Hessen: Verinselung sorgt für genetische Verarmung der Rotwild-Population

Das Rotwild ist die größte heimische Wildart und lebt im Rudel in großen Waldgebieten. Diese Rotwildgebiete sind häufig durch Bundesstraßen oder Autobahnen voneinander getrennt, ein genetischer Austausch ist somit unmöglich. Die Folge: Eine immer kleiner werdende genetische Basis und hohe Inzuchtgrade gefährden die Vielfalt des größten einheimischen Säugetieres und bringen einen Verlust von Gesundheit und Fitness mit sich.

Die nun vom Klinikum Veterinärmedizin im Arbeitskreis Wildbiologie der Universität Gießen veröffentlichten genetischen Untersuchungsergebnisse bestätigen die vom Landesjagdverband Hessen dokumentierte Situation zwischen den Rotwildgebieten. Die Wanderbewegungen des Rotwildes werden vom LJV anhand von Sichtbeobachtungen aber auch von erlegten Tieren seit Jahren genau registriert und dokumentiert.

In den jetzt veröffentlichten Studienergebnissen wurden in den fünf Rotwild-Hegegemeinschaften Krofdorfer Forst, Lahn-Bergland, Dill-Bergland, Nördlicher Vogelsberg und Hoher Vogelsberg Proben von insgesamt 278 Tieren analysiert und ausgewertet.

Darstellung der einzelnen Rotwildgebiete Hessens. Quelle: Becker/LJV

Auf der Achse Wetzlar-Gießen-A5/A45 zeigen die Ergebnisse eine Barriere, die den genetischen Austausch in erheblichem Maße unterbricht. Dies verfestigt die Forderung nach dem Bau einer Querungshilfe/Grünbrücke.

Auch dieses Projekt ist eingebettet in das landesweite „Monitoringkonzept Rotwild“, das der Landesjagdverband initiiert hat. Die eigene Dokumentation und die wissenschaftliche Studie der Veterinärmediziner bilden eine wichtige Grundlage für die Erstellung von Lebensraumkonzepte, die der LJV seit einigen Jahren erstellt.

Im Herbst 2017 konnte der LJV mit Finanzmitteln aus der Jagdabgabe und der Unterstützung der Rotwildhegegemeinschaften das landesweite Rotwild-Genetikprojekt in Gang setzen.

Aus nahezu allen Hegegemeinschaften werden noch bis zum Ende der Jagdzeit am 31. Januar Blut- und Gewebeproben gesammelt und zur Untersuchung an das Klinikum Veterinärmedizin gesendet. Erste Ergebnisse des landesweiten Monitorings werden im Spätsommer 2018 erwartet.

Beitragsbild: Kahlwild – Weibliches Stück Rotwild, Quelle: Horst Niesters/DJV

4 Gedanken zu „Hessen: Verinselung sorgt für genetische Verarmung der Rotwild-Population

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Ein ganz einfaches Mittel, der genetischen Isolation vorzubeugen wäre, die in der Brunft wandernden Hirsche nicht zu erlegen. Das würde auch bei der Beibehaltung der Einstandsgebiete funktionieren. Dennoch ist die Forderung nach Auflösung der Rotwildknäste aus Tierschutz- und populationsbiologischen Gründen nur zu berechtigt.

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  2. J.Körner

    Guter Denkansatz, leider haben wir in Schleswig-Holstein auch Sikawild, daß ja bekanntermaßen mit Rotwild fruchtbar bastardisiert.
    Sikawildtotalabschuss oder Bastadisierung tolerieren?

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  3. Grimbart

    Sikawild ist keine heimische Wildart. Damit ist doch eigentlich alles beantwortet. Hybriden sollten vermieden werden um heimische Arten zu schützen, oder?

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