Jäger fordern Reiterführerschein, Gesundheitschecks für Reiter und Pferdesteuer

Ein Jäger erschießt ein Islandpferd. Es ist ein Fall von krassem individuellen Fehlverhalten, das durch strengere Regeln kaum verhindert werden kann. Warum rufen immer alle reflexartig nach neuen Verboten und schärferen Gesetzen? Zumal gerade die Reiter vorsichtig sein sollten, denn allzu leicht lassen sich deren Forderungen nach strengerer Reglementierung kontern – eine Revanche.

Wer kennt sie nicht: Rücksichtslose und pampige Zeitgenossen hoch zu Ross, die sich bei ihren Ausritten aufführen, als gehörte das ganze Land ihnen. Reiter, die auf ausdrücklich gesperrten Wegen an Spaziergängern vorbeisprengen, abseits der Wege durch Wildeinstände und Dickungen reiten, über frisch eingesäte Äcker und bewirtschaftete Wiesen galoppieren, ihre Pferde nicht im Griff haben und anderen die Schuld daran geben. Reiter, die gerade gegenüber dem bösen Jäger eine Unfreundlichkeit und Arroganz an den Tag legen, dass es einem die Sprache verschlägt. Da werden die Pferde auf die Koppeln gestellt, gerade weil und wenn Jagden stattfinden (das ist schließlich unser Recht, wir bezahlen doch auch Pacht…), da muss ausgerechnet in den frühen Morgen- und späten Abendstunden im Wald ausgeritten werden, wenn und weil der Jäger ansitzt. Zertrampelte Wege, gesundheitliche Gefahren durch unhygienischen Pferdekot auf Straßen und Bürgersteigen, Tierquälerei in Pferdehaltung und Reitsport – es muss etwas geschehen!

Angesichts des krassen Fehlverhaltens vieler Reiter sind strenge gesetzlichen Regelungen unumgänglich: Dringend erforderlich ist ein amtlich vorgeschriebener Reiterführerschein, durch den die Qualifikation zum Geländereiten nachgewiesen werden muss. Zu favorisieren ist dabei ein Prüfungs- und Führerscheinsystem mit sorgfältig abgestimmten, aufeinander aufbauenden Modulen, wobei das nächsthöhere Modul jeweils erst nach dreijähriger Praxis (entsprechende Nachweise sind einzureichen) abgelegt werden kann. Der Basisführerschein (Voraussetzung 16. Lebensjahr, DRA IV, 15 teure Pflichtstunden mit theoretischer und praktischer Prüfung…) würde demnach zum Schrittreiten in Begleitung berechtigen, kostenpflichtige Aufbauseminare dann zum alleine Ausreiten, Trab, Galopp etc. Außerdem wären (kostenpflichtige) amtliche Kennzeichen für Reiter und Pferde zu fordern, damit man sie bei Zuwiderhandlungen anzeigen kann, der Verwaltungsaufwand für all das müsste natürlich mit einer Pferdesteuer finanziert werden.

Aus Tierschutzgründen ist überdies die regelmäßige Überprüfung der physischen Eignung von Reitern zu fordern: Wie viele Reiter und Reiterinnen gibt es, die auf gar keinen Fall auf einem Pferd sitzen dürften? Weil sie z.B. viel zu fett sind? Viel zu unbeweglich oder völlig talentfrei, weil sie schlicht nicht reiten können und es auch nie lernen werden und sich nicht mal bemühen, etwas dazuzulernen? Die ihrem armen Pferd bei jedem Trabtritt in den Rücken plumpsen, sich an den Zügeln festhalten, es jahrelang mit weggedrücktem Rücken reiten, bis die Spines sich knutschen? Oder drei Monate lang ein lahmendes Pferd reiten, weil sie es gar nicht merken und außerdem auch gar kein Geld für den Tierarzt haben? Jeder Reiter weiß: Das gibt es alles, da muss man auch nicht lange suchen und es ist ganz klar übelste Tierquälerei – und Tierschutz hat Verfassungsrang. Da muss eine regelmäßige (selbstverständlich gebührenpflichtige) amts- und veterinärärztliche Begutachtung inkl. Vorreiten her, und wer die strengen Kriterien nicht erfüllt, muss ein im Amtsblatt veröffentlichtes Reitverbot verordnet bekommen.

