Sachsen: Wolfsfans bewirken Eilantrag – Abschussgenehmigung für Wolf ausser Kraft gesetzt

Die Grüne Liga Sachsen hat einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Dresden gegen den vom sächsischen Umweltministerium genehmigten Abschuss eines Wolfs aus dem Rosenthaler Rudel (JAWINA berichtete) erwirkt. Das Landratsamt Bautzen erklärte daraufhin gegenüber der Sächsischen Zeitung (SZ), vorerst keinen Gebrauch von der erteilten Genehmigung machen zu wollen. Nach Ansicht der Wolfsfans von der Grünen Liga stellt die Abschussgenehmigung einen Präzedenzfall dar, das Vorgehen halten sie für unzulässig. Eine Abschussgenehmigung für einen Wolf sei „unter anderem aufgrund bestehender Alternativen wie Vergrämung und Prävention mit dem europäischen Naturschutzrecht unvereinbar“, erklärte eine Anwältin der Wolfsfreunde gegenüber der SZ: Sämtliche Alternativen seien vorab auszuschöpfen.

Die Wolfsfans beschränken sich derweil nicht auf juristische Scharmützel: Aktivisten „verschiedener Bündnisse“ aus ganz Deutschland seien vor Ort und campierten in der Nähe von Schafherden, um einen Wolfsabschuss zu verhindern, so die SZ. Die Experten vom Wolfsschutz Deutschland und der Tierschutzpartei Ethia erklären nebenbei den Schäfern, wie Herdenschutz funktioniert: Die Zäune seien „Völlig windschief“ und „in miserablem Zustand“, führten nicht genug Strom – und überhaupt würden den Wölfen von den Schäfern ja „Schafe to go“ serviert.

Ein Schäfer wendet gegenüber der SZ ein, „diese Leute“ wüßten gar nicht, worüber sie sprechen. Es gebe Beweise dafür, dass die Wolfsfans sich an den Koppeln zu schaffen gemacht hätten und die Weidezaungeräte abgeschaltet hätten – was die Wolfsfans energisch bestreiten.

Über 200 Ziegen und Schafe sind in der Umgebung des Rosenthaler Rudels in den letzten Jahren von Wölfen gerissen worden. Es erscheint fraglich, ob die Wolfsfans der Sache ihrer Schützlinge wirklich dienen, wenn sie sich jeder pragmatischen Maßnahme zur Eindämmung der Nutztierrisse mit allen Mitteln verweigern und Nutztierhalter diffamieren. Letztlich steigt auf diese Weise nur der Druck im Kessel, wachsen Wut und Empörung von Weidetierhaltern und Anwohnern gegenüber den städtischen Wolfsaktivisten – und damit wächst auch die Neigung zu – bislang noch – verbotener Selbsthilfe. Wenn die Wolfspopulation weiter unkontrolliert anwächst und die Bedenken der ländlichen Bevölkerung weiter ignoriert und verhöhnt werden, wenn das Kind erst in den Brunnen gefallen bzw. vom Wolf gefressen worden ist, werden ganz andere und weitaus drastischere Maßnahmen gegen die Wölfe ergriffen werden.

Über die Abschussgenehmigung für einen Wolf aus dem Rosenthaler Rudel entscheidet demnächst das Dresdner Verwaltungsgericht. SE

Beitragsbild: Headline des verlinkten Beitrags in der SZ. (Screenshot)

 

4 Gedanken zu „Sachsen: Wolfsfans bewirken Eilantrag – Abschussgenehmigung für Wolf ausser Kraft gesetzt

  1. Ronbi

    Man kann Wölfe nicht vergrämen. Fragen sie in Schweden nach.
    Prävention funktioniert auch nicht. Alle Arten von Zäunen sind unwirksam.
    Bisweilen selbst die in Wolfsgehegen.
    Prävention ist dann wolfsfreie Gebiete. Schauen sie nach Schweden oder Norwegen.

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  2. Sandra R.

    Kann man nicht erst die Wolfsfans vergrämen ? Oder gibts für die Extra-Gesetze? Warten wir auf den Tag, an dem ein Mensch zu Schaden kommt. Übrigens : Wo ist denn die kleine Inga aus Stendal nun eigentlich geblieben?

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  3. MH

    Die Zeit wird die Lösung bringen. Schade, daß bis dahin noch viel Tierleid geschehen wird (aber es gibt in den Augen der Wolfsfans ja sowohl Tiere als auch Menschen erster und zweiter Klasse).

    Komisch, daß Leute, die das Wort „Toleranz“ so oft im Sprachgebrauch führen, diese anderen gegenüber so komplett über Bord werfen. Man sollte es vielleicht mit Frau Göring-Eckhard halten, die zum Beginn der Koalitionsverhandlungen im Deutschlandfunk von sich gab, daß nun, wo der Wahlkampf vorbei sei, man in den (Sondierungs- M. H.) Gesprächen davon ausgehen müsse, daß die anderen auch Recht haben könnten. So gehe sie auch vor.

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