Schlagwort-Archive: Wildtiere

Empfängnisverhütung bei Wildtieren – Pille oder Kugel?

Saufänge, Nachtzielgeräte, Abschuss von 70 Prozent der Schwarzwildpopulation: Aus Angst vor einer Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) kommen drastische Vorschläge zur Dezimierung der Wildschweine ins Gespräch. Dass auch die Forderung nach der „Pille für die Sau“ vorgebracht werden würde, war also abzusehen – dabei ist Kontrazeption bei Wildtieren alles andere als unproblematisch.

Jäger befürchten das Ende der Jagd, Jagdgegner erhoffen sich dasselbe, und Verbraucher lassen sich bereitwillig einreden, dass Männern nach dem Verzehr behandelten Wildbrets „Brüste wüchsen“ (wie ein amerikanischer Wissenschaftler schrieb): Empfängnisverhütung bei Wildtieren ist ein äußerst kontrovers und emotional diskutiertes Thema. Tatsache ist, dass die Forschung auf dem Gebiet der Immunokontrazeption, also der Empfängnisverhütung, die sich Immunreaktionen zunutze macht, seit den ersten Versuchen Anfang der achtziger Jahre atemberaubende Fortschritte gemacht hat. Mittlerweile gibt es eine Reihe von erprobten Verfahren, die vor allem in den USA bei ganz verschiedenen Tierarten – zum Beispiel bei Nagetieren, Füchsen, Weißwedelhirschen, Damwild, Sauen und Wildpferden, aber auch Tauben und Gänsen – mit Erfolg angewendet werden. Wir Jäger müssen uns also mit dem Thema auseinandersetzen – den Kopf in den Sand zu stecken und unseren Gegnern das Feld zu überlassen, bringt nichts.

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Hühner retten Wildtiere

Über einen so interessanten wie pragmatischen Ansatz, afrikanische Wildtiere vor der lokalen Ausrottung zu bewahren, berichtet Richard Conniff in der New York Times. In „Chickens Can Help Save Wildlife“ beschreibt er den durch die rasante Bevölkerungszunahme enorm gestiegenen Druck auf Wildtierpopulationen in vielen afrikanischen Ländern. Nicht nur, dass menschliche Siedlungen, Weiden und Anbauflächen immer mehr Wildnisflächen und damit Habitate beanspruchen – für viele Menschen in Afrika stellen durch Fallen, Schlingen oder Schusswaffen illegal erbeutete Wildtiere, das sogenannte Bushmeat, die einzige oder hauptsächliche Proteinquelle dar. Modernere Waffen, Kraftfahrzeuge, kommerzielle Vermarktung und das Bevölkerungswachstum hätten zu einem regelrechten Overkill geführt, schreibt Conniff. 15 Millionen Wildtiere werden pro Jahr im brasilianischen Amazonasgebiet gewildert, 579 Millionen in Zentralafrika. 301 terrestrische Säugetier-Spezies sind durch die Bushmeat-Produktion von Ausrottung bedroht, darunter Bonobos und Gorillas.

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Artenschutz: Wildtierbestände in Kenia drastisch zurückgegangen

Giraffe, Gnu und Warzenschwein sind in Gefahr: In Kenia sind die Bestände an Wildtieren seit 1977 um durchschnittlich 68 Prozent gesunken, wie die Universität Hohenheim in einer Pressemitteilung feststellt. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommen Biostatistiker der Universität Hohenheim, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität. Sie werten jahrzehntealte Datenbestände statistisch aus. Als Ursachen für die Misere haben sie Klimawandel, Viehhaltung, Bevölkerungswachstum und Versagen von Politik, Institutionen und Markt identifiziert. Jetzt mahnen sie dringenden Handlungsbedarf an. Rund 597.600 Euro Förderung erhält das Projekt von der EU. Es zählt damit zu den Schwergewichten der Forschung an der Universität Hohenheim. Was die Uni in der Pressemitteilung verschweigt: 1977 trat in Kenia ein umfangreiches Jagdverbot in Kraft.

