Niedersachsen: 500. offizieller Nutztierriss seit 2008 gemeldet

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In den letzten Tagen und Wochen kam es wiederholt zu Meldungen über Nutztierrisse in Niedersachsen, bei denen der Wolf als Verursacher vermutet wird. Die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (LJN) nimmt dies zum Anlass, einen Einblick über die offiziell gemeldeten Nutztierrisse vom Jahr 2008 bis zum August 2017 zu geben: Ende vergangener Woche wurde die 500. offizielle Meldung seit dem Jahr 2008 über einen Nutztierriss in die Nutztierrissstatistik des Landes Niedersachsen eingetragen. Bei Schmarbeck im Landkreis Celle wurden 13 Schafe getötet, sieben weitere mussten eingeschläfert werden – ob ein Wolf der Verursacher war, wird derzeit geprüft. Stand jetzt wurden von diesen 500 dokumentierten Meldungen, 236 Risse (47,2 Prozent) eindeutig dem Wolf zugeordnet bzw. der Wolf wurde amtlich als Verursacher festgestellt. In 121 Fällen (24,2 Prozent) konnte der Wolf als Verursacher ausgeschlossen werden. 101 (20,2 Prozent) der eingegangenen Meldung erhielten die Zuordnung Wolf nicht nachweisbar. 39 Fälle (7,8 Prozent) befinden sich derzeit in Bearbeitung, bei drei Meldungen war eine Beurteilung nicht möglich.

Bei den 500 protokollierten Schadensereignissen handelt es sich um die offiziell eingegangenen Meldungen bei Nutztierrissen – losgelöst ob und in welcher Form Schutzmaßnahmen durchgeführt wurden. Die Gesamtzahl der durch Wölfe zu Tode gekommenen Nutztiere in dem genannten Zeitraum beträgt 670. Hierunter fallen auch Nutztiere, die infolge schwerer Verletzungen durch Übergriffe getötet werden mussten. Prozentual (77,91 Prozent) am häufigsten sind es unter den Nutztieren Schafe, die von Übergriffen des Wolfes betroffen sind, gefolgt von Gatterwild mit 14,48 Prozent. Seit dem Jahr 2014 sind aber auch nachweislich 29 Rinder getötet worden.

Nachdem es in den Jahren 2008 und 2009 je einen dokumentierten Nutztierriss gab, bei dem Wolf als Verursacher amtlich festgestellt wurde, steigt seit dem Jahr 2012, dem Jahr der ersten nachgewiesenen  Rudelbildung in Niedersachsen, die Anzahl der Übergriffe und getöteten Nutztiere stetig an.

Seit Beginn der Statistik gab es die meisten nachweislich vom Wolf getöteten Nutztiere im Territorium des Rudels im Raum Barnstorf, in den Landkreisen Diepholz und Vechta mit zusammen 166 Tieren –  122 Nutztiere wurden im Territorium des Rudels im Landkreis Cuxhaven getötet. In beiden Territorien legen die Wölfe ein spezielles Verhalten an den Tag: Das Rudel im Landkreis Cuxhaven hat sich scheinbar eine spezielle Taktik angeeignet, die sie in die Lage versetzt, auch ausgewachsene Rinder zu erbeuten. Die Elternfähe im Raum Barnstorf hat in der Vergangenheit, laut den Dokumentationen, immer wieder auch Schutzzäune überwunden.

Im Großraum Lüneburger Heide, gab es im LK Heidekreis 50, im LK Lüneburg 80, im LK Celle 81 und im LK Uelzen 87 getötete Nutztiere. PM LJN

Die Daten zu den Nutztierrissen in Niedersachsen sind nachzulesen auf https://www.wolfsmonitoring.com/monitoring/nutztierrisse/

Beitragsbild: Die verlinkte Seite des Wolfsmonitoring Niedersachsen zu Nutztierrissen (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

5 Gedanken zu „Niedersachsen: 500. offizieller Nutztierriss seit 2008 gemeldet

  1. Ronbi

    Wie ist das mit dem BNatschG §45(7) und der Entnahme von Wölfen, die wiederholt Nutztiere in ihr Beutespektrum aufgenommen haben?

    Außerdem seltsam, noch nie gab es so viele widernde Hunde, wie heute.

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    1. MH

      Genau das ist mir dabei auch immer wieder sauer aufgestoßen. Früher wurde vehement geleugnet, daß es wildernde Hunde gäbe, heute wird von den gleichen Leuten elegant der Verursacher dort verortet.

      Wir haben also bei 357 Fällen eine sichere Wolfsbeteiligung im Verhältnis 2/3 zu 1/3. Und diese Angriffe hat es früher nun mal ganz sicher nicht gegeben. Innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums sind die Rißzahlen entstanden. Daß sie zunehmen werden, ist unschwer vorherzusagen. Mit jedem Erfolg bei leicht zu machender Beute wird der Lerneffekt zudem größer. Wer sollte sich schon die Mühe machen, flüchtigem Wild nachzustellen, wenn in der Koppel der Tisch so reich gedeckt ist?

      Der Wolf wird zum Kulturfolger, als den wir schon Wildschwein, Fuchs und Waschbär kennen. Die Folgen eines Übergriffs mit menschlicher Betiligung sollte unschwer als dramatischer als bei Begegnungen mit diesen Wildarten vorhersehbar sein. Wenn schon Füchse plötzlich bereit sind, ihre Scheu ab- und sich mit Passanten anzulegen, wer wird dann ernsthaft leugnen, daß ein wesentlich wehrhafteres Wild nach gleichem Schema verfahren wird?

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  2. Grimbart

    Die Überschrift ist nicht korrekt. Es gab 500 Meldungen, aber keine 500 durch Wölfe nachgewiesene Vorkommnisse. Solche Meldungen sind Wasser auf die Mühlen der Wolfsbefürworter, denn es heißt dann, dass mit Fake News gearbeitet wird. Ich bin durchaus für eine Begrenzung und auch Entnahme ganzer Rudel, z.B. dem Barnsdorfer, nur ist es der Sache nicht dienlich, wenn nicht sauber gearbeitet wird.

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    1. admin Beitragsautor

      Die originale PM der LJN findet sich hier:
      https://www.ljn.de/ueber_uns/aktuelles/news_artikel/news/detail/News/woelfe-und-nutztiere-2/?tx_news_pi1%5BbackPid%5D=3834&cHash=e691f80d1c4276b96d6e1dabf487d0d9
      Darin heißt es:
      „Ende vergangener Woche wurde die 500. offizielle Meldung seit dem Jahr 2008 über einen Nutztierriss in die Nutztierrissstatistik des Landes Niedersachsen eingetragen. Bei Schmarbeck im Landkreis Celle wurden 13 Schafe getötet, sieben weitere mussten eingeschläfert werden […]“
      Aber es stimmt schon, die amtliche Ermittlung des Verursachers erfolgt erst nach der Meldung, wir haben die Überschrift geändert. Vielen Dank für den Hinweis.

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