Niedersachsen: Weiteres Fohlen von Wolf gerissen?

Auf einem Islandpferdehof in Bücken (Landkreis Nienburg) ist ein frisch geborenes Fohlen tot und angefressen aufgefunden worden. Nachdem wenige Wochen zuvor ein Fohlen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von Wölfen gerissen wurde, stellt sich auch hier die Frage: War es ein Wolf? Das Fohlen dürfte „nicht früher als sieben Uhr geboren worden sein, nach dem letzten Kontrollgang“, schätzt Züchterin Inga Müller. Zwischen acht und neun wurde der Vorfall entdeckt, und zwar weil die Mutterstute das andere Fohlen – es war eine Zwillingsgeburt – unter einem Zaun „durchgeschubst“ hatte. So stand das kleinere der beiden Fohlen etwas verloren auf der Nachbarkoppel – das andere war tot, Hals, Brust und Schulter waren angefressen. Die Koppel liegt dicht hinter dem Haus, der Abfohlplatz ist ca. 80 Meter vom Haus entfernt. Da die Züchterfamilie von dem kurz zuvor gerissenen Fohlen erfahren hatte, wurde einer der Wolfsberater des Kreises hinzugezogen:

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Das verendet und angeschnitten aufgefundene Fohlen. Fotos: privat (mit freundlicher Genehmigung)

Christian Lohmeyer ist sich nach Begutachtung des Fohlens und des „Tatorts“ sicher: „Das war kein Wolf.“ Dort, wo der Wolf den Kehlbiss ansetzt, seien normalerweise starke dunkle Einblutungen zu sehen. „Hier waren überhaupt keine Einblutungen, und die Unterseiten der Hufe waren vollkommen sauber: Das Fohlen hat nie gelebt“, folgert Lohmeyer. Auch hätte ein Wolf die Bauchdecke aufgerissen, Knochen zerbissen und Innereien gefressen. Der Rest der Herde wirkte völlig entspannt, graste und döste auf der Koppel vor sich hin – von Panik keine Spur.

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„Hier waren Füchse am Werk“, ist der Wolfsberater überzeugt, „Wir haben auch Fuchsspuren gefunden, aber keine vom Wolf.“ Lohmeyer ist Jäger, er wohnt vier Kilometer entfernt und hält selbst Pferde und Schafe: „Ich hätte ein starkes Interesse daran, es zu erfahren, wenn es hier Wölfe gibt.“ Zwar habe es in letzter Zeit Wolfsmeldungen im Landkreis Nienburg gegeben: „Aber da liegt die Weser dazwischen. Alle Wolfssichtungen sind aus den ausgedehnten Waldgebieten rechts der Weser gemeldet worden.“

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Züchterin Inga Müller ließ sich von den Argumenten des Wolfsberaters zunächst überzeugen. Der Kadaver des Fohlens ging zum Abdecker – eine DNA-Probe zu entnehmen, um den Verursacher zu bestimmen ist damit nicht mehr möglich, weil der Tierkörper in der Abdeckerei mit der DNA unzähliger anderer toter Tiere verunreinigt wurde. Doch je länger sie über das Geschehene nachdenkt, desto größer werden die Zweifel. „Wir züchten seit über vierzig Jahren“, sagt Inga Müller, „Aber so etwas ist noch nie passiert.“ Füchse gab es schon immer, der Wolf ist erst seit kurzem da – und nur 25 Kilometer entfernt. Außerdem geht bei einer Zwillingsgeburt in der Regel das schwächere Fohlen zugrunde – hier war es das deutlich stärkere. „Ein Auge des Fohlens war offen, bei Totgeburten sind normalerweise beide Augen zu“, so die Züchterin. „Wir können nicht sagen, ob es gelebt hat“, räumt Inga Müller ein. Aber der Zweifel macht ihr zu schaffen – und die Frage, wie es mit der Zucht und der artgerechten Pferdehaltung auf ihrem Hof weitergehen kann und soll. Betroffenen Pferdehaltern rät sie, auf jeden Fall eine DNA-Probe entnehmen zu lassen – das schaffe Gewissheit. SE

 

 

2 Gedanken zu „Niedersachsen: Weiteres Fohlen von Wolf gerissen?

  1. cARMEN

    Moin Inga,
    ersteinmal noch ein gutes neues Jahr 2016, ….

    Mit Erschrecken haben wir das Fohlenbild gesehen, welches gerissen wurde…
    mein Vater meinte, es war in jedem Falle ein Wolf. Mein Vater ist in der Kuh- u. Ziegenlandwirtschaft seines Großvaters mit aufgewachsen, war viel in der Feldmark als
    Kind und hat im Allgemeinen Ahnung von Waldtieren u. Vögeln. Ein Fuchs war das nicht, sagte er. Ein Fuchs greift Hasen an, aber keine Fohlen, wo die Mutter daneben-
    steht. Was Euch der Wolfsberater aufgeschnackt hat, war eine Taktik, um die Wölfe „zu schützen“. Mein Vater sagt: das war so wenig ein Fuchs wie es ein Krokodiel war.
    Das hätte man diesem Berater mal sagen müssen. Ihr könnt Eure Mutterstuten nur schützen, indem ihr im Stall abfholen lasst und die Kleinen drinnen lasst. Der Wolf
    kann wieder kommen.
    Wir würden gerne bei Euch zu Besuch kommen, wie gesagt, ich bringe Kuchen mit, ich freue mich, auch Deine Mutter kennenzulernen! Bitte sage mir, an welchem
    Sonntag es Dir passt, dann schauen wir vor dem Kaffee noch beim Training zu. Wir freuen uns!
    Viele herzliche Grüße aus Ihlienworth von Carmen Pape

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  2. M.&S. Herrmann

    Könnte man sarkastisch werden – es wird erst dann in Sachen Wolf etwas in Bewegung kommen, wenn ein Kind von einem großen „Fuchs“ angegriffen wird. Wir haben über Jahre Isländer gezüchtet, wo die Fohlen auch in der Herde auf der Weide zur Welt kamen. Füchse gab es in Massen, angefressene Fohlen nie. Ich habe einmal erlebt, wie ein Schäferhund, der sich von der Kette losgerissen hatte, morgens um 5 Uhr im Sommer in einer 6-pferdigen Isländerherde versucht hat, ein 2 Stunden altes Fohlen anzugehen. Der arme Hund ist knapp mit dem Leben davongekommen. Ein Fuchs wäre nicht einmal in die Nähe des Fohlens gekommen, wobei ich davon ausgehe, dass selbst eine Totgeburt zumindest eine Zeitlang von der Herde abgeschirmt worden wäre.
    Man sollte vielleicht ein wenig rechnen: Wenn sich die Wolfspopulation so wie bisher vermehrt – unter anderem mangels Fressfeinden -, habe wir in relativ absehbarer Zeit tausende dieser Tiere alleine in Niedersachsen. Einen wirksamen Schutz kann sich kein Schäfer, Landwirt oder Pferdezüchter leisten, die Zahl der Übergriffe wird mit der Zahl der Wölfe steigen – bereits 2016 sollen in Niedersachsen 190 Nutztiere von Wölfen gerissen worden sein. Sollte dann etwas geschehen, das den Volkszorn gegen die Wölfe richtet, wird das „Aufräumen“ ein größeres Gemetzel – was soll das Ganze, Herr Wenzel? Irgendwann drängt sich vielleicht auch die Frage auf, wer von der Geschichte profitiert.

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