Steel Action HS: Alexander Ostanins grosser Wurf

Geradezugrepetierer Steel Action HS im Praxistest

Es reicht nicht, ein begnadeter Konstrukteur zu sein – man muss auch in der Lage sein, zu erkennen, wonach der Markt verlangt und Kundenwünsche konstruktiv überzeugend umzusetzen. Die große Aufmerksamkeit, die die Steel Action HS seit ihrer Vorstellung auf der IWA 2017 hervorruft (siehe auch hier), verdankt sich definitiv auch der Konsequenz, mit der Konstrukteur Alexander Ostanin die in den üblichen Foren an der Geradezugkonkurrenz geäußerte Kritik in seinem Repetierer umgesetzt hat: Ein Geradezugrepetierer, aber mit bombensicherer, über eine Steuerkurve zwangsgesteuerten Drehkopfverriegelung (von der DEVA in Überdruckversuchen mit Gasdrücken bis 10.000 malträtiert), ohne Kunststoff (das einzige Kunststoffteil, das wir an der Waffe entdeckt haben, ist der Magazineinsatz), dafür aber mit einem richtigen Magazin, eine ins System eingefräste Picatinny-Schiene, die eine Vielzahl preiswerter und stabiler Montagen ermöglicht. Eine Waffe, überdies, die „bis zur letzten Schraube (und vom Schaftholz abgesehen) made in Germany“ ist, wie Steel Action auf Nachfrage von JAWINA nochmals bekräftigte. Und das alles für knapp unter 2.000 Euro inklusive zwei Magazinen und Mündungsgewinde. Wir haben die vielversprechende Waffe auf dem Schießstand und in der Jagdpraxis getestet.

Der erste Ausflug mit der Steel Action führte auf den Schießstand, wo es galt, Handhabung und Schussleistung zu überprüfen. Nach dem Einschießen der Büchse ging es gleich auf den Laufenden-Keiler-Stand (an dieser Stelle ein Dankeschön an die DEVA für die Drehgenehmigung!). Wir drückten die Büchse einem Schützen in die Hände, der die Steel Action hier zum ersten Mal in die Hand nimmt. Das Ergebnis ist in diesem kleinen Video festgehalten:

Wie man sieht: Das Repetieren gelingt auch ungeübten Schützen auf Anhieb schnell und flüssig. Die Patronen werden sicher ausgeworfen, im gesamten Testverlauf kam es nicht ein einziges Mal zu Zuführungsproblemen. Fazit: Saubere Arbeit, die die DEVA in einem Test der Handhabungssicherheit eindrucksvoll bestätigt hat.

Nicht ganz so überzeugend verliefen zunächst die Präszisionstests: Zwar lagen die auf 100 Meter mit verschiedenen Laborierungen gestanzten Streukreise gut bei einander, aber es gab immer wieder Ausreißer von zwei, drei Zentimetern. Also die Waffe mit dem Vermerk „schießt nicht“ ans Werk zurückgeschickt. Mit dem Bescheid „schießt doch“ und einigen sehr überzeugenden Schussbildern kam die Waffe zurück. Hmm. Da wir das für glaubhaft hielten (beim DEVA-Test wurde ein Streukreis von 13 mm mit Geco Target erzielt) und man dem fetten Lothar-Walther-Semi-Weight-Lauf einfach mehr zutraut, lag der Verdacht nahe, dass es an der verwendeten Optik-Montage-Kombination lag. Montiert war mit einfachen Einzel-Montagebasen ein betagtes ZF, dessen in der 1. Bildebene angebrachtes Absehen 4 für das Präzisionsschießen ohnehin eher ungeeignet war.

Büchsenmacher Marian Pelz bei der Montage des neuen Kahles-ZFs mittels Innomount-Montage auf die Steel Action. Foto: SE