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Kommentar: Alle Jahre wieder…

Hunderttausende Wildtiere werden vorsichtigen Schätzungen zufolge Jahr für Jahr in Deutschland bei Erntearbeiten getötet, verstümmelt, plattgewalzt, zu blutigem Brei zerhäckselt. Jahr für Jahr produziert der Deutsche Jagdverband (DJV) Broschüren, Flyer, Pressemitteilungen und Videos, in denen für die wildtierfreundliche Mahd – von innen nach außen – geworben wird. Doch dass die Tod und Tierquälerei zwar nicht ausschließende, aber wenigstens auf ein unvermeidliches Maß reduzierende Erntemethode tatsächlich angewendet wird, habe ich noch nie gesehen. Und das, obwohl es, was den Zeit- und Energieaufwand angeht, ziemlich gleichgültig ist, ob nun von innen nach außen oder umgekehrt geerntet wird. Gefordert ist lediglich ein Umdenken, eine Umgewöhnung – aber selbst das ist offenbar schon zu viel verlangt.

Viele Jagdpächter berichten über die frustrierende Verweigerung jeglicher Kooperation von Seiten der Landwirte. Da wird jedes Jahr vor der Erntesaison aufs Neue darum gebeten, doch bitteschön vor der Mahd Bescheid zu sagen, damit die Felder abgesucht, Rehkitze geborgen und das sinnlose und qualvolle Sterben minimiert werden können – um dann bei der Fahrt durchs Revier feststellen zu müssen, dass die Wiesen – über denen Krähen und Bussarde kreisen, um sich an den Kadavern zu mästen –  wieder einmal ohne Ankündigung gemäht wurden. Ein Anruf, eine SMS oder Whatsapp, die dem Landwirt im Wildschadensfall wenig Schwierigkeiten bereiten – leider zu viel verlangt, wenn es um den Schutz von Wildtieren geht.

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Modifizierter Frischling: Ein seltsamer Fang

Am Montag Nachmittag (25.4.) rufen Jagdfreunde Tanja und Karsten bei Jagdkumpel Holger an, Mitpächter eines Jagdreviers am nordwestlichen Stadtrand Berlins, und melden einen einzelnen, noch gestreiften Frischling, der ziemlich vertraut zwischen Straße und Feldrand grubbert. Holger schwingt sich ins Auto und brettert los, schließlich gilt es, einen weiteren Wildunfall auf der vielbefahrenen Straße an der Reviergrenze zu verhindern. Am angegebenen Ort findet er den Frischling ohne große Mühe: Völlig arglos widmet sich der Mini-Schwarzkittel gleich neben der Straße am hellichten Tag der Nahrungssuche. Holger nimmt die im Rahmen seiner Nebentätigkeit als Stadtjäger in einer benachbarten Gemeinde gründlich eingeübte Schleichpositur – Oberkörper leicht vorgebeugt, Fangarme ausgestreckt, Knie federnd angewinkelt – ein und pirscht sich an. Das übliche Einkriegespiel durch Gräben und Dornenbüsche entfällt diesmal. Gleich beim ersten ersten Versuch lässt sich der Frili an den Hinterläufen packen. „Der hat auf den Schreck hin zwar gequiekt wie am Spieß, sich aber sonst nicht groß gewehrt“, berichtet Holger. „Das fand ich schon seltsam, denn normalerweise kämpfen die kleinen Kerle dieser Größenordnung schon wie die Helden.“

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Wie Waldtiere der Sommerhitze trotzen

Während Menschen der gegenwärtigen Sommerhitze durch Flucht in klimatisierte Räume oder Schwimmbadbesuche erwehren können, fragt sich mancher, wie dies eigentlich die Wildtiere im Wald überstehen. Leiden die Tiere in Wald und Flur unter den hochsommerlichen Temperaturen? „Jein“ sagen die Experten der Thüringer Landesforstanstalt: Hirsch, Hase & Co. haben „coole Strategien, um mit der Sommerhitze fertig zu werden.“

