“Alles wiederkäuende Schalenwild gnadenlos zusammenzuschießen” keine Lösung für die Probleme des Waldes

Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel hat aus Anlass der geplanten Novellierung des Brandenburger Landesjagdgesetzes einen Offenen Brief an die Abgeordneten des Landtags Brandenburg geschrieben. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut:

Sehr geehrte Abgeordnete,

erlauben Sie mir bitte, Sie im Zusammenhang mit der geplanten Novellierung des Landesjagdgesetzes auf einige Sachverhalte aufmerksam zu machen. Ich tue das aus meiner Sicht nach 40-jähriger Berufserfahrung als Biologe der Fachrichtung Zoologie. Außerdem bin ich seit mehr als 50 Jahren Jäger und seit 28 Jahren Jagdausübungsberechtigter in Brandenburg. Ich weiß mich mit meiner Einstellung zum Jagdwesen in unserem Bundesland in Übereinstimmung mit der großen Mehrheit der Jägerschaft des Landes.

Durch Trockenschäden und Käferkalamitäten sind laut Waldzustandsbericht 2019 Wälder unseres Bundeslandes stark in Mitleidenschaft gezogen. Niemand bestreitet das. Niemand kann allerdings dafür das im Land lebende Wild verantwortlich machen. Auf den Zustand von adulten Bäumen hat Wild keinerlei Einfluss. Trockenheit und Wassermangel sind die Hauptursachen für den derzeitigen Waldzustand. Nach wie vor sind 70 Prozent der Bäume auf den 1,1 Millionen Hektar Waldfläche trotz des seit Jahren laufenden Waldumbaus zu Mischwäldern Kiefern. Dass solche Monokulturen dem Klimawandel und auch dem Befall mit Schadinsekten nicht genügend Widerstand bieten, ist nachvollziehbar.

Zitat aus dem Waldzustandsbericht 2019 des Landes Brandenburg:

„Für 2019 ist in Brandenburg eine drastische Verschlechterung des Vitalitätszustandes aller Baumarten zu verzeichnen. Bei der Eiche, als eine der wichtigsten Baumart für den Waldumbau wurde eine erneute Verschlechterung des Belaubungszustandes und der bisher höchste Anteil mit deutlichen Schäden festgestellt. Auch die Buche, die noch 2018 sehr vital wirkte, zeigt in diesem Jahr das volle Ausmaß der Folgen der letzten beiden Trockenjahre. Alarmierend war auch der hohe Nadelverlust der Kiefer.“

Nach dem derzeit favorisierten waldbaulichen Paradigma Naturverjüngung soll sich der Wald selbst in diesem bedenklichen Zustand möglichst ausschließlich natürlich verjüngen, um Kosten für forstliche Maßnahmen und für den Schutz der Naturverjüngung vor Wildeinfluss zu sparen. Natürlich verjüngen können sich Baumarten allerdings nur, wenn fruktifizierende Altbäume in ausreichender Zahl im Bestand sind. In einer Kiefernmonokultur können sich beispielsweise Eichen nur verjüngen, wenn fruchttragende Eichen da sind. Da wiederkäuendes Schalenwild – in Brandenburg vor allem Rot-, Dam- und Rehwild – junge Bäumchen als Delikatesse ansieht, kann die Begründung von Mischwald mit hohem Laubholzanteil nur gelingen, wenn die erste Waldgeneration gegen Wildverbiss geschützt wird. Die Lösung dieses „Problems“ kann nicht heißen, alles wiederkäuende Schalenwild gnadenlos zusammenzuschießen. Dazu ein Zitat aus dem (noch) gültigen Jagdgesetz des Landes Brandenburg:

„Wild ist ein wesentlicher Bestandteil der heimischen Natur- Es ist als unverzichtbarer Teil der natürlichen Umwelt in seinem Beziehungsgefüge zu bewahren. Der Schutz des jagdbaren Wildes und seiner Lebensräume ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

Wald ist ein Ökosystem. Ein solches System umfasst alle dort lebenden Organismenarten (Mensch, Tiere, Pflanzen, Pilze, Mikroorganismen) sowie seine abiotischen Gegebenheiten (bspw. Boden, Klima). Die heute von verschiedenen Seiten propagierte Parole „Wald vor Wild“, in Bayern im Waldgesetz festgeschrieben, hat also definitionsgemäß mit Ökologie im wissenschaftlichen Sinne nicht das Geringste zu tun. Nimmt man Ökologie ernst, kann die Devise nur lauten„ Wald und Wild“. Übrigens sind etwa 70 Prozent der Landesfläche unseres Bundeslandes nicht bewaldet. Demnach ist es nicht sinnvoll, ein Landesjagdgesetz ausschließlich auf den Wald zu fokussieren, wie es anscheinend von verschiedenen
Seiten, u. a. auch von der Ministerialbürokratie des zuständigen Ministeriums, intendiert ist.
Bereits die seit letztem Jahr gültige Durchführungsverordnung zum Landesjagdgesetz ging ganz eindeutig in diese Richtung.

Durch Abschaffung bzw. Aufweichung von behördlich bestätigten bzw. festgesetzten Abschussplänen und durch Ausweitung von Jagdzeiten soll die Bejagung von Wild verschärft werden, um die eingangs geschilderten Probleme des Waldes zu lösen. Dabei wird geflissentlich verschwiegen bzw. ausgeblendet, welche von Jagd und Wild unabhängigen Faktoren für den Zustand des Waldes verantwortlich sind. Niemand, auch kein Befürworter von Wald vor Wild, konnte mir bisher meine Frage beantworten, welche jagdrechtlichen Bestimmungen der Vergangenheit denn verhindert haben, Wildbestände an die Landeskultur anzupassen.

Abschusspläne haben zum Ziel, für möglichst naturnah nach Alter und Geschlecht gegliederte Wildbestände zu sorgen. Dies gelingt umso besser, je genauer ein Abschussplan erfüllt wird. Dazu heißt es im Landesjagdgesetz:

„Dieses Gesetz dient dazu, einen artenreichen und gesunden Wildbestand in einem ausgewogenen Verhältnis zu seinen natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten.“

Ein Wildbestand ist nicht nur dann gesund, wenn er frei von Krankheiten ist. Gesund heißt auch, Wild muss in solchen Zahlen und in solcher Gliederung nach Alter und Geschlecht vorhanden sein, dass es seiner natürlichen Sozialstruktur gemäß leben kann. Immerhin genießt Tierschutz seit geraumer Zeit Verfassungsrang in Deutschland. Planlose Bejagung bewirkt genau das Gegenteil und führt zu ungesunden Wildbeständen, deren dadurch verursachte Leiden tierschutzwidrig sind.

