Hessen: Gemeinsam gegen den Mähtod

Der Landesjagdverband Hessen hat am 19. April eine Expertenrunde nach Lich zum Runden Tisch „Jungwildrettung“ eingeladen. Gemeinsam wollen alle Beteiligten schon in dieser Mähsaison durch eine engere Zusammenarbeit noch mehr Rehkitze, Junghasen und Bodenbrüter vor dem Mähtod retten. Denn immer noch sterben jedes Jahr rund 90.000 Rehkitze unter dem Kreiselmäher, so schätzt die Deutsche Wildtierstiftung.

„Wichtig ist eine schnelle und reibungslose Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Der Jäger muss einige Tage vor dem Mähtermin informiert sein und kann dann den Einsatz mit den Helfern organisieren“, so Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann, Vize-Präsident des Landesjagdverbandes.

Am Vorabend vor den Mähtermin werden Scheuchen, Radios oder spezielle Wildwarnsysteme auf der Wiesenfläche platziert, die Muttertiere davon abhalten sollen ihren Nachwuchs auf dieser Wiese abzulegen oder sie aus der Wiese zu holen. Ungewohnte optische und akustische Signale werden auch von speziellen „Wildwarnern“ abgegeben, die im Handel verfügbar sind. Die Scheuchen dürfen allerdings nur kurz vor dem Mähen eingesetzt werden, da sich das Wild sonst schnell daran gewöhnt. Auch kann der Landwirt bereits am Vorabend einen Streifen anmähen, damit das Wild die Gefahr rechtzeitig erkennt und über Nacht flüchtet.

Bevor der Landwirt dann am nächsten Morgen mit dem Mähen beginnt, kommen die Helfer evtl. sogar mit technischer Unterstützung aus der Luft zum Einsatz und suchen aktiv die oft mehrere Hektar großen Wiesen ab. Mit modernen Wärmebildkameras ausgestattet, können Flugdrohnen aus bis zu hundert Metern Höhe ein Kitz sicher erkennen. Die Kameras sind heute so sensibel, dass der Einsatz auch an sehr warmen und sonnigen Tagen möglich ist. Zeigt sich ein Kitz auf dem Monitor oder findet einer der Helfer mit oder ohne Hund ein Kitz, wird es mit Handschuhen und auf einem Grasbüschel aus der Wiese getragen. Dabei bekommen die Jäger auch Unterstützung von Kitzrettungsstationen.

Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz einer „Schallkanone“ direkt am Mähwerk, die durch einen lauten Warnton die Muttertiere zur Flucht veranlasst. Dort wo das Muttertier aufsteht, ist in den meisten Fällen auch das Kitz abgelegt und kann so schneller aufgefunden werden.

Besonders wichtig ist es, dass nach der Suche – egal ob zu Fuß oder aus der Luft – unmittelbar mit dem Mähen begonnen wird. Vergeht auch nur eine Stunde, kann es sein, dass die Ricke bereits wieder ein Kitz in das sicher geglaubte Gras ablegt.

Der Landwirt mäht am besten von innen nach außen, um den Tieren noch eine Flucht in die Randbereiche zu ermöglichen. Denn die scheuen Tiere gehen ungern tagsüber über offene Flächen.

Die Jägerinnen und Jäger sind sich sicher, so in diesem Jahr noch mehr Kitze vor dem Mähtod retten zu können und begrüßen die Unterstützung durch freiwillige Helfer, die sich dem Tierschutz verpflichtet fühlen.

Die Jäger weisen darauf hin, dass Jungtiere häufig in hohem Gras abgelegt werden. Das sei ein normales und natürliches Verhalten. Deshalb sollten Jungtiere an Tagen, an denen nicht gemäht wird, auf keinen Fall berührt oder weggetragen werden. PM

Beitragsbild: Vorsichtig wird das Kitz aus der Wiese getragen. Es soll dabei keine menschliche Witterung annehmen. Foto: Markus Stifter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.