Nabu NRW fordert entschiedenes Vorgehen gegen illegalen Umbruch von Feldwegen und Wegrändern

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Das Feldraine, die grünen Ränder zwischen Feld und Feldweg immer schmaler werden oder Feldwege umgepflügt werden und so ganz verschwinden, ist ein bekanntes Phänomen. Der Nabu NRW fordert jetzt ein Gegensteuern.

Der Nabu NRW fordert das Land Nordrhein-Westfalen und die Kommunen auf, entschieden gegen den illegalen Umbruch von Feldwegen und Wegrändern vorzugehen. Immer öfter würden diese wichtigen Lebensräume auch beackert, im Fall von Grünland früh gemäht, mit Pestiziden gespritzt und gedüngt – oft schon seit Jahren, so der Verein in einer Pressemitteilung. „Für den Schutz der Artenvielfalt sind Feldwege und Wegränder aber von großer Bedeutung“, erklärte Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Nabu NRW.

Bauernverbände und kommunale Flächeneigentümer müssten ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stärker gerecht werden und den Schutz der biologischen Vielfalt ernst nehmen. Dazu gehöre auch der Erhalt dieser Landschaftsstrukturen. Konkret fordert der Nabu Nordrhein-Westfalen alle Kreise und kreisfreien Städten dazu auf, in einem ersten Schritt den Verlust von Wegen und Wegerändern durch den Vergleich von Luftbild und Liegenschaftskarte zu analysieren und eine erfolgreiche Rückgewinnung zu kommunizieren. Feldwege befänden sich in der Regel im Eigentum der Gemeinden. Ohne Genehmigung des Eigentümers und der Unteren Naturschutzbehörde sei eine landwirtschaftliche Nutzung von Feldwegen gar nicht zulässig.

Hier hätten Städte und Gemeinden in den letzten Jahren Vermögensgegenstände häufig nicht pfleglich verwaltet. Vor allem hätten sie aber die Bedeutung ihrer Feldwege und Saumstrukturen für einen lokalen Biotopverbund verkannt und unterschätzt. „Wichtig ist hier nun das Rad wieder herumzudrehen. Bürgermeister und Ratsmitglieder müssen erkennen, welche Bedeutung Feldraine und Feldwege für den Erhalt der Artenvielfalt haben“, so Tumbrinck. Der Nabu mit seinen zahlreichen Gruppen vor Ort sei gerne bereit, die Gemeinden bei der Auslotung für einen lokalen Biotopverbund zu unterstützen.

Denn Wege und Wegeränder hätten für eben diesen eine wichtige Funktion: Sie können wertvoller Lebensraum für mehrere hundert Pflanzenarten und über tausend Tierarten sein. So können sie als Rückzugsraum für Feldhasen und Rebhühner dienen, ungespritzt und reich an Wildblumen ernähren sie Schmetterlinge, Wildbienen und Heuschrecken, die wiederum Vögeln als Nahrung dienen. Zur Umsetzung der nordrhein-westfälischen Biodiversitätsstrategie seien Raine, die allenfalls extensiv gepflegt werden, deshalb unverzichtbar.

Als wieder zu schaffende bzw. zu belebende Strukturen in einer ansonsten ausgeräumten Agrarlandschaft böten sie die Möglichkeit, die seit Jahren negative Entwicklung der im Offenland lebenden Tier- und Pflanzenarten günstig zu beeinflussen. Denn immer mehr Wildblumen, Schmetterlinge, Wildbienen oder Feldvögel finden sich auf der Roten Liste. Aktuelle Studien belegen dass die Biomasse der Fluginsekten seit den 1990er Jahren selbst in Schutzgebieten um 75 Prozent abgenommen hat. Deutschland hat in nur zwölf Jahren 12,7 Millionen Vogelbrutpaare verloren, was 15 Prozent des Bestandes entspricht, so der Nabu. PM

Beitragsbild: Auch Knicks und Feldgehölze sind von illegalem Umbruch betroffen. Foto: SE

2 Gedanken zu „Nabu NRW fordert entschiedenes Vorgehen gegen illegalen Umbruch von Feldwegen und Wegrändern

  1. Grimbart

    Viele Jäger trauen sich nicht die Landwirte zu kritisieren, man will ja meistens wieder pachten. Da macht es sich nicht so gut, wenn man da jemanden auf die Finger klopft. Schön wenn der Nabu da was erreichen würde. Wäre mal was sinnvolles.

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  2. Axel Plümacher

    Ja das ist ein trauriges Kapitel. Selbst unter den jagenden Landwirten ist die Anzahl derer, denen der zusätzliche Ertrag, bei uns gibt es das Sprichwort “ der letzte halbe Meter ist der Gewinn vom Hektar “ lieber ist als die schönen Jagden mit Hund entlang solcher Knicks. aber auch von Staatswegen werden diese wichtigen Rückzugsräume immer weniger. Die Flurbereinigungen lassen grüßen.
    Wichtiger und zielfördernder, mit Ausnahme der Funktion als Windbrecher und Verbindungsdeckung, als solche Knicks sind allerdings kleine Feldgehölze. Nachzulesen und mit Anleitungen beim alten Niederwildexperten Behnke. Solche Knicks sind neudeutsch ein “ Fastfood Restaurant “ fürs Raubwild und Raubzeug. Die Elstern, Krähen und Eichelhäher hüpfen einen Baum rauf, den nächsten runter und das Raubwild läuft den Wind ausnutzend den Knick entlang und findet fast alles was sich dort drückt. Nicht umsonst werden die Enden solcher Gehölzstreifen als beste Fangplätze von den Fallenjägern genutzt.
    Der Wert fürs Niederwild wird für solche Streifenbiotope wie die Knicks deutlich überschätzt, aber immer noch besser als eine total aus-und aufgeräumte Landschaft.

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