Verein Hirschmann wildert in fremden Revieren

Erstaunliches lässt der Verein Hirschmann (VH) verlauten: In der aktuellen Ausgabe des Hirschmannbriefs von 2016 heißt es auf S. 36: „Unsere Hundeführer werden älter (wie die Vorstandsmitglieder auch), die „Masse“ der nachdrängenden jungen Nachwuchsführer ist durchaus überschaubar und der jährliche Bedarf an Welpen orientiert sich eher an dieser Entwicklung als an der Notwendigkeit, dass es besser wäre, anstatt 60 eben 80 Welpen [Hört, hört!, Anm. d. Red.] zu züchten. Wie kann man diese Zahlen sinnvoll beeinflussen?

Es wäre gut, auf fähige junge Leute zurückzugreifen, auch wenn diese zur Zeit einen Jagdhund anderer Rasse führen. Wichtig ist es meines Erachtens, gute und leistungsfähige Hundeführer (übrigens auch im SHVD) zu identifizieren, die gut in unsere Reihen passen würden und mit denen schon heute vor Ort eine gute Zusammenarbeit gepflegt wird.

Sie sind alle aufgerufen, insbesondere aber unsere Nachsuchenführer in allen Regionen Deutschlands, die Führer zu identifizieren, namhaft zu machen, zu benennen, zu überzeugen und ihnen den Weg in den VH und zu einem Welpen zu eröffnen.“

Da drängen sich doch Fragen auf: Hat der VH so große Nachwuchssorgen (wie war das mit der „Masse“ der nachdrängenden Nachwuchsführer und dem alternden Verein?), dass er es nötig hat, seine Mitglieder in der offiziellen Vereinspostille aufzufordern, anderen Vereinen die Mitglieder abzuwerben? Und dann beim SHVD – dem Gottseibeiuns, dem Dissidentenverein, den angeblichen Schwarzzüchtern? Haben die Verantwortlichen beim VH nicht die Befürchtung, dass das selbst von den eigenen Mitgliedern als grob unsportliches Verhalten aufgefasst werden würde? Oder verbirgt sich in dem Eingeständnis, dass mit den Hundeführern vom SHVD „vor Ort eine gute Zusammenarbeit gepflegt wird“, zwischen den Zeiler eine Anerkennung der Hunde und Hundeführer des SHVD und damit dessen Zucht und Vereinsarbeit?

Wir haben den VH und den SHVD um Stellungnahme gebeten…

 

Hirschmannbrief 2016, S. 37: Fair Play? Mitglieder abwerben, aber eine Doppelmitgliedschaft im SHVD schließt der VH aus. Foto: SE

Die Kommunikationsprofis vom Verein Hirschmann haben auf unsere Anfrage bisher nicht reagiert.

Die Stellungnahme des Geschäftsführers des SHVD, Mario Hörig, veröffentlichen wir im Folgenden ungekürzt und unkommentiert.

Mario Hörig, Geschäftsführer des SHVD. Quelle: SHVD

Sehr geehrte JAWINA-Redaktion,

In Vereinen wird gekommen und gegangen, beim Schweißhundeverein Deutschland (SHVD) beim Verein Hirschmann (VH) und beim Kegelklub von Nebenan.  Das sind ganz normale Vorgänge eines Vereinslebens. Beim Lesen des Hirschmannbriefes Ausgabe 2016 auf Seite 36 musste ich natürlich auch etwas schmunzeln über die Formulierung …… leistungsfähige Hundeführer auch aus dem SHVD zu identifizieren….. Ich lese die Hirschmannbriefe  seit 1999 und noch nie stand in einem dieser sehr informativen und gut gemachten Ausgaben etwas Wohlwollendes über den Schweißhundeverein Deutschland e. V. Von daher bewerte ich diese Aussage erst einmal grundsätzlich positiv.

Leistungsfähige Hundeführer unseres Vereins vollbringen ihre Arbeit auf der Wundfährte mit leistungsfähigen Hunden unseres Vereins.  Leistungsfähige Hunde entstehen bekanntlich auch nur in leistungsbezogener Zucht. Sollte der 1. Vorsitzende des VH bei seiner Äußerung in diese Richtung gedacht haben, fände ich das positiv bemerkenswert.

Inwieweit sich Hundeführer unseres Vereins dazu bewegen lassen, zum Verein Hirschmann zu wechseln, vermag ich nicht zu sagen. Nur soweit, wenn jemand einen leistungsfähigen, gesunden Welpen von einem Verein bekommt, wieso sollte dieser Hundeführer den Verein wieder verlassen?! Ein vom Verein Hirschmann zum SHVD gewechselter sehr leistungsfähiger Schweißhundeführer sagte mir mal bei diesem Thema: In die Hand, die mich füttert werde ich nicht beißen. Ich bin der Ansicht, dass in dieser Aussage sehr viel Wahres steckt und es werden wohl eher individuell enttäuschte oder wesensschwache Hundeführer das Lager wechseln.

Übrigens gilt das für beide Seiten. Es wundert mich nur, dass man von Seiten des VH nun fähige junge Leute sucht. Ich kenne noch Zeiten und diese kennen auch viele Mitglieder des SHVD, in denen man von Seiten (Mitgliedern) des VH mit allerlei Feststellungen über das jagdliche Umfeld, die Zeiteinteilung und oft auch ohne Grund  abgewiesen wurde. Das jagdliche Umfeld hat sich doch in den letzten 20 Jahren nicht so dramatisch geändert, das man nun plötzlich lieber 100 statt 30 Welpen züchten möchte. Im Gegenteil kommt die Afrikanische Schweinepest zu uns, wird es wohl einen dramatischen Rückgang der Schwarzwildbestände geben und damit viel weniger Nachsuchen.

