Horstzerstörungen: „Dauerhafte Tabuzonen für Windenergieanlagen errichten“

Bettina und Norbert Kern haben zerstörte Greifvogelhorste in Windenergie-Planungsgebieten in der Umgebung der Gemeinde Ivenack (Mecklenburg-Vorpommern, Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) dokumentiert. JAWINA hat mit den Naturschützern und Hobby-Ornithologen gesprochen.

Ein intakter Horst bei Ivenack Beitragsbild oben) und die Überreste des zerstörten Horsts. Fotos: B. u. N. Kern

JAWINA: Wie sind Sie auf illegale Nestzerstörungen in Ivenack aufmerksam geworden?

Bettina und Norbert Kern: Insgesamt waren es sieben verschwundene Horste in unserer Region. Diese Region wurde von einigen Leuten aus unserer Bürgerinitiative ehrenamtlich kartiert und die Horststandorte an die dementsprechenden Behörden weitergeleitet. Durch regelmäßige Kontrollen in den folgenden Jahren wurde das Fehlen der Horste bemerkt. 2015 verschwand ein Rotmilanhorst, 2016 verschwanden zwei Rotmilanhorste, ein Schreiadlerhorst, ein Bussardhorst und ein Horst ohne Zuordnung der Besetzung. 2017 verschwand ein Bussardhorst. Insgesamt also sieben Horste.

JAWINA: Wie sind Sie dagegen vorgegangen, was raten Sie Betroffenen vor dem Hintergrund Ihrer Erfahrungen?

Bettina und Norbert Kern: Wir haben eine Meldung an die Untere Naturschutzbehörde (UNB) in allen sieben Fällen gemacht. Die verschwundenen Horste aus dem Jahr 2016 wurden zusätzlich bei der Staatsanwaltschaft in Neubrandenburg angezeigt. Bei dem Horst aus 2017 erfolgte eine polizeiliche Anzeige und eine Anzeige bei der UNB.

Wir raten grundsätzlich, sofort eine polizeiliche Anzeige zu tätigen und darauf zu bestehen beziehungsweise durchzusetzen, dass sofort eine Spurensicherung erfolgt. Des Weiteren sollte der Horst dokumentiert sein, besser noch kartiert und das Horstverschwinden mit eigenen Fotos zusätzlich belegt werden. Parallel sollte der Fall bei der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde angezeigt werden und Presse und Umweltverbände wie Landesjagdverband oder Deutsche Wildtierstiftung informiert werden.“

JAWINA: Was haben Ihre Anzeigen gebracht? Wurden die Täter ermittelt?

Bettina und Norbert Kern: Die Vorfälle sind Aktenkundig und haben ein Aktenzeichen. Täter wurden in allen Fällen nicht ermittelt und die Verfahren wurden eingestellt.

JAWINA: Wie könnte Ihrer Meinung nach vom z.B. Gesetzgeber  / von den Strafverfolgungsbehörden auf das Problem der illegalen Horstzerstörung  reagiert werden? Welche Lösungsmöglichkeiten sehen Sie, wie können Horste besser geschützt werden?

Bettina und Norbert Kern: Der Gesetzgeber könnte den Horstschutz von Greifvögeln und Störche erhöhen z. B. auf min. 15 Jahre, bzw. Dauerhafte Tabuzonen für Windenergieanlagen auf der Grundlage des „Helgoländer Papiers“ errichten. Eine flächendeckende Kartierung Kartierung muss veranlasst werden.

Es darf keine Aufweichung, sondern eine Verschärfung der Naturschutzgesetze geben (BNatschG §§44und 45). Bei relevanten Horsten sollte eine Wildtierkamera angebracht werden.

Die Fragen stellte Stephan Elison

3 Gedanken zu „Horstzerstörungen: „Dauerhafte Tabuzonen für Windenergieanlagen errichten“

  1. Wolfg. Frhr. v. Massenbach

    Wiederholt habe ich festgestellt, daß es eine Vielzahl von Gründen für die Aufgabe / Entfallen von Horsten gibt, u.a. auch ein Umzug der Vögel oder sonstige natürliche Ereigenisse, wie Wind + Sturm und die von Spezialisten genannten Ursachen häufig gebetsmühlenartig mit entsprechenden Scheuklappen erfolgen. Beim Roten Milan habe ich dagegen z.B, den Eindruck, daß der Bestand zugenommen hat. Meine Frau und ich sehen häufiger Rote Milane.

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    1. J. Fr.

      Ein Schelm der Böses denkt.
      So weit ich weiß, vermitteln Sie als Finanzdienstleister auch Anteile an Windenergieanlagen.

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