Gesetzesentwurf zum Umgang mit invasiven Arten – massive Eingriffe ins Jagdrecht geplant

„Dritte“ sollen invasive Arten in den Jagdrevieren bekämpfen

Ein von der Bundesregierung vorgelegter Gesetzesentwurf (Deutscher Bundestag, Drucksache 18/11942) „zur Durchführung der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten“ birgt erhebliche Sprengkraft für Jagd und Jäger:  Das Gesetz „zielt auf die Prävention, Minimierung und Abschwächung der nachteiligen Auswirkungen der vorsätzlichen wie der nicht vorsätzlichen Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten auf die Biodiversität in der Union“, heißt es in Abschnitt A. Erreicht werden soll dies durch mit Änderungen im Bundesnaturschutzgesetz und im Bundesjagdgesetz, die weitgehende Zuständigkeits- und Eingriffsregelungen enthalten.

Die für Jäger gewichtigsten Punkte sind in Artikel 3, „Änderung des Bundesjagdgesetzes“ (S. 15 des verlinkten Gesetzesentwurfs) enthalten.

Dort heißt es unter 2.:

„Dem Jagdausübungsberechtigten ist mit dessen Zustimmung für den Jagdbezirk, in dem er die  Jagd  ausüben  darf, die Durchführung von Management- oder Beseitigungsmaßnahmen, die nach § 40e Absatz 2 Halbsatz 1 Bundesnaturschutzgesetz festgelegt worden sind, von der nach Landesrecht für Jagd zuständigen Behörde ganz oder teilweise zu übertragen oder die Mitwirkung an der Durchführung der Maßnahmen aufzuerlegen, soweit die Durchführung der Maßnahmen im Rahmen der Jagdausübung mit zulässigen jagdlichen Methoden und Mitteln möglich, zumutbar und wirksam ist. Eine Erstattung von Kosten und Auslagen, die bei der Durchführung der Managementmaßnahmen nach Satz 1 entstehen, findet nicht statt.“

Dem Jäger kann also die Beseitigung invasiver Arten übergeholfen werden, ohne dass er dafür entschädigt wird. Dafür ist seine Zustimmung erforderlich, doch der folgende Absatz regelt, was passieren soll, wenn der Jäger nicht zustimmt – oder die entsprechenden Maßnahmen gleich anderen übertragen werden:

„Soweit die Durchführung von Managementmaßnahmen nach Absatz 1 nicht dem Jagdausübungsberechtigten überlassen wird, oder soweit dieser die ihm übertragenen Maßnahmen oder die Mitwirkung daran nicht oder nicht ordnungsgemäß ausführt, trifft die nach Landesrecht für Jagd zuständige Behörde nach Anhörung des Jagdausübungsberechtigen die notwendigen Anordnungen; sie kann insbesondere die Durchführung der Maßnahmen übernehmen oder einen Dritten mit deren Durchführung beauftragen. In Fällen des Satzes 1 hat der Jagdausübungsberechtigte die Durchführung der Maßnahmen zu dulden; sein Jagdrecht bleibt unberührt.“ [Hervorhebungen durch red.]

Dies könnte also bedeuten, dass die zuständige Behörde zum Beispiel Beauftragten der einschlägig bekannten Naturschutzorganisationen oder kommerziell tätigen Invasorenbekämpfern die  „Beseitigung“ von Waschbär, Marderhund und Co. in Jagdrevier X mit Falle und Flinte überträgt. Der Jagdpächter hätte das brav zu dulden… SE

Beitragsbild: Waschbär-Porträt. Autor: Quartl, Quelle: Wikipedia. Veröffentlicht unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported Lizenz.

9 Gedanken zu „Gesetzesentwurf zum Umgang mit invasiven Arten – massive Eingriffe ins Jagdrecht geplant

  1. Werner Rehwald

    So lange meine Mitjäger und ich deutlich mehr als 30 Waschbären auf ca. 270 ha fangen und mit der Büchse erlegen, brauche ich keine Jagdamateure die mir etwas beibringen können.

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  2. Marco Bergmann

    Danke für die Schilderung des Sachverhalts. Dass Jäger nicht für die Beseitigung von IAS entschädigt werden sollen, sondern diese Mammutaufgabe einfach so ohne Weiteres auf sie übertragen wird, empfinde ich als außenstehender Nicht-Jäger schon sehr fragwürdig.

    Wo aber genau liegt das Problem, wenn sich Dritte um diese Aufgabe kümmern, wenn Jäger sie ablehnen?
    Das ist für mich in diesem Artikel leider nicht deutlich genug hervorgegangen.
    Besteht die Sorge, dass dadurch auch andere Tiere im Revier gefangen/dezimiert/beunruhigt werden?

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    1. admin Beitragsautor

      Genau. Es dürfte für die meisten Jäger/Jagdpächter, die üblicherweise viel Geld für das Jagdrecht in einem bestimmten Gebiet bezahlen, eine ziemliche Horrorvorstellung sein, dass andere da invasive Arten bekämpfen, möglicherweise ohne auf störungsempfindliches Wild (z.B. Rotwild) große Rücksicht zu nehmen. Das würde geringeren oder ganz ausbleibenden Jagderfolg und evtl. höhere Wildschäden zur Folge haben, was sich beides nicht nur unmittelbar finanziell nachteilig auswirkt, sondern auch ziemlich frustrierend wäre.
      Außerdem unterliegen einige der invasiven Arten wie Marderhund oder Waschbär bereits dem Jagdrecht, Dritte mit deren Bekämpfung zu beauftragen würde also einen Eingriff in das Recht des Jagdpächters darstellen. Und wer lässt sich schon gern enteignen…

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    2. T. Specht

      Hinzu kommt doch auch, dass sich die „Manager der invasiven Arten“ aller Vorausssicht nach der Fallenjagd bedienen werden müssen um ihrem „Management-Auftrag“ nachzukommen – doch genau diese Jagdart ist von diesen „Naturschützern“ in den letzten Jahren mehr und mehr verurteilt/beschnitten/verboten worden…!!!

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      1. Lars

        Nö. Der BUND und der NABU bedienen sich auf ihren eigenen Flächen dieser Jagdart. Das nennt sich dann Prädatorenmanagement und dient im wesentlichen nur dazu den Jägern alle Wildarten aus dem Jagdrecht zu nehmen – Schalenwild ausgenommen.

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  3. Laerchenwald

    Moin,

    so lange die Gesetzgebung auf der anderen Seite in den Landesjagdgesetzen für genau die hier gemeinten Arten umfangreiche Schonzeiten ausruft, führt sie sich selbst ad absurdum.

    Gruß aus Nordhessen

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  4. ahe

    Ich kann mich erinnern das in diversen staatlichen Revieren sowie auf sogenannten NNE Flächen (ehemals Bund) die Bejagung bislang ausdrücklich, insb. auf Drückjagden,
    untersagt wurde. Wie läuft das in Zukunft, züchten die NNE Verantwortlichen seitens Frau Hendricks in Zukunft die Invasoren weiter um Sie dann auf Kosten
    der Privatreviere entsorgen zu lassen? NABU, DBU und Co. sahen bislang in deren Ausbreitung kein Problem. Der Bund verschenkt weiter fleissig seine Flächen an Waschbärfreunde und die Privatleute dürfen dann blechen. Sehr gut.

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