Schweißhunde überflüssig? Menschlicher Geruchssinn besser als gedacht

In dem Aufsatz „Poor human olfaction is a 19th-century myth„, auf deutsch: Schlechter menschlicher Geruchssinn ist ein Mythos aus dem 19. Jahrhundert“ verteidigt John McGann (Rutgers University in New Brunswick, New Jersey) die menschliche Nasenleistung. McGann hat verschiedene Studien berücksichtigt, in der das menschliche Riechvermögen wissenschaftlich untersucht wird. Auf der Kunstfährte (zehn Meter, ein 45-Grad-Haken) mussten die Probanden zum Beispiel einer Fährte aus künstlichem Schokoladenaroma folgen, wie die FAZ in einem lesenswerten Beitrag berichtet. Ergebnis: Sie können es besser als gedacht, zwei Drittel der Schnüffler schafften es auf Anhieb, mit etwas Training ließen sich Spurtreue und Fährtenwille noch steigern. Die unterschiedliche Duftstoffkonzentration in den Nasenlöchern ermögliche es, durch eine Art Richtungsriechen der Spur zu folgen. Durch den aufrechten Gang und die dadurch bedingte Entfernung der Nase vom Erdboden habe sich die Bedeutung des Riechens für Menschen jedoch abgeschwächt, mutmaßen Forscher.

Dass wir es mit den Nasenleistungen unserer Hunde aufnehmen könnten, wie McGann meint, wird der FAZ zufolge jedoch von anderen Wissenschaftlern energisch bestritten (und jeder Besitzer eines Jagdgebrauchshunds wird diese Einschätzung teilen): Riechen habe für uns nicht die Bedeutung wie für andere Säuger. Während Spürhunde noch die schwächsten Fährten aufnehmen könnten, würden „noch die Klassenletzten aus der Hundeschule“ einer dick aufgetragenen Schoko-Aroma-Fährte folgen können.

Außerdem: Der Fährte folgen ist eines. Stellen, hetzen und im Bedarfsfall beherzt zupacken das andere. Und auf diesen Gebieten dürften sich die wenigsten Menschen mit unseren Hunden messen können – und wollen. SE

Beitragsbild: Titel der verlinkten Studie auf www.sciencemag.org. (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

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