Hessen veröffentlicht Lehrfilm zur Kadaverbergung im ASP-Fall

Das Land Hessen hat einen “Lehrfilm” zum Thema “Bergung von Kadavern im Seuchenfall (Afrikanische Schweinepest)” veröffentlicht. “Im Film wird die sachgerechte Bergung von verendeten Wildschweinen vor dem Hintergrund eines möglichen ASP-Geschehens dargestellt, wobei die Hygieneaspekte besondere Berücksichtigung finden”, heißt es auf der Internetseite des Landes. Der Film vermittelt einen guten Eindruck davon, wie schwierig es ist, bei der Bergung von Kadavern ungewollte Kontaminationen mit infiziertem Material zu vermeiden. Überdies wirft der Film Fragen auf: So ist es kaum vorstellbar, dass die komplizierte und langwierige Choreographie von Abläufen (Schutzkleidung an- und ablegen, Schutzhandschuhe anziehen, zweites Paar Schutzhandschuhe an- und wieder abziehen, etc.) bei einem ASP-Ausbruch größeren Maßstabs durchzuhalten ist. Wie viele geschulte und mit Fahrzeugen und weiterer Ausrüstung ausgestatteter Bergungsteams muss man zur Verfügung haben, wenn auf einmal zig, ja, vielleicht hunderte verendeter Wildschweine innerhalb weniger Tage zu bergen sind?

Darüber werfen die im Film gezeigten Abläufe weitere Fragen auf. JAWINA-Leser Anonymus, der die Red. auf den Lehrfilm hingewiesen hat, sind beim ersten Anschauen des Films eine Reihe von Unstimmigkeiten aufgefallen bzw. Stellen, die Nachfragen aufkommen lassen:

– Was ist mit dem Finder? Hund an Kadaver gelassen
– Flatterband und Farbspray hat man immer dabei?
– Bergeperson setzt sich mit blauer Hose auf “schwarzen” Hänger
– wie kommt man an Autoschlüssel und Handy, wenn man schon weißen
Overal an hat? Grenzt an Magie.
– Material lose in der Bergewanne (auch “schwarz”), wo sonst Kadaver
rein kommen
– Papiersack – und wenn das Schwein mehr als 20 kg wiegt?
– Einwirkzeit der Desinfektionsmittel nur Sekunden?
– Auto und Hänger bleibt ganze Zeit offen und erst nach Umziehen hat
man wieder Handy und Schlüssel zur Hand.
– Kadaver zu zweit in Tonne werfen – über 20 kg – wie dann?
– Warum wird Kadaver mit Wildmarke aus Plaste versehen, wenn er dann
doch in der Kadavertonne landet?
– Entsorgung der Schutzkleidung – in der Hausmülltonne?

Video: Land Hessen / YouTube

Die Red. dankt JAWINA-Leser Anonymus für den Hinweis!

3 Gedanken zu „Hessen veröffentlicht Lehrfilm zur Kadaverbergung im ASP-Fall

  1. Edelmann

    Frage vorweg: Wie soll dieses Prozedere (Seuchenfall) nachts bei einem Wildunfall an einer wichtigen Verbindungsstraße ablaufen – Straße sperren?
    Oder werden im Seuchenfall sowieso die Straßen gesperrt – was nicht vorstellbar ist?
    Oder hofft man, dass infizierte Tiere stets ganz weit weg von der Infrastruktur auffällig werden?

    Solche Abläufe funktionieren nur, wenn die Teams täglich im Einsatz sind – vom Materialverschleiß mal ganz abgesehen (4 Schutzanzüge je Bergung).
    Warum wird der Spaten nicht desinfiziert, wenn er wieder verwendet wird?
    Zudem sind die Proberöhrchen zu klein im Durchmesser, das saubere Befüllen der Röhrchen mit dem Tupfer funktioniert im Labor und draußen bei schönem Wetter, aber nicht bei Frost, im Regen oder bei Schnee mit klammen Fingern.

    Für diese Abläufe bräuchte man eine dritte Person, die einen Ablaufplan vorgibt/vorliest und jede Handlung überwacht – und notfalls ans Handy gehen kann.
    Die Papiertüte zur Kadaverumhülllung ist ebenfalls kurios. Warum nimmt man nicht gleich Leichensack-Material? Geht es um die Handhabung in der Tierkörperbeseitigung?

    Chaotisch wird es werden, wenn die ersten Fälle auftreten, danach wird man eine Routine finden, das war bei BSE genau so.
    Da das Virus für den Menschen nicht gefährlich ist, geht es im Grunde um die Exportwirtschaft für Schweinefleisch und um Nutztier-Keulungen im Vorsorgefall.
    Wenn in Deutschland nur für den inländischen Bedarf Schweine erzeugt werden, ist das kein Fiasko, dann gibts eben nicht nur Schnitzel und Hackfleisch, sondern auch wieder Knöchel und Kopfsülze.
    Wichtig für die Vermarktung wäre ein Schnelltest (wie bei BSE), dass nur gesunde Schlachtschweine/Wildscheine zum Verzehr frei gegeben werden.
    Mit dem Restrisiko der Verbreitung wird man sich arrangieren müssen, da helfen auch keine Schutzzäune.
    Es greift zu kurz, alles auf Prävention zu setzen, da ist zu viel Hoffnung und zu wenig Pragmatismus dabei.
    Revierübergreifende Drückjagden, Gastjäger und Jagdreisen wären dann hinsichtlich des Risikos zu bewerten.