Strengster staatlicher Überwachung und Reglementierung ist insbesondere auch der Turnierreitsport zu unterstellen. So sind beispielsweise „Turnierreiter“, die ihrem Pferd artgerechte Weidehaltung verweigern, weil es ja aufgrund der gelegentlichen Teilnahme an Feld-, Wald- und Wiesenturnieren in den Klassen A und L ein „Turnierpferd“ sei, mit einem lebenslangen Pferdehaltungsverbot zu belegen. Grundsätzlich ist durch unabhängige Gutachten von Tierschutzorganisationen zu überprüfen, ob Pferdesport in den höheren Klassen z.B. im Bereich Springen, Dressur, Vielseitigkeit, Western- und Distanzreiten überhaupt art- und tierschutzgerecht durchführbar ist. Sollte dies verneint werden, so ist ein Verbot dieser Sportarten in Erwägung zu ziehen.

Ganz ehrlich? Für mich ist das eine Horrorvision, egal ob es ums Jagen oder Reiten geht. Man muss sich einfach entscheiden, ob man in einem Staat leben will, der jeden Lebensbereich reglementiert, überwacht, kontrolliert und abkassiert – dann kann man fleißig weiter nach weiteren Verboten, Regelungen und Einschränkungen für andere rufen, bis es einen irgendwann selber trifft – oder man sagt sich, dass Freiheit und Eigenverantwortung vielleicht doch ganz schön sind. Eigenverantwortung heißt, dass man sich selbst an die (auch ungeschriebenen) Regeln hält, dann kann man es auch von anderen erwarten und theoretisch können alle dann einigermaßen miteinander auskommen. Den Rest regelt das Gesetz. Wäre das nicht schön? SE

Dieser Beitrag beruht auf der Antwort auf einen Kommentar zum Artikel http://www.jawina.de/erschossenes-islandpferd-gestuetsbesitzer-kritisiert-jaeger/

Beitragsbild: Jäger und Reiter können prima miteinander auskommen, wenn sie ein bisschen Verständnis und Rücksichtnahme füreinander aufbringen. Als Reiter und Jäger sieht der Autor da beide Seiten in der Pflicht. Foto: SE

5 Gedanken zu „Jäger fordern Reiterführerschein, Gesundheitschecks für Reiter und Pferdesteuer

  1. Uresel Scheerenberger

    Punkt 1 : Rücksichtslose und pampige Zeitgenossen hoch zu Ross, die sich bei ihren Ausritten aufführen, als gehörte das ganze Land ihnen. Reiter, die auf ausdrücklich gesperrten Wegen an Spaziergängern vorbeisprengen, abseits der Wege durch Wildeinstände und Dickungen reiten, über frisch eingesäte Äcker und bewirtschaftete Wiesen galoppieren —- Mache ich nicht, denn ich weiß andere Menschen und denen Eigentum und Rechte zu respektieren
    Punkt 2 : ihre Pferde nicht im Griff haben und anderen die Schuld daran geben. —– Kommt für mich nicht in Frage, denn ich reite erst mit meinem Pferd vom Grundstück, wenn ich es jederzeit im Griff habe
    Punkt 3 : Reiter, die gerade gegenüber dem bösen Jäger eine Unfreundlichkeit und Arroganz an den Tag legen, dass es einem die Sprache verschlägt. Da werden die Pferde auf die Koppeln gestellt, gerade weil und wenn Jagden stattfinden (das ist schließlich unser Recht, wir bezahlen doch auch Pacht…), da muss ausgerechnet in den frühen Morgen- und späten Abendstunden im Wald ausgeritten werden, wenn und weil der Jäger ansitzt. —– Zu den Jägern hier haben wir ein sehr gutes Verhältniss, wir tauschen unds regelmäßig und oft aus. Wenn in der Nähe unserer Weide etwas von Seiten der Jägerschaft geplant ist, dann nehmen wir unsere Pferde kurz von der Weide, ist doch nicht so schlimm. Und nein, wir, ich reite-n nicht ausin den fühen Morgenstunden oder späten Abendstunden aus, wenn die Jäger ansitzen, eben weil wir uns austauschen.
    Punkt 4 : Zertrampelte Wege —— Zu zertrampelten Wegen kann ich nicht viel sagen, da die Wege entweder Asphaltiert sind, oder tiefe Fahrfurchen aufweisen, nur wenige Hufabdrücke zu sehen sind ( wir reiten allerdings auch nur selten 3-4 Mal im Jahr aus) —
    Punkt 5 : gesundheitliche Gefahren durch unhygienischen Pferdekot auf Straßen und Bürgersteigen — wir sammeln nicht nur die Hinterlassenschaften unserer Pferde ein, sondern regelmäßig aus Hinterlassenschaften anderer Pferde vor unserem Haus, das ist Ehrensache, seinen „Müll“ jeglicher Art zu beseitigen.
    Punkt 6 :Tierquälerei in Pferdehaltung und Reitsport —- Tierquälerei gibt es überall, egal wo man hinsieht, „Schwarze Schafe“ wird es immer geben !

