Schweiz: Züricher stimmen über Jagdverbot ab

Die Stimmberechtigten im Schweizer Kanton Zürich werden darüber abstimmen dürfen, ob die Jagd durch private Jäger, in der Schweiz Milizjagd genannt, verboten wird. Der Kanton bestätigte, dass Aktivisten der Tierpartei Schweiz genügend Stimmen eingereicht hätten, um die kantonale Volksinitiative „Wildhüter statt Jäger“ zustande kommen zu lassen. Die Initiative fordert, die Milizjagd nach dem Vorbild des Kantons Genf abzuschaffen. Stattdessen sollten sich Tierbestände „natürlich regulieren“, das Wildtier-Management soll durch beim Kanton angestellte Wildhüter ausgeübt werden. Für Wildschäden soll der Kanton – sprich: der Steuerzahler – haften. Die Wildhüter sollen nur dann regulierend eingreifen können, wenn „alle anderen erdenklichen Schutzmassnahmen nicht zielführend waren.“ Über die im Bedrafsfall „anzuwendenden Maßnahmen“ soll eine „Fachkommission“ entscheiden, die u.a. mit Tierschützern besetzt ist.

Samuel Ramseyer, Sprecher von Jagd Zürich, erklärte gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), dass man die Initiative „sehr ernst“ nehme, da sie in den Städten auf Sympathie stoßen könne. Christian Jacques, Präsident von Jagd Zürich warnte in der NZZ, es sei „reine Augenwischerei“ zu glauben, dass 30 bis 50 Wildhüter die Aufgaben von 1400 Milizjägern übernehmen könnten. Bauern und Waldbesitzer lehnen die Initiative vehement ab und unterstützen die Jäger. Schon jetzt litten die Bauern unter hohen Wildschäden, die Folgen einer Annahme der Initiative seien „unberechenbar“, so ein Sprecher des Züricher Bauernverbandes.

Ein Verbot der Milizjagd bedeutet indes nicht, dass nicht mehr gejagt wird, wie gerade das Beispiel des Kantons Genf zeigt – nur wird die Jagd nicht mehr von zahlenden Jägern, sondern von – mit Steuergeldern bezahlten – Wildhütern ausgeübt. Hatten die Jagdpatente der Stadt Genf vor dem Jagdverbot noch 262.000 Franken im Jahr eingebracht, so verschlingt die Beschäftigung der zwölf Wildhüter und der nächtliche Schwarzwildabschuss nun einen Millionenbetrag.

Verfügung zur Volksinitiative „Wildhüter statt Jäger“ im Amtsblatt des Kantons Zürich. (Screenshot)

In einer kleinräumigen Kulturlandschaft auf „natürliche Regulation“ von Wildtieren zu hoffen, hat sich schon oft genug als Hirngespinst erwiesen. Allein schon die Landwirtschaft schafft ein „unnatürliches“ Überangebot an Nahrung, die ein entsprechendes Anwachsen der Wildbestände unweigerlich zur Folge hat, wenn nicht regulierend eingegriffen wird. Ob eine Regulierung durch Hunger und Seuchenzüge wie beim nicht mehr bejagten Seehund der Regulierung durch die Jagd vorzuziehen ist, dürfte gerade unter Tierschutzaspekten äußerst zweifelhaft sein. Auch Großprädatoren wie der Wolf können die Jagd in dicht besiedelten Gebieten nicht ersetzen: Schon die wenigen aktuell in der Schweiz lebenden Wölfe verursachen massive Probleme, die Population ausgerechnet im Großraum Zürich so anwachsen zu lassen, dass sie die Schalenwildpopulation regulieren, dürfte sich als kaum praktikabel erweisen. SE

Text der Initiative, wie auf der Internetseite von pro-wildtier.ch) veröffentlicht:

„Der Kanton Zürich führt ein kantonsweites Wildtier-Management mit professionell ausgebildeten Wildhütern ein, in welchem die natürliche Regulierung des Wildtierbestandes im Vordergrund steht. Dieses Wildtier-Management ersetzt die Jagd (Hobbyjagd, Milizjagd).“

Das Eingreifen bei kranken oder verletzten Wildtieren erfolgt somit ausschliesslich durch vom Kanton angestellte Wildhüter.