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  2. Gottfried Schnurr

    Also wahrscheinlich habe nicht nur ich da ein paar Fragen:

    1. Wer stellt das ganze Einweg-Material, grifffeste Arbeitshandschuhe etc. und Bergematerial, wer kommt für die immer wiederkehrenden Kosten auf ?
    2. Der Film soll eine Anweisung für das „richtige“ Vorgehen sein, also da wäre aber…
    3. Bei Minute 0:54: Wie funktioniert das Senden von Geokoordinaten, wenn kein Handyempfang möglich?
    4. Bei Minute 1:21: Der Finder markiert den Fundort ohne Einweg-Schutzkleidung und verbreitet danach kleinste „Bluttropfen“ mit seinen Schuhen weiter ?
    5. Bei Minute 2:30: Der Anhänger muss überdacht sein. Wer soll das von Ausnahmen abgesehen, denn realisieren?
    6. Bei Minute 1:55: Das Fahrzeug ist der „Reine Bereich“, der Anhänger ist der „Unreine Bereich“…
    7. Bei Minute 3:14: Nummern auf dem Probenbegleitschein und auf dem Probenröhrchen vermerken, passende Plomben dazu…schön bei Sonne…und bei Dunkelheit, Regen, Schneetreiben ??
    8. Bei Minute 3:31: Uhren und Schmuck sind abzulegen…und was ist mit „festgewachsenen“ Eheringen ?
    9. Bei Minute 3:42: Eine Person setzt sich auf den Reinen Bereich und kleidet sich mit Einwegbekleidung an ?
    10. Bei Minute 6:18: Bei Sonnenschein…der Einsatz beginnt…und wie machen die zwei das im Dunkeln ?
    11. Bei Minute 6:34: Die Fundortumgebung wird nach weiteren verendeten Stücken abgesucht…wir stolpern bei Dunkelheit planlos im Wald umher…?
    12. Bei Minute 8:20: Probenentnahme bei Dunkelheit ?
    13. Bei Minute 9:12: Der Kadaver wird im „auslaufsicheren“ Papiersack verpackt ? Papier ??
    14. Bei Minute 9:46: Boden umgraben, Desinfektion der Fundfläche mit Desinfektionsmittel…und wie effektiv ist das bei starkem Wind oder / und Dunkelheit und / oder Starkregen etc. ??
    15. Bei Minute 9:54: Warum steckt der „Umgräber“ den kontaminierten Spaten in die nicht kontaminierte Hülle?
    16. Bei Minute 10:36: Wanne, Müllsäcke, Stiefel werden mit Desinfektionsmittel abgesprüht… wie effektiv ist auch das bei starkem Wind oder / und Dunkelheit und / oder Starkregen etc. ??
    17. Bei Minute 11:57: Warum werden die Handschuhe ausgezogen, bevor der Kerl aus dem Anzug raus ist ???…die Außenseite des Anzuges darf nicht mehr mit den bloßen Händen berührt werden…wie geht das, wenn der Anzug noch zur Hälfte am Körper hängt ??
    18. Bei Minute 12:15: Die Anzugfläche kommt aber beim Ausziehen mit dem Boden in Kontakt…sehr hypothetisch aufgenommen !
    19. Bei Minute 12:54: …bei Dunkelheit…auch sehr hypothetisch das Gefummel !
    20. Bei Minute 13:09: man erkennt es kaum im schnellen Abspann…aber Person 2 zieht den Anzug genauso dilletantisch aus wie Person 1 unter Punkt 17 beschrieben ???
    21. Bei Minute 14:13: Erneutes Anlegen der Schutzkleidung an der Sammelstelle…siehe Punkt 14 und Punkt 16 ?
    22. Bei Minute 15:14: …die kontaminierte Wildwanne wird ungereinigt in den Anhänger zurückgestellt…?
    23. Bei Minute 15:54: ……bei Dunkelheit und Wind…auch sehr hypothetisch!
    24. Bei Minute 16:23: …Ausziehen der zweiten Schutzkleidung…siehe Punkt 17 und 20…?
    25. Bei Minute 17:10: …wo ist und wer betreibt einen Desinfktionspunkt…??!!

    … Fragen über Fragen…!

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  3. Sylvester

    Waidmannsheil zusammen,
    einfach mal die Anordnung Afrikanische Schweinpest Bundesrat vom 06.11.2018 lesen ist auch schon im Seuchenschutzgesetz erlassen!!!
    Der Jagdausübungberechtigte kommt für die Kosten auf, also der Pächter in voller Höhe mit Zwangsgeld und auch gesucht werden muss und es bleibt auf Jahrzehnte im Biotop siehe Sardinien 1978 bis heute auf einer kleinen Insel nicht in Griff zubekommen.
    Lasst euch auch nicht von Tschechien blenden, denn dort ist immer noch der Zaun nur keine Sauen im Gebiet mehr und es dürfen auch keine auf absehbare Zeit rein.
    Wildschäden sind auch weiterhin zu zahlen und Pacht auch sogar in der Zeit in der der Zaun gebaut wird und Jagdruhe angeordnet wird.
    Alle Sauen in dem Gebiet müssen sterben und dann kann erst wieder das Land außerhalb der EU exportieren.
    Zecken Bremsen alle übertragen das Virus. Zäune sind völliger Quatsch..!
    Wikipedia mal lesen…! Agra Heute… !
    Aufwachen!!!
    Sondermüll der nach erlegen zur Sammelstelle in Zone 2 muss und Zone 1 alles entsorgt, doch Pacht und Wildschäden sind weiter zu zahlen…!

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