Schlagwort-Archive: Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

„Stichwort Obergrenze“

Das im Auftrag von WLV und VJE von Prof. Dr. Pfannenstiel erstellte Wolfsgutachten – jetzt zum Download auf JAWINA

Das von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel im Auftrag des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) und des Verbands der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe (VJE) erstellte Gutachten „Der Wolf (Canis lupus L. 1758) Stellungnahme zum Umgang mit dieser Tierart in der Kulturlandschaft Deutschlands“ steht nun zum Download auf JAWINA bereit. Die Lektüre dieses fundierten Gutachtens sei hiermit jedem Jäger und jedem Naturinteressierten nachdrücklich ans Herz gelegt.

Aus dem Gutachten (S. 5f.)

„Wenn der Wolf in absehbarer Zeit regulär bejagt werden wird, gebietet es die Rationalität, das in unserem Land langjährig erprobte und in der Mehrheit der Fälle gut funktionierende System zur Regelung der Bejagung zu nutzen und daneben kein weiteres außerhalb des Rechtskreises Jagd aufzubauen. Fachliche Unterstützung der Jagdbehörden bei der Überwachung des Populationszustandes und bei der Festsetzung von Abschussplänen für den Wolf könnten unabhängige Institutionen der Bundesländer bzw. ein Bundesinstitut zusätzlich geben.

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„Fakten statt Naturschwärmerei“ – der neue Pfannenstiel

In der Einleitung zu seinem neuen Buch „Heute noch jagen?“ beschreibt Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel die von Wald umgebenen Felder in der Nähe des Bauernhofs im Rhein-Main-Gebiet, wo er aufwuchs: „Beschaulichkeit und Stille dort [wurden] vom allgegenwärtigen Jubilieren der Feldlerchen noch betont. Wiesen waren bunt blühende Teppiche mit darüber schwebenden Wolken von Schmetterlingen und anderen Insekten. Lief man durch eine solche Wiese, stand alle paar Meter ein Hase auf, und an den Feldrändern waren immer wieder Rebhuhnketten zu beobachten. […] Heute ist der weitaus größte Teil dieser Flächen zugebaut, und das Dröhnen der Flugzeugturbinen des nahen Flughafens hat das Jubilieren der Lerchen abgelöst. […] Und da stellt sich dann die Frage, ob man in einer solchen Situation überhaupt noch jagen darf.“

Das ist der Ausgangspunkt. Was Hans-Dieter Pfannenstiel am Beispiel jener Wiesen und Felder beschreibt, ist als Befund ja verallgemeinerbar – sowohl in Hinblick auf die tatsächliche Naturzerstörung, als auch auf die daraus abgeleitete Stimmungslage. Wir alle sind einem unablässigen Bombardement mit ökologischen Hiobsbotschaften ausgesetzt: Artensterben, Klimawandel, Abholzung der Regenwälder, Ozonloch, Versauerung der Weltmeere, Erosion, Überbevölkerung uvm. Viele können in ihrer Umgebung beobachten, wie aller schönen Lippenbekenntnisse zum Trotz, immer mehr Flächen versiegelt werden, immer mehr Natur und Kulturlandschaft für neue Autobahnen, Umgehungsstraßen, Wohn- und Gewerbegebiete verschwinden oder mit Windrädern verspargelt werden. Vor diesem Hintergrund erscheint vielen die Bejagung von Wildtieren als Frevel, als Anachronismus und Atavismus, als zusätzliche und unnötige Gefährdung einer bedrohten Natur – und Forderungen nach Käseglocken-Naturschutz und Jagdverboten oder Jagdbeschränkungen aller Art, vom Kürzen des Katalogs jagdbarer Arten bis zu Jagdruhezonen in Nationalparks, als logische Konsequenz.

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Brandenburger Wolfsverordnung: „Ein bürokratisches Monster, vollkommen praxisuntauglich und ein absoluter Witz“

Ein Kommentar von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel – ursprünglich erschienen als Leserkommentar zum JAWINA-Beitrag über einen neuerlichen Wolfsriss in Brandenburg.

