Wegen ASP: Brandenburg plant Einrichtung von Saufängen

Das Land Brandenburg plant offenbar, wegen der drohenden Ausbreitung von ASP die Wildschweinpopulation im Lande mit Hilfe von Sauenfängen zu dezimieren. Der Entwurf eines entsprechenden Leitfadens, herausgegeben vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg (MLUL) und dem Landesforstbetrieb Brandenburg, liegt der Redaktion vor. Nach Auskunft des MLUL handelt es sich bei dem Leitfaden lediglich um „Arbeitsentwürfe, die verwaltungsintern noch abgestimmt werden müssen.“ Nach Informationen von JAWINA liegt der Leitfaden jedoch bereits in einer überarbeiteten, druckreifen Version vor.

In der Einleitung des Leitfadens heißt es zur Begründung: „Landesweit sehr hohe Schwarzwilddichten, zeitweise nicht bejagbarer [sic] Agrarstrukturen, die permanente Nichterfüllung der Abschussquoten von erforderlichen Anteilen an Jungwild und Bachen sowie insbesondere die immer näher rückende Seuchenfront der Afrikanischen Schweinepest (ASP) macht es dringend erforderlich, die Schwarzwildbestände unter Anwendung aller verfügbaren Möglichkeiten zu reduzieren.“

Dazu gehöre „als ein ergänzendes und wirksames Instrument“ der Fallenfang: „In zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen konnte zweifelsfrei belegt werden, dass der Fallenfang, gerade bei einer so reproduktiven Wildart wie dem Schwarzwild mit hohem Wirkungsgrad praktiziert werden kann. Die Effizienz des Fallenfangs ist unstrittig.“

Die Autoren des Leitfadens, Dr. Egbert Gleich (Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde, LFE) und Dr. Hinrich Zoller (Uni Rostock), weisen darauf hin, dass die „verantwortungsbewusste und effiziente Durchführung der Fallenjagd auf Schwarzwild in Brandenburg“ genehmigungspflichtig sei und „ein hohes Maß an praktischen handwerklichen Fähigkeiten“ sowie eine „tierschutzgerechte Verfahrensweise“ erfordere. Die Fallenjagd auf Schwarzwild soll nur von speziell geschulten Jägern ausgeübt werden, „geeignete Schulungsformen“ seien zu initiieren, um „die praktischen Erfahrungen erfolgreicher Schwarzwildfänger so schnell wie möglich in großer Breite an fangbereite Jäger zu bringen.“

Ältere Jäger, die mit dem Betrieb von Saufängen noch aus DDR-Zeiten vertraut sind, berichteten der Red., dass das Töten der gefangenen Sauen „nicht so schön“ gewesen sei. Spätestens nachdem der erste gefangene Frischling betäubt oder geschossen worden sei, wüssten die anderen intelligenten Sauen, was sie erwarte. Entsprechend groß seien Panik und Stress im Saufang. Der Entwurf des Brandenburger Leitfadens schreibt zum Thema Fang und Töten:

Und weiter:

Offenbar ist der – unter dem Tierschutzaspekt ebenfalls nicht unproblematische Transport der gefangenen Sauen angedacht. Dazu heißt es in dem Entwurf:

Schwarzwild über fünf Kilogramm Lebendgewicht soll in der Falle geschossen werden:

Auch für größeres, wehrhaftes Schwarzwild wird ein Transport offenbar in Erwägung gezogen:

Alle Abbildungen: Screenshots aus dem Entwurf des Leitfadens zum Saufang in Brandenburg.

Unstrittig ist, dass der Fang von Schwarzwild ein höchst effektives Mittel ist, um die Schwarzwildproblematik in besiedelten Gebieten in den Griff zu bekommen, auch weil die Vermeidung von Sicherheitsrisiken durch Schüsse auf frei bewegliches, möglicherweise flüchtiges Schwarzwild oder krank geschossenes Wild dabei positiv zu werten ist. Ob der Fallenfang von Schwarzwild in einem Flächenland wie Brandenburg wirklich eine spürbare Reduktion der Bestände leisten kann – und ob dies die Tierschutz-Probleme, die man sich damit einhandelt, wirklich rechtfertigt – bleibt zu diskutieren und abzuwarten. SE

Beitragsbild: Titel des Leitfadens zum Sauenfang, herausgegeben vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg (MLUL) und dem Landesforstbetrieb Brandenburg. (Screenshot)

3 Gedanken zu „Wegen ASP: Brandenburg plant Einrichtung von Saufängen

  1. Ronbi

    Wie hoch ist die Effizienz und Erfolgsquote von Fallenanlagen für Schwarzwild?

    Sind Scharfschützen mit Schalldämpfer, Nachtsichtgerät und Laserzielpunkt nicht effektiver?

    Zumindest die Tschechen, scheinen dies zu meinen.

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  2. Harzjäger

    Dann können ja die hochgelobten Schreibtischtäter, die solche Methoden vorschlagen, das Töten der Tiere übernehmen. Damit sie lernen wie es ist eine Kreatur unter diesen Stressbedingungen von der Welt zu bringen.

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  3. Schulz

    Vor diesem Hintergrund sollten Jagdverbände und Verwaltungen endlich anfangen, sich offensiv für die Genehmigung von Nachtzieltechnik einzusetzen. Alle Insider wissen, dass dies eine äußerst effektive und waidgerechte Jagd ist (statt auf schwarze Klumpen zu zielen). Hinter vorgehaltener Hand wird an allen jagdlichen Ecken über Erfahrungen im „Ausland“ gesprochen. Komisch, dass die Sauerstrecken so in die Höhe gehen. Ob da wohl auch wildschadengeplagte Pächter schon wirkungsvolle technische Maßnahmen ergreifen? Rückständige Pharisäer unter Jägern und inkompetente Verwaltung verhindern einen rechtzeitigen wirkungsvollen Eingriff durch Jäger in die Schwarzwildbestände mit Hilfe von sinnvoller Technik. Mit Ausbruch der ASP wird für die Öffentlichkeit deutlich, dass Jäger ihre Hegeaufgabe nicht gerecht werden. Dann kann man das traditionelle Argument der Jäger als „Heger“ auf den Müll der Geschichte befördern. Aufwachen Jagdverbände!

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