Ein Problem generell, auch im Hinblick auf  in vorhergehenden Beiträgen über Genetik bei Jagdhunden Geschriebenes. Eine Verknappung des Zuchtpotentials können wir uns bei den Schweißhunden eigentlich gar nicht leisten. Bleibt die Frage, Wer mit welchem Zuchtpotenzial stattet denn die Nachsuchenführer von morgen mit Welpen aus?

Unter diesem Gesichtspunkt kann man die gemachte Aussage vom Hirschmannbrief  Seite 36 natürlich auch anders interpretieren. Ich bleibe aber sehr optimistisch, dass der SHVD auch in den nächsten Jahren  weiter wachsen wird und seinen jetzigen und zukünftigen Mitgliedern gute Welpen, übrigens HS und BGS zur Verfügung stellen wird. Vor 14 Tagen konnten wir als Neumitglied einen Nachsuchenführer und Leistungsrichter aus dem Verein Hirschmann in den Reihen des SHVD begrüßen. Wie eingangs gesagt, bei Vereinen wird gekommen und gegangen.

Weidmannsheil
Mario Hörig
Geschäftsführer des SHVD e.V.

4 Gedanken zu „Verein Hirschmann wildert in fremden Revieren

  1. Lieschen M.

    Guten Tag,

    schon beim kursorischen Lesen des Artikels stellt sich mir die Frage nach dem möglichen Ziel der Auseinandersetzung mit dem Fragment eines Artikels aus dem Hirschmannbrief. Da ploppt sich mir im Kontext der hier unlängst beschmunzelten Dialoge zwischen dem KBGS und JAWINA-himself die Frage auf, inwiefern bei JAWINA derzeit und wiederholt selbstgefällige KBGS/ VH-Shitstorm-Wochen ausgerufen wurden. Oder wie erklärt sich die Einforderung eines Statements vom VH zu einem ohnehin veröffentlichten Statements des VH ?
    Frage Nr. 2: Konnotiert JAWINA den Beitrag im Hirschmannbrief eigentlich (folge)richtig resp. bögeln sich die Gedankengänge tatsächlich korrekt ein, wenn hier von Akquise beim SHVD und guter Zusammenarbeit mit Ebengenannten ausgegangen wird .. Kann es nicht vielmehr der mutige Versuch sein, den hoffnungsvollen Versetzungsgefährdeten, Nachhilfe zu geben .. ein Handreich, kann gute Zusammenarbeit nicht auch heißen, dass jeder Pfanner-uniformierte Schweißhundeführer im SHVD die Tel.nr. eines Nachsuchengespanns des VH hat um zumindest zeitversetzt an Wild zu gelangen .. ? Lesart also.
    Will sagen, bestenfalls ist dieser Beitrag Selbstzweckkommunikation, schlimmstenfalls ernstgemeint.
    Frage Nr. 3 kann ich allein beantworten: Sommerloch.

    Will hier als jagdliches Lieschen Müller i. S. eines „Endverbrauchers“ nur sagen: Habe ich draußen im Wald Bockmist veranstaltet, ist mir völlig Latte, welche Vereinsnadel da an der Mütze baumelt, einzige Bedingung .. der unbedingte Wille zum Finden (bei Hund + Führer) !
    Daher würde es mich sehr freuen, dies auch weiter als einziges Kriterium anwenden zu können und nicht durch derart polarisierende Berichterstattung am Ende doch noch vor jeder Nachsuche den Mitgliedausweis sehen zu wollen ..

    Schöne Grüße aus Mecklenburgistan

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  2. Keule

    Tja, wenn man den nachwuchs jahrelang vergrault anstatt proaktiv heranzuziehen steht man halt eines Tages alleine da.

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  3. Joachim

    Ist es nicht grundsätzlich positiv zu werten, wenn einer der Vereine mit der restriktivsten Welpenvergabe den Versuch unternimmt, der Zucht eine breitere Basis zu geben, ohne dass die über Generationen aufgebaute Zucht den Bach runtergeht.
    Wenn ich sehe, was in unserer Region inzwischen an spitzverdackelten Hunden (der Mischling ist immer gesünder und besser als der Reinrassige!) zur Drückjagd angeschleppt wird und wie viele vornehmlich BGS aus irgendwelchen Schwarzzuchten die Drückjagd im Kofferraum verbringen, weil sie selbstverständlich geschont werden, da sie als Spezialisten für das Besondere aufgehoben und nicht verdorben werden sollen, dann freut es mich, wenn ein Verein wie Hirschmann nach Wegen sucht, die Zucht zu erhalten.
    Selbst wenn es zu Beginn etwas holprig sein mag.

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  4. König

    Guten Tag,

    das Bild spricht Bände. Wie ich es immer sage, der DD ist ein guter Hund für die Nachsuche. Warum führen viele anerkannte Nachsuchenführer diesen nicht nur als Beihund.

    Meiner persönlichen Meinung nach geht es nicht nur um den Nachwuchs im Bereich des Hundeführers, sondern um die Zuchtbasis des Vereins. Inzucht in gewissen Maße ist gut, aber was hier seit Jahrzehnten praktiziert wird, ist auch nicht gut.

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