Lieber Herr Hoffmann,

wer wird denn wegen der paar Schafe gleich weinen? Unser Minister Vogelsänger wird es mit seiner in Vorbereitung befindlichen Verordnung schaffen, Ihr Problem zu lösen, oder? Sie müssten vor einer „Entnahme“ aber schon sicher sein, dass es tatsächlich immer derselbe Wolf war, der nach Ihren Schafen geschaut hat.  Und haben Sie denn auch mehrmals versucht, Isegrim zu vergrämen? Nein? Dann wird Ihnen Herr Vogelsänger auch nicht helfen können.

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Quasimodogeniti

Auf den Palmsonntag folgt der Ostersonntag. Gelegentlich wird auch für diese Zeit ein Merkvers genannt: Osterzeit, wenig Beut. Dennoch streichen die Schnepfen auch um Ostern herum noch, wenn der Strich auch allmählich nachlässt. Der Spruch kommt wohl eher daher, dass die wackeren Weidgesellen die miese Stimmung ihrer besseren Hälften fürchteten, falls sie an Ostern zur Jagd rausgegangen wären. Deshalb war um diese Zeit die Strecke sehr gering.

Quasimodogeniti wird der erste Sonntag nach Ostern genannt. Quasi modo geniti infantes, halleluja, rationabile sine dolo lac concupsicite, halleluja, lautete es zu Beginn der Messe. Die Übersetzung könnte auch für uns Jäger ein gutes Motto sein: Wie neugeborene Kinder, Halleluja, verlangt nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, Halleluja. Die vernünftige Milch, nach der wir verlangen sollen, könnte doch für uns Jäger das Wissen um neue wildbiologische Erkenntnisse sein und deren Umsetzung in der Jagdpraxis. Da haben wir nämlich noch sehr viel Luft nach oben. Halleluja ist übrigens ein Imperativ: Preist Gott!

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Palmarum

Der Merkvers für den Palmsonntag, Palmarum tralarum, ist eher nichtssagend. Fast hat man den Eindruck, den Urhebern ist nicht viel zum Thema Schnepfenstrich eingefallen. Palmarum bzw. Palmsonntag wird der 6. Sonntag der Passionszeit genannt. Früher begann die Messe mit Psalm 21: Domine, ne longe facias auxilium tuum a me, ad defensionem meam aspice, libera me de ore leonis, et a cornibus unicornium humilitatem meam. Die Übersetzung ist: Herr, mit Deiner Hilfe sei mir nicht fern! Schau her und beschütze mich! Befreie mich aus dem Rachen des Löwen, vor dem Horn des Einhorns rette mich Armen!

Das ist übrigens ganz nebenbei wieder ein schöner Hinweis darauf, wie wörtlich man die Bibel nehmen bzw. eher nicht nehmen sollte. Mit Einhorn wird ja vermutlich nicht der Narwal (Monodon monoceros) gemeint sein.

Auch um den Palmsonntag herum ist mit gutem Strich zu rechnen, vorausgesetzt das Wetter passt. Bei starkem Wind oder Sturm bleibt man besser zu Hause. Nach meiner Erinnerung war der Strich immer dann besonders ausgeprägt, wenn es nach einem sonnigen Frühlingstag gegen Abend deutlich kühler wurde und leichter Dunst wie ein Zauberschleier über dem Land lag. Wenn dann die letzte Drossel verschwieg, stieg die Spannung fast ins Unerträgliche, und oft genug ging man eilig in Voranschlag weil man meinte, den Vogel mit dem langen Gesicht schaukelnd vorbeistreichen zu sehen.

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Judica

Judica, das sind sie auch noch da!

Das ist der Merkvers für den 5. Fastensonntag. Judica me, Deus! heißt es in der Messe. Richte mich, Gott! lautet die Übersetzung.

Falls es ein solches Gericht Gottes tatsächlich irgendwann gibt, muss der Schnepfenjäger sich keine Sorgen machen. Er ist pfleglich mit der Schöpfung umgegangen.

