Test: Jagdhose Deerhunter Rogaland

Es soll Leute geben, die der Meinung sind, dass eine normale Jagdhose (also eine ohne Spezialfunktionen wie Thermo oder Sauenschutz) keinen dreistelligen Betrag kosten muss, ja, nicht kosten darf. Begründet wird diese Auffassung üblicherweise mit der Schlichtheit, die die Jagdhose als Erzeugnis kennzeichnet und einen höheren Preis nicht wirklich rechtfertigt und der aus Erfahrung gewonnenen Einsicht, dass man jede Jagdhose, ob teuer oder billig, im Jagdeinsatz früher oder später kaputt kriegt. Irgendwann kommt schon das Dornengestrüpp oder der Stacheldraht, der das gute Stück in Fetzen gehen lässt, weshalb die Sparsamkeit gebietet, keine übertriebenen Summen dafür auszugeben. Die Anhänger dieser Auffassung pflegten lange auf die Bundeswehrhose zu setzen, die anscheinend jedoch den Weg der Jeanshose gegangen ist: Begleitete eine Jeans einen früher durch ganze Lebensabschnitte, mit jeder Wäsche unmerklich ausbleichend und lange Zeit durch Alterung nur ansehnlicher werdend, so ist daraus heute ein schon beim Kauf künstlich gealtertes Verschleißteil geworden, dass nach ein, zwei Saisons verbraucht und abgenutzt in die Altkleidersammlung wandert.

Ähnlich steht es um die einst als unverwüstlich gepriesene Bundeswehrhose, die zwar mittlerweile spottbillig zu haben ist, aber eben auch nicht mehr wert ist. Weil die Verarbeitungsqualität zu schlecht ist. Nach kurzem Gebrauch reißen Knöpfe und Gürtelschnallen ab, die Nähte gehen auf, der Stoff reißt. Zwischen alten BW-Hosen aus unserem Bestand und in letzter Zeit nachgekauften ist ein deutlicher Qualitätsunterschied feststellbar. Also weg damit.

Voluminöse, gut gemachte und stabile Taschen zeichnen die Rogaland aus. Fotos: SE

Eine Alternative musste her, auf Empfehlung hin haben wir die Deerhunter Rogaland ausprobiert. Der empfohlene VK liegt bei um die 50 Euro, der Straßen- bzw. Netzpreis liegt teilweise erheblich darunter – fast auf BW-Hosen-Niveau. Die paar Euro mehr sind gut angelegt: Unsere vor ca. einem Jahr gekaufte Test-Rogaland war seitdem ständig im Einsatz: Bei der Jagd und Revierarbeiten, bei Tätigkeiten in Garten und auf der Baustelle und auf Reisen. Sie hat es sehr gut weggesteckt. Knöpfe, Nähte, Taschen, Gürtelschlaufen – nichts hat nachgegeben, nichts zeigt sichtbaren Verschleiß. Auch die vielen Wäschen konnten der Rogaland nichts anhaben, sie ist nicht mal in nennenswertem Maß ausgeblichen, was schon bemerkenswert ist, zumal wir Herstellervorschriften (40 Grad für die Rogaland) konsequent ignorieren und grundsätzlich immer alles bei 60 Grad waschen. Auf allen Aufnahmen der Rogaland-Hose auf diesen Seiten ist das viel getragene und oft gewaschene Testmodell nach ca. einem Jahr im Einsatz zu sehen.

Öko-Tex-zertifiziert. Foto: SE

Das dunkle Grün der Rogaland ist jagdlicher und gefälliger als das verwaschene Oliv der BW-Hosen, die Hose ist vorgeformt, das sorgt für eine gute Passform. Mit der Rogaland ist man auf der Jagd gut angezogen, was man vom BW-Pendant nicht unbedingt behaupten kann. Bedingt durch die vorgeformten Knie weist die Rogaland in diesem Bereich recht viele Nähte auf, die mit der üblicherweise stark ausgeprägten männlichen Oberschenkelbehaarung interagieren, was empfindliche Hosenträger stören kann. Das Polyester-Baumwoll-Mischgewebe trägt sich angenehm, wobei 100 % Baumwolle im Sommer auch nicht zu verachten sind. Dafür trocknet die Rogaland schnell und sieht auch ohne Bügeln glatt und ordentlich aus.

Dreifach-Nähte an belasteten Stellen, stabile Gürtelschnallen, die auch einen mit Saufänger und Patronentasche beschwerten Gürtel sicher halten. Foto: SE

Überzeugend sind die durchdachten Details an der Hose: Die gut gemachten, großen Taschen, die Dreifach-Nähte an besonders belasteten Stellen, die Öko-Tex-Zertifizierung. Hier kann Deerhunter die Abkunft vom dänischen Berufsbekleidungs-Konzern F. Engel nicht leugnen – und das ist gut so: Die Deerhunter Rogaland Jagdhose ist eine solide und gut verarbeitete Jagdhose ohne überflüssigen Schnickschnack zu einem äußerst günstigen Preis. SE

Beitragsbild: Jagdhose Deerhunter Rogaland. Foto: SE

 

Ein Gedanke zu „Test: Jagdhose Deerhunter Rogaland

  1. JK

    Sehr guter Beitrag!
    Bisher verwende ich Berufshosen für Gärtner/GaLaBauer in grün. Auch deutlich unter € 100,- und äußerst solide verarbeitet. Mit Detaillösungen wie man sie auch beim aktiven Jagen benötigt. 3-fach Nähte, mehrfach unterteilte Balgtaschen die für Munition bei der Jagd und auf dem Schießstand 30 Schrotpatronen fassen, auch die Abfangwaffe, Zollstock-/Messertasche, Dokumententasche, Brille, Kleinkram-Taschen, nur 1 Tasche am Hintern(man sitzt eh‘ dort ‚drauf), Blåkläder stellt so etwas her. Knieverstärkungen aus Cordura und Gürtelschlaufen die diese Bezeichnung auch verdienen.
    Zusätzlichen Schnickschnack(leider vorhanden) habe ich einfach abgeschärft. Durch das solide Material ist die Hose im Winter angenehm warm, im Sommer erträglich.
    Es gibt sie auch in „Sondergrößen“ wie schmal & schlank, kurz & dick.
    Positiver Nebeneffekt: Ich kann die Hosen als Berufsbekleidung absetzen…

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