Weltbiodiversitätsrat: Verheerende Verluste von Biodiversität

Der Weltbiodiversitätsrat (Intergovernmental Science- Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES)) schlägt Alarm: In den Zustandsberichten zur Biodiversität, die am Freitag auf einer IPBES-Konferenz in Medellin, Kolumbien, vorgestellt wurden, warnen die Experten vor einem weltweiten verheerenden Rückgang der Biodiversität. Die essenzielle Vielfalt von Lebensformen sei in allen Regionen der Welt weiterhin rückläufig, konstatieren die 550 Experten aus über 100 Ländern. Dieser alarmierende Trend gefährde  Wirtschaftssysteme, Existenzgrundlagen, Lebensmittelsicherheit und die Lebensqualität weltweit.

In allen Regionen – von einigen positiven Ausnahmen abgesehen, von denen man lernen könne – befinde sich die Biodiversität im Rückgang aufgrund der gleichen Ursachen, so das IPBES in einer Pressemitteilung: Habitatzerstörung, Raubbau, nicht nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen, Luft-, Boden- und Wasserverschmutzung, Zunahme und Einfluss invasiver Arten und Klimawandel.

In Afrika, so der IPBES, seien bereits 500.000 Quadratkilometer Boden durch Übernutzung, Verschmutzung, Versalzung und Erosion entwertet, für den asiatisch-pazifischen Raum prophezeien die Experten, dass schon 2018 keine nutzbaren Fischbestände mehr existierten, wenn die bislang gängigen Fischereipraktiken unverändert fortgesetzt würden.

In Europa und Zentralasien sei es vor allem die konventionelle Land- und Forstwirtschaft, die zu einem Rückgang der Biodiversität führte. In der Europäischen Union seien nur sieben Prozent der marinen Spezies und neun Prozent der marinen Habitate in einem guten Erhaltungszustand. 27 Prozent der Spezies und 66 Prozent der Habitate befänden sich den Einschätzungen zufolge in einem ungünstigen Erhaltungszustand.

Zukünftiges wirtschaftliches Wachstum müsse von dem Rückgang der Biodiversität entkoppelt werden, fordern die Experten. Dies setze jedoch tiefgreifende Änderungen politischer Zielsetzungen und der Steuersysteme auf globaler und nationaler Ebene voraus. red.

Beitragsbild: PM der IPBES (Screenshot).

2 Gedanken zu „Weltbiodiversitätsrat: Verheerende Verluste von Biodiversität

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Bei weiter anhaltendem Wachstum der menschlichen Bevölkerung unseres Planeten werden sich Artenschwund und Lebensraumvernichtung nicht stoppen lassen. Man geht beim Menschen davon aus, dass Populationen in ihrer Höhe stagnieren, wenn jedes fertile Paar, also jedes Paar das Kinder bekommen kann, 2,2 Nachkommen produziert. Davon sind wir im Schnitt weit entfernt, auch wenn lokal die Bevölkerung durchaus schrumpft, wie das in hochzivilisierten und technisierten Ländern der Fall ist. Da von den heute etwa 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde ein riesiger Anteil noch nicht im fortpflanzungsfähigen Alter ist, wird sich die Erdbevölkerung auf jeden Fall noch verdoppeln, selbst wenn wir diese vorgenannte Zahl von 2,2 Nachkommen pro Paar heute erreichten. Und Selbstverständlich haben alle Menschen ein Recht auf Leben. Doch was wird aus der Erde, wenn 15 Milliarden Menschen die gleichen Ansprüche an Nahrung, Wasser, Energie und Rohstoffen stellen wie wir heute beispielsweise in Mitteleuropa oder Nordamerika? Diese Frage wird viel zu wenig thematisiert!

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