Oft wird von Jagdkritikern die Jagd auf Tiere, die man nicht verwertet bzw. verwerten kann, abgelehnt, um es vorsichtig zu formulieren. Ich habe die von mir erlegten Schnepfen stets mit Behagen verzehrt, und ich habe die Malerfedern als Trophäe, also als Erinnerungsstück aufgehoben. Schnepfendreck, die im Naturzustand gebratenen Därme der Schnepfe, habe ich mir allerdings nicht einverleibt. Was die Verwertung angeht, hat Wilhelm Busch ein köstliches Gedicht verfasst:

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Laetare

Am vierten Fastensonntag, auch Rosensonntag genannt, soll Jerusalem sich freuen. Laetare, Jerusalem! heißt es zu Beginn der Messe und unser Merkvers lautet: Laetare, das ist das Wahre. Aber auch der Schnepfenjäger darf Freude empfinden. Das Wahre übrigens deshalb, weil der Strich jetzt in vollem Gang ist. Man kann also vermehrt mit in der Abenddämmerung streichenden Schnepfen rechnen.

Beim Verbot der Schnepfenjagd im Frühjahr spielten Artenschutzgründe die Hauptrolle, obwohl die EU-Vogelrichtlinie die Bejagung auch im Frühjahr unter bestimmten Voraussetzungen durchaus zulässt. Aber wie so oft hat Deutschland seine angeblichen EU-Pflichten auch in diesem Punkt eifrig, gründlich und sofort übererfüllt. Selbstverständlich können unterschiedliche Parameter wie Klima, Prädation oder Habitatverluste den Besatz lokal stark beeinflussen. Es kann aber auch bei uns keine Rede davon sein, dass die Jagd sich negativ auf die Besätze auswirkt. Hier kommt die sog. kompensatorische Sterblichkeit ins Spiel. Alle Tiere jeder Population sterben irgendwann durch Verhungern, Krankheit oder Prädation. Das ist eigentlich eine Binsenweisheit. Übrigens sterben Tiere außer im Zoo generell nur selten an reiner Altersschwäche! Wenn die Jagd also die natürliche Mortalität nicht übertrifft, hat sie keinen Einfluss auf Populationsgrößen. Im Umkehrschluss heißt das übrigens in Bezug auf Beutegreifer auch, nur wenn man möglichst flächendeckend und in jedem Jahr mindestens den gesamten Zuwachs abschöpft, kann man den Verliererarten der Kulturlandschaft wirklich helfen.

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„Schönfärberei, Unbedarftheit, Unwissenheit“

Aus aktuellen Anlass: Wolfs-Brevier von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel – EU-Beamter Just versemmelte Prüfung – und zog vor Gericht

JAWINA-Leser und -Autor Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel hat an der Sitzung des Landwirtschaftsausschusses des Potsdamer Landtags teilgenommen, in dem der hochrangige EU-Beamte Alexander Just von der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission mit Unkenntnis der Fakten für Irritationen gesorgt hatte (JAWINA berichtete). „Sowohl dessen Schönfärberei als auch die Unbedarftheit und Unwissenheit mancher MdLs“ hätten ihm „einen Schrecken eingejagt“, schreibt Prof. Pfannenstiel in einer Mail an die Redaktion. Er habe „deshalb mal einiges zum Thema aufgeschrieben und […] an den Ausschussvorsitzen zur Verteilung im Ausschuss geschickt“.

Das PDF-Dokument mit dem Titel „Feststellungen und Gedanken zum Wolf (Canis lupus) nach der Sitzung des Ausschusses für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft im Landtag Brandenburg am 22.03.2017“ enthält die wichtigsten wildbiologischen Fakten zum Wolf in Brandenburg: Angefangen von Definitionen biologischer Grundbegriffe wie „Art“, Population“ oder „Biodiversität“ über  Fakten zum Wolf in Brandenburg bis zu Fragen wie „Was ist unter Obergrenze für Wölfe zu verstehen?“ oder „Warum tut man sich bei uns so schwer, die Wolfspopulation zu regulieren?“ Das alles kurz und knapp zusammengefasst auf fünf Seiten. Das ist auch für die JAWINA-Leser interessant, fanden wir: Zum Nachlesen und zur Festigung des eigenen Wissensstands, zum Weiterreichen an Jäger und Nichtjäger. JAWINA dankt Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel für sein Einverständnis, das PDF an dieser Stelle zum Download bereit zu stellen.

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Oculi

Am dritten Fastensonntag beginnt die Messe so: Oculi mei semper ad dominum: Meine Augen sind stets auf den Herrn gerichtet.

