Stil und Äktschn: Die Steel Action HS in der Jagdpraxis

Wie bewährt sich der neue Geradezugrepetierer Steel Action HS in der Jagdpraxis – JAWINA-Leser hunter69 hat die Waffe in der Drückjagdsaison wie auf dem Ansitz gründlich erprobt.

Ende 2016 rumorte es auf einschlägigen Internetseiten mit einer Ankündigung eines neuen Geradezugrepetieres namens Steel Action. Viel war zum Anfang nicht rauszubekommen, doch langsam lüftete sich etwas der Schleier und die ersten Bilder tauchten auf, mit der Ankündigung, dass die Vorstellung auf der IWA 2017 erfolge.

So weit so gut, liebäugelte ich doch gerade mit einem anderen Geradezugrepetierer eines deutschen Herstellers, der für Herzblut, Handwerk und korrekte Preise steht, anstatt mit gut gemachtem Marketing seine Produkte an die teilweise engstirnige Kundschaft zu bringen. Was mich aber an diesem Repetierer störte, war die sehr kleine Sicherung und der gewöhnungsbedürftige Handspanner. Das wurde schon besser und in einem von anderen Herstellern gelöst.

Nun kommt ein Büchsenmacher aus Köln daher und versucht den großen Machern der Branche die Stirn zu bieten. Geht ja wohl gar nicht! Doch genau mein Ding. Die Steel Action wurde auf der IWA vorgestellt (siehe auch hier), ein Kumpel war auf dem Stand und war begeistert. Nun gings ans Recherchieren. Telefon raus und Steel Action angerufen. Alle Fragen wurden kompetent beantwortet, Sonderwünsche na klar – kein Thema, aber diese wurden auch mal hinterfragt und korrigiert. Kaufentscheidung garantiert nicht heute und hier am Telefon, weil ich die Katze nicht im Sack kaufe.  Anstatt betretenem Schweigen kam vom anderen Ende ein kurzes „na klar, nehmen sie die Waffe ruhig in die Hand und schießen sie damit, sie werden begeistert sein.“

Nun hatte ich das wahnsinnige Glück, etwa zwei Monate nach der Premiere die Steel Action HS im Kaliber 308 zu testen. Ums kurz zu machen, am nächsten Tag habe ich die Waffe im Kaliber 308 über meinen Büchsenmacher bestellt und es waren lange 12 Wochen, bis ich die Waffe in der Hand hielt. Mein schon vorhandenes Zielfernrohr wurde mittels Innomount Montage mit der „Steeli“ verheiratet und ab ging es mit meinem Büchsner zusammen auf den Schiesstand. Dieser Mann ist ein Skeptiker schlechthin, versuchte mir die Büchse noch vor der Bestellung auszureden, doch auf dem Schießstand war davon nichts mehr zu merken. Eher das Gegenteil war der Fall und absolute Begeisterung über diese tolle Waffe war das Ergebnis. Wir verschossen zusammen einfach 2 Packungen Muni just for Fun.

Der erste jagdliche Einsatz war dann eine Drückjagd im Harz. Mein Kumpel und ich reisten einen Tag vorher an und wir durften am Vorabend bei einem Freund im Revier noch auf Rotwild ansitzen. In der goldenen Stunde aufgebaumt, dauerte es keine 30 Minuten und ein 8er Hirsch betrat die Lichtung an der ich saß. Freigabe war bis Eissprossen 10er, das Geweih war nicht ausladend, also flog die Kugel auf 110 m gen Hirsch. Ein kurzes Schauern durchfuhr den Körper,
dann trabte der Hirsch langsam Richtung Wald. Mein Kopfkino lief auf Hochtouren und ich war mir überhaupt nicht mehr sicher, ob ich sauber abgekommen war. Zehn Meter im Bestand knickte der Hirsch mit den Vorderläufen ein und verendete. Die nächsten 15 Minuten möchte ich hier nicht näher beschreiben, ein Wechselbad der Gefühle, 3 Zigaretten, zittrige Hände, die nicht in der Lage waren einen vollständigen Satz auf dem Telefon zu tippen, denn es war mein erstes Stück Rotwild und dazu noch ein Hirsch.

