Nachsuche am Hochzeitstag

Eine Jagdgeschichte von JAWINA-Leser TB

Vor einigen Jahren, an einem schönen warmen Juniabend gegen halb acht, bestieg ich mit meiner lieben Sippe den Wagen, um in unserem Lieblingsrestaurant unseren Hochzeitstag zu feiern. Frau, Tochter, deren Freund , unser DD und ich – ausnahmsweise im feinen Zwirn.
Kaum auf dem Weg, bekam ich einen Anruf. Am anderen Ende der Leitung war der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft eines Nachbardorfes, in dem ich damals jagte. Neben ihm stünde ein Jäger, der gegen 17:30 Uhr ein Schmalreh beschossen hat und es nun nicht finden kann. Es wird dringend ein Hund zur Nachsuche gebraucht. Darauf ließ ich mir vom Schützen selbst die Situation beschreiben. Er erklärte mir, dass der Anschuß 80 bis 90 Meter westlich der Kanzel lag und er diesen ordnungsgemäß an einer kleinen Kiefer verbrochen hätte. Bei der Nachsuche könne er nicht helfen, da er schon auf dem Heimweg sei. Da es für uns nur ein kleiner Umweg war, sagte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn zu.

Im Revier angekommen, bestieg ich zuerst die Kanzel, um mir einen Überblick zu verschaffen. Es war eine Wiese von drei Hektar mit gefühlt tausend kniehohen Kiefern. In westlicher Richtung konnte der Schütze nicht geschossen haben, da er nur die Sonne im Glas gehabt haben konnte.
Also runter und in ca. 100m südlich den etwas Schweiß an einer kleinen Föhre gefunden. Aha, soviel zum Thema ordentlich verbrochen. Den Hund angesetzt und los ging es. Nicht nur der Hund, d straff am langen Riemen hing, sondern nun auch der Regen. Duch das hüfthohe Gras über die Wiese in den Hochwald. Meine Eintänzerschuhe und der feine Zwirn mittlerweile klatschnaß. Der Hund völlig aus dem Häuschen. Sauen!

Sippe mittlerweile pappesatt. Schließlich wartete der bestellte, festlich gedeckte Tisch seit 20 Uhr auf uns… Also erst einmal abgebrochen und um des lieben Friedens Willen essen gefahren. Ich kann so nicht arbeiten. Obwohl ich aussah wie ein Dreckmolch, wurde es doch noch ein gelungener Abend. Frau und Gören haben mir verziehen. Später zuhause angekommen störte ich den Schützen noch einmal telefonisch beim Fernsehen. Da kam dann eine ganz andere Schilderung der Sache.

Am nächsten Morgen bin ich dann im ersten Licht noch mal rausgefahren und habe den Hund am Anschuß angesetzt. Dieser nahm die Fährte sofort auf und ging zielstrebig über die Wiese in den Hochwald. Dann ein großer Bogen in eine Dickung. Dort lag das Stück. Guter Kammerschuß, jedoch stark angeschnitten und und auf gGrund der Temperatur kugelrund.
Nachdem ich das Stück geborgen hatte, rief ich den Schützen an. Da er schon auf dem Weg ins Revier wäre, solle ich auf Ihn warten. Alles Weitere würde vor Ort geklärt.

Also Stück ordentlich verbrochen und gewartet. Gegen 9 traf er dann ein. Was hat er sich gefreut. Mein Waidmannsheil ignorierte er und den Erlegerbruch warf er achtlos beiseite.
Auf meine Frage, was nun mit dem Stück passieren solle, Hundefutter oder entsorgen, bekam ich wörtlich zur Antwort: „Ich werde es jetzt ausweiden und dann mitnehmen.“

Das war der Moment, zügigst zu verschwinden, ehe er den ersten Schnitt tut und mir der Spinat um die Ohren fliegt. Dem Erleger wünschte ich einen guten Appetit. Später im Geschäft freute ich mich über die Arbeit meines Hundes, welcher nach getaner Arbeit selig unter meinem Schreibtisch schlief. TB

Beitragsbild: DD und nachgesuchtes Stück Rehwild. Foto: privat

5 Gedanken zu „Nachsuche am Hochzeitstag

    1. Grimbart

      Beileibe nicht. Nur ist man hier nicht unter sich. Das Image der Jäger ist schon eh nicht das Beste und muss man da auch noch frei Haus Munition liefern?

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  1. Joachim Orbach

    Kann eine derartige Einstellung und der Umgang mit unserem Wild nicht auch mit veränderten Landes- Jagdgesetzen ( Wald vor Wild ) zusammen hängen? Was das Verhalten des Schützen anbelangt, so möchte ich dieses als höchst unwaidmännisch bezeichen, wenn es noch las Jäger bezeichnet werden will -und daran ändert sich auch durch ein Jagdgesetz ( wie u.a. Wald vor Wild ) nichts. Wie ein guter Bekannter schon vor einigen Jahren sagte: “ So manche „Jäger“ sind besser auf einem Golfplatz usw. aufgehoben, als wie in einem Revier“.

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