Zu planloser Bejagung führt auch der sog. Mindestabschuss, der seit letztem Jahr möglich ist. Wenn ein Geschlecht oder eine bestimmte Altersklasse weit über den Plan hinaus erlegt wird, führt das den gesamten Abschussplan ad absurdum.
In Brandenburg gibt es für Rehwild seit 2014 keinen Abschussplan mehr, außerdem wurde die Jagdzeit für Rehböcke deutlich ausgeweitet. Wie sich das auswirkt, kann im offiziellen Jagdbericht des Landes Brandenburg 2016/2017 nachgelesen werden.

Zitat: „Gegenwärtig muss festgestellt werden, dass die mit den jagdrechtlichen Veränderungen seit 2014 angestrebte Reduzierung des Rehwildbestandes nicht erreicht werden kann, weil landesweit deutlich zu viel männliches Rehwild erlegt wird. Zukünftig muss mehr Gewicht auf die Einhaltung der in der Bewirtschaftungsrichtlinie geforderten Geschlechteranteile
gelegt werden, denn die Erhöhung der Gesamt-Rehwildstrecke mittels Erhöhung des Bockabschusses wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die gewünschten Effekte auf die Wildschadenssituation im Wald erzielen.“

Weitere Desiderate der Wald-vor-Wild-Fraktion sind die Verkleinerung von Eigenjagdbezirken und Gemeinschaftlichen Jagdbezirken sowie die Verkürzung von Mindestpachtzeiten.

Derzeit muss eine Eigenjagd nach Bundesjagdgesetz mindestens 75 Hektar groß sein, ein Gemeinschaftlicher Jagdbezirk mindestens 250 Hektar. Die Streifgebiete, also die von einem Individuum unserer Schalenwildarten normalerweise im Jahreslauf genutzten Flächen, sind wesentlich größer. Rothirsche können Streifgebiete von bis zu 10.000 Hektar haben!
Man kann auf den Miniflächen vieler Jagdbezirke Wild nicht nach vernünftigen wildbiologischen Grundsätzen bewirtschaften.

Vernünftig heißt in diesem Zusammenhang, tatsächlich ökosystemar zu denken. Gerade das aber ist der Wald-vor-Wild-Fraktion ein Dorn im Auge, da es dann eben nicht ausschließlich um ökonomische Interessen von Waldbesitzern gehen kann. Als aus wildbiologischer Sicht wichtige Korrekturfaktoren der zu kleinen Jagdbezirke müssen Hegegemeinschaften existieren, in denen auf großer Fläche Wildpopulationen sinnvoll bewirtschaftet werden können. Die Wald-vor-Wild-Fraktion steht Hegegemeinschaften genau deshalb ablehnend gegenüber, weil man dann u. U. im eigenen kleinen oder auch größeren Jagdbezirk nicht mehr allein nach Gutsherrenart schalten und walten kann. Wildbiologisch sinnvoll ist es, Hegegemeinschaften zu stärken und sie mit mehr Befugnissen auszustatten. Das wäre gleichzeitig ein erheblicher Beitrag zum Bürokratieabbau in den Verwaltungen der Landkreise.

Bei der Verkürzung von Mindestpachtzeiten, bisher für Niederwildjagden 9 Jahre, für Hochwildjagden 12 Jahre, will man die Möglichkeit schaffen, solchen Pächtern ein Pachtverhältnis leichter kündigen zu können, die nach Ansicht der Wald-vor-Wild-Fraktion nicht scharf genug jagen.

In Gesetzgebungsverfahren ist zunehmend die Tendenz der Ministerialbürokratie zu beobachten, möglichst viele Dinge auf dem Verordnungsweg regeln zu können, um das lästige Parlament zu umgehen. Ich bitte Sie dringend, darauf zu achten, dass das bei der anstehenden Novellierung des Jagdgesetzes weitestgehend verhindert wird. Lassen Sie sich als vom Volk gewählte Abgeordnete des Landtages nicht vom Beamtenapparat der Ministerialbürokratie an der Nase herumführen.

Gerne bin ich jederzeit bereit, Ihre Fragen oder Fragen Ihrer Fraktion zum Thema Novellierung des Jagdgesetzes oder allgemein zur Jagd zu beantworten.

Mit freundlichem Gruß

gez. Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Beitragsbild: Offener Brief von Prof. Pfannenstiel an die Landtagsabgeordneten (Screenshot, Ausschnitt, bearbeitet)

18 Gedanken zu „“Alles wiederkäuende Schalenwild gnadenlos zusammenzuschießen” keine Lösung für die Probleme des Waldes

  1. mbogo

    Das ist ein fundierter und äußerst wichtiger offener Brief von Prof. Pfannenstiel an die Abgeordneten. [Kommentar gekürzt, admin.]

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  2. Mikka

    Vielen Dank Prof. Pfannestiel!
    Ein wichtiger Aspekt fehlt hier noch: Je höher der Jagddruck, desto höher der Verbissdruck. Zig mal untersucht, tausendfach belegt und immer wieder glaubt man in den Ministerien Viel hilft viel!
    Wild in seiner Raum-Zeit-Dynamik, unter tierschutzgebotenen Bedingungen zu bewirtschaften, verlangt viel Augenmaß und Wissen. Aus eigener Erfahrung kann man dies den Brandenburger Förstern zusprechen. Leider wirkt auch hier eine sehr unschöne, monetäre Ideologie auf Menschen, die es bestimmt besser Wissen. Maulkorberlasse für Förster, sind da nur die Spitze des Eisbergs.
    Es bleibt nur zu wünschen, dass die Damen und Herren Abgeordnete wirkliche Meinungsbildung im unabhängigen Gewissen betreiben und nicht dem ökofantstischem Lobbyismus verfallen. Ansprechpartner wie Prof. Pfannenstiel helfen dabei ungemein!

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  3. WaldvorWild1967

    Guten Tag,
    Da möchte ich auch mal meinen Senf dazugeben im Namen der modernen Jagd.
    Keine Naturverjüngung vorhanden > Pflanzung > vom Wild geäst > noch mehr Wild, da noch mehr Nahrung > höherer Verbissdruck auf bestehende Vegetation
    Alternative: Verbissschutz durch Zäune > sehr effektiv, aber: nimmt dem Wild Lebensraum und damit Äsungsfläche > Folge: erhöhte Verbissbelastung auf bestehende Vegetation
    Außerdem: bei hohem Wildbestand ist das Risiko für Krankheiten signifikant höher, das müsste ein Biologe eigentlich wissen
    Und für die Trophäenjäger: Die Größe des Gehörns beim Rehwild ist von der Äsung anhängig > je weniger Wild, desto mehr Äsung für das vorhandene Wild > größeres Gehörn
    Rotwild leidet v.a. unter zu hohen Bestandesdichten, da sie als Mischäser deutlich mehr Nahrung benötigen und v.a. auch schälen, also treten durchaus Schäden am stehenden Holz auf !
    Durch die massive Vermehrung, v.a. die des Rehwildes ist ein angepasstes Jagdkonzept dringend angebracht !
    Nicht zuletzt sollte der Jäger eine dem Wald dienende Rolle einnehmen. Das einzige Bundesland, welches dies wirklich erfolgreich umsetzen konnte und wollte ist Baden-Württemberg.

