Handlungsempfehlungen zum Umgang mit dem Wolf des BfN – zum Nachlesen

Der vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) in der (vom BfN herausgegebenen) Zeitschrift Natur & Landschaft veröffentlichte Auszug aus den Handlungsempfehlungen des BfN dür den Umgang mit dem Wolf hat für Empörung gesorgt. Dies liegt nicht nur am Inhalt – der Deutsche Jagdverband (DJV) kritisierte die „naive Herangehensweise“ und „kritiklose Grundhaltung“ des BfN im Umgang mit dem Wolf – sondern auch am Zeitpunkt der Veröffentlichung, wenige Tage vor dem Umweltministerkonferenz, auf der das Thema Wolf zwischen Bund und Ländern  abgestimmt werden sollte.

Wir stellen den Auszug aus den Handlungsempfehlungen, wie sie in Natur & Landschaft unter dem Titel „Wolfsverhalten – Einschätzung und Handlungsempfehlungen für das Management“ veröffentlicht wurden, zum Nachlesen bereit. SE

„Wolfsverhalten – Einschätzung und Handlungsempfehlungen für das Management“, veröffentlicht in Natur und Landschaft, S. 1, Copyright: BfN

„Wolfsverhalten – Einschätzung und Handlungsempfehlungen für das Management“, S. 2, Copyright: BfN

Interessierten JAWINA-Lesern stellen wir den Text auf Nachfrage als besser lesbares PDF zur Verfügung.

Beitragsbild: Titel des Beitrags „Wolfsverhalten – Einschätzung und Handlungsempfehlungen für das Management“ in Natur und Landschaft. Quelle: BfN

6 Gedanken zu „Handlungsempfehlungen zum Umgang mit dem Wolf des BfN – zum Nachlesen

  1. Ralf

    Bestünde die Möglichkeit, die beiden Seiten nochmal seitenbreite-füllend abzubilden? Die Buchstaben lassen sich schwer entziffern.
    (Kommentar muss nicht abgebildet werden)

    Antworten
  2. Ralf

    Ich habe den Inhalt der Seite mal durch „Copy and paste“ eingefügt- zum besseren Lesen 😉

