Alle reden von Schalldämpfern – Jawina war damit schon jagen

Schalldämpfer sind der Gegenstand des momentanen Ausrüstungs-Hypes Nr. 1 in der Jägerschaft. Hintergrund ist, dass die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung “für Beschäftigte mit Dienstverpflichtung zur Jagd” – also Förster und Berufsjäger – einen Grenzwert für die Lärmeinwirkung festsetzt. Dieser liegt bei 137 dB. Jagdgewehre in schalenwildtauglichen Kalibern toppen diesen Grenzwert mühelos um mehr als das Hundertfache: 169 dB des besonders gehörschädlichen Impulslärms malträtieren beim Schussknall die Ohren, was der Hauptgrund dafür sein dürfte, dass man nach einem längeren Gespräch mit betagten Weidmännern in der Regel heiser ist.

Aufgrund der drastischen Überschreitung des Grenzwerts sieht sich die Brandenburger Waffenbehörde veranlasst, bei beruflich zur Jagdausübung Verpflichteten ein Bedürfnis für Schalldämpfer anzuerkennen. Zwar gibt es auch die Möglichkeit, sich mit (elektronischen) Gehörschützern vor dem gesundheitsschädlichen Lärm zu schützen, doch in Anbetracht der durch die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung vorgegebenen Rechtslage muss es dem Betroffenen auch erlaubt sein, den Lärm an der Quelle, also der Mündung zu bekämpfen.

Wer einen Antrag auf Gestattung eines Schalldämpfers stellen will, muss eine Bestätigung seines Arbeitgebers vorlegen, aus der hervorgeht, dass Jagd zu den Dienstpflichten gehört. Allgemein wird davon ausgegangen, dass diese Ungleichbehandlung von Berufs- und Freizeitjägern nicht haltbar sein wird, wenn der Schalldämpferbann erst einmal gebrochen ist. Und schließlich erfüllen auch Freizeitjäger gesellschaftlich wichtige Aufgaben im Natur- und Artenschutz.

Langer Lulatsch: Schalldämpfer am Semi-Weight-Lauf einer Blaser R8 in .308 Win.
Foto: SE

Grund genug für Jawina, sich die Vor- und Nachteile des Schalldämpfers in der Jagdpraxis anzusehen – alles ganz legal, versteht sich, sämtliche Gestattungen lagen vor. Viele erhoffen sich vom Schalldämpfer ja die Reduktion des Schussknalls auf das James-Bond-mäßige Plopp: Ist nicht, um die (für manche) große Enttäuschung mal ganz lapidar zu formulieren. Dazu bedürfte es spezieller Unterschall-Munition in speziellen Kalibern, die aufgrund ihrer extrem gekrümmten Flugbahn und der daraus resultierenden bescheidenen Reichweite zwar für Gatterabschüsse, aber kaum für die Jagd taugt. (Ein solches Gewehr in .300 Whisper, das dann tatsächlich nur “plopp” macht, haben wir auch schon geschossen, siehe hier, in der Bildergalerie Bild 4 und 7.).

Bei jagdlichen Kalibern bewirkt der Schalldämpfer eine “erhebliche” Reduzierung des Schussknalls von den genannten 169 dB auf etwa 137 dB: Also immer noch viel lauter als ein startendes Düsenflugzeug (125 dB), weit oberhalb der Schmerzgrenze (130 dB) – und als Impulslärm immer noch besonders ohrenschädigend. Das extrem professionelle Handy-Video am Anfang dieses Beitrags vermittelt eine gute Vorstellung von dem verbleibenden Restkrach.

Der Knall ist immer noch unangenehm laut, wenn auch erträglicher als ohne Dämpfer. Auf weitere Distanz hat dies die erstaunliche Auswirkung (zumindest bei entsprechender Wetterlage mit Wind und Schnee), dass die Schüsse von den anderen Schützen nicht mehr gehört und gezählt wurden – notorische Schussleugner wird es freuen.