Oculi, da kommen sie, heißt entsprechend der Merkvers für heute, wobei unsere Augen früher ab diesem Tag jedoch absolut säkular vor allem auf die Schnepfen gerichtet waren. Ab jetzt ist also mit den nach Norden und Osten ziehenden Zugschnepfen zu rechnen und vor allem mit dem eigentlichen Schnepfenstrich. Der abendliche Strich wird allgemein dem Balzverhalten, dem Suchen der Schnepfenhähne nach Hennen zugerechnet. Nur wenige Hennen streichen abends; meist sitzen sie auf dem Boden und machen die Hähne mit leisen Rufen auf sich aufmerksam. Es gibt aber heute auch eine ganz andere Deutung. Doch dazu erst später mehr.

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Reminiscere

„Die wenigsten Jäger kennen noch den Frühjahrsschnepfenstrich aus eigener Erfahrung. Hast Du da schon gejagt, als ein paar Idioten mit fadenscheinigen Artenschutzargumenten den Schnepfenstrich abgewürgt haben?“, fragte mich Hans-Dieter Pfannenstiel letztens in einer Mail. Nein, habe ich nicht. „Vielleicht sollte man den Jägern wenigstens den alten Merkspruch in Erinnerung bringen, indem JAWINA an jedem der Fastensonntage in der Quadragesima und am ersten Sonntag nach Ostern den passenden Teil des Merkspruchs mit einer Übersetzung bzw. Erklärung des dahinter stehenden Bibelspruchs bringt. Wär das was?“ Das wär was, fand ich, und so entstand die Idee zu dieser kleinen Beitragsserie, die mit dem heutigen „Reminiscere – putzt die Gewehre“ ihren Anfang nimmt.

Reminiscere

Reminiscere miserationum tuarum: Denk an Dein Erbarmen, Herr. So lautet der Introitus der heiligen Messe am heutigen zweiten Fastensonntag. Was hat das mit Jagd und Jägern zu tun, werden nun jüngere Mitglieder der grünen Zunft fragen. Man kann es ihnen nicht verdenken. Der Zauber des Schnepfenstrichs ist den älteren Jägern unter uns allerdings sicher noch wohlbekannt. Seit vielen Jahren ist die Frühjahrsbejagung der Schnepfe jedoch bei uns leider mit einem Verbot belegt. Artenschutz wurde als Grund vorgeschoben. Seit 2002 wurde die Schnepfe sogar in die Vorwarnliste der Roten Liste aufgenommen. Heute kann man sich nur noch wehmütig an die Frühjahrsabende im Revier erinnern, wenn ein Vogel nach dem anderen mit zunehmender Dämmerung verstummte und dann plötzlich das Quorren und Puitzen zu hören war.

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Schnellschüsse und ihre Folgen

Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel: Offener Brief an die Mitglieder und Stellvertretenden Mitglieder des Ausschusses für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft

Sehr geehrter …

Anfang Dezember 2014 hatte ich an die Mitglieder des Ausschusses für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft einen Brief geschrieben und darin meine Besorgnis über den Umgang mit Rehwild in unserem Land ausgedrückt. Nachdem die Jagdzeit auf den Rehbock damals vom 1. Mai bis zum 31. Dezember ausgedehnt wurde und der behördlich bestätigte Abschussplan für Rehwild wegfiel, war ein erhöhter Anteil männlichen Rehwildes an der Strecke mit negativen Konsequenzen für das Rehwild zu befürchten. Dazu ein Zitat aus dem letzten Jagdbericht des Landes Brandenburg (Sn. 27 und 28):

„Die Verlängerung der Jagdzeit auf Böcke hat demzufolge nicht zu einer Erhöhung der Rehwildstrecke, aber zu einer Verschiebung des Geschlechterverhältnisses im Abschuss zu Gunsten des männlichen Streckenanteils geführt, der nicht zufrieden stellen kann. ( . . . . . ) Die Anteile von Böcken in der Altersklasse 2 entsprechen mit 39 Prozent besser den Anforderungen als es der Anteil an Ricken mit nur 34 Prozent vermochte (Vorgabe jeweils 40 Prozent) ( . . . . ). Die mancherorts nötige Reduzierung überhöhter Bestände kann nur über den vermehrten Abschuss weiblichen Wildes realisiert werden. Es ist daher zu hoffen, dass die abzeichnende Tendenz zu verstärktem Bockabschuss auch durch eine weitere Steigerung des Rickenabschusses ergänzt wird.“

