Nabu-Studie: Landwirtschaft ist schuld an Artenschwund

Die Artenvielfalt ist in Deutschland auf landwirtschaftlichen Flächen ernsthaft bedroht. Daran haben bislang weder die „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“ noch das „Greening“ im Zuge der EU-Agrarförderung etwas ändern können. Zu diesem Ergebnis kommt die vom Nabu in Auftrag gegebene Studie „Naturschutz in der Agrarlandschaft am Scheideweg – Misserfolge, Erfolge, neue Wege“.  Die Studie analysiert die Verluste biologischer Vielfalt in der Agrarlandschaft am Beispiel von Pflanzen und Vögeln. Demzufolge haben sich beispielsweise die Bestände von 15 der 20 typischen Brutvögel in landwirtschaftlich genutzten Lebensräumen kontinuierlich reduziert, bei drei Arten hat sich der Bestand seit 1980 sogar mehr als halbiert. Mindestens genauso dramatisch stellt sich die Situation der Blütenpflanzen der Agrarlebensräume dar, einzelne Arten haben seit den 1950er Jahren mehr als 99 Prozent ihres Bestands eingebüßt.


Anbau für Biokraftstoffe und Biogas heizt Flächenbedarf zusätzlich an

Als Hauptursache für die fortschreitende Abnahme der Artenvielfalt wurden die zunehmende Intensivierung der Bewirtschaftung ausgemacht: „Die Produktionsförderung für nachwachsende Rohstoffe und die hohe Nachfrage nach Grundstoffen zur Herstellung regenerativer Energieträger wie Biokraftstoffe oder Biogas heizen den Flächenbedarf noch zusätzlich an und gefährden so die letzten Refugien der Biodiversität.“, heißt es in einer Veröffentlichung des Nabu: Die Ziele einer Intensivierung der Landwirtschaft auf der einen und die Bewahrung der Biodiversität auf der anderen Seite stünden sich häufig diametral gegenüber.

Die Studie zeigt, dass die Fläche des „artenreichen mittelfeuchten (mesophilen) Grünlands und des Feuchtgrünlands in Norddeutschland seit 1950 um rund 85 Prozent“ zurück gegangen ist. Die Ursache hierfür sei vor allem die Umwandlung in intensiv bewirtschaftetes Grünland. Auf den Äckern verringerte sich die potenziell für Wildkräuter (Segetalflora) besiedelbare Fläche um etwa 95 Prozent. Selbst eine stärkere Anlage von extensiv genutzten Ackerrandstreifen wird nach Auffassung der Studienautoren nicht ausreichen, die Restbestände der Ackerwildkräuter dauerhaft zu schützen.

Ökolandbau allein kann die Wende nicht herbeiführen

Auch der Ökolandbau kann nach Auffassung des Nabu nur begrenzte Beiträge zum Artenschutz leisten. Der Umfang von Agrar-Umweltmaßnahmen (AUM) sei in Deutschland derzeit viel zu gering, als dass messbare Auswirkungen auf die Bestandsentwicklung der Ackervögel zu erwarten wären. Zudem sei die Qualität der Maßnahmen oft nicht ausreichend und zu wenig regionen- beziehungsweise artenspezifisch. Grünlandschutzgebiete könnten zur Bestandsstützung einiger hoch bedrohter Arten zwar beitragen, jedoch den flächendeckenden Negativtrend nicht aufhalten, zumal die Schutzziele in der überwiegenden Zahl der Fälle verfehlt würden. Hinzu kommt laut Nabu, dass in zehn Bundesländern kein regelmäßiges Monitoring der Wirksamkeit von AUM in Bezug auf spezialisierte Vogelarten durchgeführt wird.

Trübe Aussichten

Für die nächste Zukunft sei keine Verbesserung der Biodiversität auf Agrarflächen zu erwarten, so der Nabu – auch durch das derzeit anlaufende ‚Greening‘ nicht. Vielversprechenden Schutz der Biodiversität würden eher Demonstrationsbetriebe mit Biotop-Management-Maßnahmen trotz konventioneller Wirtschaftsweise und ohne Minderung der Wirtschaftlichkeit des Hofes erzielen. PM Nabu

Bild: Traktor mit XXL-Güllefass, Copyright: SE

Ein Gedanke zu „Nabu-Studie: Landwirtschaft ist schuld an Artenschwund

  1. Frank

    Na sowas – und das vom NABU? Und keine Schuld bei Jägern?
    Da wäre die m. E. interessanteste Info gewesen, wer denn vom NABU den Auftrag für die Untersuchung erhalten hat.
    Da scheinen ja ausnahmsweise mal keine Ideologen am Werk gewesen zu sein, oder?

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.