Weinende Wildbiologen

Nicolette Krebitz: Wild – eine Rezension von René Kieselmann

Neu im Kino, der Film „Wild“ von Nicolette Krebitz, in dem es nur vordergründig um die Begegnung mit einem Wolf geht. JAWINA-Leser René Kieselmann hat sich die Premiere angesehen und uns eine kleine Rezension verfasst:

Die Protagonistin Ania (famos: Lilith Stangenberg) wirkt zunächst unscheinbar, verletzlich, gelangweilt, gehemmt – sie arbeitet als IT-Spezialistin in einer Werbeagentur, in deren Kollegium sie sich nicht so recht einfügt. Das langweilige Leben in einer Plattenbausiedlung in Halle erfährt eine Zäsur, als Ania im Stadtpark einen Wolf erblickt – der Wendepunkt des Films. Von dieser Begegnung gefangen, verabschiedet sie sich nach und nach von sozialen Normen, lässt sich vom Instinkt treiben, kehrt zurück zum Ursprung. Aus Faszination wird Besessenheit.

Gekonnt untermalt durch Musik von Terranova spielen sich surreale Szenen ab, die dennoch nicht ins Lächerliche abgleiten. Erfrischend nüchtern dürfte der Film – was die jagdlichen Szenen betrifft – auf Jägerinnen oder Jäger wirken, etwa die Lappjagd mit asiatischen Treiberinnen, die so erstaunlich schnell zum Erfolg führt, dass jeder felderfahrene Wildbiologe weinen muss. Die Drehbuchautorin und Regisseurin Nicolette Krebitz hat ein mythenloses und radikales Filmkunstwerk kreiert, das jeder Romantik entbehrt und mit Sicherheit polarisiert. René Kieselmann

https://www.youtube.com/watch?v=T3zcZ2a84RQ

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