Laute Jagd in Unterfranken

Gemeinsame Anlagenprüfung der Brackenzuchtvereine

Das Wappen des fränkischen Städtchens Haßfurt ziert ein goldener Hase. Ob es sich dabei nur um einen heraldischen Bezug zum Ortsnamen handelt oder ob die Region in Unterfranken schon damals für seinen Hasenreichtum bekannt war, soll hier nicht weiter ausgeführt werden. In jedem Fall gab es am 7. April reichlich Hasen, als sich die Brackenzuchtvereine zu ihrer dritten gemeinsamen Anlagenprüfung in Rügheim trafen. Der Blick über den eigenen Tellerrand schadet nicht und daher pflegen der Deutsche Brackenverein, der Deutsche Bracken-Club, der Klub Tirolerbracke und der Verein Jagd-Beagle einen regen Austausch und eine gemeinsame Prüfungsordnung. Sinn und Zweck einer Anlagenprüfung ist es, die natürlichen Anlagen der jungen Bracken zu überprüfen, um Rückschlüsse auf den Zuchtwert der Elterntiere zu gewinnen. Die Hunde dürfen zur Prüfung nicht älter als 2 Jahre sein. Auf einer Anlagenprüfung kann man nicht durchfallen oder bestehen und da man Gene nicht in Preisklassen einteilen kann, findet auch keine Prämierung statt. Zum Zeitpunkt der Prüfung soll der Einfluss des Führers noch nicht zu groß sein, womit womöglich die Anlagen überdeckt werden könnten. Im Idealfall werden hier Hunde vorgestellt, die selbstbewusst, willensstark und sicher auch über eine längere Zeit laut einer Hasenspur folgen können. Damit sich die Anlagen auch wirklich gut ausbilden, sollten die Hunde vorher schon an Hasen gearbeitet haben.

Teilnehmer-der-gemeinsamen-AP-in-Rügheim. Quelle: Christian Hohm, Verein Jagd-Beagle e.V.

Steirische-Rauhhaarbracke-Bianca-vom-Rotmaintalblick. Quelle: Christian Hohm, Verein Jagd-Beagle e.V.

Bracken sind im Allgemeinen bekannt für eine feine Nase und einen sicheren Spurlaut. Da sich die Bedürfnisse der Jäger und damit die Einsatzgebiete der Jagdhunde zunehmend ändern, verzeichnet das Brackenlager eine verstärkte Nachfrage. Diese Nachfrage kann man bedienen, wenn geeignete Hunde für die Zucht zur Verfügung stehen. Welche Hunde künftig für die Zucht eingesetzt werden, zeigt sich unter anderem in der Anlagenprüfung, deren Hauptbestandteil auf der Hasenspur absolviert wird. Denn im Vergleich zu anderen Wildarten ist die Arbeit auf der Hasenspur besonders anspruchsvoll. Der Hase hinterlässt aufgrund seines geringen Gewichts und seiner Physiologie auf der Flucht so gut wie keine Bodenverwundung und die Wittrung verfliegt relativ schnell. Bei Jagdhunden trennt sich hier sehr schnell die Spreu vom Weizen. Von ihrer besten Seite zeigt sich eine gut veranlagte Bracke, wenn sie länger als 5 Minuten hartnäckig der Hasenspur in deren Duftbereich folgt. Den Hasen selbst darf der Hund natürlich nicht gesehen haben. Der Laut soll einsetzen, sobald die Bracke die Fährte sicher aufgenommen hat. Kommt sie von der Fährte ab muss der Laut abbrechen. Der Fährtenverlauf muss akustisch am Laut nachzuvollziehen sein.

Beagle-Adam-vom-Justenberg. Quelle: Christian Hohm, Verein Jagd-Beagle e.V.

Der Einladung des Deutschen Brackenvereins kamen in diesem Jahr insgesamt 14 Gespanne folgender Rassen nach: Beagle, Brandlbracke, Deutsche Bracke, Steirische Rauhhaarbracke, Tirolerbracke und Westfälische Dachbracke. Geprüft wurde in 3 Gruppen in den Revieren Rügheim und Holzhausen. Für das Wetter sind bekanntlich ja die Gäste verantwortlich und die haben an diesem Wochenende alles richtig gemacht. Nach einer kühlen Nacht begrüßte Prüfungsleiter Andreas Meyer (DBV) die Teilnehmer im strahlenden Sonnenschein. Die Bedingungen konnten für eine derartige Prüfung kaum idealer sein. Die Vegetation auf den Feldern wartete mit dem Wachstum noch auf den Frühling, sodass man die Arbeit der Hunde weit verfolgen konnte. Bei großflächigen, monotonen Agrarsteppen ist man in Rügheim noch nicht angekommen. Die Feldfrüchte wechseln und werden durch Wiesen und Hecken aufgelockert. Das allein wird aber noch nicht der Grund sein, für die sehr guten Niederwildbesätze. Eine attraktive Reviergestaltung und ein engagiertes Raubwildmanagement tragen sicher auch dazu bei. An dieser Stelle gilt der besondere Dank den Revierinhabern, die ihre Reviere für diese Prüfung zur Verfügung stellten. Das ist durchaus nicht selbstverständlich. Beim Ruf nach brauchbaren Hunden für die Arbeit vor- und nach dem Schuss vergisst man andernorts sehr schnell, woher diese Hunde eigentlich kommen. Und das dafür vielleicht auch mal der brav gehegte Rehbock noch kurz vor dem Mai über die Grenze gejagt wird, betrachten manche Waidmänner eher argwöhnisch.

Tirolerbracke-Apollo-vom-Leidelsbach. Quelle: Christian Hohm, Verein Jagd-Beagle e.V.

Es würde an dieser Stelle viel zu weit führen, die Arbeit der einzelnen Hunde hier zu erläutern. Wir konnten wunderbare Arbeiten sehen, bei denen Hunde teilweise länger als 10 Minuten laut auf einer Hasenspur arbeiteten. Wir haben Führer erlebt, die sportliche Höchstleistungen beim Versuch erbrachten, ihren Hund wieder an die Leine zu bekommen. Manch ein Hund hatte sich im Fährtenverlauf dann doch noch einmal für attraktivere Rehwildfährten entschieden. Es waren aber auch Hunde dabei, wo sich die Anlagen nicht so ausgeprägt zeigten, wie sich die Zuchtvereine das wünschen. Eines war aber nach der Prüfung allen klar: Es gibt nicht die eine, beste Brackenrasse! Es ist immer der einzelne Hund, der herausragende Leistungen zeigt oder bisweilen enttäuscht. Wer sich für Bracken interessiert, der macht es am besten so wie die zahlreichen Gäste in diesem Jahr und verschafft sich selbst ein Bild von der Arbeit der Hunde.

Am ersten Samstag im April 2019 werden die Brackenzuchtvereine mit ihren jungen Hunden wieder in Rügheim sein. Selbstverständlich gibt es weitere zahlreiche Möglichkeiten mit den Vereinen in Kontakt zu kommen und sich über die Arbeit der Hunde zu informieren. Die nächste Gelegenheit in die gemeinsame Verbandsfährtenschuhprüfung im Hochspessart am 30. Juni, wo die Nachsuchenspezialisten ihr Können zeigen. Ferner bieten alle Zuchtvereine in den Regionalgruppen Übungstage und Treffen an, zu denen Gäste stets willkommen sind. Fühlen sie sich herzlich eingeladen! Christian Hohm, Verein Jagd-Beagle e.V.

Beitracksbild: Deutsche-Bracke-Aspe-vom-Klosterholz. Quelle: Christian Hohm, Verein Jagd-Beagle e.V.

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