    „Wolfsverhalten – Einschätzung
    und Handlungsempfehlungen
    für das Management
    Die Rückkehr des Wolfs nach Deutsch- von
    land ist ein Erfolg des Naturschutzes. Ver
    Gleichzeitig stellt sie eine Herausforde- ein
    rung dar – zum einen in Hinblick auf gru
    Zielkonflikte im Naturschutz, wie etwa Ch
    die Gewährleistung der offenen Weide- auc
    tierhaltung, zum anderen wird der Wolf DB
    von manchen Menschen als Bedrohung Wöl
    wahrgenommen. Die sachliche Auseinandersetzung
    mit der z. T. sehr emotional
    geprägten Thematik erfordert Entscheidungen,
    die auf wissenschaftlich fundierten
    Grundlagen und Fakten basieren. Für
    so genannte auffällige Wölfe, deren Verhalten
    scheinbar außerhalb der Bandbreite
    des normalen Wolfsverhaltens liegt,
    sind Empfehlungen für eine sachgerechte
    Einschätzung von Wolfsverhalten sowie
    daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen
    von großer Bedeutung.
    Im Jahr 2008 wurde das vom BfN mit
    Mitteln des BMUB geförderte F + E-Vorhaben
    „Grundlagen für Managementkonzepte
    für die Rückkehr von Großraubtieren
    – Rahmenplan Wolf“ (FKZ 3507 86
    040) in Auftrag gegeben. Hierbei lag ein
    Fokus auf der Bewertung von Problemindividuen
    bei Bär, Wolf und Luchs sowie
    auf den Empfehlungen zum Umgang mit
    solchen Individuen. Mehrere Bundesländer
    haben daraus Teilelemente mit Bezug
    auf auffällige Wölfe in ihre Wolfsmanagementpläne
    integriert. Inzwischen erfolgte
    eine Aktualisierung der Empfehlungen
    sowie des Handlungsleitfadens durch
    die Dokumentations- und Beratungsstelle
    des Bundes zum Wolf (DBBW). Die
    DBBW wurde im Frühjahr 2016 auf Bitte
    der Länder um fachliche Unterstützung
    zum Thema Wolf vom BfN mit Mitteln
    des BMUB eingerichtet. Neben dem Zusammenführen
    der im Wolfsmonitoring
    erhobenen Daten berät und unterstützt
    die DBBW die Bundesländer auch beim
    Umgang mit auffälligen Wölfen. Das
    durch die DBBW überarbeitete Konzept
    „Empfehlungen zum Umgang mit auffälligen
    Wölfen“ wurde im Austausch
    mit internationalen Wissenschaftlerinnen
    und Wissenschaftlern erstellt und wird
    im November 2017 im Rahmen einer
    Pressekonferenz veröffentlicht.
    Die folgenden Empfehlungen sind ein
    Auszug aus dem umfangreichen Konzept
    zum Umgang mit auffälligen Wölfen
    der DBBW. Hierbei steht die Sicherheit anzumerken, dass Wölfe Menschen in
    , Kraftfahrzeugen nicht wahrnehmen und
    – dadurch viele Beobachtungen auf kürzere
    Distanzen aus Kraftfahrzeugen möglich
    geworden sind. Die hier genannten Ver-
    – haltensweisen sind alle in Bezug auf den
    Menschen als ungefährliches und nicht
    problematisches Verhalten einzustufen
    – (Abb. Teil A). Auch das bisher seltene
    Auftreten von Wölfen in Siedlungen bei
    – Tag stellt kein problematisches Verhalten
    dar, sofern dies nur in Einzelfällen beobachtet
    wird. Daher besteht bei diesen
    Verhaltensweisen kein Handlungsbedarf.
    Wolfsindividuen, die Herdenschutzmaß-
    – nahmen überwinden und Weidetiere reißen,
    sind in Bezug auf die Gefährlichkeit
    für Menschen nicht anders zu bewerten
    der Bevölkerung immer an erster Stelle
    daher werden im Folgenden Einschät
    zungen des Wolfsverhaltens in Bezug
    auf die Sicherheit des Menschen sowie
    Empfehlungen für den Umgang mit Wöl
    fen gegeben, die ein auffälliges Verhalten
    zeigen. Zunächst ist festzuhalten, dass die
    Anzahl dokumentierter Wölfe mit auffäl
    ligem Verhalten gegenüber Menschen
    in Deutschland sehr gering ist. Zusätz
    lich muss berücksichtigt werden, dass
    es die so genannte „natürliche Scheu“
    Wildtieren nicht gibt, sondern dem
    halten des einzelnen Tieres vielmehr
    individuelles Risikomanagement zu
    nde liegt. Aufgrund der individuellen
    araktereigenschaften der Tiere kann
    h das Konzept der
    BW zu auffälligen
    fen keine pauschal
    anzuwendende Handlungsvorlage
    sein. Daher
    wird empfohlen,
    dass jeder Fall, in dem
    auffälliges Wolfsverhalten
    an die entsprechenden
    Behörden gemeldet
    wird, im Einzelnen
    durch Expertinnen
    und Experten
    geprüft und analysiert
    werden soll. Auf
    Grund der bisher sehr
    niedrigen Anzahl an