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Brandenburg: Wolfsfake von links

In den letzten Wochen haben Wolfsfakes (JAWINA berichtete, siehe hier und hier) für Aufregung nicht nur in den Reihen der Jägerschaft gesorgt. Auf etwas subtilere Weise als in den vorgenannten Fällen trägt auch der Kreisverband der Linken in Teltow-Fläming (TF) zur Verbreitung von Falschinformationen zum Thema Wolf bei: Der Kreistagsabgeordnete Felix Thier ist Vorsitzender des Linken-Kreisverbands Teltow-Fläming, Mitglied des Landesvorstands der Linken und Mitglied des Kreistags-Ausschusses für Landwirtschaft und Umwelt in TF. Im Newsletter des Kreisverbands hat er sich mit dem Beitrag „Der Wolf gehört in unsere Region“ zu Wort gemeldet, in dem es vor angeblich wissenschaftlich belegten Falschbehauptungen, Tatsachenverdrehungen und Fehlannahmen nur so wimmelt. Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel hat auf den Beitrag des Linken-Politikers mit einem – lesenswerten und wissenschaftlich fundierten – Brief geantwortet, den wir im folgenden im Wortlaut wiedergeben:

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Veganes Glockenspiel: Brief an den Bürgermeister

Ein erster – prominenter – JAWINA-Leser hat unsere Anregung umgesetzt, an den Bürgermeister von Limburg wegen des von ihm auf Wunsch einer Veganerin zensierten Glockenspiels eine freundliche Anfrage zu richten. Im folgenden geben wir den Brief von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel an Dr. Marius Hahn im Wortlaut wieder (und warten gespannt auf die Antwort von Bürgermeister Dr. Hahn…):

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

auf der Internetseite www.jawina.de habe ich einen Beitrag mit Datum 9. Februar 2017 gelesen. Dort heißt es, Sie hätten auf die Bitte einer Veganerin das alte Kinderlied „Fuchs du hast die Gans gestohlen“ aus dem Glockenspiel des Rathausturms (zumindest zeitweise) verbannt. Wäre die Notiz am 1. April erschienen, hätte ich sie für einen gelungenen Aprilscherz gehalten. Obwohl Jawina bisher stets nur Wahrheiten verbreitet hat, möchte ich Sie dennoch zunächst fragen, ob die Sache sich tatsächlich so zugetragen hat. Den nachfolgenden Kommentar gebe ich nur für den Fall ab, dass Jawina die Wahrheit berichtet hat.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, wäre es nicht unhöflich, würde ich Sie fragen, ob Sie noch bei Trost sind und ob Sie sich mit aller Gewalt lächerlich machen wollen. Zunächst drei Feststellungen:

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„Es gibt keinen Grund, Blei in Jagdgeschossen zu verbieten“

Ein Kommentar von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel, ursprünglich veröffentlicht als Leserkommentar zum JAWINA-Betrag über die Novellierung des niedersächsischen Landesjagdgesetzes.

Es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund, Blei in Jagdgeschossen zu verbieten!

1. Obwohl jedes Jahr einige Seeadler an Bleivergiftung sterben, haben wir in Deutschland mehr Brutpaare als je zuvor (über 600), und das von den Vögeln aufgenommene Blei stammt keineswegs immer aus Jagdmunition.

2. Die EFSA (European Food Safety Authority – Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hat Zahlen zur Herkunft des Bleis veröffentlicht, das wir Menschen täglich aufnehmen. Nur 0,04% der Bleiaufnahme beim Menschen stammt aus Wildbret!

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Grafik: HDP, Quelle: EFSA

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Gedanken zum Rotwildsymposium der Deutschen Wildtierstiftung in Baden-Baden

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Vorab zwei Feststellungen, die mir sicher keine dicke Mappe mit Dankschreiben von Seiten der Jägerschaft oder vom Gesetzgeber eintragen werden, deren Wahrheitsgehalt aber in der überwiegenden Mehrheit der Fälle jeder unvoreingenommenen Überprüfung standhält. Es gibt kaum eine andere Wildart, bei der Jagdneid und Revieregoismus in der Jägerschaft so ausgeprägt sind wie beim Rotwild.

