Japan: Gemeinden werben um Jäger

Gemeinden in der Präfektur Yamagata im Norden Japans bieten Workshops an, auf denen das Interesse für die Jagd geweckt werden soll. In Japan geht das Interesse an der Jagd seit langem zurück, der Altersdurchschnitt in den Jagdgesellschaften steigt. Waren im Jahr noch 500.000 Jäger in Japan lizensiert, so fiel die Zahl bis zum Jahr 2009 auf nur noch ca. 190.000. Keine gute Entwicklung, denn die Folgekosten sind enorm: Allein in der Präfektur Yamagata summierten sich die Wildschäden auf etwa 580 Millionen Yen (ca. 4,4 Millionen Euro). Ein großer Teil des Wildschadens entstand an für die Präfektur typischen Agrarerzeugnissen wie Kirschen, wie japantoday.com berichtet. Gemeinsam mit dem örtlichen Jagdverband organsiert die Gemeindeverwaltung nun Workshops, um das Interesse an der Jagd (wieder )zu erwecken.

Bei den Workshops berichten laut japantoday.com gestandene Jäger interessierten Bürgern von ihren Erfahrungen bei der Jagd und zeigen, wie man Jagdgewehre handhabt. Natürlich gibt es auch Wildspezialitäten zu verkosten: Braunbär und Ente vom Grill aus lokalen Revieren. „Das ist lecker“, kommentierte ein Besucher die ungewohnten Gaumenfreuden: „Zarter, als ich erwartet habe.“ Auf einen Zwanzigjährigen, der den Workshop gemeinsam mit seiner Freundin besucht hat, ist das Jagdbazillus schon übergesprungen: „Ich habe hier ein Gefühl für die Jagd bekommen“, zitiert ihn die News-Seite, „Ich würde gerne in der Natur jagen gehen.“

Die Bemühungen der Präfektur Yamagata, Jägernachwuchs anzuwerben, sind bereits von Erfolg gekrönt: Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1991 war mit 113 Weidmännern eine dreistellige Zahl von Jägern in der Gemeinde registriert. Auch in den Präfekturen Aomori, Kagawa und Tottori gibt es Programme, bei denen Jagdinteressierte praktische Jagderfahrungen sammeln können: Sie begleiten Jäger auf Jagden, lernen erlegte Stücke zu verarbeiten und üben sich in der Handhabung der Jagdausrüstung.

Für Jagdverbände und Gemeinden ist es eine Win-win-Situation: Die Gemeinden freuen sich über die Eindämmung von Wildschäden, die Jagdverbände über neue, junge Mitglieder. SE

Beitragsbild: Internetseite des japanischen Jagdverbands Dainihon Ryoyukai, der die Zusammenarbeit mit den Präfekturen begrüßt. (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

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