Mecklenburg-Vorpomern: Programm zur Schwarzwildreduzierung vorgestellt

25 Euro Aufwandsentschädigung für erlegte Bachen und Frischlinge bis 25 kg – 25 Euro pro Jagdtag für Hundeführer – Frischlinge bis 25 kg werden Erlegern im Forst geschenkt

Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus stellte heute einen Plan von Maßnahmen zur Reduzierung der Schwarzwildpopulation in Mecklenburg-Vorpommern vor.
„Die drastische Reduzierung der Schwarzwildbestände ist eine ganz entscheidende Maßnahme zur Verringerung der Gefahr, die von einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest ausgeht“, sagte er. Bei Ausbruch der von Wild- auf Hausschweine übertragbaren Afrikanischen Schweinepest (ASP) drohen Hausschweinehaltungen, Schlacht- und fleischverarbeitenden Betrieben im Land existenzielle wirtschaftliche Einbrüche. „Ich appelliere an die Jägerschaft, an Landwirte und Naturschützer, sich ihrer Verantwortung beim Thema ASP zu stellen“, so der Minister.

Backhaus hatte mit Unterstützung der SPD- und der CDU-Fraktionen im Landtag Mitte Oktober 2017 das Bereitstellen von Landesmitteln zur Bekämpfung der ASP-Gefahr und zur Reduzierung der Schwarzwildbestände gefordert und eine Taskforce mit der Erarbeitung entsprechender Maßnahmen betraut. Heute dankte er den beteiligten Regierungsfraktionen für ihre Unterstützung bei der Abstimmung über Landesmittel für ein auf zwei Jahre angelegtes Sofortprogramm zur ASP-Verhinderung in Höhe von 2 Millionen Euro.


Aufgewendet werden die Mittel maßgeblich für den vermehrten Abschuss von Wildschweinen. „Ich erwarte, dass sich die Strecke im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre um 20 Prozent auf 80.000 Stück Wildbret erhöht“, erklärte der Minister. „Dafür schaffen wir Anreize.“ So erhalten Jäger für das Erlegen von Frischlingen mit einem Gewicht bis 25 Kilogramm und für den Abschuss von älteren Bachen, deren Frischlinge keiner Führung mehr bedürfen, 25 Euro Aufwandsentschädigung je Tier. Damit soll ein deutlich höherer Anteil an Zuwachsträgern beim Schwarzwild erreicht werden, als in der Wildbewirtschaftungsrichtlinie vorgesehen. Mit 25 Euro je Jagdtag honoriert wird auch der Einsatz von Hundeführern mit Jagdhunden bei revierübergreifenden Jagden. Das im Zeitraum vom 11. Januar bis 31. Juli geltende Drückjagdverbot wird zur Erreichung einer wirksamen Bestandsreduzierung beim Schwarzwild für die kommenden drei Jahre ausgesetzt. Für Einladungen durch die Forst- und Nationalparkämter an private Jäger zur Beteiligung an Drückjagden nach dem 11.01.2018 entfällt das Erheben von Standgebühren und Jagdbetriebskostenbeiträgen.
Intensiviert wird die Schwarzwildjagd auch in den Nationalparken und Renaturierungsgebieten aus Seuchenpräventionsgründen.

„Als Dank an die Jagdbeteiligten werden in Forst- und Nationalparkämtern Frischlinge mit einem Gewicht von bis zu 25 Kilogramm aufgebrochen kostenfrei an die Erleger oder Jagdhelfer abgegeben“ erläuterte der Minister. Aufgrund ihrer geringen Vitalität gelten Frischlinge als die anfälligste Altersklasse gegenüber Krankheiten. Zudem tragen Frischlingsbachen ab dem Alter von acht Monaten bereits zum Anwachsen der Population bei.

Backhaus verwies auf das von Behörden, Jägern, Land-  und Forstwirten unterzeichnete Schwarzwildpositionspapier, das bereits 2009 Maßnahmen zur Schwarzwildreduzierung zusammenfasste. Landwirte seien in der Pflicht, etwa Bejagungsschneisen anzulegen, kleinflächigeren Mais oder Rapsanbau zu betreiben oder Erntemaßnahmen mit der Jägerschaft abzustimmen, um Schwarzwild besser bejagen zu können.