Im Gegensatz zum Menschen schwitzen Waldtiere bei der Bewegung nicht – viele wilde Gesellen haben wenig oder gar keine Schweißdrüsen. Wie der Haushund oder die Hauskatze hecheln sie und verdampfen dabei Speichel, um den Körper zu kühlen. Feldhasen atmen gar über ihre langen Löffel im Sommer besonders intensiv.

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Straßenverkehrserziehung für Wildtiere

Eine jetzt veröffentlichte Studie der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg zeigt, wie Wildtiere Verkehrswege überqueren und „ökologische Korridore“ nutzen. Im Rahmen des Projektes Ökologischer Korridor Südbrandenburg wurde unter anderem das Verhalten von Wildtieren beim Überqueren von Straßen und Schienenwegen untersucht. Es muss nicht immer eine Grünbrücke sein, sei eine Erkenntnis aus dem Bericht, der unter www.wildkorridor.de veröffentlicht ist, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg. Das Projekt Ökologischer Korridor Südbrandenburg verbindet die letzten naturnahen Wald- und Gewässerlebensräume im Süden Brandenburgs für wandernde Wildtiere miteinander und schafft eine Verbindung zu den Naturräumen Polens.

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Tierische Strategien gegen Sommerhitze

Nicht nur Menschen leiden unter den hochsommerlichen Temperaturen. Auch Wildtieren setzt die Hitze zu – doch sie wissen, wie sie sich Abhilfe verschaffen können. Schlammige Pfützen und kühle Wasserlöcher sind bei Wildtieren jetzt heiß begehrt. Hirsche und andere Paarhufer haben keine Schweißdrüsen wie Menschen. Also mussten Wildtiere Strategien entwickeln, um der Hitze zu trotzen. Hirsche waten beispielsweise durch tiefe Gewässer bis ihnen das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht. Bei Wildschweinen ist eine ordentliche Schlammpackung besonders beliebt. Durch das Suhlen im Schlamm bleibt feuchte Erde an den Borsten hängen und kühlt die empfindliche Haut der Schwarzkittel. Ein weiterer Vorteil dieser Wellness-Behandlung: Mücken, Bremsen und Zecken bleiben in der zentimeterdicken Schlammschicht kleben, trocknen ein und werden später an Bäumen einfach abgescheuert.

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Krähenalarm in München

Behörden rufen Jäger zu Hilfe.

Im Münchner Stadtteil Sendling haben Rabenkrähen Menschen angegriffen und einen Passanten am Kopf verletzt. Der Mann war attackiert worden, als er den Innenhof der Wohnanlage durchschritt, um zu einer Bushaltestelle zu gelangen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Aus dem Luftraum oberhalb eines Kinderspielplatzes kamen zwei Krähen angeflogen und hackten auf den Kopf des Mannes ein. Dabei zog er sich zwei stark blutende Platzwunden zu, die ambulant behandelt werden mussten. Die Krähen brüten in den alten Bäumen in dem Hof und fühlten sich offenbar in ihrer Brutpflege gestört.

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Berlin: Sauenplage hausgemacht

Die ausufernde Schwarzwildpopulation verursacht im Berliner Stadtgebiet massive Schäden, die Gefahr eines Ausbruchs von Schweinepest steigt, Konfrontationen zwischen Sau und Mensch nehmen zu. Jetzt musste ein Mensch sterben, von einem Wildschwein auf seinem eigenen Grundstück angegriffen. Ein Gutachten aus dem Jahr 2010 belegt: Hauptverantwortlich für die Berliner Sauenplage sind die Berliner Forsten.

