30-Euro-Beefer im Test

Einfach Holzkohle anzünden, ein Rost darüber legen und Fleisch (was sonst) darauf braten, reicht anscheinend nicht. Der neueste Trend sind Hochleistungs-Gasgrills, die das Grillsteak in wenigen Sekunden gar kriegen – und in ein paar Sekunden mehr zu Holzkohle verbrennen. Man kann für derartige Geräte viel Geld ausgeben, muss aber nicht. Wir haben uns bei JAWINA-Leser BF zu einem Testessen eingeladen, bei dem ein selbst gebauter Hochtemperatur-Grill zum Einsatz kam.

Testmaterial. Fotos: SE

Fertig zum Burn-Out: Fleisch auf dem Grillrost.

Das Teil besteht aus einem gewöhnlichen Heizstrahler, der mit ebenso gewöhnlichem Propangas betrieben wird. Kostenpunkt: Ca. 25 Euro im Baumarkt deines Vertrauens. Unerlässlich für den sicheren und komfortablen Einsatz ist eine Schlauchverlängerung für weitere fünf Euro, was den Gesamtpreis (ohne Gasflasche) auf immer noch erschwingliche 30 Euro hochschnellen lässt. Das ist umso leichter zu verschmerzen, als das Gerät nach Abflauen des neuen Grill-Trends (oder wenn die Ergebnisse doch nicht so zusagen) noch zur Beheizung der Garage oder anderer gut belüfteter Räume eingesetzt werden kann.

Der Heizstrahler, äh, Spezial-Hochleistungs-Grill kommt zum Einsatz.

Der Eigenbau-Grill bringt es übrigens auf (gemessene) 950 Grad Celsius. Das von dieser Wahnsinnshitze ahnungslos überraschte Fleisch fängt unverzüglich an, nein, nicht lecker zu brutzeln, sondern zu knallen und zu zischen. Der dabei freigesetzte Geruch erinnert eher wenig an leckeren Grillmief, sondern ruft Assoziationen an schwere Unfälle (explodierende Tanklastwagen, menschliche Fackeln…) und Verbrennungen dritten Grades hervor. Nach nur einer Minute ist der gewünschte Bräunungrad beidseitig erreicht. Zum Ausgleich für das fehlende Grillaroma kommen Fleisch und Würste anschließend noch in den Smoker, der mit einigen Grillbriketts bestückt wurde, auf die einige aromatische Flakes ausgesuchter Holzsorten geschüttet werden.

Nach wenigen (ca. 30) Sekunden ist das Fleisch perfekt gebräunt.

Die Vorteile dieser Methode laut BF: Man braucht keine (oder viel weniger Grillkohle). Es geht viel schneller. Das Fleisch ist perfekt gegart. Es tropft kein Fett in die Glut, was schädliche Substanzen erzeugt.

Nachbehandlung im Smoker: Wie man an den Würsten sieht, sind Verbrennungen mittelschweren Grades die Folge, wenn man sich um wenige Sekunden verschätzt.

Schreiten wir Verkostung: Eines muss man zugeben: Das Fleisch ist tatsächlich perfekt auf den Punkt gegart. Der Geschmack überzeugte mich jedoch nicht wirklich. Ich vermisse einfach den klassischen Grillgeschmack, der sich auch durch noch so kräftig applizierte Raucharomen nicht ersetzen lässt.

Unterteil des Versuchsaufbau: Grillrost mit Auffangschale darunter, auf dem Grillrost zwei Abstand aus hitzebeständigem Material (Stein, Keramik).

Die genannten Vorteile sind in meinen Augen keine: Wenn ich grille, habe ich es nicht eilig, folglich ist egal ob es schnell geht. Das Rummachen mit der Holzkohle (Aufschütten, Anzünden unter reichlicher Verwendung von Brandbeschleuniger, Pusten, Fächeln, nach einiger Zeit feststellen, dass die Glut doch erloschen ist, erneut reichliche Applikation von Brandbeschleuniger…) gehört zum Grillen für mich einfach dazu. Ebenso wie der typische Geruch und die charakteristischen Brandzeichen des Grillrosts auf dem Grillgut. Und was die dabei entstehenden schädlichen Stoffe angeht: Rotes Fleisch ist krebserregend, Sonnenlicht ist krebserregend, Alkohol ist krebserregend – also alle beim Grillen unentbehrlichen Zutaten. Auf eine mehr oder weniger kommt es wahrlich nicht an.

Fazit: Wieder Geld gespart. Und wenn es nur 30 Euro sind. SE

Beitragsbild: Spezial-Hochleistungs-Gasgrill alias Heizstrahler. Fotos: SE

2 Gedanken zu „30-Euro-Beefer im Test

  1. Grimbart

    Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten, aber vielen Dank für den Tip. Werde es im vielleicht mal im Selbstversuch selber probieren. Jetzt noch mal ein Tip von mir. So ein Anzündekamin funktioniert wirklich gut und spart eine Menge Brandbeschleuniger. Der hat sich schnell amortisiert, aber wahrscheinlich gibt es da auch schon Anleitungen zu Eigenbau

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  2. RK

    Ich hätte mir eigentlich eine Fortsetzung des Beitrages gewünscht – darauf eingehend, welchen Einfluss die Ausgangstemperatur des Grillgutes auf den Geschmack und das Gesamtergebnis hat. Mein Wunsch wird aber vermutlich nicht erfüllt. 🙁 :-))

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