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  4. Karin Seeger

    Die Wälder müssen von uns geschützt werden. Wir haben das Wohnzimmer der darin lebenden Tiere stark herunter kommen lassen. Sollen unsere Kinder einmal nur noch Waldtiere auf DVD sehen können. Fangt endlich an die Wälder von der Luft aus zu gießen und zwar mit Wasser nicht mit Kerosin.

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  5. Günther Schubert, Dresden

    Sehr geehrter Herr Dr. Pfannenstiel,

    entgegen Ihrer Darstellung macht niemand das Wild für die katastrophalen Zustände in unseren Wäldern verantwortlich. Da Sie ja richtigerweise Parallelen bei der Betrachtung von Wolf und wiederkäuendem Schalenwild ziehen, bitte ich darum, dies hier auch zu tun. Denn was den Wolf in Deutschland angeht, sehen Sie richtigerweise den Menschen in der Verantwortung. Das ist somit selbstredend beim Schalenwild genauso zu handhaben. Also: Das Wild ist so unschuldig an den
    Problemen, wie es herrenlos ist.
    Was hinsichtlich des im Gange befindlichen Klimawandels noch auf uns zukommen wird, weiß niemand. Für zukünftige Handlungsstrategien ist vom status quo auszugehen. Daher ist es gewollt und fachlich richtig, vor allem in Brandenburg neben anderen auf die Eiche als zünftige bestandesbildende Baumart zu setzen. Und eine erfolgreiche Naturverjüngung aus Eiche ist eben nicht, wie von Ihnen bedauerlicherweise dargestellt, von ausreichenden Altbäumen in den zu verjüngenden Beständen
    abhängig. Tatsächlich gibt es zahlreiche Eichenbestände aus Naturverjüngung, fernab von fruktifizierenden Altbäumen, die einzig und allein auf die Tätigkeit der Eichelhäher zurückzuführen sind. Hierzu gibt es ausreichend wissenschaftliche Belege, bis hin zum Vergleich solcher Bestände mit den bekannten Beständen im Spessart.
    Im Falle einer Kunstverjüngung führen Sie selbst den Schutz dieser Flächen vor Wildverbiss an. Auch bei Naturverjüngungen ist dieser leider notwendig. Beschäftigen Sie sich bitte mit den Kosten, mit denen sich ein Waldbesitzer in Brandenburg konfrontiert sieht, der über die Regelungen im Waldgesetz richtigerweise dazu gezwungen ist, seinen abgestorbenen Kiefernbestand wieder in Bestockung zu bringen. Alleine den Zaunbau können Sie mit rund 5.000 EUR pro Hektar
    veranschlagen. Eine Eichenkultur bis zu ihrer Sicherung dürfen Sie mit rund 15.000 EUR pro Hektar veranschlagen. Warum soll ein Waldbesitzer diese Kosten tragen, wenn es doch Jäger gibt, die den Regelungen der Jagdgesetzgebung verpflichtet sind?
    „Wild ist ein wesentlicher Bestandteil der heimischen Natur- Es ist als unverzichtbarer Teil der natürlichen Umwelt in seinem Beziehungsgefüge zu bewahren. Der Schutz des jagdbaren Wildes und seiner Lebensräume ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Sie führen das richtigerweise an und ich sehe hier keinen Widerspruch zu einer intensiveren Bejagung mit dem Ziel waldverträglicher Wilddichten, die es so in den meisten Jagdrevieren der Bundesrepublik bedauerlicherweise nicht
    gibt. Nicht nur in Brandenburg. Sie implizieren hier die Ausrottung als Ziel der zukünftigen Politik. Dies ist nicht richtig, weil nicht gewollt und ohnehin ein Verstoß gegen zahleiche Rechtsbereiche.
    Die Fokussierung der Jagdgesetzgebung auf den Wald ergibt sich im Grunde von alleine. Wald ist der wichtigste Wildlebensraum, den es zu sichern und zu entwickeln gilt. Überhöhte Wildbestände stellen hier den gravierendsten Hinderungsgrund dar. Bei Betrachtung ökologischer Grundsätze sind unsere Wildbestände i.d.R. überhöht, in einigen Fällen stark überhöht. Diese Erkenntnis muss man akzeptieren, wenn man den Begriff der Ökologie anführt. Wo bleibt das Gleichgewicht, wenn die
    Verantwortlichen zulassen, dass wiederkäuendes Schalenwild die natürliche Waldverjüngung verhindert?
    Hier setzen die Interessenverbände an, insbesondere die Waldbesitzer. Wenn die Verantwortlichen, also die Jägerschaft, sich in den vergangenen 30 Jahren adäquat um diese Problematik bemüht hätten, dann wären auch die von Ihnen ständig kritisierten Gesetz- und Verordnungsgebungsverfahren nicht notwendig. Aber der Gesetzgeber sieht sich hier in der Situation, das Jagdrecht liberalisieren zu müssen, um mögliche Hemmschwellen zu beseitigen.
    Tatsächlich haben sie ja Recht mit Ihrer Frage, welche jagdrechtlichen Regelungen in der Vergangenheit verhindert haben, Wildbestände an die Landeskultur anzupassen. Ich weiß es auch nicht, ich weiß aber um das Verantwortungbewusstsein der Jäger, mit dem es leider nicht sehr weit her ist. Die Probleme kann sich jeder im Wald anschauen. Hier müssen dann entsprechende Instrumente geschaffen werden. Beispielsweise dadurch, dass die Eigenjagdbezirksgrößen verringert werden und damit Waldbesitzer die Möglichkeit eingeräumt bekommen, auf die teilweise enteignungsgleichen Zustände Einfluss nehmen zu können, weil sie jetzt ihre Flächen selbst bejagen dürfen. Richtig, ein Desiderat. Etwas was dringend benötigt wird und in der Vergangenheit gefehlt hat, um berechtigten Ansprüchen gerecht zu werden. Gleiches gilt auch für die Verringerung der Größe gemeinschaftlicher Jagdbezirke. Wenn dies hinsichtlich des Rotwildes mit großen Streifgebieten hinderlich sein sollte, hat der Gesetgeber bereits sehr früh im Bundesjagdgesetz die Möglichkeit eröffnet, Hegegemeinschaften zu gründen. Aber möglicherweise funktioniert dies nicht, weil ein Jäger des nächsten Jägers Teufel ist? Ja, wie ich aus eigener Erfahrung feststellen musste.
    Die Abschaffung der Abschusspläne erfolgte zwingend aus der Erkenntnis, dass eine Planung nur dann sinnvoll verfolgt werden kann, wenn die Grundlagen, hier: Anzahl und Geschlecht des Bestandes, bekannt sind. Dass sich Rehe nicht zählen lassen, ist eine Binsenweisheit. Darüber muss man nicht mehr reden. Dass im Verhältnis zu viele Rehböcke erlegt wurden, dürfen Sie nicht der Gesetzgebung anlasten. Hierfür sind einzig und alleine die Jäger in der Verantwortung. Wenn dann nicht im Gleichlauf auch mehr weibliches Rehwild erlegt wird, so führt dies die Absicht des Gesetzgebers (Herstellung waldverträglicher Wilddichten) ad absurdum. Verantwortlich sind die
    Jäger. Dass mehr Böcke erlegt werden, liegt in der trophäenorientierten Ausübung der Jagd. Und richtig, mit der Verringerung von Mindestpachtzeiten möchte man den Grundeigentümern die Möglichkeit geben, sich ohne große Probleme von Jägern trennen zu können, mit denen eine
    Zusammenarbeit nur schwer oder nicht möglich ist. Die Jäger bewegen sich meist auf fremdem Grund und Boden. Die Ansprüche der Grundeigentümer sind da essentiell (§1 Abs. 2 Bundesjagdgesetz). Es geht aber auch um Mindestpachtzeiten. Keine Jagdgenossenschaft ist gezwungen, sich an diese Mindestzeiten zu halten, sprich, es kann auch länger gehen, wenn beide Seiten zufrieden sind. Ist die Absenkung der Mindestzeiten nicht ein Hinweis darauf, dass es
    Probleme gibt? Ganz sicher. Und das sind nicht wenige. Wollen Sie jetzt den Versuch einer Problemlösung dem Gesetzgeber anhängen? Der Gesetzgeber hat die Probleme nicht verursacht.
    Es ist doch eigentlich bemerkenswert, dass so manch ein Bundesbürger unter der Last der Gesetze und Bestimmungen zusammenzubrechen scheint. Wird dann aber liberalisiert, so ist es auch wieder falsch. Eigenverantwortung möchte kaum einer übernehmen, leider auch nicht die Jäger. Dabei
    haben sie alles in der Hand.
    Und das schreibt einer, der selbst fast dreißig Jahre lang in verschiedenen Bundesländern die Jagd ausgeübt hat und sich daher sicher eine Meinung bilden kann.

