AAA in Afrika

Im Neumann-Neudamm-Verlag ist eine deutsche Übersetzung des Afrika-Klassikers “The Last of Old Africa” von Brian Nicholson unter dem Titel “Großwildjagd im alten Afrika” erschienen. In dem Buch schildert Nicholson seine Zeit als Berufsjäger und Wildhüter vor allem im Wildreservat Selous in Tansania. Es war, wie Nicholson selbst bekundet, “die große Zeit der Afrikajagd”. Monatelang war Nicholson mit Trägern in dem urwüchsigen, dünn besiedelten und kaum erschlossenen Wildparadies unterwegs. Er schoss Wild und angelte, um sich und seine Leute mit Fleisch zu versorgen, erlegte menschenfressende Löwen und Schadelefanten en masse. Dabei dienten seine Expeditionen auch der Sicherung und dem Erhalt des Selous, er erweiterte die Grenzen des Reservats, bekämpfte Wilderer, schuf eine funktionierende Verwaltung und erschloss mit der Trophäenjagd die wichtigste Geldquelle. “Zu Recht gilt er deshalb als einer der Väter dieses Reservats, das unter seiner Ägide zum größten Naturschutzgebiet in Afrika wurde”, schreibt Herausgeber Rolf Baldus in seinem Vorwort zu dem Werk. Bei allem Idealismus war natürlich auch “die Sucht nach Erleben und Abenteuer” eine starke Motivation – und es ist ein großes Vergnügen, sich von Schreibtisch und Couch hinwegzuträumen und Nicholson und seine Mannen beim Triple A (Aimlessly Arseing Around) im Busch zu begleiten. Dass man den mit vielen Fotos und Abbildungen opulent ausgestatteten dicken Schmöker gebannt in einem Zug durchliest, dazu trägt entscheidend die hervorragende und sorgfältige Übersetzung bei, die Rolf Baldus (nach einer Arbeitsübersetzung von Gert G. von Harling) erarbeitet hat.

Dass die Lektüre einen gleichwohl zwiespältigen Eindruck hinterlässt, muss man nicht verschweigen. Baldus selbst sieht sich genötigt, in seinem Vorwort darauf hinzuweisen, dass das Buch Verhältnisse reflektiert, “ob es sich um das Verhältnis zwischen Europäern und Afrikanern handelt, um die Methoden des Naturschutzes oder die Jagd […], die “inzwischen fast ein Menschenalter zurückliegen.” “Schwer verständlich” sei es für viele aus heutiger Perspektive, “da die Zahl der Elefanten durch Wilderei und den Verlust von Lebensräumen drastisch zurückgeht”, dass Nicholson allein über 1300 Elefanten schoss.  Zu Recht und notwendigerweise weist Baldus darauf hin, dass durch die Abschüsse nicht einmal der Zuwachs der damaligen Elefantenpopulation abgeschöpft wurde und dass die Bekämpfung von Schadelefanten die Akzeptanz für die Dickhäuter und das Wildschutzgebiet bei der lokalen Bevölkerung schufen.

Aus der Perspektive deutscher Schuldkultur betrachtet ist es indes schon erstaunlich, mit welcher Nonchalance und Selbstverständlichkeit Nicholson die kolonialen Verhältnisse als gegeben voraussetzt ohne diese jemals in Frage zu stellen und selbst noch seine – übrigens freiwillige – Beteiligung an der brutalen Niederschlagung des Mau-Mau-Aufstandes als patriotische Pflicht darzustellen vermag. Es wirkt auch zumindest etwas unreflektiert, wenn Nicholson sich aufgrund seiner Bekämpfung von Schadelefanten und Problemlöwen als Beschützer und Wohltäter der Dorfbewohner darstellt, während er doch andererseits beschreibt, dass der lokalen Bevölkerung die Jagdausübung weitgehend verboten war, dass deren Waffen bei Entdeckung konfisziert und die einheimischen Jäger als Wilderer ins Gefängnis geworfen wurden – den Einheimischen also jegliche Selbsthilfe und -verteidigung untersagt war. Das trotz allem spannende und lesenswerte Buch würde m.E. gewinnen, wenn die politischen und historischen Verhältnisse in einem Nachwort erläutert werden würden. SE

Brian Nicholson, Rolf Baldus (Hrsg.), Großwildjagd im alten Afrika, 443 S., Hardcover, 39,90 Euro, ISBN 978-3-7888-1843-2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.