Würdiger Einstand für die Steel Action: Das erste Stück mit der neuen Waffe, das erste Stück Rotwild überhaupt. Foto: hunter69

Es war schon fast dunkel, als ich abbaumte um das Stück in Besitz zu nehmen. 160 Meter, den Hirsch immer fest im Kegel der Kopflampe und er wurde immer größer. Aus meinem heimischen Revier bin ich Rehwild und Sauen bis 60 Kilogramm gewöhnt, also hatte dieser Hirsch die Größe eines Mammuts für mich. Allein bekomme ich den nicht aus dem Wald, also schnell ein paar Bilder gemacht und Hilfe gerufen. Ein würdiger Einstand für die Steeli.

Der stolze Erleger mit seiner Beute. Foto: privat

Tags darauf wurde das dicke Rohr gegen ein Bushnell Holosight Visier getauscht und ab ging es auf die Drückjagd. Ich hatte einen ruhigen Stand, doch zehn Minuten vor Schluss wechselte eine Sau an, die ich beschoss und sie ging weiter. Schnell nachrepetieren, doch die ausgeworfene Hülse klemmte. Kostbare Millisekunden, fluchen über die neue Knarre….den Rest lasse ich. Die Sau lag 30 m hinter einem Hang, doch ich war skeptisch wegen des Hülsenklemmers. Also bin ich nach der Jagd der Sache auf den Grund gegangen und habe festgestellt, das das Holosight zu tief baut und die Hülse nicht ordentlich rausrepetiert. Abhilfe haben kleine Adapter für Picatinny Schienen geschaffen, die das Holosight um 20 mm anheben.

Sau liegt. Foto: hunter69

Tests auf dem Schiesstand überzeugten mich von dieser Variante und auch der Wechsel vom Zielfernrohr auf Holosight und wieder zurück erzeugten keine Treffpunktverlagerung bei beiden Optiken.

Die nächsten Monate waren die erfolgreichsten jagdlichen Monate meiner noch jungen Jägerkarriere, denn Steeli und ich wurden ein Team. Es gab keine Drückjagd, die nicht von Erfolg gekrönt war, ich habe mir den Traum von einem Damhirsch erfüllen können und letztendlich meine Passion, die nächtliche Pirschjagd auf Sauen wurde durch die kinderleichte Handhabung und Präzision noch besser.

Die Waffe ist kein Leichtgewicht und es gibt sicherlich leichtere Pirschwaffen, aber ein extrabreiter Gewehrriemen ist die Lösung. Die Handspannung läßt sich mit ganz wenig Übung fast lautlos spannen und entspannen. Selbst mit dicken Handschuhen und bei starkem Frost ist dies möglich.

Traum vom Damhirsch mit der Steel Action erfüllt. Die Waffe trägt zurecht das Wort „Steel“ im Namen, doch mit einem breiten Gewehrgurt lässt sie sich auch auf der Pirsch gut tragen. Foto: hunter69

Der Abzug steht trocken und der ab Werk eingestellte Abzugswiderstand ist für mich völlig in Ordnung. Eine kleine Anschaffung wird aber der Wechsel auf einen verstellbaren Abzug in nächster Zeit sein, weil mich die damit verbundene Verbesserung schon interessiert.
Da ich meine Waffe nicht schone und sie oft den direkten Weg durch Büsche mitgeht oder auch im Dauerregen auf einem schlammigen Acker mit mir zum Spaziergang muss, darf sie sich alle paar Wochen auf einen sonntäglichen Wellness Urlaub freuen. Den Verschluss zu entfernen erfordert Anfangs die Fingerfertigkeit eines Hütchenspielers, geht aber dann locker von der Hand. Über Reinigung der Waffe an sich möchte ich jetzt nicht viel sagen, denn da unterscheidet sie sich nicht von allen anderen Waffen. Besonderen Wert lege ich auf die Reinigung des Magazins, denn das neigt gerade, wenn man es so wie ich in der Hosentasche trägt schnell zu Verunreinigungen, die unter Umständen zu Problemen beim schnellen repetieren führen können. Das ist aber bei allen Steckmagazinen so, doch viele Jäger reinigen ihre Waffen akribisch, das Magazin bleibt aber so wie es ist.

Der Holzschaft wird ab Werk nur leicht geölt geliefert. Meine Steel Action bekam vor dem ersten Einsatz zwölf Massagen mit Schaftöl und wird nun nur noch im Rahmen des Wellness Tages zweimal eingeölt.

