Niedersachsen: Wolf reißt Fohlen

In Hörpel, einem zur Gemeinde Bispingen gehörenden Dorf in der Lüneburger Heide, haben Wölfe in der Nacht auf Dienstag ein Fohlen gerissen. Das Fohlen, ein Islandpferd, wurde nur einen halben Tag alt. Bei der Attacke wurde die Zuchtstute durch einen Biss an der Kruppe verletzt. Der Wert des Fohlens beläuft sich auf etwa 5000 Euro. Der Züchter kann auf eine staatliche Entschädigung hoffen, wenn der Wolf als Verursacher feststeht. Ein frisch geborenes Islandpferde-Fohlen wiegt ungefähr 25 Kilo – von dem gerissenen Fohlen blieben nur der Kopf und ein Stück Wirbelsäule übrig.

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Wolfsbeauftrage bei der Untersuchung der sterblichen Überreste des Fohlens. Copyright: Gestüt Norderheide

Jawina hat mit Götz George, dem Züchter und Inhaber des Gestüts Norderheide, gesprochen. Nicht mal zwei Tage nach dem Vorfall gibt er ein bemerkenswert unaufgeregtes, ausgewogenes und nachdenkliches Statement ab: „Ich kann dem Wolf – auch diesem speziellen – keinen Vorwurf machen. Es ist halt leichter, ein frisches, zartes Fohlen auf der eingezäunten Weide zu erbeuten, als einem Reh im Wald hinterher zu rennen.“ George ist selber Jäger und „in der Natur zuhause“, wie er sagt: „Aber man muss jetzt anfangen, umzudenken“, mahnt der Züchter: „Die Wölfe sind jetzt in der 3. oder 4. Generation hier, sie wurden durch den strengen Schutzstatus gewissermaßen so erzogen, dass vom Menschen und menschlichen Ansiedlungen keine Gefahr ausgeht.“ George hat zwölf Jahre in Kanada gelebt und gejagt und weiß: „In Nordamerika und Kanada kommt der Wolf höchst selten in menschliche Siedlungen – eben weil er dort bejagt wird und daher weiß, dass vom Menschen Gefahr ausgeht.“  George betont: „Ich sage das nicht, um gegen den Wolf zu hetzen. Aber wir müssen dem Wolf Grenzen setzen!“

Der Wolfsangriff in Hörpel ereignete sich gegen 23.30, 200 Meter hinter dem letzten Haus des Dorfs: „Das Fohlen hat eine Viertelstunde lang geklagt“, berichtet der Pferdezüchter,  „Geschrien.“ Der Wolf „betrifft jetzt eine andere Schicht“, meint George: „Es gibt über eine Million Pferdehalter in Deutschland.“ Pferdehalter hätten eine emotionalere Beziehung zu ihren Tieren als ein landwirtschaftlicher Viehalter, auch löse ein getötetes Pferd in der Öffentlichkeit stärkere Emotionen aus als reine Nutztiere. In den letzten Jahrzehnten wurden gewaltige Fortschritte in der artgerechten Pferdehaltung erzielt: Der Weg von der Ständer- über die Boxen- zur Freilandhaltung stellt eine große Errungenschaft im Tierschutz dar.

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Kopf und Wirbelsäule: Mehr blieb von dem kaum einen Tag alten Fohlen nicht übrig. Copyright: Gestüt Noderheide

Es ist zu befürchten, dass Pferde wieder in dunklen, engen Ställen eingepfercht werden, wenn sich Wolfsangriffe auf Pferde häufen. Zu fordern ist daher eine großzügige Unterstützung von Pferdehaltern bei der wolfssicheren Einzäunung ihrer Weiden und Koppeln. Diese ist bisher nämlich nicht gegeben. Einem Bericht des Onlineportals Isibless zufolge, kann ein Pferdezüchter im Gegensatz zu Schaf- und Rinderhaltern nur dann Beihilfen zum Zaubnbau beantragen „wenn binnen der artgleichen Population und innerhalb eines 30km großen Radius drei vergleichbare Vorfälle aktenkundig geworden sind.“ Isibless folgert: Es müssen erst drei weitere Islandpferde in Götz unmittelbarer Nachbarschaft gerissen werden, bevor man ihm ggf. eine Unterstützung bei der Wolfschutz-Einzäunung zuteilwerden lässt.

Götz George hat seine Fohlen so nah wie möglich ans Dorf geholt. „Aber artgerechte Pferdehaltung ist Freilandhaltung“, sagt der Züchter. Wie es jetzt weiter geht, weiß er nicht. SE

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Bissverletzung der Mutterstute auf der Kruppe. Copyright: Gestüt Noderheide

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Copyright: Gestüt Noderheide

Jawina dankt Herrn Götz George und dem Gestüt Norderheide für die Genehmigung zur Veröffentlichung der Fotos.

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