M-V: Backhaus verteidigt Zehn-Punkte-Programm gegen Wildschweine und Jagdrechtsanpassung

Nachdem einige Jäger in Mecklenburg-Vorpommern dem Umwelt- und Landwirtschaftsministerium des Landes die Gefolgschaft bei der Eindämmung der Wildschweinpopulation wegen eines zu befürchtenden ASP-Ausbruchs verweigern, hat Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) die Maßnahmen verteidigt: „Die angekündigten Maßnahmen zur Reduzierung des Schwarzwildbestandes im Land sind nicht Ausdruck einer aufgeheizten Hysterie, sondern angesichts des unvorstellbaren Schadenspotenzials der Afrikanischen Schweinepest unumgänglich.“ Das sagte Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus gestern im Schweriner Landtag. Der Minister verwies auf einen jährlichen Zuwachs an Wildschweinen von 200 bis 300 Prozent gegenüber dem Frühjahrsbestand. Schwarzwild gilt als potenzieller Überträger der Afrikanischen Schweinepest ASP, gegen die noch kein wirksamer Impfstoff auf dem Markt ist. Die Krankheit war 2017 in die drei baltischen Staaten und Polen vorgedrungen; die Zahl der Ausbrüche bei Wild- und Hausschweinen in den betroffenen Gebieten der Ukraine, im Baltikum, in Polen, Tschechien und Rumänien hatte sich mit 2632 Fällen gegenüber 2016 mehr als verdoppelt.

Das von Backhaus Anfang November vorgestellte Sofortprogramm zur Schwarzwildreduzierung, für das die Landesregierung für 2017 und 2018 2 Millionen Euro bereitstellt, umfasst folgende zehn Punkte:

Erstens wird das vom 11.01. bis 31.07. geltende Drückjagdverbot für drei Jahre ausgesetzt.

Zweitens sollen revierübergreifende Drückjagden forciert und durch die Forst- und Nationalparkämter koordiniert werden.

Drittens muss die Anzahl der Drückjagden in den Forst- und Nationalparkämtern erhöht werden.

Viertens liegt der Schwerpunkt der Schwarzwildbejagung auf dem Abschuss von Frischlingen und reproduzierenden Bachen.

Fünftens werden die Freigabebeschränkungen für Bachen auf gemeinschaftlichen Jagden aufgehoben – mit Ausnahme geschützter Muttertiere mit gestreiften Frischlingen.

Sechstens wird es Ausnahmen von Jagdbeschränkungen in Schutzgebieten geben.

Siebentens wird der Verzicht auf Standgelder und Jagdbetriebskosten bei Jagdbeteiligungen in den Forstämtern geprüft.

Achtens wird mit der unentgeltliche Abgabe von erlegten Frischlingen bis 25 kg Gewicht (aufgebrochen) an den Erleger oder die Jagdhelfer durch die Forst- und Nationalparkämter ein Jagdanreiz geboten.

Neuntens wird mehr Geld in Fortbildungsmaßnahmen für Jäger und Landwirte fließen, insbesondere um die gegenseitige Unterstützung zu verbessern.

Zehntens wird ab 1.12.2017 als finanzieller Anreiz eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 25 Euro gewährt, und zwar:

Ø  beim Fund und der Beprobung eines kranken oder verendeten Stück Schwarzwildes

Ø  für jeden erlegten Frischling bis 25 kg Gewicht (aufgebrochen)

Ø  für jede erlegte nichtführende Bache ab dem Alter von 2 Jahren

Ø  für jeden auf einer revierübergreifenden Drückjagd eingesetzten leistungsgeprüften (brauchbaren) Jagdhund

Abgesehen von den Sofortmaßnahmen sei die Landesregierung seit längerer Zeit dabei, die jagdrechtlichen Rahmenbedingungen zu verbessern. „Allerdings werden hier andere Rechtskreise, z. B. das Waffenrecht, berührt, so dass eine Anpassung nicht von heute auf morgen umsetzbar ist“, so Backhaus. Eine Ausnahme vom Verbot künstlicher Lichtquellen etwa bei der Kirrung lehnte er ab; Vermeidungseffekte durch das Wildschwein seien die Folge, die die Jagd nur erschwerten.

Der Minister mahnte bei Tierhaltern die Einhaltung der Schweinehaltungshygieneverordnung an. Der Kontakt zwischen Wild- und freilebenden Hausschweinen müsse unterbunden werden, schweinefleischhaltige Produkte dürften nicht an Hausschweine verfüttert, Wildschweinen müsse der Zugriff auf Speiseabfälle unmöglich gemacht werden, um den Ausbruch der Seuche zu verhindern. Bei einem ASP-Ausbruch wären im Land mehr als 200 Betriebe mit rund 830.000 Schweinen vom Verlust ihres Tierbestandes bedroht. PM

Beitragsbild: Bache – weibliche Wildschweine sollen als Zuwachsträger verstärkt bejagt werden. Foto: SE

2 Gedanken zu „M-V: Backhaus verteidigt Zehn-Punkte-Programm gegen Wildschweine und Jagdrechtsanpassung

  1. Paul

    wie wäre es denn, das die JAGDGEGNER den Kampf gegen die Seuche a n f ü h r e n .bzw durchführen. Die Jagd ist doch (angeblich) völlig unnötig, weil sich die Natur von selbst regelt.

    Die JAGDGEGNER haben nun die Chance, .. d a s .. zu beweisen …..?????!!

    >> ist zwar Quatsch, aber ähnlich d e r e n POLEMIK…..

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  2. J. Körner

    Komisch, daß immer nur wenn finanzielle Einbußen (hier in der landwirtschaftlichen „Massentierhaltung“) drohen Maßnahmen ergriffen werden…
    Wenn aber Landeigentümer über die Tolerierung einer Raubtierart entscheiden wollen diese Einstellungen kriminalisiert werden. Wölfe und Luchse sind zwar keine Seuche, aber der einzelne Landeigentümer hat leider keinen Einfluß (mehr) auf eine Bejagung oder Nichtbejagung von Tierarten auf seinem Besitz.

    Man könnte auch argumentieren, daß die ASP die Schwarzwildbestände auf natürliche Art regulieren könnte.
    Dann müßte sich der finanziell gebeutelte Revierpächter keine Sorgen mehr um Schwarzwildschäden mehr machen. Keine nächtlichen Ansitze mehr, weniger Erkältungen und Infektionen mehr bei denen die Krankenkassen genötigt sind diese Heilbehandlungen kostenpflichtig behandeln zu lassen.
    Schwarzwildgatter können abgeschafft werden, geschlagen Hunde gehören der Vergangenheit an, Untersuchung auf radioaktive Belastung (in betroffenen Gebieten) entfallen.
    Die Schweneinefleischpreise steigen endlich dorthin wo sie hingehören, nämlich in unbezahlbare Regionen, des „Volkes Gesundheit“ wird entscheidend verbessert, und, und, und …
    Die ASP hat dann doch nur Vorteile. Warum sich noch Sorgen machen?
    Wir haben doch eine von Oben angeordnete „Willkommenskultur“, warum nicht „Willkommen ASP!“? Wir als Jäger könnten uns doch mit dieser Vorderung ganz weit vorn platzieren. 😉

    PS für die Verkniffenen: Teile meines Kommentars dürfen und müssen als Satire aufgefasst werden. Ich mag Schweine, kross vom Grill oder würzig aus der Röhre.

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