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  6. Dr. Wolfgang Lipps

    Dieser Offene Brief von Prof. Pfannenstiel ist wichtig und richtig – aber, wie man die politische Klasse so kennt: der Hund bellt und die Karawane zieht weiter.
    Und zu den Kommentaren:
    Die Jagd als “dienende Funktion des Waldbaus” zu sehen greift zu kurz und verkennt das Nebeneinander, und Miteinander, der “Nachhaltswirtschaften” Forstwirtschaft und Jagd = Wildbewirtschaftung. Die Grenze für den Wildbestand der jagbaren Tiere ist der Wildschaden im Wald, der nach der geltenden Rechtslage “möglichst” zu verhindern ist – “möglichst” heißt nicht Totalabschuss, sondern hat wieder seine Grenze im “gesunden und artenreichen Wildbestand in seinem Biotop”.
    “Mindestabschüsse” (Mindestabschusspläne gibt es nicht!) sind keine “Liberalisierung” der Jagd – was für ein lieblicher Ausdruck! – sondern eine “Lizenz zum Töten” mit der möglichen und mancherorts sicherlich beabsichtigten Über-Dezimierung und letztlich Ausrottung von Wildbeständen.
    Das ist schlicht rechtswidrig!
    Aber, wie gesagt: der Hund bellt!

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  7. Ronbi

    Warum nur?
    Warum sehen Waldränder immer, wie abgeschnitten aus?
    Ohne Buschzone und so ‘n Zeugs.
    Warum gibt es bald keine uralten und alten Bäume mehr?
    Weil alles in Asien landet.
    Warum ist der Holzverkauf ein Finanzposten in den Länderhaushalten?
    Warum werden so ab Juni die Waldwegränder, ohne Notwendigkeit gemulcht, geschreddert und damit zerstört?
    Wohl an allem das Schalenwild schuld?
    Oder etwa doch die Forstverwaltung?

