Mein Freund, der Fuchs

Ich kenne einen erfolgreichen Schwarz- und Rehwildjäger, der keine Füchse schießen kann. Er sagt, die seien seinen Hunden – er hat sieben Terrier – zu ähnlich. Der Mann muss es wissen: Er ist Tierarzt, und seine Nachbarn und deren Kinder haben ihm immer alles gebracht, was lahm, krank, angefahren oder sonstwie nicht fit genug war, um schnell genug der menschlichen Fürsorge zu entfliehen: Igel, Tauben, Krähen, Greifvögel (Falkner ist er auch) und eben auch den einen oder anderen Fuchs. Er hat alle diese Viecher verarztet, aufgepäppelt (notfalls auch eingeschläfert) und möglichst wieder ausgewildert. Bei dem einen Jungfuchs, den ein Nachbar leicht verwundet in seinem Garten aufgelesen hatte, gestaltete sich die Auswilderung indes schwierig, weil der Fuchs schnell zahm wurde. Es gibt herrliche Fotos, wie der Fuchs mit den Terriern auf der Wohnzimmercouch herumlümmelt, zusammengerollt auf dem Schoß seines Pflegers ratzt oder die Erdbeerbeete im Garten plündert. Aber der Fuchs wurde größer, unternahm immer längere Ausflüge, blieb das erste Mal und dann immer öfter über Nacht weg und war schließlich erst Tage, dann Wochen am Stück unterwegs. Er schaute aber immer wieder bei seinen zwei- und vierbeinigen Freunden vorbei. Jahr für Jahr, bis er irgendwann für immer ausblieb.

Seitdem schießt er, wie gesagt, keine Füchse mehr. Ähnliche Auswirkungen könnte für den einen oder anderen vielleicht die Begegnung mit Ayla the Fox haben: Ayla wurde als erst wenige Wochen altes Fellknäuel von der Norwegerin Silje Fjell aus einer Pelztierfarm gerettet (auf welche Weise dies geschah, erfahren wir leider nicht) und, wie die FAZ schreibt, die diese schöne Geschichte aufgegabelt hat, „vor dem schrecklichen Schicksal bewahrt, als Fellmütze oder Mantelkragen zu enden.“ Inzwischen hat Füchsin Ayla einen eigenen Instagram-Account mit über 62.000 Followern – und fantastischen Naturaufnahmen aus Norwegen, wo Ayla mit ihrer Besitzerin herumstreifen darf. Silje Fjell hat bei Instagram übrigens nur einen Bruchteil der Follower von Ayla. Auch einen YouTube-Kanal mit Fuchs-Videos gibt es.

Es sind beeindruckende Bilder und Videos, die den einen oder anderen Raubwildjäger vielleicht wirklich beim nächsten Ansitz beschäftigen. Natürlich wäre es nicht wünschenswert, wenn die Fuchsjagd aus sentimentalen Gründen eingestellt werden würde, schließlich ist die im Interesse von Niederwild, Bodenbrütern, Junghasen und vielen anderen bedrohten Arten unbedingt erforderlich. Auch gegen eine schöne Fellmütze oder einen selbst geschossenen Muff ist nichts einzuwenden.

Was aber, wenn es nach mir ginge, gern unterbleiben und aussterben dürfte, ist diese unreflektierte Skrupellosigkeit, die manche Weidleute alter Schule gegenüber dem verhassten „Raubzeug“ immer noch an den Tag legen: Da brüsten sich Leute mit gewagten Weitschüssen über 200 Meter auf das winzige, sich bewegende Ziel, die auf dem Schießstand auf 100 Meter sitzend aufgelegt keinen vernünftigen Streukreis hinkriegen. Da wird sich auf Drückjagden auf den hochflüchtigen Fuchs „versucht“, der, wenn er dann zu Brei geschossen zur Strecke kommt, unbeachtet auf dem Streckenplatz liegenbleibt und von den Treibern entsorgt wird. Und natürlich nicht nachgesucht wird, wenn man ihm doch nur einen Lauf oder den Fang zerschossen hat.

Die Bilder von Silje Fjell erinnern daran, dass der Fuchs, wie jedes Wild, das wir erlegen, um es zu verzehren oder auf andere Weise zu verwerten, ein faszinierendes, wunderschönes Tier mit einem ganz eigenen Wesen ist. Er verdient Achtung und Respekt, schon weil er – anders als die in Gefangenschaft geborene Ayla – in der Natur ohne Haus, Auto, Heizung und Smartphone überleben kann. Er hat ein Anrecht auf anständige, weidgerechte Behandlung und einen schnellen, sauberen Tod – ob in der Falle, durch die Kugel oder Schrot. SE

Beitragsbild: Instagram-Seite aylathefox. (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

Ein Gedanke zu „Mein Freund, der Fuchs

  1. Bunke

    Danke für diese Zeilen und eine andere Sicht der Dinge. Vielleicht denkt der ein oder andere mal darüber nach, bevor er wieder gedankenlos raufflackt.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.