Der Minister verdeutlichte nochmals die dramatischen Folgen, die Schweinehaltern im Fall eines ASP-Ausbruchs drohten. Allein in MV wären 200 Betriebe mit rund 830.000 Schweinen vom Verlust ihres Tierbestands bedroht. Mehr als 40 Schlacht- und fleischverarbeitende Betriebe mit rund 3.700 Beschäftigten und einem Umsatz von 980 Millionen Euro könnten von Umsatzeinbrüchen und Schweinefleisch-Exportverboten betroffen sein. PM

Beitragsbild: Erlegtes Wildschwein. Foto: SE

6 Gedanken zu „Mecklenburg-Vorpomern: Programm zur Schwarzwildreduzierung vorgestellt

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Wenn man die Sache nüchtern betrachtet, kommt die Zahlung von Erlegungsprämien einer jagdlichen Bankrotterklärung gleich. Zudem wird im Zweifelsfall die Prämie für das Totschießen adulter Bachen tierschutzrelevante Folgen (§ 22 (4) Bundesjagdgesetz) haben, ganz abgesehen von den negativen Begleiterscheinungen für die Sozialstruktur der Wildschweinrotten. Was mit Blick auf ASP-Prophylaxe für Schwarzwild gilt, trifft in gleicher Weise auf Hausschweinbestände zu. Warum zahlt man nicht Schlachtprämien, um die Irrsinnszahlen von Hausschweinen zu reduzieren, die in Großbetrieben zusammengepfercht „leben“ müssen ? Wir produzieren in Deutschland deutlich mehr Schweinefleisch, als wir selbst verbrauchen.
    Die in MV vorgesehenen Maßnahmen sind gut gemeint. Das von Backhaus gesteckte Ziel (80.000 gestreckte Sauen pro Jahr) wird dadurch vermutlich nicht erreicht. Nach wie vor fehlt bei der Jägerschaft die Einsicht, dass die frühe und scharfe Frischlingsbejagung der einzig vernünftige Weg zur Reduktion der Schwarzwildbestände ist. Dabei ist die Sache doch ganz einfach, wie man an folgendem Beispiel sehen kann. Man geht von 10 Sauen aus, die jedes Jahr zusammen 20 Frischlinge bringen. Wenn es gelänge, jedes Jahr alle Frischlinge zu erlegen bevor sie selbst geschlechtsreif werden, stirbt der Bestand von 10 Sauen im Lauf weniger Jahre aus, weil von unten nichts mehr nachwächst. Wenn man zudem weiß, dass viele Frischlingsbachen bereits im zarten Alter von fünf Monaten geschlechtsreif werden und in guten Jahren fast die Hälfte des gesamten Nachwuchses bringen, dann ist doch klar, wo jagdlich vorrangig eingegriffen werden muss. Ältere Bachen haben eine erheblichen Teil ihrer Lebensreproduktionsleistung schon erbracht. Erlegt man eine Frischlingsbache, verhindert man deren gesamte späterer Reproduktionsleistung. Und da ja nur etwa jeder zweite erlegte Frischling weiblich ist, muss man eben so viele Frischlinge wie möglich strecken. Ganz ähnlich liegt die Sache bei Überläufern. In aller Regel werden wegen der „Wanderlust“ der Überläuferkeiler deutlich mehr männliche als weibliche Überläufer erlegt. Die im Winter oft gut anzusprechenden beschlagenen Überläuferbachen werden hingegen bewusst geschont. Dabei bringen die gut ein Drittel des gesamten Nachwuchses. Ältere Bachen spielen „bevölkerungspolitisch“ keine tragende Rolle mehr.
    Das Verwertungsargument muss endlich aus den Jägerköpfen verbannt werden. Es müssen auch und gerade Frischlinge früh erlegt werden, die nicht verwertbar sind. In diesem Punkt wird die aktuelle Regelung in MV keine Änderung herbeiführen. Auch der Frischlingsfang ist ein wirksames Mittel gegen zu hohe Sauenbestände, und obwohl wir die Fangjagd an anderer Stelle zu Recht mit Zähnen und Klauen verteidigen, tun wir uns beim Fang von Sauen so schwer.
    Und was der Minister vollständig ausgeklammert hat: Die Landwirte müssen uns Jägern auch Möglichkeiten schaffen, die Sauen im Feld zu bejagen. In unseren monotonen Riesenschlägen ist das kaum möglich. Mit gleicher Dringlichkeit sind Bejagungsschneisen zu fordern!

