Alaska: Outfitter stoppt attackierenden Grizzly mit 9 mm-Pistole

Viele hiesige Nachsuchenführer glauben, mit einer Pistole in 9 mm Para untermotorisiert zu sein, wenn es darum geht, ein angreifendes Wildschwein zu stoppen. Sie führen stattdessen stärkere Kaliber wie .44 Magnum oder .357 SIG, die jedoch schwerer zu beherrschen und teurer sind. Zudem führt das höhere Waffengewicht öfter dazu, dass die Waffe nicht mitgeführt wird und dann nicht zur Hand ist, wenn man sie wirklich einmal benötigt. Verantwortlich für den mäßigen Ruf der 9 mm-Patrone dürften zwei Faktoren sein: Zum einen die unzähligen Geschichten, die darüber kursieren, wie ganze Magazine voller Vollmantelmunition zum Beispiel aus den Dienstwaffen von Polizisten bei einem Wildunfall in eine angefahrene Sau geleert wurden – und das arme Schwein immer noch lebte. Zum anderen mangelnde Übung und daraus resultierend mäßige Schießkünste mit der Kurzwaffe. Der Outfitter Phil Shoemaker aus Alaska hat bei einem Vorfall, der sich bereits im August 2016 zutrug, bewiesen, was in der 9 mm steckt: Wenn man damit umgehen kann und die richtige Munition verwendet.

Shoemaker führte ein Ehepaar zu einem Angelausflug an einem kleinen Fluss. Er betont auf der Jagd-News-Seite der NRA, American Hunter, dass er in seinen 33 Jahren als Guide und Outfitter noch nie einen gesunden Bären schießen musste, um seine Kunden zu schützen. Jetzt war es soweit. Obwohl sie sich laut unterhielten, als sie zum Flussufer gingen, hörten sie auf einmal nur zwei Meter neben dem Weg das Knurren und tiefe “Wuff” eines Bären. Wahrscheinlich hatten sie einen schlafenden Bären aufgeschreckt. Auf das laute Schreien des Outfitters hin schien sich der Grizzly zunächst zu entfernen, um nur 15 Sekunden später von der anderen Seite des Weges anzugreifen.

Phil Shoemaker hatte seine Pistole inzwischen gezogen, der Bär tauchte aus dem Gebüsch an der Stelle auf, wo der Fotograf auf Foto Nr. 2 auf der NRA-Seite steht. Er nahm das Ehepaar direkt an, sie fielen ins Gras, der schlecht gelaunte Grizzly stand nur einen Meter von ihnen entfernt. Die Frau seines Kunden meinte, die Schnauze des Bären wäre ihrem Gesicht so nahe gewesen, dass er sie hätte beißen können. Dennoch entschied Shoemaker, dass er schießen könne, ohne die beiden zu gefährden. Der erste Schuss traf den Bären in den Hals. Er knurrte und drehte sich in Richtung des Einschlags. Auf American Hunter schreibt Shoemaker: “Ich wollte den Kopf treffen, aber der Bär bewegte sich so schnell, dass ich jedes Mal schoss, wenn ich ins Leben treffen konnte.”

Er traf den Bären sechs Mal, bevor der sich umdreht und flüchtete. Ein weiterer Schuss traf den Bär in der Hüfte, zwei Meter nach dem letzten Schuss brach er zusammen. Phil Shoemaker hatte nur noch eine Patrone im Magazin seiner Smith & Wesson Pistole. Das bedeutet, dass jeder abgegebene Schuss getroffen hat, denn die verwendete 3953 DAO hat meines Wissens eine Magazinkapazität von acht Schuss. Eine äußerst respektable Leistung in dieser adrenalingeladenen Situation. Zum durchschlagenden Erfolg der lebensrettenden Bärenabwehr trug auch die dabei verwendete Munition bei. Shoemaker hatte eine spezielle Hohlspitzmunition geladen, von deren Wirksamkeit er sich zuvor überzeugt hatte. SE

Beitragsbild: Die Headline der verlinkten Story auf der NRA-Seite American Hunter. (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

6 Gedanken zu „Alaska: Outfitter stoppt attackierenden Grizzly mit 9 mm-Pistole

  1. Anko

    Sauber! Die Beteiligten können diesen Tag als zweiten Geburtstag feiern.