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  8. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Sehr geehrter Herr Schubert,
    manche Waldbauern machen offenbar sehr wohl das Wild für den Zustand des Waldes verantwortlich, den sie beklagen. Zumindest halten sie eine Veränderung dieses Zustandes nur für möglich, wenn das wiederkäuende Schalenwild erbarmungslos zusammengeschossen wird. Und damit bin ich bei einem mir sehr wichtigen Punkt. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn aus vernünftigen waldbaulichen Gründen Wildbestände auch deutlich abgesenkt werden. Meine Kritik gilt der planlosen und erbarmungslosen Reduktion. Wenn ein Bestand nach der Reduktion nicht mehr einigermaßen natürlich nach Geschlecht und Altersklassen gegliedert ist, oder wenn bspw. Rotwild in so geringen Dichten übrig bleibt, dass es sein natürliches Sozialleben nicht mehr leben kann – was bei 0,5 bis 1 Stück/100 ha ganz sicher der Fall ist – , dann nenne ich das tierschutzwidrig und erbarmungslos. Zudem wird Wilddichte häufig mit Wildbestand verwechselt. Sind in einem 500 ha-Revier 10 Stück Rotwild vorhanden, dann beträgt die rechnerische Wilddichte 2 St./100 ha. Rudelt sich das Wild aber auf 50 ha im Revier zusammen, weil es nur dort Ruhe vor menschlichen Aktivitäten aller Art (einschließlich Jagd) findet, dann steigt dort die tatsächliche Wilddichte auf 10 St./ 50 ha bzw. 20 St./100 ha! Muss deshalb der Abschussplan erhöht werden? Nein, wenn man vernünftigerweise dort einen Bejagungsschwerpunkt macht und zudem – ganz wichtig – die Gründe für das Zusammenrudeln untersucht und etwas daran ändert.
    Glauben Sie allen Ernstes, dass man einen Rehwildbestand ohne Ausrottung auch des letzten Rehs soweit absenken kann, dass Hähersaat zur Bestandesbegründung der Eiche ausreichet? Müssen den alle Flächen in Brandenburg, auf denen selbst die Kiefer wegen Trockenheit abstirbt, auf Teufel komm raus künstlich aufgeforstet werden? Schauen Sie sich die Flächen an, die im letzten Jahr gebrannt haben. Kiefer, Birke und Eberesche kommen auch ohne Zutun des Menschen und bilden einen natürlichen Wald.
    Sie mahnen die Berücksichtigung ökologische Grundsätze bei der Wildbewirtschaftung an. Weshalb werden diese Grundsätze nicht im Waldbau angewendet? Halten Sie die Begründung von Eichen- oder sonstige nahezu Reinbeständen für ökologisch? Wald ist übrigens keineswegs der wichtigste Wildlebensraum. Die Fokussierung auf den Wald in einem Bundesland, das zu mehr als zwei Dritteln aus Offenland besteht, ist nur nachvollziehbar, wenn die ökonomischen Interessen vieler Waldbesitzer Vorrang genießen. Solche Interessen mögen legitim sein, mit Ökologie haben sich nicht das Geringste zu tun.
    Glauben Sie ernsthaft, dass man „Hemmschwellen“, von denen Sie reden, durch Liberalisierung des Jagdrechts beseitigen kann? Liberalisierung ist übrigens die euphemistische Umschreibung dessen, was ich als erbarmungsloses und planloses Abschießen bezeichne. Jagen möchte ich das nicht nennen.
    Dass eine Absenkung der Mindestflächen für Jagdbezirke und eine Verringerung der Mindestpachtzeiten aus wildbiologischer Sicht Unfug sind, wissen Sie sicher selbst.
    Je nach Bedarf und Intension wird von Ihnen – und Mitgliedern des ÖJV – an die Verantwortung der Jägerschaft appelliert oder rigide gesetzliche Regelung einzelner Aspekte des Jagdwesens gefordert. Was denn nun? Wenn das mit der Verantwortung funktionieren würde, brauchten wir überhaupt kein Jagdgesetz. Dass die ungünstige Verschiebung des Abschussgeschlechterverhältnisses beim Rehwild in Brandenburg auf die Verlängerung der Jagdzeit zurückzuführen ist, kann man nicht einfach wegdiskutieren. Und wenn die Jägerschaft nicht verantwortungsbewusst handelt, also den Abschuss männlichen Wildes überzieht, dann würde wohl eine Rückkehr zum gesetzlichen Ende der Jagd auf den Rehbock im Oktober helfen, oder?
    Sich von Jägern zu trennen, die sich nicht an die Ziele von Jagdgenossenschaften oder Eigenjagdbesitzern halten, ist doch im Pachtvertrag leicht hinzukriegen. Dazu müssten Ziele aber definiert werden und Pachtverträge entsprechend ausgestaltet werden. Wer hindert Verpächter bei geltender Rechtslage daran? Niemand! In Brandenburg, wo Rehwild ohne Plan und entsprechend ohne auch Zustimmung der Pächter – zumindest bei laufenden Pachtverträgen ohne Bestimmungen zur Rehwildbejagung – bejagt wird, kann ein Pächter auch völlig auf die Rehwildbejagung verzichten, wenn er das will. Das haben die Protagonisten der Abschaffung des Abschussplans nicht bedacht.
    Also, liebe Waldbauern, lasst die Kirche im Dorf. Wald ohne Wild ist kein Ökosystem!
    Mit freundlichem Gruß

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  9. Günther Schubert, Dresden

    Nein, Herr Dr. Lipps,
    das ist genau nicht der Fall. Die Jagd als Dienstleistung kommt allen Beteiligten zugute. Das Ansehen der Jägerschaft bei den betroffenen Grundeigentümern wächst, wenn sich Jäger als verlässliche Partner erweisen. Wie ich bereits schrieb, ist das bisher meist nicht der Fall, weil man sonst Gesetze nicht ändern müsste. Als Jurist ist Ihnen Sinn und Zweck von Gesetzen bekannt. Sie stellen keinen Selbstzweck dar und müssen geändert werden, wenn sie ihren Zweck nicht erfüllen. Hinsichtlich der Jagd ist dies leider so.
    Sie schreiben richtig vom Miteinander. Das gibt es so bedauerlicherweise vielfach nicht, das zeigen die Ergebnisse der forstlichen Gutachten. Mir ist wohl bewusst, dass Sie diese ebenfalls kritisieren. Die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt.
    Und durch ständige Wiederholung durch Sie und Herrn Dr. Pfannenstiel wird es eben nicht Realität, dass mit gesetzlichen Änderungen der Totalabschuss avisiert ist. Wildschäden sind möglichst zu vermeiden, d. h. es geht per se nicht um den Wildbestand, sondern um seine Auswirkungen auf den Grundeigentümer. Bemerkenswerterweise wird seitens der Jägerschaft der „gesunde und artenreiche Wildbestand“ mit einem „gesunden und zahlreichen Wildbestand“ verwechselt. Der steht nicht im Gesetz und ist auch nicht gemeint.
    Wenn Mindestabschusspläne in die Gesetzgebung aufgenommen werden, dann gibt es sie. Solche Pläne können zwischen den Vertragsparteien ausgehandelt werden, also zwischen Jagdausübungsberechtigten und Grundeigentümern (Jagdgenossenschaften). Was ist daran verwerflich? Das ist ein sozusagen urdemokratisches Prinzip, dem sich die Vertragsparteien unterwerfen. Und es zeugt von ausgeprägtem Verantwortungsbewusstsein der Jägerschaft, wenn sie diesen Weg mit den Eigentümern des Jagdrechts gemeinsam gehen. Und machen wir uns nichts vor: Wenn eine intensive Schalenwildbejagung letztlich in struktur- und artenreichen Wäldern mündet, haben alle etwas davon. Auch das Wild. Hierfür gibt es mittlerweile zahlreiche Beispiele.
    Wenn Sie aus Mindestabschussplänen eine „Lizenz zum Töten“ ableiten, dann bestätigen Sie meinen Standpunkt, dass es bei den Jägern nicht weit her ist mit dem Verantwortungsbewusstsein. Sie degradieren die Jägerschaft damit zu bloßen Befehlsempfängern, die nicht in der Lage sind, eigenverantwortlich zusammen mit den Grundeigentümern die anstehenden Aufgaben zu lösen. Wenn dem wirklich so wäre, würde durch eine Liberalisierung des Jagdrechts die Jägerschaft vollkommen überfordert. Tatsächlich billige ich den Jägern mehr Verstand zu.