Dickes Ding: Der Schalldämpfer verlängert die Waffe um fast 20 Zentimeter und macht sie extrem kopflastig.
Foto: SE

Die Dämpfung auf einen immer noch gehörschädlichen dB-Wert erkauft man aber mit gravierenden Nachteilen: Die Waffe wird durch den Dämpfer ca. 19 Zentimeter länger, und die knapp 400 Gramm Mehrgewicht an der Mündung verschlechtern, nein zerstören, die Balance der Waffe. Bei Schüssen mit aufgelegtem Gewehr von der Kanzel herunter mag das keine Rolle spielen – bei flüchtigem Schießen auf Drückjagden oder stehend freihändig abgegebenen Schüsssen z.B. auf Nachsuchen, dürfte sich das fatal auf die Trefferquote (Tiefschüsse) auswirken. Durch zusätzliches Gewicht im Schaft ließe sich die Waffe wieder ausbalancieren, wöge dann aber fast ein Kilo mehr – wer will das? Natürlich kann man auch trainieren, mit einer total kopflastigen Kanone noch zu treffen, aber in Stress-Situationen geht das ziemlich sicher schief.

Der Schussknall wird nur auf ein zwar erträglicheres, aber immer noch gehörschädliches Maß gedämpft.
Foto: SE

Fazit: Ich wage mal die Prophezeiung, dass sich der große Hype um die Schalldämpfer wieder legen wird – zumindest für Durchgeher, Nachsuchenführer und Drückjagdschützen. Wer sich an eine führige, gut liegende und ausbalancierte Büchse gewöhnt hat, wird diesen Vorzug für eine letztlich nicht ausreichende Schalldämpfung nicht aufgeben wollen. Mit etwas Geschick, kann man sich zudem an elektronische Gehörschützer durchaus gewöhnen. Die erschweren zwar die Ortung von Geräuschen, und manches interessante Knacken und Knistern geht in deren Grundrauschen unter. Aber auch hier ist die technische Entwicklung noch nicht am Ende. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, die Dinger erst im letzten Moment vor Schussabgabe über die Ohren zu ziehen, klappt das auch auf Drückjagden und Nachsuchen ganz gut. Das Gehör wird es einem danken. SE

 

4 Gedanken zu „Alle reden von Schalldämpfern – Jawina war damit schon jagen

  1. Micha Herrmann

    Hallo, was man in dem Video als so “lauten Knall” empfindet, dürfte eher der Kugelschlag in den Baum, oder wo ihr da sehr dicht daneben hingeschossen habt, sein.
    Ein Schuss in die Weite damit klingt viel angenehmer. Ich war bei der Ersterprobung dieses SD in Glienicke dabei und angenehm überrascht wie weich der Schuss
    der Schuss wird, wenngleich 130 dB wohl überschritten werden. Also zumindest für die Ansitzjagd sicher brauchbar so ein SD.
    Danke für den Beitrag! Gruß, M. Herrmann

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    1. admin Beitragsautor

      Hmm, weiß nicht: Wir haben fleißig mit dem Teil ‘rumgeballert (zu Prüfzwecken ohne Gehörschutz) – war, wie gesagt, erträglich, aber immer noch ganz schön laut, ob mit Kugelschlag oder ohne. Das Lärmempfinden ist aber sicherlich individuell unterschiedlich stark ausgeprägt. Und auf der Ansitzjagd hat man doch fast immer Zeit, die Gehörschützer aufzusetzen, oder? Da nervt mich ein 1,20 m langes Gewehr, mit dem man zuverlässig an der Kanzel anstößt, mehr.
      Danke für den Kommentar! Gruß SE

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  2. Ostermeier

    Hallo zusammen,
    war gerade in Namibia und habe dort mit zwei Leihwaffen im Kaliber 270 Win und 243 geschossen.
    Ich war mehr als angenehm überrascht. Zum einen hat die 243 und auch die 270er kaum noch Rückstoß,
    und Sie bleibt sicher liegen, während der Schuss abgegeben wird. Ich kann in aller Ruhe durch ZF schauen wo der Schuss
    sitzt und vor allem hört man den Kugelschlag exat. Die SD kosten dort beim Büchsenmacher 300.– Euro incl. Gewinde für den Lauf.
    Hier geht es nicht um Wilderei sondern rein nur um mein Gehör, und ich kann anhand des Kugelschlags sagen wo der Schuss sitz. Sehr zu empfehlen!!
    Leider in der BRD verboten.
    Gruß
    RO

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    1. admin Beitragsautor

      Hallo und vielen Dank für den interessanten Erfahrungsbericht!
      Mein Eindruck ist, dass sich beim Thema Schalldämpfer etwas bewegt – sowohl rechtlich, als auch technisch. Demnächst, wenn das so klappt, wie ich es mir das vorstelle, mehr dazu auf Jawina…
      Beste Grüße und WMH
      SE

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