    Wölfen mit auffälligem
    Verhalten in Deutschland
    sollte in jede
    Einzelfallbetrachtung
    zusätzlich beratend
    die DBBW eingebunden
    werden. Im ersten
    Schritt muss die Über- Einschätzung von
    prüfung des auffäl- empfehlungen (ho
    ligen Verhaltens auf Umgang mit auffällig
    Sicherheitsrelevanz für
    den Menschen stehen. Exemplarisch als andere Wölfe, die keine Nutztiere töten.
    Die Thematik der offenen Weidetierhaltung
    in Bezug auf den Wolf wurde seitens
    des BfN in der vorherigen Ausgabe
    von „Natur und Landschaft“ 9/10-2017
    behandelt (Rubriken, S. 464 – 465). Bisherige
    Erfahrungen in Deutschland zeigen,
    dass Wölfe sich in verschiedenen Situationen
    meist durch Händeklatschen und
    lautes Rufen von Nutztierrissen abhalten
    ließen. In keinem Fall zeigten die Wölfe
    in solchen Fällen jedenfalls ein Verhalten,
    das gegenüber dem Menschen als kritisch
    zu bewerten ist.
    werden nachfolgend verschiedene Verhaltensmuster
    von Wölfen angeführt, die
    eine bestimmte Reaktion erfordern oder
    nicht. Die Einschätzung des Verhaltens
    sowie die empfohlenen Maßnahmen werden
    in der Abbildung und nachfolgend
    dargestellt.
    Ungefährliches Verhalten
    von Wölfen
    Läuft etwa ein Wolf bei Tag in Sichtweite
    von Ortschaften oder Einzelgehöften
    oder bei Nacht direkt an Ortschaften
    vorbei oder durch diese hindurch, besteht
    beispielsweise kein Handlungsbedarf.
    Dies gilt auch für Wölfe, die nicht
    sofort beim Anblick von Menschen und
    Autos flüchten, sondern zunächst stehen
    bleiben und beobachten. Hierbei ist
    Wolfsverhalten,
    das Aufmerksamkeit verlangt
    Wird ein Wolf mehrfach in einer Entfernung
    von weniger als 30 m von bewohnten
    Häusern über einen längeren Zeit-
    Wolfsverhalten (vertikal) und Managementrizontal).
    (Quelle: Konzept „Empfehlungen zum
    en Wölfen“, DBBW 2017)
    — 92. Jahrgang (2017) — Heft 11 517
    Neues aus dem Bundesamt für Naturschutz
    raum gesehen, muss die Situation ge-nau untersucht werden. Hierbei ist vor Ort nach Anreizen zu suchen, wie etwa Futterquellen. In einem nächsten Schritt sind diese Anreize zu entfernen (Abb. Teil B). Eine umfassende und offene In-formation der Bevölkerung vor Ort über die Situation, über mögliche Ursachen des auffälligen Wolfsverhaltens und über die geplanten Managementmaß-nahmen wird empfohlen. So könnte bei-spielsweise bei beabsichtigter oder unbe-absichtigter Fütterung als Auslöser des Wolfsverhaltens das Management durch eine intensivierte Öffentlichkeitsarbeit auf die Risiken der Anfütterung von Wildtieren im Allgemeinen und Wölfen im Speziellen aufmerksam machen. Auf Fütterung konditionierte Wölfe interes-sieren sich für Menschen, sodass daraus u. U. eine gefährliche Situation entstehen könnte und Verletzungen von Menschen nicht ausgeschlossen werden können. Falls ein Wolf sich Menschen mehrfach auf weniger als 30 m Entfernung nähert und sich augenscheinlich für Menschen interessiert, stellt dies ein kritisches Ver-halten des Wolfs dar (Abb. Teil C). Dieser Wolf muss, wenn möglich, sofort besen-dert und vergrämt werden. Führen diese Maßnahmen zu keinem Erfolg, wird ein Abschuss empfohlen.
    Gefährliches Wolfsverhalten
    Zeigt ein Wolf ein aggressives Verhalten gegenüber Menschen ohne vorhergehen-de Provokation, muss dieser aufgrund dieses gefährlichen Verhaltens sofort ge-tötet werden (Abb. Teil D). Wie bei dieser und allen o. g. Managementempfehlun-gen steht die Sicherheit des Menschen an erster Stelle.Eine generelle Bejagung von Wölfen würde das Auftreten problematischerWölfe nicht verhindern. Einem proble-matischen Verhalten liegen i. d. R. indivi-duelle positive Erfahrungen eines Wolfs mit Menschen zugrunde, wie etwa durch beabsichtigtes oder unbeabsichtigtes An-füttern. Aufgrund des individuellen Risi-komanagements des Wolfs kann es keine pauschal anzuwendenden Bewertungs- und Handlungsvorlagen zu problemati-schem Wolfsverhalten geben. Wichtig ist daher, dass alle Vorkommnisse mit Wöl-fen, die ein auffälliges Verhalten zeigen, im Rahmen des Monitorings gemeldet und geprüft werden. Eine Liste der An-sprechpersonen in den Bundesländern findet sich auf der Homepage der DBBW
    (http://www.dbb-wolf.de).
