Denkbar wäre, so der Minister, “eine Begrenzung der Tagesfangmengen von 10 Dorschen/Angler und Tag, die Anhebung des Mindestmaßes der Dorsche auf 45 cm für Angler oder eine Begrenzung des Fangs von Laichdorschen”. Dadurch könnte eine Erhöhung der Quote für die Küstenfischerei, deren berufliche Existenz gefährdet ist, durchgesetzt werden, gibt Dr. Backhaus zu bedenken. Diese Überlegungen müssten geführt werden, “um zu einer gerechteren Lastenverteilung zu kommen”, wobei der Minister aber davor warnt, “die Interessen der Fischer und Angler gegeneinander auszuspielen”.

Auch positioniert sich Dr. Backhaus zu den Plänen des Bundesumweltministeriums, welches zur Umsetzung der Natura 2000 Gebietsflächen in der ausschließlichen Wirtschaftszone der Ostsee (AWZ) drastische Einschränkungen der Freizeitfischerei beabsichtigt. Der Minister spricht sich hierbei entschieden gegen ein generelles Angelverbot in der Kadetrinne und der Pommerschen Bucht vor Mecklenburg-Vorpommerns Ostseeküste, wie vom Bund geplant, aus. Gleichzeitig bietet er an, “dass wir über punktuelle Unterschutzstellungen für besonders bedeutsame Flächen in der Ostsee mit dem Bund verhandeln können”. Weiter erinnert der Minister an einen Beschluss der Agrarminister aus dem Jahr 2011, wonach zunächst Nachweise über Auswirkungen der Fischerei zu erbringen sind, bevor es zu einem Verbot kommen kann. Dieser Beschluss, so Dr. Backhaus, ist weiterhin bindend.

Daneben fordert der Minister, dass im Umgang mit dem Kormoran endlich zielführende und konstruktive Lösungen, insbesondere auf europäischer Ebene, gefunden werden müssen. Der Kormoran ist eine nach Europäischem Artenschutzrecht in besonderer Weise geschützte Art, wodurch rechtliche Restriktionen für Maßnahmen der Bestandsregulierung bestehen. Dennoch weist der Minister daraufhin, dass “wir mit derzeit über 14.000 Brutpaaren in MV eine enorme Belastungsgrenze erreicht haben”. “Wir benötigen daher dringend konkrete Maßnahmen, um zu einer günstigen Bewirtschaftung und letztlich zu einer nachhaltigen Populationsreduktion zu gelangen.”

Mit der Kormoranverordnung des Landes existieren bereits Möglichkeiten, Maßnahmen zur Bestandsregulierung zu ergreifen. Darüber hinaus stehen 2016/2017 Haushaltsmittel zur Minderung wirtschaftlicher Belastungen in der Binnenfischerei, insbesondere in Teichwirtschaften, zur Verfügung. In den nächsten zwei Jahren sind das jeweils bis zu 100.000 Euro.

Der Landesanglerverband M-V e.V. zählt mit heute über 43.000 Mitgliedern zu einem der größten Interessenvertretungen des Landes. Noch dazu verdeutlichen die in 2015 über 100.000 verkauften Angelkarten die große Popularität des Freizeitfischens in Mecklenburg-Vorpommern. PM/SE

Beitragsbild: Angelfisch. Foto: AH, JAWINA dankt für die Genehmigung zur Veröffentlichung.

3 Gedanken zu „Angelverbot an hunderten von Flusskilometern, drastische Einschränkungen der Freizeitfischerei

  1. AH

    Ich kann nur hoffen das diesen Verbotsparteien und -vereinen mit diesem Angriff auf die Angler endlich der Fisch im Halse stecken bleibt. Über eine Million organisierte und sicher nochmal so viele nicht organisierte Freizeitangler sprechen eine andere Sprache als jeder Jäger oder andere Legalwaffenbesitzer. Der gewöhnliche Angler hat deutlich weniger zu verlieren und kennt in der Regel wenig Spielraum im Bezug auf Einschränkungen seiner Freizeitaktivitäten.

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  2. H.P.

    Die Vorbotspartei “Die Grünen” muss man abwählen, wenn man keine Bevormundung der Bürger will. Den Grünen geht es doch hauptsächlich darum, möglichst viele Verbote zu erlassen. Eine Schande ist aber auch insbesondere, wenn unsere beiden großen Volksparteien in einigen Bundesländern da mitspielen. Auch diese brauchen einen Denkzettel bei den nächsten Wahlen.

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  3. Mteon

    Angler sind Naturschützer, Tierschützer sowie Gewässerschützer? Selber bin ich auch Angler und bin teilweise entsetzt, mit welchen Techniken heutzutage den Fischen nachgestellt werden. Ferner werden die Gewässer sehr rücksichtslos hinterlassen, was ebenfalls kaum zu glauben ist. In Bezug auf den Tierschutz bin ich ebenfalls, somit oftmals nicht erfreut, wie sich Angelkollegen verhalten. Bevor wir hier wortgewaltig Auftreten, sollten wir vorab uns selbst hinterfragen, warum Restriktionen auferlegt werden sollen. Wenn wir die Tribute von damals wieder vor Augen haben, sowie befolgen, können wir auch mit entsprechenden Schlagwörtern intervenieren. Fischschutzzonen zum Populationserhalt sind zwingend erforderlich, da geht wegen 200-300 Meter nicht gleich die Welt unter, sondern etabliert Nachhaltigkeit und Akzeptanz. Was ich allerdings sehr kritisch betrachte ist das rücksichtslose Verhalten der Berufsfischer. Hier muss zwingend etwas passieren, dass kann so nicht weiterhin toleriert werden.

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