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    1. Mikka

      Was den nun Herr Schubert, “… Jagd als Dienstleistung…” oder “…eigenverantwortlich zusammen mit dem Grundeigentümer…”? Sie widersprechen sich ja selbst!
      Herr Dr. Lipps hat da schon Recht, wenn er von einem Miteinander spricht. Dies muss großflächig und wildbiologisch angepasst erfolgen. So lenkt man Äsungsdruck, vermeidet Jagddruck und beeinflusst Landnutzungsverhalten, auch im touristischen Sinne.
      Glauben Sie, Herr Schubert, dass Ihre propagierte Ideologie: hinter jedem Baum ein Jäger, Entschuldigung ein Dienstleister!, irgend einen Wildschaden verhindert? Im Gegenteil.
      Es geht Ihnen nur um Dezimierung, nicht um artgerechte Bewirtschaftung zum Zwecke der Koexistenz aller.
      So eine Jagd macht keinen Sinn und widerstrebt sämtlichen Grundsätzen des Tötens aus vernünftigem Grund.

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  10. Ralf

    Sehr geehrter Herr Schubert aus Dresden,
    Ihnen dürfte bekannt sein, dass Gutachten von jemandem bezahlt werden, der eine gewisse Zielrichtung anstrebt. Wessen Brot ich ess’, dessen Lied ich sing….
    Ich sage nur: Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast! Das ist für Sie nicht neu, oder!?

    Zu:
    ” Solche Pläne können zwischen den Vertragsparteien ausgehandelt werden, also zwischen Jagdausübungsberechtigten und Grundeigentümern (Jagdgenossenschaften). Was ist daran verwerflich? ”
    …kann ich nur zurück fragen: Das fragen Sie nicht wirklich, oder? Ist das ein türkischer Basar, oder was? Es kann und darf keine Frage sein, álá was gibst du mir, dann geb ich dir!!!!!!!

    Zu:
    “Sie degradieren die Jägerschaft damit zu bloßen Befehlsempfängern, die nicht in der Lage sind, eigenverantwortlich zusammen mit den Grundeigentümern die anstehenden Aufgaben zu lösen.”
    …kann ich nur antworten: was sind denn “Abschießende”, die eine Zahl erfüllen? Keine Befehlsempfänger? Ich habe da erhebliche Zweifel!
    Um es auf den Punkt zu bringen:
    Der Jäger in seinem Revier kann gewisse Faktoren erkennen, wie z.B. Menge und Konstitution des Wildes. Er kann dies erkennen und wird entsprechend- auch auf den Abschuss bezogen- reagieren. Er und kein anderer! Notfalls können auch Abschüsse nachbeantragt werden. Da hilft keine Statistik und keine Absprache! Wann, verdammt nochmal, werden Menschen wie Sie dieses zur Kenntnis nehmen!?
    Ich muss Herrn Professor Pfannenstiel in allen seinen genannten Punkten beipflichten! Eine Aufweichung macht auch aus meiner Sicht wirklich keinen Sinn!

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  11. Peter-C. Neigenfind

    Wald vor oder ohne Wild ? Mindestabschusszahlen, Verlängerung der Jagdzeiten auf Schalenwild und alles nur um die Naturverjüngung der Wälder ohne Kosten sicher zu stellen.
    Ein Waldumbau ohne Zäune ist doch nur ohne Wild möglich. Also doch Wald ohne Wild ? Die weiteren Verlängerungen der Jagdzeiten berührt doch auch den Tierschutz.
    Einige Jagdzeitverlängerungen überlagern sich mit den Schonzeiten von trächtigem Wild. Wo bleibt da die jagdliche Ethik ? Hegegemeinschaften sollten gestärkt werden, so die Landesbehörden. Wozu wenn die gleiche Behörde willkürlich die Jagdzeiten ändert und Abschusspläne als nicht mehr zeitgemäß betrachtet.
    Kein Wort über den radikalen Personalabbau in den Forstbetrieben, keine Aussage über mangelhafte Maßnahmen zum Schutz der gefährdeten Bäume.
    Ich habe den Eindruck das es auch manchem Jäger nicht um die Jagd und den Wald sondern um Vermarktung und Erlös geht. Leider äußern sich unsere Verbände zu diesen Themen sehr zurück haltend.
    In unserer Hegegemeinschaft wird immer noch nach dem alten Bundesjagdgesetz die Jagd ausgeübt. So erfolgt z.B. die Jagd auf den Rehbock vom 1.Mai bis 15.Oktober
    Auf unserer jährlichen Hauptversammlung mit Rehwildabschussplanung ! werden auch die Trophäen gemäß Alter und Abschussdatum bewertet.
    Interessant das in Tschechien die Jagd fast deckungsgleich mit dem altem deutschen Bundesjagdgesetz erfolgt. Die Bockjagd z.B. beginnt am 16.Mai und endet am 30. September. Rehwild welches die Wälder “Auffrisst ” ist dort allerdings nicht bekannt.
    Peter-C. Neigenfind
    Vorsitzender Hegegemeinschaft Niederwild Barnim Süd

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  12. E. Hahlweg

    Man darf sich immer wieder darüber wundern, wenn ein Verein (ÖJV) mit weniger Mitgliedern bundesweit als mancher Kaninchenzüchterverein auf Kreisebene sich bemüßigt fühlt, große Teile der Jägerschaft zu diskreditieren und gleichzeitig auch noch eine Pflanzempfehlung (Eiche) als klimastabile Baumart für die Zukunft abgibt.
    Aus meiner bescheidenen Sicht der Dinge als HG-Leiter und Waldbesitzer darf ich hierzu vielleicht folgende Bemerkungen machen: Die Eiche fällt durch die Klimaveränderung zu ca. 80% bei uns aus und spreche ich mit den Förstern hier vor Ort, so wissen sie aus den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, dass alle von offizieller Seite abgegebenen Prognosen zur Entwicklung des Waldes falsch waren.
    @Herr Schubert propagiert die ideologischen Richtlinien seines Vereins, die allerdings wenig mit der Wirklichkeit zu tun haben und zu einem gewissen Teil gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen, wie z.B. Herr Prof. Pfannenstiel anmerkte. Ein Beispiel hierzu:
    In unserer Gegend befindet sich eine große Landeswaldförsterei. Der Amtsleiter schrieb im Jahr 2009 in einem Artikel, man habe den Verbiss des Rotwildes gut im Griff, da die neue Jagdmethode „Intervalljagd“ das richtige Mittel sei, den Bestand zu regulieren. Diese Försterei nahm anschließend an der Durchführung der ZOJ (Zielorientierten Jagd) teil, was allen ÖJVlern ein Glänzen in die Augen zauberte. Nach Beendigung des Versuchs wurde die Strategie ZOJ weiter verfolgt, allerdings mit der Maßgabe, die eine oder andere vorgesehene Ruhezeit nicht einzuhalten und gleiche Flächen bis zu vier Mal mit mehr als 100 Schützen zu beunruhigen. Alttiere wurden selbstverständlich frei gegeben, Tierschutz ist hier ein Fremdwort! ÖJVler nahmen an diesen Schießevents teil und feierten sich als die Retter des deutschen Waldes. Und während sich diese Vollstrecker schon auf zum nächsten Schießevent machten, durften sich die örtlichen Jäger um die Erlegung der verwaisten Kälber kümmern.
    Die Abschusspläne wurden nicht erfüllt und im Jahr 2019 meldete der Amtsleiter einen Verbiss von über 80%!! Die Sozialstrukturen des Rotwildes sind zerschlagen, an einer wildökologischen Lebensraumbewertung besteht kein Interesse (aus gutem Grund?). Das sind die Jagdmethoden und die „Erfolge“, für die dieser Verein eintritt.
    Ich betreue knapp 40 Jagdreviere und bei allen Verpachtungen standen entweder der Pachtpreis oder der örtliche Bezug des Pächters im Vordergrund. Das Verhältnis zu den allermeisten Förstern ist gut. Die neue DVO spielt bei den HG-Mitgliedern genau so wenig eine Rolle wie bei den Verpächtern die Verkürzung der Pachtzeit – ganz im Gegenteil.