    Für die Be-völkerung ist es von großer Bedeutung zu wissen, welches Verhalten von Wölfen in unserer Kulturlandschaft normal und unproblematisch für die Sicherheit des Menschen ist. Daher ist die Aufklärungs-
    arbeit eine zentrale sowie andauernde Aufgabe und ein wichtiger Schritt, um das konfliktarme, sichere Nebeneinander von Mensch und Wolf in Zukunft zu er-
    möglichen.
    Tagung „Naturschutz für alle – Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund und Flüchtlinge“
    Menschen mit Migrationshintergrundund Geflüchtete sind bislang im Natur-schutz im Allgemeinen unterrepräsen-tiert – sowohl in der Mitgliedschaft in Verbänden und Vereinen als auch bei der aktiven Gestaltung von Naturschutzakti-vitäten. Dabei richtet sich Naturschutz in einer offenen und demokratischen Gesell-schaft mit seinen Anliegen und Angebo-ten an alle Bürgerinnen und Bürger und setzt auch auf Integration und Teilhabe
    von Menschen und Gruppen, die bislang durch Naturschutzkommunikation nur eingeschränkt erreicht wurden. Er leis-tet damit über die Naturschutzarbeit im engeren Sinne hinaus einen wichtigen Beitrag für den Zusammenhalt und die Teilhabe an der Gesellschaft.Die Tagung „Naturschutz für alle – Angebote für Menschen mit Migrations-hintergrund und Flüchtlinge“ fand vom 27. bis 30. Juni 2017 an der Internationa-len Naturschutzakademie Insel Vilm des Bundesamtes für Naturschutz statt. Sie zielte im Rahmen des F + E-Vorhabens „Naturschutz: einladend – sozial – inte-grativ“ insbesondere darauf ab, Initiati-ven und Akteure verstärkt miteinander zu vernetzen und zu erreichen, dass sich der Naturschutz interkulturell stärker öffnet. Anzustreben ist die erweiterte Berücksichtigung einer entsprechenden Perspektive in der Ausgestaltung von Projekten.Darüber hinaus sollte der praktische Erfahrungs- und Wissensaustausch zwi-schen Vertreterinnen und Vertretern des Naturschutzes und der Integrationspo-
    litik bzw. -arbeit gefördert werden. Um einen direkten Austausch von Wünschen und Erfahrungen zu ermöglichen, richte-te sich die Tagung besonders an Teilneh-merinnen und Teilnehmer mit Migrati-onshintergrund oder Fluchterfahrung. Die Begegnung mit geflüchteten Men-schen muss im Naturschutz auf Augen-höhe geschehen und ist von gegenseiti-gem Respekt getragen.Die Arbeit im Naturschutz und die Umweltbildung eignen sich in besonde-rem Maße für die Integration von Men-schen mit Migrationshintergrund und geflüchteten Menschen:
    ●●Niedrigschwellige Angebote für alle Altersgruppen und sozialen Schich-ten werden geschaffen. Auf diese Weise werden soziale Kontakte sowie Spracherwerb und Sprachentwick-lung gefördert.●●Es wird dazu beigetragen, Land und Leute sowie Werte und Normen ken-nenzulernen und eine emotionale Bin-dung an die Region zu entwickeln.Gerade wenn die eigene Migrationser-fahrung noch nicht lange zurückliegt, erweisen sich die Handlungsfelder von Naturschutz und Umweltbildung als in-tegrationsförderlich:●●Betätigungsfelder und Möglichkeiten einer sinnvollen Beschäftigung wer-den gefunden. Perspektiven für die berufliche Qualifizierung und Kom-petenzerweiterung, z. B. durch den Zugang zu „Grünen Berufen“, werden angeboten.●●Im Umgang mit der Natur können Ängste und Stress abgebaut sowie Erholung und Beruhigung gefunden werden.●●Die positive Auseinandersetzung mit der Natur vermittelt Glücksgefühle und kann die Selbstwirksamkeit, die Selbstachtung und das Selbstbewusst-sein stärken.●●Über den Naturschutz kann zu Ge-fährlichem und Ungefährlichem in der deutschen Natur (z. B. über Pilze, Schlangen) informiert werden.Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und geflüchteten Menschen im Naturschutz und in der Umweltbildung leistet einen wichtigen Beitrag zu einer positiven gesellschaftli-chen Entwicklung in Deutschland:●●Die Akzeptanz des Naturschutzes in der Gesellschaft wird gestärkt.●●Aus der Sichtweise, den Werten und dem Umgang mit der Natur in den Herkunftsländern kann die Gesell-schaft in Deutschland lernen, globale Zusammenhänge besser zu verstehen.
    BfN
    Kinder mit Migrationshintergrund lernen Naturbegriffe in deutscher Sprache. (Foto: NABU-Naturschutzstation Münsterland e. V.)

    Antworten
    1. Kr.-Itisch

      Unter Jamaika wird das Umweltministerium mit Sicherheit „Grün“. Glaubst Du, dann wird’s besser. Wahrscheinlich schlimmer

      Antworten

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