    Eine Anmerkung zur Munition:

    Laut verlinktem US-Artikel verschoss er “Buffalo Bore 9mm +P Outdoorsman 147-grain FN hard-cast”. Mit einem wie der Name verrät ein Flat Nose (“FN”) Hartbleigeschoss., also kein Hphlspitz. Die Firma Buffalo Bore ist für hartgeladene Kurzaffenmunition mit wirkungsvollen Volldampfladungen bekannt. Hart-cast Geschosse deformieren im Gegensatz zu Mantel- und Hohlspitzgeschossen nicht und bringen dadurch maximale Energiedichte und Tiefenwirkung auf starke Ziele. Was für einen wirksamen Kurzwaffenschuss auf einen Grizzly sicherlich auch nötig ist, um mit dem Geschoss irgendwo ins Leben zu kommen.

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    1. admin Beitragsautor

      Die massive (Schleich-)Werbung des Autors/NRA-Berichts für einen Munitionshersteller hatte ich bewusst ausgelassen. Schön, dass Du das jetzt nachholst…

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      1. Anko

        Ich wollte ja nicht beleglos schreiben sollen, dass die auf den Grizzly verwendete Munition gerade nicht mit Hohlspitzgeschoss bestückt war. Somit war die Nennung der Labo fairerweise unumgänglich.

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        1. admin Beitragsautor

          Die Überlegung war, dass a) die erwähnte Munition in D nicht erhältlich ist und b) es hier nicht darum geht Braunbären zu stoppen (kann ja noch kommen…), sondern im Regelfall eher Wildschweine und das, ohne die Hunde zu gefährden. Auf Hohlspitz-Munition umzuschwenken sollte einfach den Kern der Geschichte auf hiesige Verhältnisse übertragen, denn die Vorteile der 9 mm gegenüber schwereren Kalibern bleiben ja erhalten: Günstige Munition, dadurch preiswertes Üben, geringeres Waffengewicht, dadurch ist die Waffe komfortabler zu führen, weshalb man sie vermutlich eher dabei hat, wenn es darauf ankommt, vergleichsweise handgelenksfreundlich usw. Aber es ist schön, so aufmerksame Leser zu haben… SE

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  2. RK

    Naja, wenn man eine Munitionsmarke nennt, empfinde ich das nicht als tragisch. Das Leserinteresse an dieser zusätzlichen Information dürfte gegenüber der löblichen journalistischen Ethik (“keine Schleichwerbung”) hier ggf. vorgehen 😉 Im übrigen kann man – theoretisch/ballistisch – Fangschüsse auch schon mit Kleinkaliber wirksam durchführen, wenn man den Schuss ins Zentralnervensystem anträgt (dies setzt dann voraus, dass sich das Tier nicht mehr viel bewegt). Als Verteidigungsmittel gegen eine annehmende Sau sind natürlich Kaliber ab 9mm sinnvoller. Wichtig ist in jedem Falle, dass Jäger – wenn sie eine Kurzwaffe führen – den Umgang mit ihr (Sicherheit, Handhabung, Treffgenauigkeit) auch unter Stress beherrschen. Da wird oft noch zu wenig geübt (geschweige denn ausgebildet…).

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  3. Joachim

    Das mit der Stoppwirkung ist so eine Sache. Außer Frage steht, dass der Outfitter offenbar ein hervorragender Schütze ist, wenn er in einer solchen Situation trifft, ohne die übrigen Personen zu gefährden. Eine Leistung, die wohl die Wenigsten hinbekommen.
    Auf der anderen Seite war es wohl reines Glück, dass der Bär zwischen Treffer 1 bis 6 den Wanderer nicht in die ewigen Jagdgründe befördert hat. Dass der Bär letztlich an den Treffern verenden würde, ist klar und insoweit ist die 9mm auch für einen Bären ausreichend. Vermutlich würde ein guter Treffer reichen.
    Die Frage ist aber, wieviel Zeit vergeht zwischen Treffer und Tod und da denke ich immer noch, viel hilft viel, sprich lieber ein größeres Kaliber. Die Wirkung hängt auch viel vom Adrenalin ab. Und davon gibt es viel im Bären, wenn er annimmt.

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