Hessen: Trichinenfund bei Wildschwein im Landkreis Gießen

Der Landesbetrieb Hessisches Landeslabor teilt mit, dass in der Trichinen- Untersuchungsstelle des Amtes für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Landkreises Gießen im Rahmen der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung ein Trichinellen-verdächtiges Wildschwein identifiziert wurde. Das etwa 43 Kilogramm schwere und am 22.04.2017 in Grünberg-Harbach erlegte Tier wurde daraufhin in die oben genannte Untersuchungsstelle verbracht.

Sowohl in der ursprünglichen, als auch in erneut entnommenen Proben des betroffenen Wildschweins konnte die anfängliche Verdachtsdiagnose eindeutig bestätigt werden. Sämtliche Proben wurden auch an das Nationale Referenzlabor für Trichinellen am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zwecks Bestätigung und weiterer Typisierung übersandt. Dort wurde der Befund erneut bestätigt. Die Trichinella- Larven wurden mittels PCR als T. pseudopiralis identifiziert.

Die in diesem Fallbericht dokumentierte  Trichinella-Infektion eines Wildschweins stellt ein seltenes Ereignis dar. Entsprechende Trichinellen-Funde liegen in dieser Region mehr als drei Jahrzehnte zurück. PM

Beitragsbild: Beitragsbild: Trichinenlarve. Quelle: Wikipedia

Ein Gedanke zu „Hessen: Trichinenfund bei Wildschwein im Landkreis Gießen

  1. Frank Martini

    Leider nicht ganz richtig – bislang hat es nach meiner Kenntnis in Hessen noch nie einen Befund auf Trichinella pseudospiralis gegeben.
    Erstmals in 2008 oder 2009 war ein solcher Befund bei einem Schwarzkittel im Osten der Republik festgestellt worden, der die Fachszene aufhorchen ließ. Es handelte sich um eine Mischinfektion der heimischen Nematodenart T. spiralis mit T. pseudospiralis – letztere galt auf dem Kontinent bislang nämlich als nicht vorkommende „Übersee-Trichine“. Seither wird nicht nur gerätselt, wie Pseudospiralis nach Deutschland gelangen konnte, sondern auch geforscht, welche Vektoren für eine Übertragung der Art in den kontinentalen Wildtierzyklus in Frage kommen könnten.

    Der Fund hatte seinerzeit das Verfahren der EU zur Harmonisierung der Lebensmittelgesetzgebung spürbar beeinflusst. Weil T. pseudospiralis nämlich im Gegensatz zu spiralis keine eingekapselten Larven hervorbringt, ist diese Unterart in der bei uns bis 2010 noch recht verbreiteten Quetschmethode so gut wie nicht auffindbar. Früher hatte man einfach haferkorngroße Fleischstückchen zur Untersuchung zwischen zwei starke Glasplatten gequetscht und untersucht – die Spiralis-Kapseln konnte man in der Faserstruktur des Fleisches unter trichinoskopischer Untersuchung immerhin mit einer Treffsicherheit von knapp 70 Prozent entdecken. Mit dieser Methode galten Pseudospiralis-Funde indes als unmöglich.

    Die EU-Kommission hatte dies veranlasst, in ihrer Verordnung 2075/2005 zur Amtlichen Trichinenuntersuchung das Magnetrührverfahren – eine Untersuchung, die auf künstlicher Verdauung basiert – als Standardverfahren für die Trichinenuntersuchung bis späetestens Ende 2009 als Standardmethode festzulegen und im Falle eines positiven Befundes die Übersendung von Rückstellproben an das nationale Referenzlabor zur genauen Artbestimmung verbindlich vorzuschreiben.

    Wie sehr sie mit dieser damals teils kritisierten Vorsicht richtig lagen, zeigt nun der neuerliche Fund. Er beweist, dass T.pseudospiralis sich in weniger als einem Jahrzehnt vom äußersten Osten der Republik in deren Mitte bewegt hat. Das lässt nicht nur vermuten, dass – zumindest auf dem Landweg – in Hessen verbreitete Neozoen wie der Waschbär als bodengebundene Infektionsvektoren – in Frage kommen. Es zeigt einmal mehr, wie unverzichtbar die amtliche Trichinenuntersuchung für alle infektionsanfälligen zum menschlichen Verzehr genutzten Wildtierarten ist.

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