Schritt in die richtige Richtung: Arge-Schweiß und VSwP „Bergisches Land“

Ein Bericht von Joachim Orbach

Eine der bekanntesten und anspruchsvollsten Verbandsschweißprüfungen (VSwP), die VSwP „Bergisches Land“, ist dieses Jahr zum 35. Mal ausgerichtet worden – Grund genug, einmal die Rückfährte aufzunehmen, aber auch einen Blick in die Zukunft zu richten. Joachim Orbach hat mit dem Begründer der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Schweiß „Bergisches Land“, Wildmeister Walter Stein und einer weiteren Initiatorin, Elly Linder, gesprochen.

Ein Blick zurück

Auf dem Verbandstag im März 1961 wurde die erschwerte Schweißprüfung, welche zuvor von einigen Mitgliedsvereinen des JGHV ausgerichtet wurde, als Verbandsprüfung mit offizieller Prüfungsordnung beschlossen und anerkannt. Der JGV „ Oberbergischer Jäger“ e.V. als einer der späteren Mitgliedsvereine der Arbeitsgemeinschaft Schweiß „Bergisches Land“ richtete danach bis 1978 Verbandschweißprüfungen zunächst in den Revieren des Freiherrn von Fürstenberg und später in den Revieren von Richard (†) und Walter Stein aus. Maßgeblich zur Ausrichtung dieser Prüfungen trug der langjährige Geschäftsführer und „Motor“ des Vereins, Walter Müller ( † 1979 ) bei, ein bekannte Rüdemann, ausgezeichnet mit der Züchter-, Abrichter – und Führernadel des JGHV in Gold.

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Erfolgreiche Gespanne. Foto: Joachim Orbach

Anlass für die Einführung der VSwP war ein Artikel vom damaligen Schriftleiter der DD–Blätter, Forstmeister Udo Mersmann (†), der 1960 in einem Jagdalmanach erschien, der anlässlich des 25jährigen Vereinsjubiläums des JGV „Oberbergischer Jäger“ herausgegeben wurde. Udo Mersmann schreibt dort:

„Wo der mit der Aufgabe vertraut gewordene Hund am langen Riemen seinem Führer voraussuchend mit seinem ihn ruhig unterstützenden Führer zu einer Einheit wird, wo Fährtentreue, Finderwille sich mit jägerischem Können paart, wird die Nachsuche zur meisterlichen Kunst! Darum sei gesagt: Mit der erschwerten Schweißprüfung, die keineswegs die Schweißarbeit der VGP herabsetzen soll, sollen keine „Stars“ geschaffen werden, weder bei den Hunden, noch bei den Führern. […] Mögen wird alle, jeder an seinem Platze, mithelfen, unserem edlen Wilde den qualvollen Ludertod zu ersparen!“

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Verlosen der Fährten. Foto: Joachim Orbach

Es wurden von jeher hohe Anforderungen an die Prüfungsreviere, Hunde, Führer und Richter gestellt, um einer Verbandsschweißprüfung gerecht zu werden. Leider ist aber nach 54 Jahren festzustellen, dass diese Anforderungen wohl offensichtlich nicht immer beachtet wurden, ansonsten würden wir ja keine neue Prüfungsordnung brauchen…

J. O.: Was dürften die Hauptursachen sein, wenn Verbandsschweiß- Verbandfährtenschuhprüfungen in die Kritik geraten?

W. Stein: Die Flut von Prüfungen ( VSwP u. VFSP ) mit überdurchschnittlichen Ergebnissen, unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und damit wenig Vergleichbarkeit der Ergebnisse.

E. Linder: Wenn Prüfungsreviere und Wildvorkommen nicht der VSwPO und VFSPO entsprechen sind.

J. O.: Sind die Anforderungen an die Prüfungsreviere in der heutigen Zeit neu zu definieren?

W. Stein: Nein, nur konsequent einzuhalten.

E. Linder: Nein, es sei denn, die Neufassung der VSwPO / VFSPO stellt geänderte Anforderungen.

J. O.: Sollten die Anforderungen an die Richter bzw. die Richtertätigkeit neu definiert werden?

W. Stein: Nein, die jagdliche Praxis muss im Vordergrund stehen. Das Ziel muss die Prämierung praxistauglicher Gespanne sein.