1. Der größte Feind des Rotwildes ist der Jäger selbst!

Er

  • pachtet Reviere, deren Größe weit unterhalb der Streifgebietsgröße des Rothirschs liegt und betrachtet das dort vorkommende Rotwild als sein Eigentum.
  • versucht mit allen Mitteln, das Wild im eigenen Revierchen zu halten, damit der dicke Hirsch eben an der eigenen Trophäenwand landet und nicht an der des Nachbarn.
  • scheidet lieber aus einer Rotwild-Hegegemeinschaft oder aus einem Einstandsgebiet aus, damit er dann im „rotwildfreien Gebiet“ jedes Stück Rotwild unter Feuer nehmen kann.
  • sorgt durch die illegale Erlegung sog. „Kofferraumhirsche“ oder durch „Postkartenabschüsse“ weiblichen Wildes für ständig wachsende Populationen, die zudem noch ein extrem in Richtung weiblich verschobenes Geschlechterverhältnis haben.
  • macht die Trophäe männlichen Wildes unter Missachtung wildbiologischer und genetischer Erkenntnisse zum Maß aller Dinge bei der Rotwildbewirtschaftung.
  • lässt Hirsche durch übermäßige Abschüsse junger und mittelalter Stücke nicht in biologisch notwendiger Zahl alt werden.
  • scheucht Rotwild auch noch im Januar durch Bewegungsjagden auf, obwohl es sich bereits im winterlichen Energiesparmodus befindet und wundert sich dann über steigende Schälschäden.

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Warum kann eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) beim Menschen tödlich verlaufen?

Eine aktuelle Untersuchung hat gezeigt, dass viele Füchse mit dem Fuchsbandwurm infiziert sind – warum das für Menschen gefährlich ist, erklärt dieser Gastbeitrag von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel.

Der adulte Fuchsbandwurm ist etwa zwei bis drei Millimeter lang und besteht aus dem Kopf und drei bis vier Gliedern. Er lebt im Dünndarm von Fuchs, Hund und gelegentlich auch anderen Beutegreifern.

In jedem Bandwurmglied befinden sich männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Vorne werden nach und nach neue Glieder gebildet und hinten lösen sie sich auf, wobei die reifen Eier in den Wirtsdarm gelangen. Im Ei haben sich bereits die sog. Hakenlarven entwickelt. Sie sind in einer festen Hülle verpackt (0,03 bis 0,04 Millimeter Durchmesser, mit bloßem Auge nicht sichtbar), überstehen so die Darmpassage und werden mit der Fuchslosung abgesetzt. So können die Eier mit den Larven darin von Kleinsäugern am Boden mit der Nahrung aufgenommen werden. Im Darm dieser Zwischenwirte, meist Mäusearten, schlüpfen die Hakenlarven, die den Kopf des zukünftigen Bandwurms darstellen, aus ihrer Hülle, bohren sich durch den Darm, wandern im Körper der Maus umher und setzten sich schließlich als sog. Finnen irgendwo fest. Wird eine Maus mit Finnen vom Fuchs gefressen, dann entwickeln sich im Fuchsdarm wieder neue Bandwürmer, indem die Köpfe Bandwurmglieder wachsen lassen. Der Entwicklungszyklus ist damit geschlossen. Im Darm sind Fuchsbandwürmer für den Wirt ebenso harmlos wie Finnen für den Zwischenwirt Maus.

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Brandenburger Laienspielschar in voller Aktion

Ein Gastkommentar von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Im Juli 2014 hatte ich in einem Brief an die Landrätin des Kreises Teltow-Fläming angeregt, im Zeichen der heranrückenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) die Gebühr für die Trichinenbeschau bei Frischlingen zu erlassen. Damit sollte die Erlegung schwacher Frischlinge stimuliert werden. Nur wenn es gelingt, einen Großteil der Frischlinge eines jeden Jahrgangs abzuschöpfen, kann innerhalb weniger Jahre mit einem Rückgang der Schwarzwildbestände und damit einem geringeren Ausbreitungsrisiko der ASP gerechnet werden. Andernfalls könnte nur eine unbarmherzige Bejagung des Schwarzwildes ohne Rücksicht auf Schonzeiten und auf Schutz führender Bachen bestandssenkend wirken. Eine solche im wahrsten Wortsinn ökologische Jagd lehne ich ab.