    Ich würde mich freuen, wenn die ÖJVler und Affine, die sich besonders hier (Jawina) mit ihrem „Anliegen“ so besorgt äußern, mit gleicher Intensität für die Vermeidung von Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen einsetzen würden. Da reicht es allerdings nicht aus, sich nur mal einen halben Tag am „Verbiss“ gefährdeten Feld hinzusetzen, um Erfolge zu vermelden.

    E. Hahlweg

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  13. Günther Schubert, Dresden

    Sehr geehrter Herr Dr. Pfannenstiel,

    dass es Waldbauern gibt, die das Wild für den Waldzustand verantwortlich machen, ist ja naheliegend. Es gibt in der Republik zig100.000 Waldbesitzer. Genauso vielfältig sind die Ansichten. Tatsächlich habe ich aber von Ihnen gesprochen. Sie sollten es doch besser wissen.
    Mir fällt in Ihren Beiträgen/Schreiben an die Politik und auch hier eine recht ungehemmte Sprache auf. Ein Vokabular wie „erbarmungslos“, „zusammengeschossen“, „planlos“, „abschießen“, „tierschutzwidrig“, „Ausrottung“ erinnert mich doch sehr an einen amtierenden Präsidenten, der damit sicher keine Brücken baut. Bedauerlich, dass Sie solche Worte nutzen, um Dinge zu verteidigen, die sich in der Vergangenheit nun wirklich nicht bewährt haben, bspw. eine Abschussplanung.
    Sie schreiben von einer planlosen Reduktion. Wie ich schon erläuterte, sind Planungen nach Alter und Geschlecht nur dann zielführend, wenn beides bekannt ist. Tatsächlich soll es noch Reviere geben, in denen im Frühjahr der Rehwildbestand gezählt wird um einen Abschussplan zu erstellen. Solche Zählungen sind schon seit Jahrzehnten als Unsinn bekannt. Und doch werden auf dieser Grundlage noch Pläne aufgestellt. Eine mitteleuropäische Volkswirtschaft ist vor rund dreißig Jahren an ihren Plänen gescheitert. Der Begriff des „Postkartenabschusses“ ist schon geradezu sprichwörtlich für eine Planung, deren Wert sich maximal an einem weißen Blatt Papier festmachen lässt. Mehr nicht. Tatsächlich, und da wiederhole ich mich, sollten Abschusszahlen an der waldbaulichen Notwendigkeit festgemacht werden.
    Sie nennen den Begriff des „Bejagungsschwerpunktes“. Ja richtig, Intervalljagd, Bejagungsschwerpunkt oder Schwerpunktbejagung sind Methoden einer zielgerichteten Jagdausübung, die helfen kann, örtlich Schadprobleme in den Begriff zu bekommen. Aber erklären Sie das doch bitte den Jägern, die sich ständig gegen diese Maßnahmen verwehren. Tatschlich aber treten Sie doch letztlich auch dafür ein, dass Schwarzwild intensiv bejagt werden muss, aber bitte nicht gleichzeitig auch das Reh- und Rotwild!? Sie konterkarieren damit selbst Methoden einer modernen Jagd, die Sie einen Absatz vorher noch vertreten. Das sind Maßnahmen, die jeder Jäger sofort ohne Probleme draußen umsetzen kann. Dazu bedarf es keines Gesetzes. Tatsächlich wissen wir aber auch, dass solche Maßnahmen an Abschussplänen scheitern, weil sie eine flexible Reaktion auf Probleme mit einer geschriebenen Zahl unterbinden. Aber auch Jagdzeitenangleichungen dienen dazu, das Schadensausmaß zu senken. Aber ich meine auch in Erinnerung zu haben, dass Sie der Ansicht sind, der Bockabschuss im Dezember sei wildbiologisch unsinnig?! Wenn ich da fehl gehe, bitte ich um entsprechenden Hinweis.
    Man kann Rehwild nicht ausrotten. Das scheitert schon alleine daran, dass dies, selbst bei erklärtem Willen, niemals auf ganzer Fläche stattfindet. Das wäre in der tat vollkommen absurd. Da Sie der Ansicht sind, es sei dem Eichelhäher nicht zuzutrauen, für eine geschlossen Eichenbestockung verantwortlich zu sein, zeigt, dass Sie so etwas noch nicht gesehen haben. Legen Sie mal spaßeshalber ein Weisergatter in Ihrer Jagd an und geben Sie sich 10 Jahre Zeit. Natürlich, eine Verjüngung aus einem Guss können Sie nicht erwarten. Wozu auch?
    Wenn die von Ihnen beschriebene Naturverjüngung nur die relativ verbisstoleranten Baumarten Kiefer, Birke und Eberesche aufweist, können Sie getrost davon ausgehen, dass die Rehe bereits Eiche, Linde, Hainbuche, Rotbuche und andere Baumarten herausgeäst haben. Und wenn Sie der Amsel bei der Verbreitung der Eberesche offensichtlich einiges zutrauen, warum nicht auch dem Eichelhäher bei Eiche und Buche?
    Ja, ich glaube wirklich, dass man Hemmschwellen durch Liberalisierung des Jagdrechts beseitigen kann. Das funktioniert dann, wenn die Jäger klaren Verstandes mit diesen Dingen umzugehen wissen. Aber offensichtlich haben Sie in dieser Hinsicht so wenig Vertrauen in die Jägerschaft wie Herr Dr. Lipps. Sie schreiben ja selbst, dass das mit der Verantwortung bei den Jägern nicht funktioniert. Das gib zu denken und lässt mich an Ihren Anhängern zweifeln. Wenn dem wirklich so ist, wie Sie hier Verstehen machen wollen! Ich glaube das eigentlich nicht.
    Tatsächlich hat sich die Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Mit ihr auch die Waldbesitzer, Förster, Wildbiologen, Politiker und das Wissen um die Dinge, die Not tun. Die Jägerschaft hat hier den Anschluss verpasst. Wenn sie in früheren Jahren richtigerweise davon ausgehen konnte, sich in der Mitte der Gesellschaft zu befinden, ist das allerdings schon geraume Zeit nicht mehr der Fall. Herr Neigenfind bestätigt dies sehr eindringlich. Die Jäger haben die Bewegung nicht mitgemacht und stehen am Rande. Insbesondere solche Protagonisten wie Sie, Herr Dr. Pfannenstiel, sind für den weiteren Weg des Jagdwesens verantwortlich. Wir werden sehen, wohin die Reise geht. In diesem Sinne.
    Mit freundlichen Grüßen

    G. Schubert

    P.S. Es gehört m. E. nicht zu einer angenehmen Gesprächsatmosphäre, wenn man sich seinem gegenüber mit Flüchen äußert. Ralf, wollen Sie Gesprächspartner sein oder doch lieber pöbeln?