J.O.: Was waren seinerzeit die Gründe, zusammen mit den Vereinen: JGV “Oberbergischer Jäger“ e. V., JGV Bergisch Land e.V., JGV der Siegkreisjäger e.V., JGV des Kreises Olpe e.V., JGV Niederberg e.V., Hubertus Köln e.V., JGV Roemryke Berge e.V. und der Kreisjägerschaft des Rheinisch-Bergischen Kreises im LJV NRW die Arbeitsgemienschaft Schweiß „Bergisches Land“ zu gründen?

W. Stein: Ziel war, eine überregionale, den hohen jagdlichen Anforderungen genügende Prüfung zu etablieren.

E. Linder: Man wollte von den Miniprüfungen weg. Durch den Zusammenschluss der Vereine in der Arbeitsgemeinschaft wurden gleichbleibende Prüfungsverhältnisse geschaffen. Der Standort Engelskirchen, das Wildvorkommen (4 Schalenwildarten ), Jahreszeit, Schwierigkeitsgrad wie u.a. auch das Gelände waren auch Gründe.

J. O.: Haben sich alle aufgeführten Gründe bewährt?

W. Stein: Ja. Jedoch legt die teilweise geringe Nachfrage die Vermutung nahe, dass für viele Führer die einfache Prämierung vor hohen jagdlichen Anforderungen steht.

J. O.: Sind Vorzüge einer Arbeitsgemeinschaft gegenüber eines einzelnen Vereins bei der Ausrichtung von Verbandsschweiß/Verbandsfährtenschuhprüfungen zu sehen?

W. Stein: Ja. Insbesondere besteht u.a. ja auch ein konstantes Angebot für überregionale Nachfragen. Schließlich hat die Anzahl der Nennungen gezeigt, dass kein Bedarf für jährlich 8 eigene Prüfungen mit hohem Anspruch an Hund und Führer besteht.

J. O.: Ist nach 35 Jahren noch das Interesse aller Mitgliedsvereine an der Arbeitsgemeinschaft vorhanden? Richten diese Vereine abwechselnd die Verbandsschweißprüfung „Bergisches Land“ aus?

W. Stein: Ja. Alle Vereine beteiligen sich finanziell, die kleineren sind von der Ausrichtung ausgenommen, die größeren richten turnusmäßig die Verbandsschweißprüfung „Bergisches Land“ aus.

J. O.: Wie oft kommen die Vorstände der Mitgliedsvereine jährlich zusammen?

W. Stein / E. Linder: Einmal jährlich außerhalb der Prüfung.

J. O.: Welches Ziele haben sich Arge Schweiß und Verbandsschweißprüfung „Bergisches Land“ für die Zukunft gesetzt?

W. Stein: Erhalt des hohen Niveaus mit dem Ziel der Prüfung praxistauglicher Gespanne.

E. Linder: Und zwar am Standort Engelskirchen, mit den großen geschlossenen Waldrevieren und den zahlreichen Wildvorkommen.

J. O.: Ist die Gründung weiterer Arbeitsgemeinschaften Schweiß zu empfehlen, oder sollte man die Ausrichtung von Verbandsschweiß-Fährtenschuhprüfungen ausschließlich den einzelnen Vereinen überlassen?

W. Stein: Auf jeden Fall. Die Vorteile wurden angesprochen.

E. Linder: Ja, denn in einer Arbeitsgemeinschaft ist u. a. nicht immer ein und derselbe Verein jährlich mit der Ausrichtung der Prüfung (Finanzierung, Zeitaufwand, personelle Belastungen sowie ggf. zu wenig Meldungen ) belastet. Ob die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft angebracht ist, hat oftmals auch was mit der Mentalität der Mitgliedsvereine zu tun, die sich je nach Region ziemlich unterscheiden können – da ist solch ein Experiment oft nicht durchführbar, das haben bereits Arbeitsgemeinschaften erfahren müssen.

Fazit: Ab 1.1.2016 wird nach der neuen der VSwPO und VFSPO gerichtet. Die besten Prüfungsordnungen nützen aber nichts, wenn sie nicht eingehalten werden. Ich wünsche mir, dass die Erfahrungen von Walter Stein und Elly Linder zur Gründung weiterer Arbeitsgemeinschaften beitragen, damit Prüfungen wie die VSwP u. VFSP nicht zum Prüfungssport ausufern. Nicht der Stempel auf der Ahnentafel soll vorrangig sein, sondern Hund und Führer sollen in der Praxis helfen krankes Wild zur Strecke zu bringen. Am 22. Aug. 2015 richtet der JGV Olpe e.V. im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Schweiß „ Bergisches Land“ die 35. VSwP „ Bergisches Land“ aus. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf www.jgv-oberberg.de unter Aktuelles. Joachim Orbach

 

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