IWA-Nachlese: Elektronisches Waffenhandelsbuch TTE-Waffenkartei

Ab 2019 wird es gesetzlich vorgeschrieben sein, dass bestimmte Transaktionen zwischen Waffenherstellern und –händlern an das Nationale Waffenregister (NWR) gemeldet werden. Das bedeutet beträchtlichen Mehraufwand für Händler und Hersteller durch die Umstellung auf neue Prozesse und weitere Behördenmeldungen. Denn die gesetzlichen Regelungen zum NWR sehen z.B. vor, dass künftig der gesamte„Lebenszyklus“ einer Waffe abgebildet werden soll, d.h. der vollständige Weg von Herstellung bzw. Import über verschiedene Besitzer bis hin zur Vernichtung oder Export. Da die momentan auf Waffen angebrachten Seriennummern  nicht eindeutig sind, werden zur eindeutigen Identifikation von Waffen bzw. Waffenteilen künftig sogenannte NWR-IDs (ca. 20-stellig) angewendet, die zentral vergeben werden. Gesetzlich relevante Daten wie Seriennummern zu Waffen bzw. Waffenteilen sind ebenfalls an das NWR zu senden: Es soll zu jeder Zeit klar sein, wo sich welche Waffe bzw. welches Waffenteil befindet.

Die TTE-Europe GmbH, mit Sitz in Dresden, ist ein mittelständischer IT-Dienstleister und bietet Lösungen für die Kennzeichnung, Rückverfolgung und Verwaltung von zivilen Sprengstoffen und Waffen an. Mit der TTE Waffenkartei sollen alle notwendigen Waffendaten und –Transaktionen  vollautomatisch per Mausklick an das NWR übermittelt werden können. Weitere Behördenmeldungen entfallen damit laut TTE, da die Software mit dem NWR gekoppelt ist. Den Fokus legte das Unternehmen auf einfache und intuitive Bedienung und somit leichte Umstellung vom handschriftlichen auf ein elektronisches Waffenhandelsbuch. So werden z.B. Tippfehler auf ein absolutes Minimum reduziert, da bei den verschiedenen Prozessen die Seriennummern und NWR-IDs elektronisch von A nach B übermittelt werden. Es muss deutlich weniger händisch ausgefüllt oder ergänzt werden, verspricht TTE.

TTE Waffenkartei Lagerübersicht. Screenshot: Hersteller

Die TTE Waffenkartei ist eine Online-Lösung und bietet somit einen einfachen und plattformunabhängigen Zugang über den Webbrowser. Das Waffenhandelsbuch in elektronischer Form soll eine sichere Datenspeicherung gewährleisten. Alle Berichte, Übersichten und Abschlüsse können gedruckt und somit auch weiterhin in Aktenordnern und Co. abgeheftet werden. Weitere Funktionen sind die integrierte Lager- und Bestandsverwaltung mit verschiedenen Filter- und Sortierfunktionen sowie die Stammdaten-Verwaltung. Stammdaten können aus vorhandenen Warenwirtschaftssystem bzw. aus vorhandenen Excel-Listen importiert werden.

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Viele gesetzliche Anforderungen sind TTE zufolge noch nicht vollends definiert. Das Gesetz soll erst in der zweiten Jahreshälfte 2018 verabschiedet werden. Daher kursieren momentan auch viele Gerüchte, Falschinformationen etc. zu allen möglichen Dingen, die das NWRII betreffen, meint das Unternehmen. TTE-Europe nimmt nach eigenen Angaben regelmäßig an den Konferenzen zwischen BMI, Verbänden, Großhändlern etc. teil und ist somit Up-to-Date, was die Gesetzeslage angeht. Wenn es neue Informationen gibt, können sich Interessenten per Mail durch TTE benachrichtigen lassen. red.

Beitragsbild: Bedienoberfläche (Dashboard) der TTE Waffenkartei. Aufgrund der momentan noch nicht genau definierten gesetzlichen Anforderungen ist es möglich, dass sich diese Benutzeroberfläche im Laufe des Jahres an manchen Stellen noch ändert. Der einfache Aufbau und die Übersichtlichkeit soll aber bleiben. Screenshot: Hersteller

3 Gedanken zu „IWA-Nachlese: Elektronisches Waffenhandelsbuch TTE-Waffenkartei

  1. Thomas

    Pressemitteilung vom 23.09.2020. Wie heute bekannt wurde ist in das NRW von unbekannten Hackern eingedrungen worden. Dabei wurden nach Auskunft die Daten von ~2Mio Waffen erbeutet. U.a. die Anschriften von legalen Waffenbesitzern und Haendlern, Waffenfabriakte und Seriennummern. Ausserdem wurde bekannt, dass zumindest in 6 Faellen versucht wurde Datensaetze zu manipulieren. Inwieweit das bei anderen Datensaetzen gelang, ist unbekannt, da es u.a. auch gelang auf Backups zuzugreifen und diese gezielt zu loeschen. Das Ausmass des Einbruchs wird z.Zt. noch evaluiert und gestaltet sich sehr schwierig. Es ist davon auszugehen, dass die Taeter ueber gehoeriges Insiderwissen verfuegten.

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  2. Ralf

    Wir „legalen Waffenbesitzer“ waren schon immer überprüfbar. Die „illlegalen Waffenbesitzer“ sind es nicht… Was solls….
    Im Grunde genommen Aufwand für Hersteller, Händler und Behörden- nicht für uns.

    An dieser Stelle mal die Frage in die Runde:
    Hat jeder mal die Waffennummern seiner Waffen mit den Eintragungen in der WBK abgeglichen? Ich hatte es mal gemacht und eine Abweichung festgestellt. Könnte bei der Kontrolle, aber auch beim Verkauf oder sonstiger Übereignung Probleme geben. Also besser mal überprüfen und Abweichungen der Waffenbehörde melden!

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  3. RK

    @Ralf: „Was solls…. Im Grunde genommen Aufwand für Hersteller, Händler und Behörden- nicht für uns.“ – das ist ein Fehlschluss. Der höhere Aufwand wird sich in höheren Preisen niederschlagen, der Quatsch ist steuergeldfinanziert und die Risiken (in der fiktiven Pressemeldung vom 23.09.2020 schön angesprochen) sind nicht von der Hand zu weisen… Faktenfreie symbolische Gesetzgebung ohne jegliche positive Auswirkung in der Praxis. #wirschaffenunsab

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