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    1. Ralf

      Lieber Günther Schubert,
      für Ihre Empfindlichkeit kann ich nichts.
      Wenn Sie dies allerdings zum Aufhänger machen, um, sagen wir mal kritische Menschen mundtot zu machen, dann irren Sie sich gewaltig! Sowas fordert mich erst recht heraus!
      Eines sei Ihnen gesagt: Der Begriff “Hege” bedeutet mehr, als nur festgelegte Zahlen zu erfüllen mit dem Satz “Zahl vor Wahl”! Der Kommentar von E. Hahlweg sollte Ihnen zu denken geben! Lesen Sie ihn doch nochmal durch…
      Um es abzukürzen: wenn der Wald vernünftig (neu auf-) gebaut ist, dann muss z.B. der Staatsforst auch nicht mehr die Maßgabe geben: “… und wenn Ihnen eine Sau und ein Reh gleichzeitig kommt, dann schießen Sie bitte das Reh”. Selbst erlebt. Nur ein Beispiel.
      Noch mehr liberalisieren bringt Chaos in die Wildstrukturen. Und das darf alleine aus tierschutzgründen nicht sein!
      Schönen Abend noch!

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    2. 24/7 campfire

      Verehrter Herr Schubert, ganz herzlichen Dank für Ihre Darstellungen, das gibt mir die Hoffnung das es unter Jägern doch noch den ein oder anderen gibt, der mit Verstand und offenem Blick durch den Wald geht! Brandenburg glänzt in Bundes- und Landeswaldinventur mit den bundesweit mit am höchsten Verbiß- und Schälschäden – die Strecken steigen seit Jahrzehnten oder stagnieren auf höchstem Niveau, trotzdem wird immer wieder von den selben Personen, gebetsmühlenartig das Lied von “der Ausrottung des Schalenwildes” gesungen – das ist lächerlich und einem Nichtjäger kaum zu erklären.
      Die Schalenwilddichten sind mittlerweile um ein vielfaches höher als “in der guten alten Zeit”, die von so manchem Lodenträger so gern besungen wird.
      Mit ihrem Festhalten an alten, von der Wissenschaft teilweise längst widerlegten, Behauptungen erweist sich die Jägerschaft einen Bärendienst …. wir erleben es gerade: Nicht die Jäger bestimmen über die Zukunft der Jagd – sondern die urbane Bevölkerung bei der nächsten Wahl!
      Lieber der Prof. Dr. Pfannenstiel bitte wie erklären Sie Lieschen Müller im 3. Stock, die furchbare Angst vor dem Klimawandel hat, dass Ihnen Trophäenhege wichtiger ist, als ein klimastabiler Wald ?

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  14. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Ein paar letzte Bemerkung, sehr geehrter Herr Schubert.
    Es ist aus wildbiologischer Sicht ohne Belang, wann ein Rehbock erlegt wird. Das war schon immer meine Meinung, wenn ich hier Ihrem Erinnerungsvermögen etwas nachhelfen darf. Im offiziellen Jagdbericht des Landes Brandenburg 2016/2017 ist dazu allerdings zu lesen :
    Zitat: „Gegenwärtig muss festgestellt werden, dass die mit den jagdrechtlichen Veränderungen seit 2014 angestrebte Reduzierung des Rehwildbestandes nicht erreicht werden kann, weil landesweit deutlich zu viel männliches Rehwild erlegt wird. Zukünftig muss mehr Gewicht auf die Einhaltung der in der Bewirtschaftungsrichtlinie geforderten Geschlechteranteile gelegt werden, denn die Erhöhung der Gesamt-Rehwildstrecke mittels Erhöhung des Bockabschusses wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die gewünschten Effekte auf die Wildschadenssituation im Wald erzielen.“
    Offenbar hat man also mit der Abschaffung des Rehwild-Abschussplans und mit der Verlängerung der Jagdzeit auf den Rehbock nicht das gewünschte Ziel erreicht. An dieser Tatsache kann man nicht vorbeidiskutieren, es sei denn, Ideologie ist im Spiel. Es geht im Übrigen bei einem (Rehwild-)Abschussplan nicht um Absolutzahlen, was den Bestand angeht. Die Einhaltung der schlichten Regel 40% alt, 60% jung und 40% männlich und 60% weiblich für den Abschuss ist ja wohl nicht zu viel verlangt und völlig unabhängig von einem “gezählten” Bestand und von einem “festgestellten” Geschlechterverhältnis im lebenden Bestand.
    Dass Sie mir meine Wortwahl vorwerfen, finde ich eher belustigend. Der Chef eines Landes-ÖJV hat mir gegenüber sinngemäß gesagt: In der gegenwärtigen Situation muss man eben hinsichtlich Tierschutz mal ein paar Jahre die Arschbacken zusammenkneifen. Ich tue das angesichts § 20 a des Grundgesetzes nicht. Ich werde weiter mit deutlichen Worten jagdliche Missstände und unangemessene Vorschläge im Zuge der Jagdgesetzgebung benennen!
    Mit freundlichem Gruß

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  15. Dr. Wolfgang Lipps

    Sehr geehrter Herr Schubert,
    Kommentare zu Blogposts sind nicht sehr geeignet, in die Tiefe zu gehen. Ihre Ausführungen zu Mindestabschüssen, insbesondere zu Vereinbarungen zwischen Waldeignern und Jägern, aber auch zum Verhältnis der Nachhaltswirtschaften Jagd und Forst sind teilweise rechtlich bedenklich und teilweise rechtlich schlicht falsch. Wenn es Ihnen ernst ist mit dem Verständnis anderer Meinungen, dann sollten Sie zuerst einmal das Gutachten zur Rechtswidrigkeit von Mindestabschüssen sorgfältig lesen und überdenken – Sie finden es leicht bei Google unter “MIndestabschuss Gutachten”.

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