Also fiel der Entschluss, die Steel Action mit adäquat leistungsfähigen Komponenten auszustatten. Die Wahl fiel auf die einteilige Innomount-Montage, weil die extrem stabil ist, so dass Verspannungen sicher ausgeschlossen sind, andererseits aber – vor allem wegen der  versenkten Klemmhebel – immer noch elegant aussieht und komfortabel zu bedienen ist. Beim ZF fiel die Wahl auf das Kahles Helia 2-10×50, weil das eigentlich angestrebte und vor nicht langer Zeit erst vorgestellte 1,6-8×42 mangels Nachfrage nach 42er-Optiken leider schon wieder aus dem Programm genommen wurde. Für das Kahles spricht vor allem das hervorragende Preis-Leistungs-Verhältnis: Zur IWA 2017 hat Kahles die Preise drastisch gesenkt. Die empfohlenen VKs liegen bei um die 1600 Euro, die Straßen- bzw. Internetpreise zum Teil erheblich darunter. Wer Premium will, ohne Premium bezahlen zu müssen, für den ist Kahles folglich eine interessante Alternative. Denn ein Blick durch eine Optik der Swarovski-Tochter lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass es sich um ein Premium-Produkt handelt: Das Bild ist brillant und gestochen scharf bis zum Rand, auf dem Stand überzeugt die präzise Verstellmechanik des Absehens und die zweckmäßige Regulierung der Leuchtkraft. Mit einem Sehfeld von 21 Metern bei 2-facher Vergrößerung ist das Helia 2-10×50 durchaus drückjagdtauglich, dank des hohen Kontrasts überzeugt es aber auch beim nächtlichen Ansitz.

Coole Kombi: Steel Action HS mit Kahles Helia 2-10×50 auf Innomount-Montage. Foto: SE

Kritik gibt es jedoch für die Beschriftung der Stellräder für die Absehenverstellung: Die ist für die Höhen- als auch die Seitenverstellung nämlich identisch, bei beiden weist ein Pfeil in die mit H bzw. R beschrifteten Richtungen. Bei der Höhenverstellung (hoch / runter) leuchtet das noch ein, bei der Seitenverstellung wirft das Fragen auf. Unerfahrene Schützen, die ihr Glas selber einschießen möchten, könnten sich außerdem fragen, welches Stellrad für Höhen- bzw. Seitenverstellung zuständig ist: Unnötige Verwirrung, die durch eine eindeutige Beschriftung zu vermeiden wäre. Anzumerken ist auch, dass bei der gewählten Kombination von ZF und Montage nicht mehr viel Raum bleibt, um das ZF weiter nach vorne zu verschieben: Die Montage sitzt in der vordersten Rille der Picatinny-Schiene, das Glas ist in den Ringen bis fast ganz nach vorne geschoben. Passt so, aber noch länger dürfte der Hals (bzw. noch kürzer der Schaft) nicht sein.

Immerhin war die aufwändige Aufrüstung von Erfolg gekrönt: Seit die Steel Action mit den neuen Komponenten ausgestattet ist, produziert sie zuverlässig Streukreise wie diesen hier:

Steigern ließe sich die Präzision vermutlich noch, wenn das Abzugsgewicht etwas geringer ausfiele. Der trocken stehende Abzug bricht bei etwas unter 1000 Gramm, was für die Drückjagd völlig ok ist. Für meinen Geschmack könnten es aber etwa 200 Gramm weniger sein. Abhilfe schafft der einstellbare Abzug, der für 148 Euro Aufpreis erhältlich ist. Das ist ein empfehlenswertes Upgrade, das wir jedem Steel-Action-Käufer nachdrücklich empfehlen. Aktuelle Waffen werden dem Hersteller zufolge mit einem Abzugsgewicht zwischen 800 und 900 Gramm ausgeliefert. Vor dem Kauf sollte man ausprobieren, ob man damit klarkommt.

Der serienmäßige Abzug der Steel Action steht vorbildlich trocken bricht bei der Testwaffe bei knapp 1000 Gramm. Für unserern Geschmack könnte es etwas weniger sein: Ein einstellbarer Abzug ist gegen Aufpreis erhältlich. Foto: SE

Was es nicht gibt, ist eine offene Visierung: Die müsste im Bedarfsfall beim Büchsenmacher montiert werden. Stell Action-Vertriebsleiter Bernd Plog weist allerdings darauf hin, dass die „Philosophie, welche hinter der Waffe steckt, konträr zu Kimme und Korn“ ist: „Da wir ein Mündungsgewinde anbieten, müssten wir das Korn ca. 8 cm hinter der Laufmündung positionieren, um den Einsatz eines Silencers sicherzustellen. Gleichzeitig können die ZFs aufgrund unserer  Picatinny-Rail-Montage sehr flach montiert werden. Dies bedingt, dass auch der Kimmensattel weit zur Mitte hin rückt, um den Einsatz von ZFs mit großen Objektivdurchmessern zu ermöglichen. Somit böten wir ein Visier im Format einer 3-Zoll-Kurzwaffe, die auch noch sehr bescheiden auf der Waffe aussieht.“ Womit er Recht haben dürfte… Wer die Steel Action zur Nachsuche einsetzen möchte, kann auf eine Rotpunktvisierung oder ein Drückjagd-ZF ausweichen, womit auch Fangschüsse aus kürzester Entfernung möglich sind.

