Sachsen: Hundeführer fordern Rechtssicherheit bei Konflikten mit Wölfen

Am 21. März fand im sächsischen Weinböhla eine Zusammenkunft von engagierten Hunde- und Nachsuchenführern statt. Das Treffen diente vor allem dem Erfahrungsaustausch zum Thema Hundeeinsatz auf Jagden in Wolfsgebieten – ein Thema, dessen Dringlichkeit nicht zuletzt die Tötung eines Stöberhundes durch einen Wolf im Januar auf einem Truppenübungsplatz in Sachsen verdeutlichte. Die international zum Teil gut vernetzten Hundeführer berichteten von Erfahrungen und Lösungsansätzen aus anderen Ländern mit Wolfsvorkommen: „Interessant war die Information der slowakischen Schweißhundeführer, dass Schweißhunde mit Fährten- und Sichtlaut wegen der Wölfe geringere Überlebenschancen hätten, als Hunde haben die stumm jagen“, stellte der Initiator des Treffens, der BGS-Führer Christoph E. fest. Dass aufgrund dieser Problematik verstärkt stumm jagende Hunde eingesetzt und der Wert des Lauts als Zuchtziel infolgedessen hinterfragt werde, kommentierten einige der Anwesenden mit Bestürzung. „Ich hoffe nicht,“, so Christoph, „dass irgendwann, wegen des Wolfes, die Zuchtrichtlinien im Hinblick auf Fährten- und Spurlaut wegen der Möglichkeit der Ortung durch das GPS überarbeitet werden.“

In der karelischen Taiga hätten ihm einheimische Jäger mit Hinweis auf die Wölfe dringend davon abgeraten, seinen Hund frei laufen oder hetzen zu lassen, berichtete Christoph. Einige Teilnehmer konnten aus eigener Erfahrung von beeindruckenden Nahbegegnungen mit Wölfen auf der Jagd oder der Nachsuche in heimischen Revieren berichten. Auf die Gegenwart von Wölfen reagieren Hunde demnach unterschiedlich. Einige verweigerten die Arbeit auf der Fährte, andere arbeiteten auch Wolfsfährten ohne Probleme. Rege diskutiert wurden die Frage, welche Konsequenzen sich aus der rasant anwachsenden Wolfspopulation für den Einsatz von Stöber- und Schweißhunden ergeben: „Jeder Jäger ist zum Tierschutz verpflichtet. Der Tierschutz endet dann, wenn die Kreatur verendet ist. Für uns ist die Riemenarbeit ist zu Ende wenn der Wolf das Stück in Besitz genommen hat“, stellte Christoph fest. Die Frage, wann und unter welchen Umständen künftig noch nachgesucht werden könne und wann das Risiko, „dass der Wolf das Stück bereits in Besitz genommen hat“ zu groß sei, müsse geklärt werden. Die Haltung, dass nicht mehr nachgesucht werden müsse, weil sich die Wölfe schon darum kümmerten oder nicht mehr nachgesucht werden könne, weil dies zu gefährlich sei, werteten viele der Anwesenden als Gefahr für Jagd und Nachsuche.

Einhellige Unterstützung fand die Forderung nach Rechtssicherheit für Hundeführer, falls es bei der Jagd zu Konflikten mit Wölfen käme. „Der Staat spannt die Jäger gerne ein, wenn es etwa darum geht, die Wildschweinpopulation wegen der Afrikanischen Schweinepest auszudünnen, „kritisierte ein Teilnehmer. Andererseits würden Jäger als Legalwaffenbesitzer bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Gefahr für Sicherheit und Ordnung diffamiert und mit einem Wust sinnfreier Vorschriften drangsaliert – von dieser Regelungswut sei aber nichts mehr zu spüren, wenn es darum gehe, Rechtssicherheit für Jäger und Nachsuchenführer bei der Jagd und Nachsuche zu schaffen. Gefordert wurden Regelungen vergleichbar denen des § 28 der schwedischen Jagdverordnung. Dergleichen sei mit geringem Aufwand in den Wolfsverordnungen der Bundesländer zu regeln.

„Für mich war letztlich enttäuschend, dass wir juristisch nicht abgesichert sind“, resümierte Christoph die Situation. „Wie es ausgeht, wenn bei der Nachsuche der Hund oder der Führer vom Wolf attackiert wird, ist rechtlich nicht gesichert. Wenn sich der Wolf durch Rufen und Warnschuss und langsamen Rückzug nicht vertreiben lässt, kann ich nicht so lange warten bis ein Angriff erfolgt. Sollen wir zusehen, wie unser Hund vom Wolf getötet wird? Natürlich ist alles genauestens dokumentieren. Ich handle im Sinne des Überlebens meines Hundes. Jeder muss selbst in solchen Situation entscheiden.“ red.

Beitragsbild: Nachsuche im Winter. Foto: privat

 

5 Gedanken zu „Sachsen: Hundeführer fordern Rechtssicherheit bei Konflikten mit Wölfen

  1. Ronald Braun

    …von wem soll diese „Rechtssicherheit“ kommen?
    .
    Für mich ist eines klar:
    „Ich handle im Sinne des Überlebens meines Hundes. Jeder muss selbst in solchen Situation entscheiden.“ (Zitat aus dem Artikel)

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  2. Jäger aus Bayern

    Tja wer 50.000 Euro Strafe und 5 Jahre in den Bau will nur zu . Wir alle kennen die FFH Richtlinien 4 beim Wolf , also ganz schnell vergessen was hier angeraten wird , ist nicht anders als ein Aufruf zur Straftat, ich möcht meinen Schein noch länger haben . Den wenn es zum Prozess kommt hilft mir auch kein Jawina Geschreibe , habe dann nur eine Klage am Hals und wahrscheinlich danach pleite .Es gibt doch schon einige Verurteilungen von Jäger mit Gutachten und Anwälte bis zur zweiten Instanz gut 30.000 Euro weg sind und nicht mal ein Urteil gesprochen ist . Nee wo ein Wolf ist hat kein Hund was zu suchen , noch dazu hat ein Hund Null Chancen

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    1. admin Beitragsautor

      Niemand wird hier zu Straftaten aufgerufen, es wird auf die nicht geklärte Rechtslage hingewiesen, falls ein Hundeführer in die Lage kommt, seinen Hund gegen einen Wolfsangriff verteidigen zu müssen – was die meisten wohl instinktiv tun würden.

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    2. Ralf

      Jäger aus Bayern? In anderen Foren nennen Sie sich „Harald aus Bayern“, oder? Und SIE sind definitiv KEIN Jäger!
      Wenn Sie die Wichtigkeit des Wolfschutzes noch vor den Tierschutz stellen, dann zweifele ich an Ihrem Menschenverstand! Nach Ihrer Meinung darf keine Nachsuche mehr gemacht werden, oder wie sonst soll man Ihren Satz „wo ein Wolf ist hat kein Hund was zu suchen“ deuten!?
      Mir persönlich stinkt dieser Wolfschutz gewaltig! Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung. (Kennen Sie den Satz?)

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