Phänomenal finde ich die Präzision der Waffe mit unterschiedlichen Geschossen. Die für meine Belange ideale Munition ist die Sako Hammerhead in 180 Grains. Präzise, mit Ausschuss und die meisten Stücke liegen am Platz. Bis auf den Hirsch und eine Sau habe ich keine Fluchten über zehn Meter erlebt und diese vernachlässige ich. Rein aus Interesse bin ich dann auf den Schießstand gefahren, mit je einer Packung Sako Hammerhead in 180grs, 200grs, Geco Plus 170grs, Lapua Mega 185 grs und einer Tüte billiger Surplus Munition.

Die Präzision der Steel Action begeistert – und sorgt für saubere Abschüsse. Foto: hunter69

Während die beiden Sakos, die Lapua und die Surplus  fast zusammenlagen (+-1,5cm), riss die Geko etwas aus und erzeugte auch größere Streukreise von bis zu 5 cm. Die Surplus Munition erzeugte dauernd Hülsenklemmer, wodurch ich sie nach 5 Schuss aus dem Rennen nahm. Das liegt meiner Meinung an den stärkeren Fertigungstoleranzen für Militärmunition. Nun bin ich nicht der Experte und garantiert auch kein Superschütze, doch ich habe mit anderen Waffen ähnliche Experimente gemacht und da fiel die Verdaubarkeit verschiedener Laborierungen bedeutend schlechter aus.

Eine kleine Veränderung  würden noch bei meiner Waffe anstehen, sofern sie von Steel Action angeboten werden würde. Ein Lochschaft aus Kunststoff. Gerade für die Pirschjagd wäre das ein absolutes Highlight.

Das ist aber jammern auf hohem Niveau, denn schließlich freue ich mich jeden Tag aufs Neue mit der Steel Action jagen zu gehen.

Text und Bilder: hunterr69

Beitragsbild: Schnell und präzise: Schwarzwild-Doublette mit der Steel Action HS in .308 Win. Foto: privat

4 Gedanken zu „Stil und Äktschn: Die Steel Action HS in der Jagdpraxis

  1. Ralf

    Interessant zu lesender Beitrag. Schade finde ich, dass der Erleger sein Gesicht unkenntlich macht.

    Das mit dem Kunststoff-Schaft hatte ich auch schon bei Blaser angefragt. Ich hatte Interesse an einem langlebigen und pflegeleichten Offroad-Schaft für die R8, bei dem nicht irgendwann sich lösende Platten ersetzt werden müssen. Hätte aus meiner Sicht nicht mal unbedingt ein Lochschaft werden müssen. Blaser antwortete mir, dass eine solche Produktion nicht vorgesehen sei. Also bleibe ich weiter meiner R93-Offroad (aus meiner Sicht der ideale Allwetter-Schaft, gute Form, gut anzufassen, robust und kratzerunempfindlich beim Durchgehen) treu 🙂

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  2. RK

    Macht einen guten Eindruck. Ein Lochschaft als Option wäre sicherlich gut, z.B. von GRS oder von cms.german-gun-stock.de/index.php/de/chassis-stocks …

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  3. Anko

    Danke für den Bericht. Mittlerweile wurden Steelaktion hier auch schon bei Frankonia gesehen.

    „Die Surplus Munition erzeugte dauernd Hülsenklemmer, wodurch ich sie nach 5 Schuss aus dem Rennen nahm. Das liegt meiner Meinung an den stärkeren Fertigungstoleranzen für Militärmunition. “

    Es sind nicht die Toleranzen, sondern wirklich verschiedene Hülsen. Zur Unterscheidung von besagter Militärmunition (7,62×51) zur .308 Win hier kurz anlesen: https://de.m.wikipedia.org/wiki/7,62_%C3%97_51_mm_NATO#.308_Winchester

    Das kann man ganz amtlich auch über die CIP-Daten der beiden Schwesterpatronen abrufen.

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    1. hunter69

      @ Anko, die Bezeichnung auf der Surplus Patrone lautet 308. Ist laut meinem Büchsner eine Surplus Fertigung aus Dänemark. Das die Hülsen zwischen der 308 und der Nato Patrone unterschiedlich sind ist mir bekannt.

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