Berlin ist „bezüglich seiner Wildschweindichte im urbanen Raum ohne Beispiel“, heißt es im Gutachten, das Bruno Hespeler im Auftrag des Landes Berlin erstellt hat. An Schuldzuweisungen für diese Situation herrscht kein Mangel: Mal hieß es, die übereifrigen Jäger im Umland würden die armen Borstentiere so scharf bejagen, dass sie Zuflucht in der Hauptstadt suchten. Dann wieder schossen sich die Medien auf jene – in Wahrheit wohl nicht allzu breiten – Bevölkerungsschichten ein, die aus falsch verstandener Tierliebe Wildschweine füttern. Zur Abwechslung sollten dann die Eigenheimbesitzer Schuld sein, die ihre Anwesen nicht wildschweinsicher einfrieden.

Doch Bruno Hespelers Gutachten benennt die wahren Verantwortlichen: Es sind die Berliner Forsten – oder genauer gesagt einige Berliner Forstämter – die viel zu wenig Sauen schießen, eine groteske und unverantwortliche Überhege betreiben und obendrein die Reduktion durch Begehungsscheininhaber und Stadtjäger nach Kräften hintertreiben.

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Österreich: Ruhezonen für Wildtiere

Die Aktion „Respektiere deine Grenzen“ fördert rücksichtsvolles Verhalten in der Natur

Im österreichsichen Bundesland Land Salzburg hat der Winter im Hochgebirge schon ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. Damit beginnt für Wildtiere eine der anstrengendsten Jahreszeiten, heißt es auf der offiziellen Homepage des Bundeslandes. Es gibt wenig Nahrung, und die Tiere müssen mit ihren Kräften haushalten. Ein Skifahrer oder Wanderer, der ein Tier aufschreckt und eine kräfteraubende Flucht auslöst, gefährdet das Leben von Reh, Hirsch und Co. „Aus diesem Grund weisen wir gemeinsam mit Grundeigentümern, Seilbahnunternehmen und Sportorganisationen Ruheräume aus. Es kann nicht sein, dass wir rücksichtslos quasi mit Ski oder Snowboard durch das Wohnzimmer der Tiere preschen“, erklärte Landesrat Dr. Josef Schwaiger heute, Freitag, 22. November, zur Aktion „Respektiere deine Grenzen“. „Wir wollen mit Information für ein faires Miteinander von Mensch und Tier sorgen. Bereits bei der Tourenplanung kann man sich im Internet schlaumachen, wo in Salzburg solche Ruhezonen ausgewiesen wurden. Viele Seilbahn-Betreiber schildern diese Bereiche in den Skigebieten ebenfalls vorbildlich aus. Wir machen Gäste darauf aufmerksam, dass sie abseits der Pisten neben dem eigenen Leben auch das von Wildtieren aufs Spiel setzen“, so Landesrat Schwaiger.

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Tierischer Energiesparmodus

Wildtiere wappnen sich für den Winter – der Mensch ist oft Störfaktor.

Ab Mitte Oktober wird das Nahrungsangebot im Wald knapper, die Nachttemperaturen sinken immer öfter unter null Grad. Die Tiere des Waldes bereiten sich jetzt auf den Winter vor, das große Energiesparen im Wald steht an. Dabei hat jede Art ihre eigene Überlebensstrategie. Ein hochinteressantes Neben- und Miteinander von Freund und Feind, bei dem auch der Mensch eine wichtige Rolle spielt.

„Igel, Haselmaus und Siebenschläfer haben die markanteste Überlebensstrategie: Sie verschlafen vier bis sieben Monate lang einfach den kalten Winter in einem sicheren Versteck auf oder im Waldboden“, erläutert ThüringenForst-Vorstand Henrik Harms. Die Winterschläfer senken ihre Körpertemperatur, setzen den Stoffwechsel drastisch herab und verbrauchen so ein Minimum an Energie. Und wenn der Winter nicht zu lange ist, reichen die im Herbst angelegten körpereigenen Fettreserven auch aus.

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