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  2. Grimbart

    Auch einen Frischling kann man verwerten, wenn man denn will. Hase und Kaninchen sind kleiner und werden auch gegessen. Ist natürlich mühsamer wegen der Trichinenschau. Deswegen sollte diese bundesweit kostenlos sein. Meinen Kindern habe ich gesagt, jetzt machen wir es wie Asterix und Obelix, heute grillen wir ein ganzes Wildschwein. Geht!

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    1. Keule

      Wenn Sie einem ausführlichen, mit guten Argumenten gespickten Kommentar nicht weiter entgegen zu setzen haben, als ein bisschen Gepöbel, könnten Sie es auch gleich sein lassen.

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  3. Jörn Schmolke

    jawina.de bringt ein recht ausführliches Spektrum aus der journalistischen „Jagdwelt“ vor unsere Augen. Ausser dem MV-Programm habe ich hier noch nicht allzuviel aus den anderen Bundesländern gelesen. Herr Pfannenstiel hat sicherlich mit vielen Ausführungen Recht, man kann aus wildbiologischer Sicht gut folgen. Ob nun der MV-Minister Backhaus Erfolg haben wird mit seinem Programm oder nicht, eines ist sicher: Er versucht, der ASP entgegen zu wirken.
    Vor einigen Jahren, ich war noch in MV wohnhaft und berufstätig, konnte ich mit Minister Backhaus an einem Tisch sitzen. Dabei war live zu verfolgen, in welchem ernsthaften Maße er zusammen mit seinen Mitarbeitern versuchte, pragmatische Überlegungen anzustellen und zügige Lösungen herbei zu führen. Da sag ich mal: Lieber 100 % geben und 50 % Erfolgsquote als nur reden, reden, reden, aber keine Lösungen bzw. Lösungsansätze im Koffer. Insofern ist das heute hier sicher ein Schritt in die richtige Richtung.

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  4. René Witkowski

    Dieses Programm subventioniert lediglich die Forst. 90 Prozent der Frischlinge haben derzeit 30 bis 45 kg. Sie fallen nicht unter die Prämie. Aus Gründen der Weidgerechtigkeit, wird der Bachenabschuss auch auf einem geringen Level bleiben. Die Prämien werden sich also in Grenzen halten.
    Die Entschädigung für Hundeführer ist ein längst überfälliger Schritt der Forst. Es finden sich nämlich kaum noch Hundeführer. Warum auch, wenn man letztlich auf den Kosten ggf. auch Tierarztkosten sitzen bleibt. Jetzt bekommt die Forst das Geld dafür vom Land.
    Das großzügige Verschenken von Frischlinge bis 25 kg ist ein Witz. Der Wildhändler gibt dafür 0,60 Euro pro kg. Wenn die Forst die 25 Euro Prämie kassiert und die Sau verschenkt, macht sie dabei noch plus.
    Letztendlich wird sich die Forst auch noch die entgangenen Stand Gebühren und Abschussentgelte vom Land bezahlen lassen. Irgendwo müssen die 2Mio ja bleiben.
    Wirklich was konstruktives ist bisher also nicht rausgekommen.
    Aufhebung von Kirrbeschränkungen, Nutzung von künstlichen Lichtquellen oder Nachtzieltechnik, Auflagen für Landwirte zur Anlage von Bejagungsschneisen, zwingende Einbindung der großen Eigenjagden – alles Fehlanzeige. Für mich ist das bisher reine Propaganda.

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