Die Unterseite des Steel-Action-Systems ist nahezu plan, was eine problemlose und sichere Bettung des Systems ermöglicht. Alle Systemteile sind durch Nitrokarburierung vor Korrosion geschützt. Foto: SE

Beim Zerlegen der Waffe zeigen sich saubere Holz-Metall-Passungen und eine makellose Verarbeitung aller Systemteile, die wirksam gegen Korrosion geschützt sind. Ein massiver Rückstoßstollen sorgt in Verbindung mit der planen Systemunterseite für einen bombensicheren Sitz des Systems im Schaft.

Massiver Rückstoßstollen. Foto: SE

Der gerade Schaft der Steel Action liegt sehr gut in der Hand, der anatomisch geformte Pistolengriff greift sich auch mit großen Händen gut. Die Waffe lässt sich schnell und sicher anschlagen. Der Schaft an der Testwaffe war zum Zeitpunkt der Auslieferung Standard, heute werden Schäfte in etwas dunklerer Farbe ausgeliefert. Standardmäßig kommt die Steel Action mit Holzklasse 1, gegen Aufpreis gibt es noch die Klassen 2-3-4. Die Schaftpalette soll um einen Schichtholzlochschaft, einen Schichtholzhybriden (Sport/Jagd ähnlich GRS) und einen Kunststoffschaft erweitert werden. Die genauen Erscheinungsdaten dafür stehen noch nicht fest.

Mit dem 51 Zentimeter langen Standardlauf von 19 mm Durchmesser ist die Waffe insgesamt 101 Zentimeter lang und damit äußerst führig. Alternativ sind die Lauflängen 45 und 61 Zentimeter erhältlich. Es gibt die HS in den Kalibern .243 Win. 6,5 Creedmoore, 7mm 08 Rem. und .308 Win. Größere Kaliber wird die Steel Action HM abdecken, die laut Hersteller derzeit gefertigt wird.

Mit der Steel Action beim Nachtansitz auf Sauen. Hier überzeugt das lautlose Spannen und Entspannen, das Kahles-ZF punktet mit gutem Kontrast. Foto: SE

Mit knapp 3,5 Kilo ohne Montage und ZF ist die Steel Action kein Leichtgewicht. Sie fühlt sich aber leichter an, weil sie sehr gut ausgewogen ist und schießt sich sehr angenehm. Andere, etwa schlankere Laufprofile sind nicht erhältlich: „Bei der Steel Action HS wollen wir den Standard nicht verändern“, erklärt Bernd Plog dazu: „Bei dem Modell HM werden wir Läufe in 17 mm Durchmesser liefern.“ Nicht vorgesehen sind Wechselläufe: „Unsere Modelle verfügen nicht über die Möglichkeit des Laufwechsels, und werden in einem speziellen Schraub/Schrumpfverfahren ins System gebracht“, so der Vertriebsleiter. „Ein defekter Lauf muss bei uns im Werk ausgetauscht werden.“

In der Jagdpraxis vermag die Steel Action in der jetzigen Konstellation rundum zu überzeugen. Es sind mitunter Kleinigkeiten, die für die Waffe einnehmen: So zum Beispiel, dass  Riemenbügelösen in der amerikanischen Größe angebracht sind, für die es viele preiswerte Riemenbügel – auch verschraubbare – gibt. Oder dass zwei Magazine mitgeliefert werden. Die Preistreiberei manch andere Hersteller zum Beispiel durch proprietäre Montagen macht Steel Action nicht mit, was als Vorzug zu werten ist. Präzision, Führigkeit, lautloses Spannen und Entspannen – das passt alles. Gewöhnungsbedürftig ist lediglich die Entnahme der Kammer zum Beispiel zur Laufreinigung: Dafür muss das Schloss durch einen Hebel an der Seite entspannt werden, dann Entriegelungsknopf und Abzug gleichzeitig betätigt werden. Fummelig, aber man gewöhnt sich wie gesagt daran.

Foto: SE

Die Steel Action ist für 1990 Euro erhältlich. Das Interesse an der Waffe ist laut Hersteller nach wie vor groß, die Lieferzeiten für Standardgewehr betragen zur Zeit sechs bis acht Wochen.

Interessant ist die Frage, wie die Steel Action mit etwas raueren Einsatzbedingungen, mit Regen, Schnee, Matsch und Dreck klarkommt. Wir werden die HS in der bevorstehenden Drückjagd-Saison in dieser Hinsicht auf die Probe stellen und über die Erfahrungen berichten. SE

Beitragsbild: Mit der Steel Action HS gestreckter Bock. Foto: SE

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