    Deshalb eine Pferdesteuer zu fordern trifft alle Reiter, Pferdehalter, auch die die sich zu benehmen wissen. Es sollte von KEINER Seite ( gruseliges Wort, warum überhaupt verschiedene Seiten? ) pauschalisiert werden. Ein gutes Miteinander sollte gepflegt werden.
    Somit schließe ich mich dem Schlusssatz „Ganz ehrlich? Für mich ist das eine Horrorvision, egal ob es ums Jagen oder Reiten geht. Man muss sich einfach entscheiden, ob man in einem Staat leben will, der jeden Lebensbereich reglementiert, überwacht, kontrolliert und abkassiert – dann kann man fleißig weiter nach weiteren Verboten, Regelungen und Einschränkungen für andere rufen, bis es einen irgendwann selber trifft – oder man sagt sich, dass Freiheit und Eigenverantwortung vielleicht doch ganz schön sind. Eigenverantwortung heißt, dass man sich selbst an die (auch ungeschriebenen) Regeln hält, dann kann man es auch von anderen erwarten und theoretisch können alle dann einigermaßen miteinander auskommen. Den Rest regelt das Gesetz. Wäre das nicht schön? “ Voll und ganz an. Denn es trifft sonst immer die am meisten, die sich zu benehmen wissen.

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  2. Schulz

    Wenn Jäger und Reiter sich über Forderungen nach strengeren Regeln die Haare bekommen, ist das nur ein weiteres Anzeichen für die Verstädterung und/oder Engstirnigkeit der Jäger und Reiter. Das unterstützt nur Ökofaschisten, die den Menschen aus der Natur aussperren wollen. Auf dem Land kennt man sich und redet miteinander.
    P.S.: Wer zu blöd oder zu blind ist, einen Isländer von einem Wildschwein zu unterscheiden, ist zu blöd oder zu blind zum jagen.

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  3. Matten

    Weiter so mit Jawina, immer interessant, auch für „Nichtjäger“.

    Bzgl. des Artikels um die Revanche zwischen Jäger und Reitern sollte nicht so viel Öl ins Feuer kommen. Man merkt sich immer nur was schlechte Jäger, oder schlechte Reiter gemacht haben. Das sich Hunderte von Jägern und Reiter vorbildlich verhalten fällt nie auf

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    1. admin Beitragsautor

      Du hast völlig Recht: Ich bin ja auch Reiter (der auf dem Beitragsbild bin ich) und finde diesen Dauer-Clinch zwischen Reitern und Jägern total überflüssig. Mich nervt halt, dass immer nach Gesetzesverschärfungen gerufen wird. Der Typ, der das Islandpferd geschossen hat, ist mit den geltenden Gesetzen streng genug gestraft: Er verliert Jagdschein und WBK für min. 5 Jahre, er büßt seine Jagdpacht ein, wird schadensersatzpflichtig gegenüber der Jadggenossenschaft als Verpächtern, eine saftige Strafe für den Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gibt es obendrauf, ebenso wie Schadensersatz für die Pferdebesitzer. Reicht, oder?

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