Schlagwort-Archive: Zerwirken

Zerwirk-Zubehör: Gut zerwirkt ist halb verkauft

Ein Beitrag von Frank Martini

Bio und Premium – die Attribute, die wir Jäger Wildfleisch zuschreiben, treffen auf gleichklingende Bedürfnisse beim Verbraucher. Die muss man nur zu bedienen wissen!

Hand aufs Herz: Wie viele Menschen außerhalb Ihres jagdlichen Umfeldes kennen Sie noch, denen Sie mit einem frisch erlegten Hasen von der ersten Treibjagd leuchtende Augen bereiten würden? So ursprünglich tierische Nahrung noch aussehen mag, aber wo noch Augen rausgucken und noch Haare drauf sind, erregen wir mit unserem Beuteangebot bei der weiten Mehrheit der Verbraucher günstigstenfalls Ratlosigkeit, schlimmstenfalls sogar Abscheu. Dabei würden mit keiner dieser Reaktionen Zweifel an der lukullischen wie ernährungsphysiologischen Qualität unseres Angebots zum Ausdruck kommen, sondern schlicht Ratlosigkeit.

Weiterlesen

Schmerzhafte Einschnitte

Oder: Ein Plädoyer für den Stechschutzhandschuh

„Also pass auf: Du setzt das Messer hier an, zwischen Gelenkpfanne und – kugel und dann…“ Gebannt verfolgen Jungjägerin Tina und ihr ebenfalls jagender Freund Marco, wie Holger das korrekte Zerwirken eines Wildschweins demonstriert, das vor wenigen Tagen von Jagdkumpel Chris geschossen, nach kurzer Nachsuche von Holgers Kopov Dasco gestellt und vom Hundeführer abgefangen worden war. Das Stück ist bereits aus der Decke geschlagen, Haupt, Blätter und Rippen sind abgetrennt. Keule und Rücken hängen noch am Haken. Holger führt vor, wie man die Keule im Gelenk von der Hüfte löst. Sauber zertrennt das frisch geschärfte Messer das Fleisch, gleitet am Hüftknochen der Sau entlang, bleibt an der Gelenkkugel hängen. Holger erhöht den Druck, rutscht ab. Instinktiv, wie ein kleiner Junge, der sich beim Schnitzen in den Finger geschnitten hat, drückt Holger den Arm mit der Schnittwunde an den Mund. Das alles ging so schnell, dass Tina und Marco gar nicht mitbekommen, was gerade passiert ist. „Holger, was ist los?“, fragt Tina. Holger, mit dem Arm vorm Gesicht, redet unverständliches Zeug: „Bopp, Nock, Rock!“ Tina starrt ihn an: „Holger, ich verstehe Dich nicht.“ Holger reißt den Arm aus seinem Gesicht und schreit: „DOC!“ Ungefähr ein halber Liter Blut quillt dabei aus seinem Mund und strömt blasig an den Mundwinkeln hinab auf das T-Shirt, was seinen Worten eine gewisse Eindringlichkeit verleiht.

Weiterlesen

Aufgebohrt: Palettenkanzel mit Sonderzubehör

Vor kurzem haben wir die einfach, schnell und billig zu bauende Palettenkanzel vorgestellt. Heute präsentieren wir ein Sondermodell mit innovativer Zusatzausstattung: Die Palettenkanzel mit integriertem Wildgalgen und Schragen (Aufbrechtisch). Wer im Revier aufbrechen möchte oder muss und ein hinreichend abgelegenes Plätzchen für die Spezialkanzel hat, arbeitet damit draußen fast mit dem Komfort eines professionellen Zerwirkraums. Sinnvolle Ergänzungen: Ein großer Kanister Wasser, der ohnehin in jedes Jägerauto gehört, und eine Stirnlampe.

Weiterlesen

Wildbretverwertung: Die sieben besten Tipps

Es gibt erstaunlich viele Jäger, die kein oder kaum Wildbret verspeisen, während andere – darunter der Verfasser dieser Zeilen – einen Selbstversorgungsgrad bei Fleisch von 100 Prozent anstreben. Ich muss aber zugeben, dass ich es zu Beginn meiner Jägerlaufbahn schwierig fand, das selbst gewonnene, ökologisch und ernährungsphysiologisch so wertvolle Protein auch möglichst vollständig zu verwerten. Das geht vermutlich vielen so, zumindest (Jung-)Jägern aus einem eher städtischen Umfeld, denen jede Erfahrung im Umgang mit Praktiken der Selbstversorgung gründlich abhanden gekommen ist. Im folgenden daher die besten Tipps, wie sich der Industriefleisch-Boykott in die Tat umsetzen lässt:

Weiterlesen

Butt Out 2: Weidlochauslöser im Test

„Wir werden dann mal einen kleinen rektalen Eingriff durchführen“, näselt Oberförster Zander in seinem schönsten Tuntenimitationstonfall. Dann entschließt er sich aber doch, das farbenfrohe Spezialwerkzeug lieber einer unerschrockenen Kollegin zu überlassen. Es erwies sich als überaus schwierig, unter den sonst doch so kooperativen Jawina-Lesern Tester für den Weidlochauslöser „Butt Out 2“ zu gewinnen: Die für dessen Gebrauch erforderlich Einführung ins Weidloch des Beutetiers scheint hochgradig tabuisiert zu sein – und entsprechende Ekelreaktionen auszulösen. Ein Befund, der vermutlich bereits hinreicht, um dem ganz in Signalorange gehaltenen Kunststoffkonstrukt keine große Zukunft zu prognostizieren…

Weiterlesen

Praxis: Gut abschneiden

Zerwirken lernen beim Profi – wieso ein Brandenburger Wildhändler Jägern die Geheimnisse seiner Zunft verrät.

Manche Kollegen haben wenig Verständnis dafür, dass Wildhändler Jürgen Griebsch aus Bardenitz (Landkreis Potsdam-Mittelmark) (Jung-)Jägern in vom LJV Brandenburg veranstalteten Kursen zeigt, wie professionelle Wildverarbeitung funktioniert: „Du züchtest doch deine eigene Konkurrenz heran“, unken sie. Doch Griebsch will Wildbret in Top-Qualität liefern – und ist darauf angewiesen, dass die Jäger, seine Lieferanten, ihren Job gut machen.

Jürgen Griebsch vom Wildzerlegebetrieb Griebsch & Griebsch GbR in Bardenitz (Potsdam-Mittelmark)

Dass es handwerkliche Defizite gibt, weiß jeder, der sich die versorgten Stücke auf einem Streckenplatz ansieht. Bei einigen hapert es auch an der Einstellung zum Lebensmittel Wildbret: „Wenn ich mal einen rauschigen Keiler ablehne und bei Gelegenheit frage, was aus dem geworden ist, höre ich: Den habe ich noch prima verkauft. Aber wenn Sie den jungen Leuten andrehen, die zum ersten Mal Wild gekauft haben und das Fleisch stinkt in der Pfanne, dann kaufen die nie wieder was“, gibt der Wildhändler zu bedenken und rät: „Machen Sie es nicht – wir vergraulen unsere Kunden.“ Im Zweifel entscheidet in solchen Fällen die Kochprobe: Ein Stück Fleisch kochen, den Deckel des Topfs lüften – die Gerüche geben zuverlässig Auskunft, ob das Stück verwertbar ist.

Weiterlesen