Mit einer Flut rechtlicher Bedenken wurde mein Vorschlag damals abgelehnt, obwohl das Bundesland Hessen und einige Landkreise anderer Bundesländern die Gebühr für die Trichinenschau bei Frischlingen bereits seit ein paar Jahren nicht mehr erheben, das also rein rechtlich durchaus möglich ist. Der Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) hat dann später die gleiche Forderung erhoben, ist aber auf Landesebene ebenso gescheitert wie ich damals auf Kreisebene.

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Kommentar: Ökodiktatorischer Wahnsinn

Ein Kommentar von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel, ursprünglich erschienen als Antwort auf diesen Beitrag in Jawina bzw. diesen in der FAZ.

Es ist verdienstvoll, den ökodiktatorischen Wahnsinn dieser Art von “Energiewende” mal in griffige Zahlen gefasst zu haben. Damit muss auch dem letzten Menschen, der nicht gerade stumpfen Sinnes ist, wie anscheinend viele unserer “Volksvertreter”, nun endlich klar werden, wie absurd und zerstörerisch diese Art von “Energiewende” ist. Zerstörerisch übrigens in doppeltem Sinne. Einmal wird dem privaten Stromverbraucher das Geld in unvorstellbarer Menge aus den Taschen gezogen, was den sozialen Frieden in unserem Lande sicher bald gefährden wird, und andererseits wird das Geld in die Taschen weniger gestopft. Als Betreiber eines Windrades kann man gar nichts dagegen tun, man wird im Verlauf von zwei Jahrzehnten automatisch zum Millionär. Und so ganz nebenbei wird die Biodiversität im ländlichen Raum, die ohnehin unter der intensivierten Landwirtschaft extrem leidet, weiter zerstört. Die Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung, wonach das Artensterben bis 2020 gestoppt werden soll, wird aufgehen – wenn auch nicht in der ursprünglich beabsichtigten Weise: Sondern einfach deshalb, weil bis dahin alles ausgestorben ist, was diesen Wahnsinn nicht verträgt.

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Das Buch zur Sau

Jawina-Lesern ist Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel als kein Blatt vor den Mund nehmender Autor von Beiträgen und Kommentaren bekannt. Jetzt hat Prof. Pfannenstiel ein Buch über seine Lieblingswildart geschrieben: Das Schwarzwild. Der Untertitel des Werks: „Biologie und Bejagung – ein Leitfaden für die Praxis“, bringt ziemlich gut auf den Punkt, worum es in dem Buch geht: Hier wird anschaulich und verständlich, aber fundiert und auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse die Biologie der Sauen geschildert. Dabei kommt der jagdliche Bezug in keinem Kapitel zu kurz.

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„Ausgeburten ideologischer Denke“

Offener Brief von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel an Norwich Rüße, Grünen-Abgeordneter in NRW

Sehr geehrter Herr Rüße,
am 18.03.2015 habe ich als Teilnehmer der Demonstration gegen das geplante sog. ökologische Jagdgesetz in Düsseldorf vor dem Landtag Ihre Ausführungen gehört. Ich muss Ihnen sagen, dass ich über Ihr darin zum Ausdruck kommendes Demokratieverständnis erschrocken war. Sie sprechen vom Recht der Parlamentarier Gesetze zu erlassen bzw. zu verändern. Das klang aus Ihrem Munde so, als könne der Gesetzgeber dies am Volk vorbei tun, wenn das Volk für die per se Gesetzeskraft besitzenden Argumente einiger Parlamentarier uneinsichtig ist. Ich halte das für eine unglaubliche, hoffentlich nur verbale Entgleisung. Der Gesetzgeber hat die Pflicht, Gesetze zu erlassen, aber doch bitte in Würdigung des Sachverstandes der Betroffenen!

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