Bei Schäden durch Wildtiere (z.B. durch Wildschweine an landwirtschaftlichen Kulturen) haftet der Kanton, sofern die zumutbaren Massnahmen zur Schadensverhinderung respektive Schadensminderung durch die Landbesitzer getroffen wurden. Die Wildhut kann nur dann regulierend eingreifen, wenn alle anderen erdenklichen Schutzmassnahmen nicht zielführend waren. Die anzuwendenden Massnahmen werden durch eine unabhängige Fachkommission bestimmt. Diese besteht paritätisch aus Wildhütern, Wildtierbiologen, Veterinären und Vertretern aus Tier- sowie Artenschutzorganisationen. Die Kommissionsmitglieder werden alle 4 Jahre durch den Kantonsrat bestimmt. Bei Annahme der Initiative hat die Umsetzung einschliesslich der erforderlichen Gesetzesanpassungen innert 2 Jahren zu erfolgen.“

Beitragsbild: Privater Jäger auf Drückjagdbock – das soll es nach dem Willen der Initiative „Wildhüter statt Jäger“ im Kanton Zürich künftig nicht mehr geben. (Archivbild) Foto: SE

4 Gedanken zu „Schweiz: Züricher stimmen über Jagdverbot ab

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Wer sich die Situation im Kanton Genf genau anschaut, stellt fest:
    1. Die paar Leute im Kanton Genf, die im wenigen ländlichen Raum leben, werden von einer urbanisierten Bevölkerung unterdrückt, die von natürlichen Zusammenhängen Null Ahnung hat. Das kann uns auch drohen, wenn Jamaika als neue Regierungskoalition zu Stande kommt.
    2.. Im Kanton Genf wird nach wie vor regulär gejagt. Nur muss der Steuerzahler jährlich Millionen Franken für die „Wildhüter“ aufwenden, die statt der Jäger jagen. Rebhühner sind trotz umfangreicher Aussetzaktionen ausgestorben. Füchse verrecken jämmerlich an Räude.
    3. Es reguliert sich in unserer Kulturlandschaft tatsächlich alles von selbst. Die Begleitumstände allerdings wären für Mensch und Tier grauenhaft. Man stelle sich vor, die Jäger in Deutschland würden nicht jedes Jahr über eine halbe Million Wildschweine erlegen. Bei 300 % Jahreszuwachs wären das nach einem Jahr neben den nicht erlegten Schweinen mindestens 1,5 Mio zusätzlich. Und das Märchen vom Anheizen der Reproduktion durch Bejagung ist eben ein solches.
    Es geht den „Aktivisten“ in Zürich und anderswo – bei uns gehören viele Grüne und andere ideologisch verblendete „Naturschützer“ dazu – nicht um das Verbot der Jagd. Der Jäger, dem das Weidwerk Freude bereitet, passt nicht in das Weltbild dieser Ökofantasten.

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  2. Ralf K.

    @Hanns-Dieter Pfannenstiel:
    das, was Sie kund getan haben, entspricht auch meinen Empfindungen. Daher kann ich nur an die Politik appellieren, den Blick für das Reale nicht aus den Augen zu verlieren!
    Ein sehr wichtiger Punkt, der nicht untergpflügt werden sollte.

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  3. Grimbart

    Viele Jagdgegner sind dem extrem linken Lager zuzuordnen. Sozialneid spielt eine große Rolle. So geht es auch vielen z.B. gar nicht um den Wolf, sondern benutzen ihn nur als Vehikel um ihren Hass auf Jäger zu kultivieren. Jäger werden ja in der Regel als reiche, dicke, alte Männer dargestellt. Das fängt teilweise bei Kinderlindern heute schon an und setzt sich fort im Umschreiben von Märchen in denen der Jäger eigentlich ganz positiv dargestellt wird.

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  4. Paul

    wenn wirklich einmal „ERNST gemacht“ würde und die Jäger w i r k l ich für einen längeren Zeitraum die Jagd einstellen würden (um Gottes willen-nein) dann würde bald zu merken sein, welche Schäden das hervorrufen würde.. Warum muß/müßte es erst soweit kommen, bis die FANATIKER / Gegner der Jagd ; das erkennen.. ??!!

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